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Lexikon

Affekt
Essentieller Tremor
Hemmung
Humor
Kriesenpsychologie
Kindesmisshandlung
Neurose
Panikattacke
Phobie, soziale +vermeidende PS
Psychose
Schamgefühl
Sexueller Missbrauch, Bewältigungsstrategien
Schüchternheit

Schuldgefühl
SelbstkontrolleSelbstbeobachtung
Selbstbewusstsein
SelbstkonzeptSelbstsicherheit
Selbstvertrauen
Selbstwertgefühl
Seelische Gewalt
Sozialerziehung
Soziale Kompetenz
Trauer: -arbeit, -bewältigung
•Traumatabewältigung: siehe Link
Zwangsstörung
Begriffe aus Berufsbeschreibungen:
Psychische Stabilität
Kontaktfähigkeit
Einfühlungsvermögen
Beherrschtheit, Selbstkontrolle
Planvolle, systematische Arbeitsweise
Neurovegetative Belastbarkeit
Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit
Zuverlässigkeit
Verantwortungsbewußtsein
Kenntnisse und Fertigkeiten

 

A-Z

Affekt: intensiver, reaktiver und vergleichsweise kurzzeitiger Erregungszustand, bei dem alle seelischen Funktionen, die Motorik und Teile des vegetativen Nervensystems beteiligt sind (u.a. Veränderung von Atmung, Kreislauf, Verdauung; Erscheinungen wie Schwitzen, Erröten oder Erblassen, Tränenausbruch). Im Affektzustand sind Urteilskraft, Kritikfähigkeit und Einsicht gemindert oder fehlen ganz; das Handeln wird durch die Art der erlebten (positiven wie negativen) Gefühle bestimmt.
Affektauslösend ist nicht nur eine reale Situation. Oft genügt schon die lebhafte Vorstellung eines früher empfundenen Affektzustandes oder auch ein mit der tatsächlichen Situation nur zufällig verbundener Eindruck.

Essentieller Tremor: Dies ist eine neurologische, d.h. eine organische Bewegungsstörung und führt zu ungewollten Zittern von Händen, dem Kopf oder den Beinen. Aufgaben, die eine feine Motorik erfordern, bereiten Schwierigkeiten, z.B. ein Glass Wasser zu halten oder zu essen. Das Zittern führt zu psychosozialen Problemen. Der Betroffene versucht sein Zittern zu verbergen. Schwierige Situationen bereiten ihm evtl. Angst. Es kann zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten und sogar zur sozialen Phobie kommen. Viele Betroffene erreichen durch die Einnahme von Beta-Blockern eine Linderung der Symptome. (Tipp: Beta-Blocker dürfen nicht von einen auf den anderen Tag abgesetzt werden. Dies kann aus unserer Erfahrung z.B. zu Migräne führen.)

Hemmung: In der Psychologie bezeichnet man als Hemmung v.a. eine Störung des Antriebs durch psychischen Widerstand, der emotionaler Art sein kann oder moralische beziehungsweise ethische Gründe hat (z.B. Forderungen des Über-Ich). Die bewusste Hemmung richtet sich besonders gegen Triebe beziehungsweise Instinkte und Instinkthandlungen. Die unbewusste Hemmung wird meist durch Verdrängung oder durch gleichzeitig einander entgegengesetzte Bewusstseinsimpulse oder durch Unstimmigkeiten im Zusammenspiel von endogen produzierter aktionsspezifischer Energie und Auslösern beziehungsweise Schlüsselreizen (Konflikt) verursacht. In der Tiefenpsychologie wird der Begriff Hemmung von S.Freud schon in seinen Frühwerken für die Folge psychischer Konflikte verwendet. Im Sprachgebrauch der Psychiatrie versteht man unter Hemmung die Verzögerung der Antriebsfunktionen und damit aller assoziativen, sensorischen und motorischen Leistungen (Gehemmtheit). Oft ist Hemmung mit gedrückter Stimmungslage beziehungsweise Depression verknüpft und wird unter Umständen bis zur Attonität (Regungslosigkeit des Körpers bei erhaltenem Bewusstsein) gesteigert; dies wird auch als Sperrung bezeichnet. Siehe auch Gedächtnishemmungen.

Humor
Witz, Ironie, Treppenwitz, Spott, Hohn, Sarkasmus, Zynismus · bitterer, verzweifelter: Galgenhumor · makabrer: schwarzer Humor

  • spöttisch spitz, beißend, bissig, scharf, schnippisch, mokant, patzig (abwertend), schnodderig (abwertend), anzüglich, höhnisch, ironisch, bitter, gallig, scharfzüngig, kalt, sarkastisch, zynisch; beleidigend, böse, frech, geharnischt, schadenfroh, streitbar, unhöflich; spöttisch sein, Spitzen verteilen, Giftpfeile abschießen, sticheln, spötteln; Spitze.
  • Sarkasmus [griechisch, zu sarkázein »zerfleischen«] der, beißender, verletzender Spott, Hohn.
  • Satire Karikatur, Persiflage, Spottgedicht · Travestie, Parodie
  • Zynismus [von Kyniker] der, destruktive Kritik, Missachtung und Verhöhnung von Gefühlen; radikale Infragestellung aller Wahrheiten, Wertbindungen, Wertordnungen und Normen.
  • Galgenhumor der: gespielter Humor, eine Art von vorgetäuschter Heiterkeit, mit der jmd. einer unangenehmen od. verzweifelten Lage, in der er sich befindet, zu begegnen sucht


Kindesmisshandlung:

1. im weiteren Sinn jede körperliche oder seelische Schädigung eines Kindes. Im engeren Sinn die Schädigung eines Kindes durch Personen, die in einem besonderen Maße zur Sorge eines Kindes verpflichtet sind, als Eltern, Verwandte, Erziehungsberechtigte, Lehrer, usw. Noch bis in unser Jahrhundert hinein existierte ein besonderes »Züchtigungsrecht« gegenüber Kindern, das eine Bewertung oder Hilfe von außen nahezu ausschloss: Kindesmisshandlung wurde rechtlich und moralisch als Privatangelegenheit betrachtet. Heute gilt der Grundsatz, dass bei Eltern, Erziehern und Personen in vergleichbarer Stellung eine besondere Verpflichtung dem Kind gegenüber vorliegt. Kinder sind auf deren Sorge, Unterstützung und Hilfe angewiesen. Deshalb steht heute der Schutz von Kindern auch vor diesem Personenkreis im Vordergrund. Der Deutsche Kinderschutzbund nimmt an, »dass über 10% aller Kinder in Deutschland schweren körperlichen Züchtigungen ausgesetzt sind«. Das sind über 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche. Die Kindesmisshandlung kann körperlich oder seelisch sein oder auch durch ein Unterlassen begangen werden. Körperliche Kindesmisshandlung liegt vor, wenn einem Kind vorsätzlich Schmerzen (z.B. durch Schläge) oder Verletzungen zugefügt werden, aber auch, wenn Krankheiten nicht behandelt werden oder das Kind länger nichts zu essen oder trinken erhält. Seelische Kindesmisshandlung sind Demütigung, Isolierung oder das unnötige Ängstigen, Herabsetzen oder Missachten von Kindern, sowie dauernde Über- oder Unterforderung. Seelische Kindesmisshandlung ist wohl die häufigste Form von Kindesmisshandlung. Sie ist immer auch in körperlicher Misshandlung enthalten. Sie wiegt deshalb so schwer, weil gerade diejenigen Personen, denen ein Kind vertraut und bei denen es Schutz sucht, diese Grundlage zerstören. Kindesmisshandlung gibt es auch in Form von sexuellem Missbrauch.
Häufig ist die Familie der Ort, an dem Kinder geschlagen, gedemütigt und sexuell missbraucht werden. Eltern, die ihre Kinder körperlich oder seelisch missbrauchen, sind fast immer mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, z.B. weil sie persönliche, finanzielle oder berufliche Probleme oder Schwierigkeiten mit dem Partner haben. Es kommt vor allem dann zu Gewalttaten gegenüber Kindern, wenn die Eltern ihnen die Schuld an der eigenen Unzufriedenheit und den eigenen Problemen geben. Viele Eltern, die ihre Kinder körperlich oder seelisch misshandeln, sind selbst als Kinder geschlagen und gedemütigt worden und kaum in der Lage, Spannungen auszuhalten und Konflikte ohne Gewaltanwendung auszutragen. Neben Ursachen, die in der Familie selbst liegen, werden heute auch gesellschaftliche Faktoren wie Isoliertheit und Anonymität der Familie in der Gesellschaft, milieubedingte Einflüsse, allgemeine Kinderfeindlichkeit, strenge Erziehungsmethoden und familienspezifische Entwicklungen diskutiert. Kinder, die misshandelt werden, haben oft Angst davor, sich jemandem anzuvertrauen oder darüber zu sprechen. Sie befürchten weitere Misshandlungen, erwarten, dass man ihnen nicht glauben würde, oder versuchen, den »Ruf« der Familie oder des Täters zu schützen. Manchmal weiß man auch nur nicht, an wen man sich wenden kann. Dies gilt auch für Freunde, Freundinnen oder Nachbarn, die Kindesmisshandlung bemerken. Grundsätzlich kann man sich an jeden wenden, der mit dem oder der Betroffenen zu tun hat, also an einen Lehrer, eine Kindergärtnerin, einen Pfarrer oder einen Sozialarbeiter. In größeren Städten existieren spezielle Beratungstelefone und Gruppen, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen. Man kann sich aber auch direkt an das Jugendamt, den Kinderschutzbund oder an die Polizei wenden. In allen diesen Stellen arbeiten Frauen und Männer, die Erfahrung mit Kindesmisshandlung haben und helfen können.

2.'Kindesmisshandlung ist eine nicht zufällige (bewusste oder unbewusste) gewaltsame körperliche und/oder seelische Schädigung, die in Familien oder Institutionen (z. B. Kindergärten, Schulen, Heimen) geschieht, und die zu Verletzungen, Entwicklungsverzögerungen oder sogar zum Tode führt, und die somit das Wohl und die Rechte eines Kindes beeinträchtigt oder bedroht.' Diese Definition wird auch vom deutschen Bundestag verwendet, selbst wenn sie nicht mit den entsprechenden strafrechtlichen Definitionen übereinstimmt. Gewalt gegen Mädchen und Jungen kann folgende Formen annehmen: Körperliche Gewalt, seelische Gewalt, Vernachlässigung und sexualisierte Gewalt.Zu unterscheiden ist jeweils die Misshandlung als aktive und die Vernachlässigung als passive Form. Mehrere Formen können bei einem Kind auch gleichzeitig vorkommen. Gewalt wird fast immer in der Familie oder in anderen Zusammenlebenssystemen ausgeübt. Häufig ist die Gewaltanwendung der Erwachsenen ein Ausdruck eigener Hilflosigkeit und Überforderung. Gewalt hat vielschichtige Ursachen und ist in gesellschaftliche Verhältnisse eingebunden. Die Häufung von Einschränkungen und Belastungen, von sozialen Benachteiligungen, von materieller Armut und psychischem Elend ist eine häufig übersehene Ursache für Gewalt gegen Kinder.

3. Es handelt sich nicht erst dann um Sexuelle Mißhandlung, wenn z.B. ein Mann eine Frau gegen ihren Willen geschlechtlich penetriert, sondern es ist ebenso eine Mißhandlung der Person, im speziellen der anderen Person, wenn Sie einen anderen Menschen z.B. mit sexistischen Worten erniedrigen, wenn Sie Ihrem/r Kollegen/in anzüglich irgendwohin greifen ohne daß die andere Person damit einverstanden ist etc.etc. Kurz gesagt: Es handelt sich immer um "Sexuelle Mißhandlung", wenn Sie eine andere Person mit Ihrer "Tatwaffe Sexualität" - in welcher Form auch immer - "beglücken", obwohl Sie nicht das Einverständnis der anderen Person haben (bei Kindern: nicht haben können!). So handeln Sie aus rein egoistischen Gründen. Und hier gelten keine Ausflüchte: "Die Frauen wollen das so!" oder "Ich weiß, was für meine Tochter gut ist." etc. etc.


Neurosen: sind psychische Störungen ohne jede Nachweisbare organische Grundlage, in denen der Patient beträchtliche Einsicht und ungestörte Realitätswahrnehmung haben kann und im allgemeinen seine krankhaften subjektiven Erfahrungen und Phantasien nicht mit der äußeren Realität verwechselt. Das Verhalten kann stark beeinträchtigt sein, obwohl es im allgemeinen innerhalb sozial akzeptierter Granzen bleibt, aber die Persönlichkeit bleibt erhalten. Die wesentlichen Smyptome umfasse: ausgeprägte Angst, hysterische Symptome, Phobien, Zwangssymptome und Depression.


1. Phobie in Anlehnung an DSM III: Phobien sind im Gegensatz zu Angstzuständen situations-, tätigkeits- oder objektgebundene Ängste, die sehr beeinträchtigend sein können. Sie sind anhaltend und irrational, da die betreffende Situation keine Gefahr für das Leben oder die körperliche Integrität darstellen. Phobien sind auch von starken Flucht- oder Vermeidungsverhalten gekennzeichnet. Die Entfernung von phobischen Situationen wird als angstlindernd erlebt, wodurch das Vermeidungsverhalten vermutlich aufrechterhalten wird. Körperlich gehen phobische Reaktionen mit starker vegetativer Aktivität einher, wie Pulsratenbeschleunigung, einer Erhöhung des Adrenalinspiegels, Schwitzen, die sich bis zur Panikattacke steigern können. Sobald die phobische Reaktion aktiviert wurde, ist die Aufmerksamkeit der Phobiker voll auf die Umwelt gerichtet, vermutlich um eine frühe Entdeckung des phobischen Objekts zu sichern und damit auch eine angstvermeidende Fluchtreaktion. Phobiker haben Einsicht, dass ihre Furcht übermäßig und irrational ist. Gemessen and der tatsächlichen Gefährlichkeit des phobischen Reizes. Das DSM III unterscheidet zwischen der einfachen Phobie, der sozialen Phobie und der Agoraphobie mit oder ohne Paniksyndrom.

Einfache oder spezifische Phobie
Sie bezieht sich auf relativ gut abgegrenzte Inhalte und Situationen. Hierzu zählen z.B. Angst vor Spinnen, Höhenangst, Angst vor geschlossenen Räumen. Angst vor Zahnarztbesuchen, scharfe Gegenstände, den Anblick von Blut und Verletzungen.

Soziale Phobie:
Diese ist durch anhaltende und irrationale Angst vor sozialen Situationen gekennzeichnet, in der kritische Prüfung durch andere befürchtet wird. Die Angst wird als irrational erkannt. Diese Phobie beginnt meist in der frühen Adoleszenz und ist bei Männern häufiger ausgeprägt als bei Frauen.

2. Soziale Phobie nach ICD 10 F40.1
Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei meint die betreffende Person manchmal, daß eine dieser sekundären Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.

Phobische Störungen nach ICD 10 F40.-
Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, daß die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind, richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.

Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung nach ICD 10 F60.6
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit gekennzeichnet ist. Es besteht eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiertwerden, eine Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik mit eingeschränkter Beziehungsfähigkeit. Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten

Persönlickkeitsstörung nach ICD F60.-: Es handelt sich um schwere Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens der betroffenen Person, die nicht direkt auf eine Hirnschädigung oder -krankheit oder auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen sind. Sie erfassen verschiedene Persönlichkeitsbereiche und gehen beinahe immer mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher. Persönlichkeitsstörungen treten meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung und bestehen während des Erwachsenenalters weiter.


Panikattacke:
Nach den Forschungskriterien des ICD-10 - des internationalen Diagnoseschemas der Weltgesundheitsorganisation (WHO) - treten bei einer Panikattacke mindestens 4 von 14 körperlichen und psychischen Symptomen auf (davon muss eines aus den ersten vier Symptomen der folgenden Liste stammen):

Vegetative Symptome:

  1. Herzrasen, Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz,
  2. Schweißausbrüche,
  3. fein- oder grobschlägiges Zittern (Tremor),
  4. Mundtrockenheit (nicht als Folge von Medikamenten oder Austrocknung).

Symptome, die den Brustkorb oder den Bauch betreffen:

  1. Atembeschwerden,
  2. Beklemmungsgefühl,
  3. Schmerzen und Missempfindungen in der Brust,
  4. Übelkeit oder Missempfindungen im Magen.

Psychische Symptome:

  1. Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit,
  2. Entfremdungsgefühl gegenüber der eigenen Person (Depersonalisation) oder Gefühl der Unwirklichkeit der Umwelt (Derealisation),
  3. Angst die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder "auszuflippen",
  4. Angst zu sterben (die auftretenden Symptome lösen Todesangst aus).

Allgemeine Symptome:

  1. Hitzegefühle oder Kälteschauer,
  2. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle.

Nach der Häufigkeit der Symptome (mindestens 4 oder weniger Symptome) unterscheidet man zwischen vollständigen und unvollständigen Panikattacken. Menschen mit unvollständiger Symptomatik hatten früher oft vollständige Panikattacken.

Drei Symptome treten bei Panikattacken besonders häufig auf: Herzklopfen/-rasen, Schwindel/Benommenheit, Atemnot. Die Todesangst und die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden, sind häufige psychische Reaktionsweisen auf die bedrohlichen körperlichen Symptome und angstmachenden Erfahrungen der Entfremdung (Depersonalisation und Derealisation).

Unterscheidung zwischen Panikstörung und anderen Angststörungen

Zwischen Panikattacken und anderen Angstformen bestehen keine qualitativen Unterschiede, wohl aber quantitative Besonderheiten. Charakteristisch für Panikattacken sind:

  • das stärkere Vorherrschen somatischer Symptome (dieselben vegetativen Symptome sind bei anderen Angststörungen meistens nicht so ausgeprägt),
  • der akute Zeitverlauf der Symptomatik (eine generalisierte Angststörung beginnt dagegen meist langsam),
  • die Unmittelbarkeit der befürchteten Gefahren bzw. Folgen des Angstanfalls (andere Angststörungen werden wohl als sehr lästig und lebenseinengend, nicht jedoch als lebensbedrohlich erlebt),
  • die Unvorhersehbarkeit der Angstanfälle (im Gegensatz zu den situationsbezogenen und daher vorhersehbaren Panikattacken bei sozialer oder spezifischer Phobie),
  • die zentrale Bedeutung interner angstauslösender Reize (Phobien werden dagegen durch spezifische äußere Auslöser bewirkt).

Mehr Infos gibts hier.

 


 

Psychose: Psychosen sind psychiatrische Erkrankungen, in denen die Beeinträchtigung der psychischen Funktionen ein so großes Ausmaß erreicht hat, dass dadurch Einsicht und Fähigkeit, einigen der üblichen Lebensanforderungen zu entsprechen, oder der Realitätsbezug erheblich gestört sind.
Es gibt zwei Gruppen:
-exogene Psychose: sie ist körperlich begründbar
-endogene Psychosen: sie hat offenbar keinen, zumindest mit den gegenwärtigen Methoden nicht nachweisbaren körperlichen Ursprung.

Schüchternheit: Hemmung, auf jemanden zuzugehen, ihn anzusprechen, bestimmte Forderungen zu stellen oder sich durchzusetzen, vor allem dann, wenn man die Aufmerksamkeit anderer Personen auf sich gerichtet fühlt. Die Schüchternheit ist meist ein Zeichen geringen Selbstwertgefühls und wird häufig von starker nervlicher Erregung, unwillkürlichem Erröten und anderen körperlichen Symptomen begleitet. Massive Schüchternheit kann unterschiedliche seelische Ursachen haben und in manchen Fällen nur durch eine psychotherapeutische Behandlung überwunden werden. In den meisten Fällen verliert sich Schüchternheit jedoch mit zunehmender Erfahrung. Da bei der Partnerwahl und auch bei sexuellen Kontakten immer zumindest zwei Menschen betroffen sind, kann Schüchternheit zum Teil auch durch entgegenkommendes Verhalten des anderen überwunden werden.

Schuldgefühl das diffuse Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, oder das schlechte Gewissen bei einer Handlung (z.B. Selbstbefriedigung). Hingegen spricht man nicht von Schuldgefühl bei einem deutlichen Erkennen einer Schuld oder eines fehlerhaften Verhaltens, aus dem man Konsequenzen zieht (z.B. eine Entschuldigung oder ein anderes Verhalten danach). Gerade im Bereich der Sexualität haben Schuldgefühle lange Zeit eine große Rolle gespielt, da vor allem durch den Einfluss der Kirche sexuelle Lust sehr negativ bewertet und tabuisiert wurde und dementsprechend Gedanken und Handlungen im Zusammenhang mit sexueller Lust von Schuldgefühlen belastet waren. Größere Offenheit, mehr Wissen über Sexualität sowie eine veränderte Einstellung zu ihr, und daraus folgend, ein anderer Umgang mit Sexualität haben, vor allem seit den 1960er-Jahren dazu beigetragen, viele Menschen von Schuldgefühlen im Zusammenhang mit Sexualität wenigstens teilweise zu befreien. Jedoch gibt es immer noch alte, nicht sinnvolle Gebote und Verbote, deren Übertretung nach wie vor vielen Menschen Schuldgefühle verursacht.

Selbstbeobachtung: Wahrnehmung und systematische Verfolgung eigener Gedanken, Affekte, Emotionen, Stimmungen und Motivationen sowie des Verhaltens; als psychologische Methode die erste Quelle aller Erfahrungen über psychische Vorgänge.

Selbstbewusstsein: das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt.

Selbstkontrolle In der Alltagssprache wird Selbstkontrolle oft gleichbedeutend mit Willensstärke oder Selbstdisziplin gebraucht. In der behavioristischen Psychologie wird dagegen unter Selbstkontrolle weniger eine Persönlichkeitseigenschaft, sondern das konkrete Verhalten einer Person in einer bestimmten Situation verstanden. Selbstkontrolle ist demnach das mithilfe selbst erzeugter Reize ohne (sofortigen) äußeren Druck oder Zwang erfolgende Ausführen einer Handlung (kontrollierende Handlung), die mit dem sonst üblichen Problemverhalten unvereinbar ist. Selbstkontrolle liegt beispielsweise vor, wenn jemand auf Situationen, die bei ihm normalerweise unerwünschte Angst oder Stress auslösen, mit Entspannung oder Mut machenden Äußerungen reagiert. Die Selbstkontrolle umfasst dabei mehrere Vorgänge; die Selbstbeobachtung des Verhaltens, die Selbstbewertung dessen anhand von Leistungskriterien und die anschließende positive oder negative Selbstverstärkung. Besonders im Bereich der Verhaltenstherapie wurden als Selbstkontrolltechniken bestimmte Verfahren entwickelt, die auf eine Stärkung der Selbststeuerung des Klienten abzielen. Dazu gehören unter anderem die systematische Selbstbeobachtung (z.B. Protokollieren der Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen, einschließlich vorausgehender und nachfolgender Bedingungen), Stimuluskontrolle (z.B. Rauchen nur noch im Stehen), Selbstverstärkung, verdeckte Sensibilisierung (Kopplung von angenehmen Gefühlen mit erwünschten und von unangenehmen Gefühlen mit unerwünschten Verhaltensweisen in der Vorstellung) und Selbstinstruktion. Selbstkontrolltechniken werden z.B. bei Suchtproblemen oder bei der Stressbewältigung angewandt.

Selbstkonzept: das Bild, das eine Person von sich selbst hat, und dessen Wertung. Ursprüngliche Bedürfnisse des Individuums werden nach C.Rogers durch die natürliche Körper- und Sinneserfahrung sowie die soziale Umwelt bewertet und bilden das Selbstkonzept. Widersprechende Bewertungen führen zur Inkongruenz zwischen dem Selbstkonzept und den tatsächlichen Erfahrungen des Organismus. Erfahrungen können entweder geleugnet oder verzerrt symbolisiert werden. Beispielsweise kann jemand eindeutig aggressive Gesten äußern und gleichzeitig das Selbstkonzept haben, friedfertig zu handeln, weil seine Umwelt keine Aggressivität duldet. In dieser Inkongruenz sieht Rogers den Ursprung psychischen Fehlverhaltens. In der Psychotherapie kommt es demnach darauf an, Selbstkonzept und Erfahrungen möglichst zur Deckung zu bringen.

Selbstsicherheit: Sicherheit im Auftreten dass in dem Selbstbewusstsein der Person begründet ist. Selbstsicherheit wird auch verstanden als Einheit von Handlung, Kognition und Emotion.

Selbstvertrauen: Sich verlassen auf die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Bewältigungsstrategien angesichts gestellter Aufgaben beziehungsweise auftretender Konflikte.

Selbstwertgefühl: erlernbares Gefühl für den eigenen Wert, das das soziale Verhalten und die Beziehungen zu anderen Menschen stark beeinflussen kann. Ein geringes oder mangelndes Selbstwertgefühl (Minderwertigkeitsgefühl) kann zu schweren Depressionen und im Extremfall zur Selbsttötung führen.
Hat ein Individuum im Laufe seiner Entwicklung nicht gelernt, sich selbst zu behaupten und eine verlässliche eigene, erwachsene Identität zu erlangen, führt dieses Persönlichkeitsdefizit dazu, dass das Individuum seine eigenen Interessen und Wünsche unterdrückt, sich ängstigt, andere zu verletzen, und versucht, sie versöhnlich zu stimmen, indem extreme Selbstlosigkeit demonstriert wird. Spezielle Selbstbehauptungsprogramme der Verhaltenstherapie zielen auf eine Selbstverwirklichung, die zwischen rücksichtsloser Selbstbehauptung und ängstlicher Selbstverleugnung angesiedelt ist.

Seelische Gewalt Seelische oder psychische Gewalt sind "Haltungen, Gefühle und Aktionen, die zu einer schweren Beeinträchtigung einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Bezugsperson und Kind führen und dessen geistig-seelische Entwicklung zu einer autonomen und lebensbejahenden Persönlichkeit behindern" Seelische Gewalt liegt z.B. dann vor, wenn dem Kind ein Gefühl der Ablehnung vermittelt wird. Für das Kind wird es besonders schwierig, ein stabiles Selbstbewußtsein aufzubauen. Diese Ablehnung wird ausgedrückt, indem das Kind gedemütigt und herabgesetzt, durch unangemessene Schulleistungen oder sportliche und künstlerische Anforderungen überfordert, oder durch Liebesentzug, Zurücksetzung, Gleichgültigkeit und Ignorieren bestraft wird.Schwerwiegend sind ebenfalls Akte, die dem Kind Angst machen: Einsperren in einen dunklen Raum, Alleinlassen, Isolation des Kindes, Drohungen, Anbinden. Vielfach beschimpfen Eltern ihre Kinder in einem extrem überzogenen Maß oder brechen in Wutanfälle aus, die für das Kind nicht nachvollziehbar sind. Auch überbehütendes und überfürsorgliches Verhalten kann zur seelischen Gewalt werden, wenn es Ohnmacht, Wertlosigkeit und Abhängigkeit vermittelt.

Sexueller Missbrauch:

1 Sammelbezeichnung für sexuelle Handlungen, die sich gegen Kinder und Jugendliche (Schutzalter) oder andere Menschen, die rechtlich benachteiligt sind, wenden. Strafrechtlich unterscheidet man zwischen sexuellem Missbrauch von Kindern (§176 Strafgesetzbuch, Abkürzung StGB), von Jugendlichen (§182 StGB), von Schutzbefohlenen (§174 StGB), durch Amtsträger (§174b StGB) und von Gefangenen und Kranken (§174a StGB). vor allem durch die Öffentlichkeitsarbeit von Selbsthilfegruppen (z.B. Wildwasser, Kobra, Zartbitter) und der Aktion Jugendschutz, aber auch mit bedingt durch die Aufdeckung spektakulärer Fälle, hat sich in den letzten Jahren das allgemeine wie das wissenschaftliche und juristische Interesse verstärkt auf den sexuellen Missbrauch von Kindern (vor allem innerhalb der eigenen Familie) gerichtet. Nach Schätzungen des Bundeskriminalamts sind vor der Strafrechtsreform 1994 in Deutschland jährlich zwischen 250000 und 300000 Kinder, vorwiegend Mädchen, sexuell missbraucht worden (der nicht geringe Anteil von missbrauchten Jungen ist noch schwerer abzuschätzen). Zur Anzeige kommen aber nur rund 16000. In nur etwa 20% dieser Fälle wird überhaupt Anklage erhoben, dann aber führen circa 80% zu einer Verurteilung. Die meisten Täter stammen aus der unmittelbaren Umgebung der Opfer: Väter, Stiefväter, Großväter, Onkel, Brüder, Lebensgefährten der Mutter, Mütter, Erzieher, Pfarrer, Lehrer. Ganz fremde Personen machen nur einen geringen Prozentsatz der Täter aus. Der sexuelle Missbrauch durch Personen aus der Familie oder dem näheren Umfeld ist besonders bedrohlich, weil gerade diejenigen Personen, denen ein Kind vertraut und bei denen es Schutz sucht, diese Grundlage zerstören. Häufig werden die Opfer jahrelang missbraucht, und zwar umso länger, je eher der Missbrauch begann; einer Studie des Beratungszentrums »Wildwasser« zufolge waren 40% der betreuten Mädchen noch keine sechs Jahre alt, als sie erstmals sexuellen Missbrauch erlebten. Selbst Säuglinge können Opfer von sexuellem Missbrauch sein. Eine zusätzliche Belastung stellt für die Opfer die Erfahrung dar, dass sich Angehörige, meist Mütter, mit dem Täter verbünden, indem sie wegsehen, die Tat verharmlosen oder dem Opfer die »Schuld« zuweisen. Dies hat zur Folge, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen den Missbrauch weder inner- noch außerhalb der Familie anzusprechen wagen und ihm daher oft jahrelang schutzlos ausgesetzt sind und dass sie fast immer unter Schuldgefühlen (zur Situation beigetragen oder sich nicht genügend gewehrt zu haben) leiden, was das Verschweigen und die Scham, sich jemandem anzuvertrauen, noch verstärkt. Bei missbrauchten Jungen kommt oft noch zusätzlich die Scham dazu, in der »männlichen« Rolle gedemütigt zu sein, und die Angst, für homosexuell gehalten zu werden. Daher offenbaren sich Jungen und Männer noch seltener. Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht wurden, leiden (auch als Erwachsene noch) unter körperlichen und seelischen Folgen. Eine Abscheu vor allem Sexuellen, Entfremdung des eigenen Körpers, Essstörungen (Magersucht, Bulimie) u.a. psychosomatische Erkrankungen (z.B. der Unterleibsorgane, der Haut, Kopfschmerzen), Ängste (z.B. die Kontrolle zu verlieren), Schlafstörungen, mangelnde Selbstsicherheit und Misstrauen auch gegenüber allgemeinen sozialen Kontakten, Drogenabhängigkeit und Selbstmord können mit erlittenem sexuellem Missbrauch zusammenhängen. Jemanden über einen selbst erlittenen oder bei anderen vermuteten sexuellen Missbrauch zu informieren, ist ein schwerer Schritt, weil es oft gleichzeitig bedeutet, die Schuld des Täters offen zu legen. Wenn es ein Verwandter oder Bekannter ist, verändert sich dadurch fast immer die Situation für die ganze Familie oder Lebensgemeinschaft. Oft wird deshalb dem Opfer die »Verantwortung« dafür auferlegt. Das ist falsch. Manchmal dauert es Jahre, bis man dies erkennt und den Mut findet, sich jemandem anzuvertrauen. An alle oben genannten Organisationen, an Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen der Jugendbehörden und an den Deutschen Kinderschutzbund können sich betroffene Mädchen und Jungen vertrauensvoll wenden, wobei sie auf Wunsch anonym bleiben beziehungsweise (zunächst) von ihren Erfahrungen erzählen können, ohne den Täter zu nennen. Solche Beratungseinrichtungen gibt es in jeder größeren Stadt, dort wird den Betroffenen verständnisvoll, schnell und unbürokratisch geholfen. In manchen Städten gibt es sogar Wohnungen (»Mädchenhäuser«), in denen Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts sofort vorübergehende oder dauerhafte Aufnahme finden und die vor dem Täter und/oder der Familie geheim gehalten werden. Wenn Erwachsenen, die nicht in dieser Thematik besonders ausgebildet sind, Vertrauen von Missbrauchten entgegengebracht wird oder sie selbst einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch schöpfen, sollten sie sich unbedingt (im ersten Fall mit Einverständnis des/der Betroffenen) an eine solche Fachorganisation wenden. Sowohl eine falsche Verdächtigung wie auch ein falsches Vorgehen kann schweren Schaden anrichten und Hilfe blockieren.

2Als sexuelle Ausbeutung wird jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen / eines Jugendlichen an einem Mädchen oder einem Jungen gesehen, welches / welcher aufgrund seiner emotionalen und kognitiven Entwicklung nicht in der Lage ist, der Handlung frei zuzustimmen. Das betroffene Kind wird unter Ausnutzung seiner gegebenen Abhängigkeits- und Vertrauensbeziehung zum Objekt der Befriedigung sexueller und aggressiver Bedürfnisse des handelnden Erwachsenen oder älteren Jugendlichen. Hierbei geht es nicht in erster Linie um die Befriedigung sexueller Bedürfnisse, sondern um das Ausleben von Macht-, Dominanz- und Überlegenheitsansprüchen. Formen sexualisierter Gewalt sind das Berühren des Mädchens oder Jungen an den Geschlechtsteilen, die Aufforderung, den Täter / die Täterin anzufassen, Zungenküsse, oraler, vaginaler und analer Geschlechtsverkehr, Penetration mit Fingern oder Gegenständen. Auch Handlungen ohne Körperkontakt wie Exhibitionismus, Darbieten von Pornographie, sexualisierte Sprache und Herstellung von Kinderpornographie sind sexuelle Gewaltakte. Sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen wird in den meisten Fällen von Personen aus der Familie oder dem sozialen Nahbereich der Mädchen und Jungen begangen; und nur zu ca. 10% von Unbekannten. Mädchen und Jungen aller Altersstufen sind Opfer sexueller Ausbeutung, und zwar von den ersten Lebensmonaten an. Ein zentrales Moment ist die Verpflichtung zur Geheimhaltung. Sie verurteilt das Kind zur Sprachlosigkeit, Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit. Der Täter / die Täterin nutzt in besonderem Maße das Macht- und Abhängigkeitsverhältnis aus, das zwischen ihm / ihr und dem betroffenen Mädchen oder Jungen besteht. Dieses Machtgefälle und das Vertrauen des Kindes ermöglichen ihm / ihr, das Kind zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Dabei wendet er / sie meist keine körperliche Gewalt an. Übergriffe können auch mit besonderer Zuwendung verbunden sein. Auf diese Weise wird das Kind zunächst scheinbar aufgewertet. Die Widersprüche im Verhalten des Täters / der Täterin sind für das Kind nicht zu durchschauen. Das Kind sucht daher die Schuld für die sexuellen Übergriffe bei sich und schämt sich dafür.

3 Sexueller Mißbrauch wird häufig gleichgesetzt mit Vergewaltigung. Aber zwischen Erwachsenen und Kindern sind nicht nur Geschlechtsverkehr, oraler oder analer Sex sexueller Mißbrauch, sondern auch alle Handlungen eines Erwachsenen, die er mit der Absicht ausführt, sich oder andere Erwachsene sexuell zu stimulieren. Dazu gehört auch der sexuelle Mißbrauch durch Kinderpornographie. Sexueller Mißbrauch ist häufig keine einmalige Tat, sondern kann über Wochen, Monate oder Jahre hinweg andauern. Mädchen und Jungen werden dabei fast immer zur Geheimhaltung gezwungen. Sexueller Mißbrauch an Kindern findet überwiegend durch Verwandte oder Bekannte aus dem nahen sozialen Umfeld statt. Die Täter sind überwiegend Männer.

4 Es gibt eine Reihe von prägnanten Definitionen, was eigentlich sexuellen Mißbrauch von Kindern ausmache. Eine in Fachkreisen häufig zitierte ist die von Kempe und Kempe: "Sexueller Mißbrauch wird definiert als die Inanspruchnahme von abhängigen, entwicklungsmäßig unreifen Kindern und Adoleszenten für sexuelle Handlungen, die sie nicht gänzlich verstehen, in die einzuwilligen sie in dem Sinne außerstande sind, daß sie nicht die Fähigkeit haben, Umfang und Bedeutung der Einwilligung zu erkennen, oder die sozialen Tabus von Familienrollen verletzen. Sie schließt Pädophilie (Vorliebe eines Erwachsenen für sexuelle Beziehungen zu Kindern oder die Neigung eines Erwachsenen dazu) Notzucht und Inzest ein."

5. Sexueller Mißbrauch bedeutet, daß ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Machtposition, seine körperliche und geistige Überlegenheit, sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Kindes zur Befriedigung seiner eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt, Dazu gehört z.B. wenn ein Mann oder eine Frau...
-ein Kind zur eigenen sexuellen Erregung anfaßt oder sich von ihm berühren läßt
-ein Kind zwingt oder überredet, ihn/sie nackt zu betrachten oder sexuellen Handlungen zuzusehen
-Kinder für pornographische Zwecke benutzt oder ihnen Pornographie vorführt
-den Intimbereich eines Mädchens (Scheide, Po, Brust) oder Jungen (Po, Penis) berührt oder sie/ihn zu oralem, analem oder vaginalem Geschlechtsverkehr zwingt, also vergewaltigt.

6. Alle sexuellen Handlungen vor, an oder mit Kindern unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafbar. Egal wie das Kind sich verhalten hat, die alleinige Verantwortung liegt bei den Erwachsenen.
Sexuelle Handlungen vor, an oder mit Jugendlichen unter 16 Jahren durch Personen über 18 Jahren sind unter bestimmten Voraussetzungen strafbar.Sexuelle Handlungen vor, an oder mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind strafbar, wenn zwischen erwachsenen Tatverdächtigen und jugendlichen Opfern ein besonderes Betreuungsverhältnis besteht. (sogenannter sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen: z. B. Stief/Eltern-Kind, Lehrer-Schüler/in, Ausbilder-Auszubildende, Zeltlagerbetreuer-Ferienkind) Mädchen und Jungen aller Altersstufen können Opfer von sexuellem Missbrauch werden.
90 Prozent aller Missbrauchstaten entstehen im sozialen Nahbereich. Das heißt, Opfer und Täter kennen sich gut. Meistens geschieht sexueller Missbrauch nicht als zufällige Einzeltat, sondern ist eine geplante und vorbereitete Wiederholungstat unter Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses zwischen Täter und Opfer.

7. Es handelt sich nicht erst dann um Sexuelle Mißhandlung, wenn z.B. ein Mann eine Frau gegen ihren Willen geschlechtlich penetriert, sondern es ist ebenso eine Mißhandlung der Person, im speziellen der anderen Person, wenn Sie einen anderen Menschen z.B. mit sexistischen Worten erniedrigen, wenn Sie Ihrem/r Kollegen/in anzüglich irgendwohin greifen ohne daß die andere Person damit einverstanden ist etc.etc. Kurz gesagt: Es handelt sich immer um "Sexuelle Mißhandlung", wenn Sie eine andere Person mit Ihrer "Tatwaffe Sexualität" - in welcher Form auch immer - "beglücken", obwohl Sie nicht das Einverständnis der anderen Person haben (bei Kindern: nicht haben können!). So handeln Sie aus rein egoistischen Gründen. Und hier gelten keine Ausflüchte: "Die Frauen wollen das so!" oder "Ich weiß, was für meine Tochter gut ist." etc. etc.

8. Sexueller Mißbrauch bedeutet, daß ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Machtposition, seine körperliche und geistige Überlegenheit sowie die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Mädchens oder Jungen zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt und gleichzeitig mit der Verpflichtung zur Geheimhaltung das Kind zu Sprach- und Hilflosigkeit verurteilt. Sexuellen Mißbrauch übt aus, wer
- ein Kind zur eigenen sexuellen Erregung anfaßt oder sich berühren läßt; ein Kind zwingt oder überredet, sie/ihn nackt zu betrachten oder bei sexuellen Aktivitäten zuzusehen;
-Kinder für pornographische Zwecke benutzt oder ihnen Pornographie vorführt;
-die Intimbereiche eines Mädchens/ Jungen berührt, sie/ihn zu oralem, analem, vaginalem Geschlechtsverkehr oder anderen sexuellen Praktiken zwingt oder überredet.

9. Bewältigungsstrategien:

1. Ich kann mit meinem Schmerz nicht allein fertig werden. Ich muss mir Hilfe suchen.
2. Ich gestehe mir ein, dass etwas Furchtbares geschehen ist. Ich weiss, dass ich es mir nicht bloss einbilde; ich war als Kind das Opfer eines sexuellen Anschlags.
3. Ich beginne meine Gefuehle wahrzunehmen. Vielleicht sind es Traurigkeit, Zorn, Angst, Schuld oder Scham. Ich lasse diese Gefuehle zu.
4. Ich spreche ausfuehrlich mit meiner/m Therapeutin/en ueber den Missbrauch. Ich durchlebe jeden einzelnen Vorfall, an den ich mich erinnern kann, noch einmal und beginne, mich mit den damit verbundenen Gefuehlen auseinanderzusetzen. Ich teile mein Gefuehl der Scham mit den Mitgliedern meiner Gruppe von Ueberlebenden.
5. Ich beginne zu erkennen, dass ich mich wahrscheinlich zur Zeit des Missbrauchs angemesen verhalten habe. (Das heisst, meine Reaktionen waren den Umstaenden angemessen; der Missbrauch war es nicht).
6. Wenn irgend etwas an dieser Belaestigung mir Lust bereitet hat, dann bemuehe ich mich darum, dies als Tatsache anzuerkennen, und ich setze mich mit den Schuldgefuehlen, die damit verbunden sind, auseinander.
7. Ich erkenne den Zusammenhang zwischen der Belaestigung und meinen heutigen Verhaltensmustern und Beziehungen. Ich beginne, eine gewisse Eigenverantwortung zu entwickeln.
8. Ich erkenne, dass ich selbst bestimmen kann, ob ich eine Konfrontation mit dem (oder den) Taeter(n) will oder nicht.
9. In dem Masse, wie ich lerne, meinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen, beginne ich zu verstehen, welche Wuensche ich mit einer Beziehung verbinde.
10. Ich kann Intimitaet geniessen.
11. Ich entwickle ein Bewusstsein meines Selbst, und mein Selbstwertgefuehl hat zugenommen.
12. Mein Widerstand, ueber den Inzest zu sprechen (wenn auch nicht unbedingt ueber seine Einzelheiten), hat abgenommen.
13. Ich erkenne, dass ich die Wahl habe, ob ich dem Taeter vergeben will oder nicht. Ich habe mir selbst vergeben.
14. Ich bin faehig, meine zurueckliegende Wut zu spueren, aber ich habe mich so weit davon geloest, dass sie kein dauernder Bestandteil meines Gefuehlslebens ist und weder meine sonstigen Emotionen noch die Bewaeltigung meines Alltags oder meine Beziehungen zu anderen Menschen negativ beeinflusst. Ich lebe nicht mehr in der Vergangenheit. Ich lebe in der Gegenwart und heisse die Zukunft mit all ihren Aengsten, Unvollkommenheiten und Unvorhersehbarkeiten willkommen.

10. Relevant in diesem Kontext ist auch die Erörterung "Identität als Opfer"


Sozialerziehung: Sammelbezeichnung für alle erzieherischen Maßnahmen, mit denen das Lernen von Kindern und Jugendlichen im sozialen Bereich gefördert werden soll. Das Ziel ist dabei, den Kindern und Jugendlichen zu einer ihrem Entwicklungsstand jeweils angemessenen sozialen Kompetenz zu verhelfen. Sozialerziehung ist eine wichtige Aufgabe der vorschulischen, schulischen und auch der außerschulischen Erziehung, besonders aber der Familienerziehung. Positive Auswirkungen sozialerzieherischer Bemühungen sind weniger von belehrendem Vorgehen, sondern eher vom direkten sozialen Lernen in entsprechenden Situationen zu erwarten.

Soziale Kompetenz: 1.) Verfügbarkeit und angemessene Anwendung von motorischen, geistigen und emotionalen Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Einstellungen usw. zur effektiven Auseinandersetzung mit konkreten Lebenssituationen. Menschliches Verhalten kann dann als effektiv bezeichnet werden, wenn es dem Individuum kurz- und langfristig ein Maximum an positiven und ein Minimum an negativen Konsequenzen bringt. Die Vermittlung sozialer Kompetenz ist u.a. ein Hauptziel der Sozialerziehung.
2.)Soziale Kompetenz ist die Fertigkeit, akzeptable Kompromisse zwischen sozialer Anpassung und individuellen Bedürfnissen herzustellen. Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche werden in angemessener Form vertreten. D.h. nicht immer eigene Bedürfnisse hinter denen von anderen zurückzustellen, nicht völlig gelassenes, "cooles" Auftreten zu spielen, nicht aggressiv oder rücksichtslos die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen.


Trauer:

1. die von oft heftigen psychischen und psychosomatischen Symptomen (Nervosität, Depressionen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen u.a.) begleitete Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person. Auf den Schock (das »Nicht-wahrhaben-Wollen«) und die Phasen der Kontrolle über sich selbst (z.B. in Form von Überaktivität) und der Regression (z.B. als »Sich-gehen-Lassen«) folgt normalerweise die erneute Zuwendung zur Umwelt und die realitätsgerechte Bewältigung der Krise.
Den innerpsychischen Vorgang der allmählichen Ablösung von der verlorenen Person nennt man Trauerarbeit. Pathologische (abnorme) Trauer beispielsweise in Form von anhaltender Apathie, Überaktivität, Wahrnehmungsstörungen, Selbstbeschuldigungen oder als verzögerte Trauerreaktion tritt u.a. dann auf, wenn der Trauernde sich als schuldig am Verlust erlebt; sie kann in anhaltende Depressionen münden.

2.Trauer ist eine normale Reaktion auf einen schwerwiegenden Verlust oder Schicksalsschlag. Dabei kann es zu einem intensiven und schmerzlichen Trauerprozeß kommen, der eine regelrechte "Trauerarbeit" erfordert. Trauer ist in verschiedene Trauerphasen einteilbar.
Phase 1: Zuerst will man den Verlust nicht wahrhaben, nur aus einem bösen Traum aufwachen. Man ist wie versteinert.
Phase 2: Dann kommt es plötzlich zum aufbrechen heftiger Gefühlswallungen: Schmerz, Schuldgefühle, Angst, Wut, Zorn, aber auch quälende Sehnsucht usw. In dieser Phase drohen vermehrt Schlafstörungen, eine besondere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten aller Art (z.B. Grippe) sowie unkontrollierte Selbstbehandlungsversuche mit Alkohol, Nikotin, Tabletten usw.
Phase 3: Schließlich kann der Trauernde an nichts anderes mehr denken, als an seinen schmerzlichen Verlust. Während dieser Zeit zieht er sich zurück und ist mit sich selber und seinem Leid beschäftigt. Doch die Realität holt ihn wieder ein. Der Verlust wird langsam akzeptiert.
Phase 4: In der letzen Phase bewegt sich der Trauernde wieder auf die Welt und andere Menschen zu. Aber auch das provoziert widersprüchliche Gefühle: Einerseits soll alles offener, intensiver erlebt und gestaltet und nichts soll verpaßt werden. Andererseits hat man Angst vor der Zukunft und Furcht, wieder mit Trauer bezahlen zu müssen.
Mit Trauernden umgehen
Die Dauer des Trauerprozesses ist sehr unterschiedlich. Sie ist individuell und schwer festlegbar. Selbst das "Trauerjahr" erscheint häufig zu kurz. Auch pflegt der Schmerz nicht zu Beginn, sondern Monate nach dem Verlust am ausgeprägtesten zu sein. Gerade während dieser Zeit aber beginnt die Anteilnahme der Umwelt deutlich zurückzugehen. Der Betroffene wird - offen oder heimlich - aufgefordert, endlich wieder zur Tagesordung zurückzukehren. Dabei können die einzelnen Trauerphasen erneut aufbrechen, wenngleich kürzer.
Die Trauer darf nicht verhindert werden. Die BEHANDLUNG des Trauerprozesses ist schwieriger, als es sich die meisten vorstellen. Auf jeden Fall soll man nicht versuchen, dem Trauernden die Trauer zu nehmen. Besonders bei Betroffenen in jungen Jahren, aber auch vor allem im höheren Lebensalter darf man nicht die eigenen Maßstäbe anlegen. Trauernde werden von ihrer Umgebung nach einer Zeit der Schonung schließlich als belastend empfunden. Deshalb sollen sie nach Ansicht der anderen ihren Schicksalsschlag möglichst bald überwinden. Trauernde müssen aber ihre Gefühle zeigen dürfen.
Falsche Ratschläge! Falsche Ratschläge ("gönnen Sie sich mal wieder ein Vergnügen"), nutzlose Appelle ("Sie müssen sich einfach mehr zusammennehmen"), leere Redensarten ("glücklicherweise ist sonst nichts passiert") usw. sind keine Hilfe und erschweren die Trauerarbeit.
Richtig trösten kann man lernen. VORSICHT: Nicht oberflächlich trösten oder den Verlust herunterspielen, sondern eher still-verständnisvoll mitleiden. Anwesenheit und stumme Zuwendung bedeuten mehr als Worte. Der wichtigste Faktor ist Geduld auf lange Sicht! Vorsicht ist auch an Wochenenden, Feiertagen und Jahrestagen angebracht (Einsamkeit, Rückblick, Erinnerung). Kleine Aufmerksamkeiten signalisieren Verbundenheit in der Not und spenden mehr Trost, als man gemeinhin erwartet: Postkarte, Anruf, kurzer Besuch. Entsprechende Bücher oder der Kontakt mit Menschen, die ihren Trauerprozeß gerade erfolgreich abschließen konnten, sind oftmals hilfreich.
Längere Schockphase. Bei plötzlichem, dramatischem oder gewaltsamem Tod muß mit verlängerter und verstärkter Schockphase gerechnet werden.
Medikamente nur vorsichtig einsetzen. Mit medikamentöser Unterstützung soll man bei Trauerprozessen zurückhaltend sein. Sinnvoller ist eine langfristige und tröstende Verfügbarkeit, ggf. eine psychotherapeutische Betreuung. Falls Medikamente nötig sind, sollten sie nur kurzfristig verabreicht werden (z.B. Schlafmittel). Vorsicht ist vor der unkritischen Gabe von Beruhigungsmitteln angebracht. Sie können zwar gefühlsmäßig distanzieren, dämpfen jedoch die Betroffenheit. Dadurch stören sie den Trauerprozeß und können ihn verlängern.
Trost muß aus dem Herzen kommen. Trauernde richtig zu trösten, ist nicht nur eine Sache des Herzens, sondern auch bestimmter Grundregeln, die jeder erlernen kann.


 

Zwangsstörung

Die Zwangsstörung wird im ICD-10 folgendermaßen beschrieben:

"Wesentliche Kennzeichen dieser Störung sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangshandlungen sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, weil sie gewalttätigen Inhalts oder obszön sind, oder weil sie einfach als sinnlos erlebt werden; erfolglos versucht die betroffene Person, Widerstand zu leisten. Sie werden als eigene Gedanken erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig als abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind ständig wiederholte Stereotypien. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Die Patienten erleben sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihnen Schaden bringen oder bei denen sie selbst Unheil anrichten könnten. Im allgemeinen, wenn auch nicht immer, wird dieses Verhalten von der betroffenen Person als sinnlos und ineffektiv erlebt. Sie versucht immer wieder, dagegen anzugehen, bei sehr lange andauernden Störungen kann der Widerstand schließlich minimal sein. Vegetative Angstsymptome sind häufig vorhanden, aber auch quälende innere Anspannung ohne auffällige vegetative Stimulation."

Über Zwangsgedanken oder Grübelzwänge heißt es im ICD-10:

"Diese können die Form von zwanghaften Ideen, bildhaften Vorstellungen oder Zwangsimpulsen annehmen. Sie sind inhaltlich sehr unterschiedlich, aber für den Betreffenden fast immer quälend. Eine Frau kann beispielsweise von der Furcht gequält werden, dem Impuls, ihr geliebtes Kind zu töten, nicht mehr widerstehen zu können, oder unter einer obszönen oder blasphemischen und ich-fremden wiederkehrenden bildhaften Vorstellung zu leiden. Manchmal sind diese Ideen einfach sinnlos und bestehen in endlosen pseudophilosophischen Überlegungen unwägbarer Alternativen. Diese unentschiedene Betrachtung von Alternativen ist ein wichtiger Teil vieler zwangshafter Grübeleien, häufig verbunden mit der Unfähigkeit, triviale, aber notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen. Die Beziehung zwischen Grübelzwang und Depression ist besonders eng ..."

Über Zwangshandlungen (Zwangsrituale) liest man im ICD-10:

"Die meisten Zwangshandlungen beziehen sich auf Reinlichkeit (besonders Händewaschen), übertriebene Ordnung und Sauberkeit oder wiederholte Kontrollen, die eine möglicherweise gefährliche Situation verhindern sollen. Diesem Verhalten liegt die Furcht vor einer die betreffende Person bedrohenden oder von ihr ausgehenden Gefahr zugrunde. Das Ritual ist ein wirkungsloser, symbolischer Versuch, diese Gefahr abzuwenden. Zwangshaft rituelle Handlungen können täglich stundenlang ausgeführt werden und sind manchmal verbunden mit besonderer Entschlusslosigkeit und Langsamkeit. Im allgemeinen sind Zwangshandlungen bei beiden Geschlechtern gleich häufig. Handwaschrituale sind bei Frauen häufiger, eine Verzögerung der Handlungsabläufe ohne Wiederholung bei Männern."


 

Begriffe aus Berufsbeschreibungen

 

Psychische Stabilität:

Psychische Stabilität bezeichnet das Ausmaß der Widerstandskraft gegenüber psychischen Belastungen. Es zeigt sich vor allem in einer kaum veränderten Stimmungslage und einer unverminderten Leistungsfähigkeit, wenn sich die Person in einer psychisch belastenden Situation befindet oder zuvor befunden hat.

Psychische Belastungen bringt jede Berufstätigkeit mit sich. Darunter gibt es solche, die in fast jedem Beruf vorkommen können:

  • Tätigkeiten, die den persönlichen Neigungen, Interessen, Vorlieben oder Überzeugungen zuwiderlaufen;
  • eine Organisationsstruktur, die als ungünstig erlebt wird (z.B. unzureichende Ausstattung mit geeigneten Arbeitskräften oder Hilfsmitteln, ungenügende Information der Mitarbeiter, "Favoritenwirtschaft");
  • Rollenkonflikte; Überforderung, Mißerfolge, Rückschläge;
  • persönliche Konflikte mit Kollegen, Vorgesetzten oder unterstellten Mitarbeitern;
  • Häufung alltäglicher Ärgernisse; Unerfülltbleiben persönlicher Entfaltungsbedürfnisse; Unsicherheit des Arbeitsplatzes.

Daneben gibt es spezifischere Belastungen, die für bestimmte Berufe oder Berufsgruppen typisch sind, z.B.:

  • Druck, ständig neue Ideen entwickeln zu müssen;
  • Pflicht, uninteressierte Schüler oder uninteressierte Mitarbeiter motivieren zu müssen;
  • psychische Belastung durch Umgang mit Menschen in schwierigen Lebenslagen
  • oder dadurch, dass Hilfsbedürftige auf Grund der gegebenen Bedingungen immer wieder ohne ausreichende Zuwendung oder ausreichenden Beistand gelassen werden müssen.

Als Stressreaktion wird die Auswirkung derartiger Belastungen auf die Person dann bezeichnet, wenn - im Grundsatz - die Ausschüttung der Nebennierenhormone und verwandter biochemischer Stoffe verändert ist. In der Praxis kommt es zu einer entsprechenden Feststellung meist auf der Grundlage der beobachteten Symptome und Umstände.

Auf belastende Aspekte der Berufstätigkeit reagiert nicht jede Person in gleichem Ausmaß. Je geringer die psychische Stabilität der Person ist, eine desto höhere Auswirkung haben Belastungen wie die beispielhaft genannten auf das allgemeine Wohlbefinden, auf die Leistungsfähigkeit, bei längerer Einwirkung auch auf das gesundheitliche Befinden und - in geringerem Maße - auf die Häufigkeit und Schwere von Erkrankungen. So sind Personen, die in hohem Maß zu Ungeduld, Ärger und Feindseligkeit neigen, etwas anfälliger für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems als andere.

Als Beispiel für Personen mit besonders hoher psychischer Stabilität lässt sich auf Menschen verweisen, die unter extrem belastenden Bedingungen aufgewachsen sind, trotzdem aber eine rundum positive Entwicklung genommen haben. Hier ist man, neben den übrigen mit der psychischen Stabilität zusammenhängenden Eigenschaften, auf zwei Merkmale gestoßen: die Überzeugung, dass Erfolge nicht in erster Linie von äußeren Umständen oder Zufällen abhängen, sondern von der eigenen Person, und eine ausgeprägte Neigung zum Suchen nach Herausforderungen und zur Übernahme von Aufgaben.

Psychische Stabilität ist eines der fünf "großen", zahlreiche Eigenschaften umgreifenden Persönlichkeitsmerkmale, bei denen die einzelnen Eigenschaften als "Facetten" bezeichnet werden. Die Facetten der psychischen Stabilität lassen sich am anschaulichsten von ihren negativen (niedrigen) Ausprägungen her beschreiben und werden gewöhnlich auch so benannt:

  • Ängstlichkeit; Neigung zu Ärger und Feindseligkeit;
  • Negative Grundstimmung;
  • Verletzlichkeit; Unbeherrschtheit; Störbarkeit des Selbstgefühls.

Diese Erscheinungsformen einer geringen psychischen Stabilität werden auch zusammenfassend als Neurotizismus bezeichnet.

In vielen beruflichen Situationen ist eine geringe psychische Stabilität von Nachteil, weil schon Belastungen geringer oder mittlerer Stärke zu erkennbaren Folgen führen. Diese beginnen mit kleinen Fehlhandlungen und -leistungen, die bei Personen mit geringer psychischer Stabilität deutlich häufiger vorkommen. Schwerwiegender sind Angst, Ärger oder langandauernde Mißstimmung, die Erinnern, Denken und Handeln blockieren können. Oft verleiten sie zum Denken in groben, schematischen Kategorien und Begriffen, die der Person zwar das Gefühl des Durchblicks und damit einer gewissen Sicherheit geben, sie aber daran hindern, ihre Situation zu analysieren, die vorhandenen einschlägigen Informationen zur Problemlösung zu nutzen und fehlende Informationen oder das Urteil Außenstehender zu suchen. Auf diese Weise kommt es leicht zu Fehlurteilen und -handlungen, die die Situation für den Betreffenden u.U. weiter verschlechtern.

Dennoch ist in vielen Berufen der Zusammenhang zwischen psychischer Stabilität einerseits, beruflicher Leistung und beruflichem Erfolg (Aufstieg, Einkommenshöhe) andererseits eher gering. In einigen Berufsfeldern ist eine relativ niedrige Stabilität sogar die Regel (vor allem in künstlerischen und verwandten Berufen). Ein deutlicher Zusammenhang zwischen psychischer Stabilität und Berufserfolg besteht allerdings in Berufen und Positionen, die eine durchgängig hohe Stressbelastung aufweisen oder in denen bestimmte Aspekte der Stabilität wie Selbstsicherheit und Unerschütterlichkeit unabdingbar sind. Das Gleiche gilt für Berufe, in denen eine konstant hohe Leistung gefordert wird, weil ein einzelner Fehler schwerwiegende Folgen haben kann.

Enger als mit Leistung und Berufserfolg ist, im Ganzen gesehen, der Zusammenhang der psychischen Stabilität mit der Arbeitszufriedenheit. Der psychisch wenig Stabile reagiert schon auf relativ leichte Stressoren, wie sie immer und überall vorhanden sind, mit absinkender Arbeitszufriedenheit. Diese greift oft auf die allgemeine Lebenszufriedenheit über; u.a. kann sie zum Zustand des "Ausgebranntseins" führen, einem der Depression verwandten Zustandsbild.

An diesem sehr einfachen Modell ist eine Reihe von Ergänzungen anzubringen. Die psychische Stabilität muss in ihrem Zusammenhang mit der Neurovegetativen Belastbarkeit gesehen werden. Psychische Belastungen führen, vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum hinweg andauern, oft zusätzlich zu einer neurovegetativen Beanspruchung. Bei unzureichender neurovegetativer Belastbarkeit kann sich eine weitere Herabsetzung von Befinden und Leistungsfähigkeit ergeben.

Weiter hängt der Grad der aktuellen psychischen Belastung wesentlich auch davon ab, wie die Person ihre äußere und innere Situation bewertet und zu bewältigen versucht (Bewältigungsverhalten). Drittens kann es zu einem sich selbst verstärkenden Prozess aufgrund der Wechselwirkung von individueller Merkmalsausstattung und sozialer Umwelt kommen: Eigenschaften wie Tendenz zu negativer Grundstimmung oder Tendenz zu Ärger und Feindseligkeit treten nicht erst in der Reaktion auf Stressoren in Erscheinung, sondern haben von vornherein eine Wirkung auf die soziale Umwelt und damit auf das Entstehen einer stressbelasteten Arbeitssituation, die dann ihrerseits auf die Person zurückwirkt (wenn z.B. Eigenschaften wie die genannten dazu führen, dass sich Arbeitskollegen von der Person zurückziehen und ihr Hilfestellung im Berufsalltag verweigern).


 

Kontaktfähigkeit:

Kontaktfähigkeit bezeichnet eine Eigenschaft, die sich keiner psychologischen Merkmalsklasse eindeutig zuordnen lässt. Sie ist eine für die Person typische Verhaltensgewohnheit und Persönlichkeitseigenschaft, umfasst Bedürfnisse und Neigungen und lässt sich auch als Fähigkeit - etwas, über das man verfügt und das man bei Bedarf einsetzen kann - verstehen und einordnen.

Eine kontaktfähige Person geht unbefangen auf andere Personen zu, versteht es, eine als angenehm empfundene Atmosphäre herzustellen und andere Menschen für sich zu gewinnen und besitzt die hierfür erforderliche sprachliche und mimische Ausdrucksfähigkeit und Gesprächigkeit. Sie hat Freude am Herstellen von Beziehungen zu bisher fremden Menschen und am Aufrechterhalten von Beziehungen zu einer großen Anzahl von Menschen. Eine stark ausgeprägte Kontaktfähigkeit zeigt sich in der Gewohnheit, zu anderen Menschen auch ohne bestimmten Anlaß aktiv Kontakt aufzunehmen und meist auch daran, dass die Person einen großen Teil ihrer Zeit - im Beruf und außerhalb des Berufs - mit Menschen verbringt.

Der weniger Kontaktfähige verhält sich abwartend und stellt von sich aus kaum Schritte an, um soziale Beziehungen herzustellen. Der ausgesprochen Kontaktschwache oder Kontaktgestörte geht darüber hinaus auch auf Bemühungen Anderer nicht ein oder verhält sich so, dass das Entstehen sozialer Beziehungen erschwert oder unmöglich gemacht wird. Im Beruf zeigt er oft Abneigung gegen Gruppenarbeit, Teamarbeit, Umgang mit Kunden, Patienten usw. Besondere Probleme treten bei Personen mit ängstlich-vermeidenden oder schizoiden Persönlichkeitsstörungen auf. Diese Menschen sind meist sehr empfindlich gegen Zurückweisungen, nehmen Kontaktsituationen als mehr oder weniger bedrohlich wahr und weichen ihnen aus. Im Beruf trifft man sie oft in Tätigkeiten und Positionen an, die unterhalb ihres Fähigkeitsniveaus liegen.

Kontaktfähigkeit schließt ein jeweils bestimmtes Maß an Einfühlungsvermögen ein. Die individuellen Eigenschaften anderer Menschen, einschließlich ihrer vorrangigen Bedürfnisse, sowie ihre aktuellen Motive, Absichten und Stimmungen, ebenso auch die Merkmale der jeweiligen sozialen Situation müssen richtig erkannt werden, damit ihnen das eigene Verhalten angepaßt werden kann.

Kontaktfähigkeit weist relativ enge Beziehungen zu bestimmten Facetten des Persönlichkeitsmerkmals Extraversion auf, nämlich zu den Facetten Freundlichkeit, Geselligkeit, Bestimmtheit und Positive Grundstimmung. Die beiden übrigen Facetten der Extraversion - Intensität und Erregungssuche - können, wenn stark ausgeprägt, ebenfalls zu intensivem Kontaktaufnahmeverhalten führen, das dann aber leicht den Charakter der Distanzlosigkeit annimmt. Unter Kontaktfähigkeit wird im hier jedoch immer eine kontrollierte Kontaktbereitschaft verstanden

Für ausgesprochen kontaktfähige Personen eignen sich naturgemäß solche Berufe und Positionen wenig, die keine Gelegenheit zu persönlichen Kontakten bieten (in Form von Kunden- oder Klientenkontakt, als Gruppen- oder Teamarbeit, als arbeitsbezogener Erfahrungsaustausch oder wenigstens als gelegentlicher informeller Kollegenkontakt während der Arbeit). In derartigen Arbeitssituationen kommen die betreffenden Personen bei im Übrigen gleichen Voraussetzungen u.U. zu geringeren Arbeitsleistungen, auf jeden Fall muss man damit rechnen, dass ihre Arbeitszufriedenheit deutlich herabgesetzt ist.


Einfühlungsvermögen:

Einfühlungsvermögen ist die Bereitschaft und Fähigkeit zum Verstehen von Menschen, zum Begreifen ihres Verhaltens, ihrer Handlungen, Absichten, Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken und der Zusammenhänge zwischen diesen. Es geht also um das zutreffende Erfassen von psychischen Sachverhalten. (Eine genauere, aber im Deutschen nicht gebräuchliche Bezeichnung hierfür wäre "Einfühlungsgenauigkeit".) Nicht in den Bereich des Einfühlungsvermögens fällt das gefühlsmäßige Reagieren auf das Befinden anderer Menschen (Mitleid, Mitfreude) und die Stärke dieser Reaktionen.

Einfühlungsvermögen bezeichnet sowohl das "intuitive", anstrengungslose Verstehen, als auch das absichtsvolle, längerdauernde, mehrschrittige Bemühen um Verstehen. Einfühlungsvermögen in diesem umfassenden Sinn ist gleichbedeutend mit der umgangssprachlichen Bezeichnung "Menschenkenntnis". Ob eine solche Menschenkenntnis als Eigenschaft existiert, ob sie also bei ein und derselben Person einigermaßen gleichbleibend - über die Zeit hinweg wie auch in unterschiedlichen Situationen - feststellbar ist, wurde lange bezweifelt. Heute kann jedoch, nachdem verbesserte Forschungsmethoden entwickelt wurden, eine solche Eigenschaft als gesichert gelten.

Den naheliegenden Gedanken, es gäbe eine Fähigkeit des Verstehens von Dingen, Begriffen und logischen Zusammenhängen auf der einen Seite und eine Fähigkeit des Verstehens von Menschen und ihrer Gefühle und Motive auf der anderen Seite - also zwei Fähigkeiten, die nichts miteinander zu tun haben - hat die Forschung nicht bestätigt. Vielmehr hängt auch das Verstehen von Menschen, neben anderem, vom Allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögen ab. Die Person, die sich in andere "hineinversetzt", vollbringt einen gedanklichen Perspektivenwechsel, also eine Leistung im Verarbeiten von Informationen. Allerdings wird, wie überall, die vorhandene Fähigkeit nur dann wirksam, wenn sie von einer entsprechenden Neigung oder einem entsprechenden Interesse begleitet ist oder von einem anderen Motiv aktiviert wird. Man kann davon ausgehen, dass hier Motive wie das Bedürfnis nach menschlicher Nähe, das Bedürfnis nach Einfluss und Dominanz oder das Bedürfnis, sich gegen Überlegene abzusichern, wirksam sind.

Das im Durchschnitt etwas höhere Einfühlungsvermögen bei weiblichen Personen beruht nach heutigem Erkenntnisstand auf einer durchschnittlich etwas stärkeren Motivation zur Einfühlung.

Neben der intellektuellen Leistungsfähigkeit stehen einige der Denkstile, in denen sich Menschen unterscheiden, in Zusammenhang mit der Höhe des Einfühlungsvermögens, und zwar die kognitive Komplexität (Anzahl der Dimensionen und Betrachtungsweisen, die einer Person zur Verfügung stehen), die Feldunabhängigkeit (Sich-lösen vom Vor-Augen-stehenden) und die niedrige Ausprägung des Starren, normativ geprägten Denkens.

Weniger klar ist trotz zahlreicher einschlägiger Untersuchungen der Zusammenhang des Einfühlungsvermögens mit der Psychischen Stabilität. Zwar gehen Ausgeglichenheit und Verläßlichkeit eher mit einem guten Einfühlungsvermögen einher, nicht jedoch Ängstlichkeit und andere Facetten geringer psychischer Stabilität mit einem niedrigen. Aus dem Bereich der Verträglichkeit ist es nicht, wie man vermuten könnte, die Stärke des Mitgefühls, die mit einem guten Einfühlungsvermögen einhergeht, sondern die Vertrauensbereitschaft.

Das Ausmaß, in dem das bei einer Person vorhandene Einfühlungsvermögens in der Alltagswirklichkeit zum Tragen kommt, hängt - wie dies bei allen Eigenschaften der Fall ist - von weiteren Bedingungen in der Person sowie von den Merkmalen der jeweiligen Situation ab. So verringert sich gegenüber Personen, zu denen man sich in einer konfliktreichen Beziehung befindet, häufig die Fähigkeit zur Einfühlung; in einem solchen Fall geht die Offenheit gegenüber den unterschiedlichen Seiten und Eigenschaften der anderen Person leicht verloren, das Bild der Person verarmt, weil sich die Wahrnehmung auf die mit dem Konflikt zusammenhängenden Merkmale konzentriert.

Ein anderes Beispiel für die Situationsabhängigkeit, mit der die Eigenschaft Einfühlungsvermögen erkennbar wird, ist die Einfühlungsgenauigkeit unter Personen, die sich gut kennen. Umfangreiche gemeinsame Erfahrungen und das ständige Sprechen über Erfahrungen läßt eine Wissensbasis entstehen, die beiden Partnern gemeinsam ist und auf Grund derer beide ihre wechselseitigen Gedanken und Gefühle wesentlich leichter erschließen können, als dies bei Fremden der Fall wäre; eine fein abgestimmte Beurteilung des Zusammenhangs zwischen bestimmten Situationen und bestimmten Reaktionen wird möglich.

Unabhängig davon ist festzuhalten, dass es - wenn man Personen untereinander vergleicht - solche mit hoher und solche mit niedriger Einfühlungsgenauigkeit (und alle Stufen dazwischen) gibt und damit das Einfühlungsvermögen als eine relativ zeitstabile und situationsübergreifende Eigenschaft. Verglichen mit anderen Eigenschaften können allerdings die Menschen ihr eigenes Einfühlungsvermögen selbst nur sehr schlecht beurteilen.

Die meisten der Berufe, die Einfühlungsvermögen erfordern, verlangen zusätzlich, die gewonnenen Erkenntnisse über andere Menschen in Handlungen umzusetzen, von den gewonnenen Erkenntnissen die eigenen Handlungen leiten zu lassen, das eigene Verhalten flexibel an individuelle Personen und wechselnde soziale Situationen anzupassen ("Geschick im Umgang mit Menschen" Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit). Es gibt nur wenige Berufe (vor allem künstlerische, z.B. schriftstellerische), die ein isoliertes hohes Einfühlungsvermögen voraussetzen, nicht aber, oder nur am Rande, die Fähigkeit, es im zwischenmenschlichen Verhalten anzuwenden und zu nutzen.


Beherrschtheit, Selbstkontrolle:

Selbstkontrolle ist das bewußte Beeinflussen des eigenen Verhaltens, Fühlens und Denkens, das ohne einen solchen Eingriff ausschließlich von Impulsen und Gewohnheiten gesteuert ablaufen würde. Selbstkontrolle schließt Selbstaufmerksamkeit, Selbstbeobachtung und Selbstüberwachung ein, z.B. das tätigkeitsbegleitende Registrieren des Erfolgs des eigenen Handelns, dem, wenn die angestrebten Ergebnisse nicht erreicht werden, eine Änderung der bisherigen Vorgehensweise folgt. Beherrschtheit stellt stärker den Gesichtspunkt der Impulsunterdrückung als den der Selbstbeobachtung in den Vordergrund. Die Kombination beider Begriffe bezeichnet einen wichtigen Merkmalskomplex.

Zur Selbstkontrolle ihres Verhaltens, Fühlens und Denkens sind die Menschen in unterschiedlichem Maße befähigt. Schon in der frühen Kindheit lassen sich unterschiedliche Ausprägungsgrade in der Fähigkeit zum Befriedigungsaufschub (Wartenkönnen auf Begehrtes) feststellen, die recht beständig ist und für die Zukunft bereits einige Voraussagekraft besitzt.

Wenn man Beherrschtheit und Selbstkontrolle in die von den "großen" Persönlichkeitsmerkmalen gebildeten Systeme einzuordnen versucht, geht man meist von der Eigenschaft Impulsivität aus. Impulsivität kann, je nach Blickrichtung und theoretischer Ausrichtung als Facette der Extraversion, als Facette der (gering ausgeprägten) Psychischen Stabilität oder als Facette der (gering ausgeprägten) Gewissenhaftigkeit verstanden werden oder auch als eigenständiges, sehr ursprüngliches und stark genetisch verankertes Temperamentsmerkmal.

Ein hoher Ausprägungsgrad der Selbstkontrolle ist nicht immer und überall förderlich. Die mit der Selbstkontrolle verbundene Wendung der Aufmerksamkeit auf die eigene Person kann im zwischenmenschlichen Umgang "befangen" machen. Sie beeinträchtigt das Leistungshandeln, wenn die Person die Selbstaufmerksamkeit nicht auszuschalten versteht, nachdem diese ihre Aufgabe (Leistungskontrolle, Korrektur oder, bei Nichterreichbarkeit des Ziels, Zuwendung zu einem neuen Ziel) erfüllt hat. Überdies sind "gehemmte" Personen, entgegen der Erwartung, zur Aufmerksamkeitsregulation (dem Steuern und Selbst-Aktivieren der Aufmerksamkeit) und zur Aktivationskontrolle (der Fähigkeit, sich selbst zu etwas zu bringen, wozu man nicht motiviert ist) oft gerade besonders schlecht befähigt. Es kommt hinzu, dass Selbstkontrolle nach neueren Erkenntnissen nicht beliebig häufig in beliebiger zeitlicher Dichte (oder sogar auf verschiedenen Gebieten gleichzeitig) ausgeübt werden kann: Wenn das Kräftereservoir der Person durch fortlaufende Selbstbeherrschung erschöpft ist, kann es u.U. zum Zusammenbruch der Selbstkontrolle kommen.

Im Berufsleben ist auf allen Tätigkeitsfeldern die Kontrolle des eigenen Verhaltens, vor allem des Arbeitsverhaltens, aber auch des Sozialverhaltens wichtig. Die einzelnen Aspekte kontrollierten Arbeitens, die beim jeweiligen Beruf von besonderer Bedeutung sind, werden gesondert aufgeführt, z.B. Genaue Arbeitsweise, Planvolle, systematische Arbeitsweise, Umsicht. Dagegen wird, wo es vorwiegend um die Kontrolle der Gefühle und des Gefühlsausdrucks geht, von Beherrschtheit und Selbstkontrolle als Anforderungen gesprochen. Diese Anforderungen stellen sich besonders, wenn auch nicht ausschließlich, in sozialen Situationen. (Beispiele für derartige Anforderungen in sozialen Situationen: eintreffende Besucher trotz Termindrucks angemessen empfangen; in einer hitzigen Diskussion ruhig argumentieren; für einen Kompromiß eigene Belange zurückstellen; eigene Fehler zugeben). Beherrschtheit und Selbstkontrolle zielen aber nicht nur auf einzelne Verhaltensweisen in konkreten Situationen ab, sondern können auch den Erwerb von situationsübergreifenden sozialen Fertigkeiten, das Ausfüllen einer sozialen Rolle oder den Aufbau eines persönlichen "Image" durch eine entsprechende Selbstdarstellung zum Ziel haben. Alle diese Ziele verlangen kontinuierliche Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle. Dabei spielt allerdings das an letzter Stelle genannten Ziel (Aufbau eines persönlichen Image) hier keine größere Rolle, weil es nur selten zu den Anforderungen eines bestimmten Berufs gehört, vielmehr ganz überwiegend im Dienst des persönlichen beruflichen Aufstiegs innerhalb eines Berufs steht.


Planvolle, systematische Arbeitsweise:

Planvolle, systematische Arbeitsweise bezeichnet die Gewohnheit (als dauerhafte Gewohnheit im Sinne einer Eigenschaft verstanden), vor Beginn einer Arbeit die zum Erreichen des Ziels erforderlichen Teilhandlungen gedanklich zu gliedern, sich über benötigte Mittel (z.B. Rohstoffe, Werkzeuge, Informationen, Finanzmittel) klar zu werden und alle Umstände zu bedenken, die für Gelingen oder Mißlingen bedeutsam werden können; häufig ist auch der Zeitbedarf für Gesamtaufgabe und Teilaufgaben abzuschätzen.

Menschen unterscheiden sich sehr deutlich darin, wie eingehend sie Arbeitsaufgaben vorbereiten.

Effektives berufliches Handeln setzt, sofern es nicht durch vielfache Wiederholung teilweise oder ganz automatisch geworden ist, ein Innehalten zwischen Handlungsentschluß und Handlungsbeginn voraus. Handeln ohne ein solches Innehalten, meist als spontanes oder impulsives Handeln bezeichnet, führt in vielen Fällen, abhängig allerdings von Aufgabenart und Persönlichkeit, zu Misserfolg oder zu einem schlechteren Ergebnis.

Planvolle, systematische Arbeitsweise setzt ein - gemessen am Komplexitätsgrad und Neuheitsgrad der jeweiligen Aufgabe - ausreichendes Allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen voraus. Ist dieses jedoch höher als ausreichend, so steigt die Planungsneigung nicht etwa weiter an, sondern sinkt eher: Der Intelligentere und besonders auch der mit einem besseren Gedächtnis Ausgestattete kann offenbar leichter auf detaillierte Planung verzichten und tut dies häufig auch.

Im Übrigen hängt die Planungsneigung vor allem von Eigenschaften ab, die dem Persönlichkeitsbereich der Gewissenhaftigkeit angehören. Gewissenhaftigkeit ist eines der fünf "großen", zahlreiche Eigenschaften umgreifenden Persönlichkeitsmerkmale, bei denen die einzelnen Eigenschaften als Facetten bezeichnet werden. Im hier besprochenen Zusammenhang sind fast alle Facetten der Gewissenhaftigkeit mit im Spiel, besonders Besonnenheit und Ordnungssinn.

Mangel an planvoller, systematischer Arbeitsweise beruht häufig, wie viele Arten ineffektiven Arbeitsverhaltens, auf einem unzureichenden Leistungsantrieb (bezogen auf die jeweilige Aufgabe oder als allgemeine Eigenschaft) und einer damit verbundenen unzureichenden Anstrengungsbereitschaft. Es wird nicht über Wege zum Ziel nachgedacht, das Handeln wird von automatisierten Vollzügen bestimmt, es treten nur eingeschliffene, gängige Gesichtspunkte ins Bewusstsein.

Planen ist nur soweit sinnvoll, wie es die Sicherheit oder Schnelligkeit der Zielerreichung erhöht oder Ressourcen einsparen hilft, z.B. Personalaufwand herabsetzt, Materialausschuss senkt oder die körperliche oder geistige Beanspruchung des oder der Arbeitenden verringert. Eine überhöhte Neigung zum Planen und vorbereitenden Systematisieren wirkt sich ebenso nachteilig aus wie eine zu geringe, besonders, wenn zu unökonomisch hohem Planungsaufwand ein rigides Festhalten am Plan hinzukommt, also die Unfähigkeit, die im Arbeitsablauf sich neu ergebenden Sachverhalte zur Modifikation der Planung zu verwenden (Befähigung zum Planen und Organisieren). Eine überhöhte Planungsneigung lässt sich oft mit Ängstlichkeit und geringer Risikofreudigkeit in Verbindung bringen.


Neurovegetative Belastbarkeit:

In und nach Situationen, die das vegetative Nervensystem beanspruchen, kommt es häufig zu Befindensstörungen und Leistungsminderungen. Neurovegetative Belastbarkeit bezeichnet die Höhe der Belastung, bis zu der hin Befinden und Leistungsfähigkeit bei einer Person noch unbeeinträchtigt bleiben.

Eine Beanspruchung des vegetativen Nervensystems entsteht u.a. durch Überstimulation (z.B. ständigen oder häufig wiederkehrenden starken Lärm), überhöhte Arbeitsbelastung (z.B. fortlaufend sehr ausgedehnte Tages- und Wochenarbeitszeit oder dauernden Zeitdruck) oder ständig wiederkehrendes Schlafdefizit (häufig bei Arbeit in Nachtschicht, besonders bei Wechselschicht, die Nachtschicht einschließt). Auch Belastungen psychischer Art - z.B. sich wiederholende Mißerfolge und Rückschläge, zwischenmenschliche Konflikte, Häufung alltäglicher Ärgernisse - können dann zu einer neurovegetativen Beanspruchung mit den entsprechenden Symptomen führen, wenn sie über längere Zeit hinweg bestehen und der vorhandene Ausprägungsgrad der Psychischen Stabilität und die Wirksamkeit des Bewältigungsverhaltens dem Ausmaß der psychischen Belastung nicht gewachsen sind.

Die Erscheinungsformen einer, bezogen auf die gegebene Belastung, unzureichenden neurovegetativen Belastbarkeit sind diffuse Erregung und körperliche Mißempfindungen sowie oft eine übermäßige Wachheit und Reaktionsbereitschaft, die aber mit rascher Ermüdung und Erschöpfung und dem Gefühl der Gereiztheit verbunden ist. Dieser Zustand beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und oft auch die Zusammenarbeit mit anderen Personen. Leistungsminderungen gehen vor allem auf das Nachlassen der Daueraufmerksamkeit, der Befähigung zur Aufmerksamkeitsverteilung oder von Merkfähigkeit und Gedächtnis zurück. Hierunter leiden Genauigkeit oder Tempo der Aufgabenerledigung oder beides sowie besonders Verhaltensflexibilität und Einfallsreichtum.


 

Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit:

Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit bezeichnet im hier einen Komplex von Verhaltensgewohnheiten, der sich auf die Arbeit mit Menschen und die Zusammenarbeit mit Menschen förderlich auswirkt. Diese Eigenschaft tritt je nach Beruf und beruflicher Situation in einer Vielzahl unterschiedlicher Verhaltensweisen in Erscheinung. Es sind dies z.B.: das freundliche, gewinnende, vertrauenerweckende Verhalten im beruflichen Umgang mit Menschen; die Einordnungsbereitschaft (Bereitschaft zur Übernahme der jeweiligen beruflichen Rolle und der mit ihr verbundenen Pflichten und Verhaltensweisen und zur Anerkennung von Führung); die Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit bei Gruppenarbeit und Teamarbeit (u.a. Fehlen von Verhaltensweisen wie Anstrengungsvermeidung auf Kosten der Arbeitskollegen oder Mißgunst gegenüber leistungsfähigeren Arbeitskollegen); das Mitwirken an einer harmonischen Arbeitsatmosphäre und am Ausgleich von Spannungen und Konflikten; das Akzeptieren von Kritik an eigenen Leistungen und eigenen Verhaltensweisen; die Geduld beim Ertragen von als lästig empfundenen Zügen am Verhalten anderer Personen (z.B. Umgang mit "schwierigen" Kunden, langsam lernenden Schülern); das "Zuhörenkönnen"; das Taktgefühl (z.B. die Sensibilität für individuelle oder gruppenspezifische Verletzbarkeiten, etwa von Kunden aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen oder von Arbeitskollegen mit geringerem Leistungsvermögen).

Diese mit Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit zusammenfassend bezeichneten Verhaltensgewohnheiten stehen in enger Beziehung zur Verträglichkeit, einem der fünf "großen", zahlreiche Eigenschaften umgreifenden Persönlichkeitsmerkmale. Jedoch sind beide Begriffe - Verträglichkeit einerseits, Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit andererseits - nicht miteinander gleichzusetzen. Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit bezeichnet solche Eigenschaften, die sich, unter allen denkbaren Gesichtspunkten betrachtet, günstig auswirken; in diesem Sinn wird der Begriff hier (als "notwendig" oder "förderlich", bezogen auf einen bestimmten Beruf) verwendet. Demgegenüber ist das mit "Verträglichkeit" nur unzureichend umschriebene Persönlichkeitsmerkmal - Benennungen von Persönlichkeitsmerkmalen sind immer nur Annäherungen - nicht durchgehend mit positiver Bewertung verbunden: Alle Facetten der Verträglichkeit können sich, wenn stark ausgeprägt, im Berufsleben auch ungünstig auswirken. Es gibt Berufe und Berufsfelder, in denen ein zu hohes Maß an Vertrauensbereitschaft, Aufrichtigkeit, Nachgiebigkeit oder Mitgefühl von Nachteil ist oder in denen ein zu hohes Maß an Bescheidenheit oder Uneigennützigkeit die individuelle berufliche Entwicklung eher behindert. So wurde beispielsweise wiederholt gefunden, dass - gerade in Berufen, in denen der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht - diejenigen, die niedrige Ausprägungsgrade in diesen Eigenschaften aufweisen, ein höheres Einkommen erzielen.

Bei Berufen, in denen ein zu hoher Ausprägungsgrad der genannten Facetten der Verträglichkeit eher nachteilig ist, wird in den Berufsbeschreibungen als Anforderung in der Regel nicht die Anpassungs- und Kooperationsbereitschaft genannt, sondern stattdessen Begriffe wie Durchsetzungsvermögen oder Überzeugungskraft. Wo es angebracht ist, werden aber auch Begriffe aus beiden Bereichen nebeneinander gestellt, und zwar dann, wenn beide von erheblicher Bedeutung sind. (In der Fachsprache werden diese beiden Bereiche als "Prosoziale Fertigkeiten" und als "Sozialinstrumentale Fertigkeiten" einander gegenübergestellt und meist zusammenfassend als "Soziale Kompetenz" bezeichnet; dieser Begriff wird hier nicht verwendet, weil zur Charakterisierung von Berufen spezifischere Angaben zu den sozialen Fertigkeiten besser geeignet sind.)

Eine ausreichende Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit ist für alle Berufe unumgänglich. Besonderes Gewicht besitzt die soziale Anpassung in der Zeit nach Antritt des ersten Arbeitsplatzes und späterer neuer Arbeitsplätze: Mängel in der sozialen Anpassung führen ebenso häufig zum Misserfolg in der Probezeit wie Mängel in der Aufgabenbewältigung. In diesem Zusammenhang sind auch die Persönlichkeitsstörungen zu erwähnen. Bereitschaft und Fähigkeit zur Anpassung und Einordnung ist bei fast allen Formen von Persönlichkeitsstörungen beeinträchtigt.

Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit schließt - ebenso wie Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft - ein jeweils bestimmtes Maß an sozialem Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen ein (Einfühlungsvermögen). Die individuellen Eigenschaften anderer Menschen und ihre aktuellen inneren Zustände (z.B. ihre aktuellen Stimmungen) wie auch die Merkmale des sozialen Umfelds und der jeweiligen Situation müssen richtig erfasst werden, damit ihnen das eigene Verhalten angepaßt werden kann. Dies ist zwar eine Aufgabe, in der Informationen zu verarbeiten sind, also eine kognitive Aufgabe, sie kann aber auch aus anderen als Fähigkeitsgründen misslingen (oder schlechter gelingen als zu erwarten wäre). So sind z.B. manche Personen zu stark und zu kontinuierlich "gedanklich beschäftigt", um neben sachbezogenen gleichzeitig auch noch personbezogene Aufgaben lösen zu können (meist Personen mit einem geringen Ausprägungsgrad des Persönlichkeitsmerkmals Extraversion). In ähnlicher Weise bestimmen auch andere der "großen" Persönlichkeitsmerkmale und ebenso Eigenschaften spezifischerer Art die Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit mit.


Zuverlässigkeit:

Zuverlässigkeit bezeichnet die Gewohnheit (als dauerhafte Gewohnheit im Sinne einer Eigenschaft verstanden), Aufgaben, die einer Person übertragen werden oder die von der Sache her geboten sind, zum erwarteten Zeitpunkt und in der verlangten Qualität auszuführen und abzuschließen, ohne dass dies durch Kontrolle oder Erinnerung von außen sichergestellt werden müsste. Selbst-Verpflichtung auf das Geforderte und Erforderliche tritt damit an die Stelle von Fremdkontrolle. Diese Verinnerlichung der Fremdkontrolle bringt wesentliche Vorteile: Sie spart Aufsichtsfunktionen ein und ist effektiver als diese, weil sie ständig wirksam ist, während Fremdkontrolle nur mehr oder weniger punktuell erfolgen kann. Sie trägt dazu bei, dass die Identifizierung des Arbeitenden mit seiner Arbeitsaufgabe - im Gegensatz zur psychologischen Situation des Arbeitenden bei fortlaufender Fremdkontrolle - erhalten bleibt und damit "Mitdenken", arbeitsbezogener Einfallsreichtum und "positive Eigenwilligkeit".

Was gefordert und erforderlich ist, erfährt der Einzelne aus konkreten Aufträgen und Anweisungen, aus Regeln, die in der allgemeinen oder in der beruflichen Ausbildung vermittelt worden sind und in der Sozialisation am Arbeitsplatz (oft informell mit Hilfe erfahrener Kollegen), in Verbindung mit der jeweiligen sozialen Rollenzuweisung.

Zuverlässigkeit ist eine Eigenschaft aus dem Bereich der Gewissenhaftigkeit, einem der fünf "großen", zahlreiche einzelne Eigenschaften umgreifenden Persönlichkeitsmerkmale, bei denen die einzelnen Eigenschaften als Facetten bezeichnet werden. Zuverlässigkeit ist eine Eigenschaft aus dem Bereich der Facette Pflichtbewusstsein.

Hinter einem Mangel an Zuverlässigkeit kann neben einem niedrigen Ausprägungsgrad der Gewissenhaftigkeit auch ein niedriger Ausprägungsgrad der Psychischen Stabilität stehen, besonders der Facette Selbstdiziplin, die mit mangelnder Selbstkontrolle und Selbstregulation und mit übermäßiger Nachgiebigkeit sich selbst gegenüber in Zusammenhang steht.

Zuverlässigkeit wirkt sich in allen Lebensbereichen, besonders aber im Berufs- und Geschäftsleben aus.

Als "zuverlässig" bezeichnet die Umgangssprache auch jemanden, "auf den man zählen kann". Der damit angesprochene Sachverhalt, der für den Zusammenhalt in Arbeitsgruppen und für ihre Leistungsfähigkeit bedeutsam ist, wird hier den Eigenschaften Anpassungs- und Kooperationsfähigkeit und Gemeinschaftssinn zugeordnet.


Verantwortungsbewußtsein:

Verantwortungsbewußtsein bezeichnet die Gewohnheit (als dauerhafte Gewohnheit im Sinne einer Eigenschaft verstanden), bestehende moralische Verpflichtungen anzuerkennen und ihnen gemäß zu handeln. Im Arbeitsleben ist Verantwortungsbewußtsein vor allem die Gewohnheit, sich solche Folgen und Nebenfolgen der Tätigkeit bewußt zu halten, die schwerwiegende negative Auswirkungen auf andere Menschen haben können (die z.B. Leben oder Gesundheit von Personen gefährden oder bedeutende wirtschaftliche Nachteile für Andere zur Folge haben können), und diesem Bewußtsein gemäß Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen.

Verantwortungsbewußtsein ist nicht mit der Gewissenhaftigkeit gleichzusezen, so, wie dieser Begriff in der Persönlichkeitspsychologie verwendet wird. Gewissenhaftigkeit bildet eines der fünf "großen", zahlreiche einzelne Eigenschaften umgreifenden Persönlichkeitsmerkmale, u.a. mit den Facetten Tatkraft, Ordnungssinn und Selbstdisziplin, also Eigenschaften, die auch in den Dienst von Handlungen treten können, die gegenüber dem Wohlergehen anderer Menschen gleichgültig sind, im Extremfall sogar antisoziale Ziele unterstützen. Dieser Begriff von Gewissenhaftigkeit unterscheidet sich also deutlich von dem des Verantwortungsbewußtseins, wie er hier - in Übereinstimmung mit der Umgangssprache - verwendet wird.

Verantwortungsbewußtsein lässt sich keinem der "großen" Persönlichkeitsmerkmale zuordnen. Die Eigenschaften "moralisch" und "ehrlich" haben, wie einige andere Eigenschaften, im vorherrschenden System der Persönlichkeitspsychologie eine eigenständige und isolierte Position.


Kenntnisse und Fertigkeiten:

Kenntnisse sind Informationsbestände, die die Person in ihrem Gedächtnis gespeichert hat und über die sie in der Weis