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Soziale Phobie Kompendium: ein paar Tipps bei Depressionen

Depressionen

Drucklayout vs. Onlinelayout
  1. Tipps zum Umgang
  2. Zeitumstellung
  3. Lichttherapie
  4. Einschlafen
 

 

Depressionen - Tipps zum Umgang

 

Hier ein paar Tipps zum Umgang mit Depressionen. Sicherlich werden nicht alle Punkte reproduzierbar auf jede Depression sein. Dennoch sind die Erfahrungen und Strategien vielleicht für den einen oder an deren durchaus hilfreich, das mit der Depression verbundene Krisenmanagement zu optimieren, die übelsten Phasen der Krankheit sicherer zu überstehen und den Verlauf der Depression durch Therapieoptimierung zu verkürzen.

  • Was kann ich mir gutes tun? Was würde mir Spaß machen? Kann ich mich irgendwie belohnen?
  • Beschäftige Dich und lenk Dich ab. Wie wär's mal mit einem vorgezogenen Frühjahrsputz. Oder koche mal ein 3-Gänge-Menü.
  • Macht Sport, soweit es körperlich geht.
  • Schafft Euch für jede Situation Freiräume - und nicht dafür schämen und sich fragen was andere darüber denken könnten...
  • Macht Dinge die Euer Selbstbewusstsein stärken (Schulbank drücken, seid in irgendwas richtig gut! )
  • Schafft Euch Ziele.
  • Holt Euch Anerkennung!!!
  • Ändert Eure krankmachenden Lebensumstände.
  • Geht bewusst in die Situationen die Euch Angst machen, Stück für Stück immer weiter. Ich habe festgestellt das es da eine Art " Körpergedächtnis für Erfolge " gibt ( ist meine Ausdrucksart - haben kluge Menschen sicher schon anders benannt ).
  • Steht auf und wehrt Euch gegen diesen Irrsinn!!!
  • Glaubt an Euch selber denn das kann kein anderer für Euch tun!
  • Die Depression ist eine schwere, aber überwindbare Krankheit. Jeder Tag einer depressiven Phase, der hinter einem liegt, verkürzt die Zeit bis zum Phasen ende und somit zur Gesundung ("Durchhalteformel"). Wer für SICH einfach ANERKENNT, an einer ernsthaften Krankheit zu leiden, deren Symptome sich freilich Außenstehenden oft nur schattenhaft darstellen, reduziert damit bereits den Löwenanteil der Schuldgefühle, die er anderen falls gegenüber seiner Familie, seinem Arbeitgeber oder seinen Freunden hätte.
  • "Outet" euch gegenüber Personen, denen ihr vertraut und macht sie zu euren Verbündeten im Kampf gegen die Krankheit! Die ganze Heimlichtuerei um diese "Nervenkrankheit im Dunstkreis der Psychiatrie" hat schon allzu viele Betroffene das Leben gekostet nicht die Erkrankung selbst! Verteufelt viele große Geister der Geschichte hatten zeitweise unter Depressionen zu leiden und quälten sich durch absolut unkreative Lebensphasen. Wer weiß, vielleicht fehlt euer Chef schon von morgen ab wegen "rätselhafter Beschwerden"? Die Prävalenz der Depression liegt bezogen auf Gesamtbevölkerung und Lebenszeit bei immerhin satten 17 Prozent!
  • Haltet euch tagsüber so lange wie möglich im Freien auf. Das Herumsitzen in geschlossenen Räumen ist pures Gift für die Psyche, denn das menschliche Gehirn benötigt ständig Reize, um gesund zu bleiben bzw. zu werden. Wer durch den Wald wandert, atmet nicht nur frische Luft ein, sondern tut immer etwas für seinen "Betriebszustand des Augenblicks". Wer hingegen Tage und Wochen nur mehr zu Hause vor sich hindämmert, der gefährdet sich selbst durch Simulation von Einzelhaft und durchleidet zusätzlich auch noch deren Qualen. Also: jeden Tag ein paar Stunden spazieren gehen oder wandern, besser noch Sport treiben! Bloß raus aus dem Haus....
  • Beschäftigung mit Kindern: es fällt zwar verdammt schwer, ist aber lohnend. Meine knapp 10-jährigen Zwillinge sind für die Anwesenheit ihres Vaters so dankbar, dass sie mich "nie wieder ins Büro gehen lassen wollen". Kleine Dinge machen sie glücklich: hier mal eine kurze Fahrradtour, dort mal Hausaufgabenhilfe oder einen Gang durch die Stadt. Es wirkt! In den letzten 4 Jahren waren meine Kinder die größte Hilfe aus dem Umfeld. Sie nehmen einen einfach an wie man gerade ist und wollen von Krankheit gar nichts hören. Das ist sehr viel wert!
  • Wer keine Kinder hat, der kann sich über die Beschäftigung mit Haustieren eine Freude machen. Man gehe nur ins Tierheim, um für eine Stunde einen der vielen ganztags in ihren Boxen gefangenen Hunde an der frischen Luft zu bewegen. Das Tier wird es jedem auf sichtbare Weise danken, der ihm für einen Moment die Freiheit von der gewohnten Zelle bieten kann. Stichwort: positives Feedback.
  • Versucht, den Kontakt zum "inner circle" eures Freundeskreises trotz aller Hemmnisse aufrecht zu erhalten. Die Vereinsamung aufhalten, die engsten Freunde trotz des miserablen eigenen Zustandes bei der Stange halten, auch wenn es noch so schwer fällt. Einladungen zu Geburtstagsfeiern o.ä. habe ich niemals ausgeschlagen, sondern bin immer hingegangen, auch wenn es mir morgens um 8 Uhr noch völlig unmöglich schien, ein paar Stunden später teilzunehmen. Wichtig ist, das Gefühl vermittelt zu bekommen, auch weiterhin dazuzugehören.
  • Haltet Selbstdisziplin! Auch wenn es noch so unmöglich erscheinen mag, jeden Morgen um 8 Uhr aufzustehen, da ja ohnehin alles so sinnlos erscheint, raus aus den Federn! Den je weiter die erste Aktion des Tages zeitlich nach hinten rutscht, um so länger hält sich das Morgentief und verdirbt grausam euren Tag.
  • Macht euch das Leben so einfach wie möglich. Gebt Tätigkeiten, die beim besten Willen nicht mehr zu bewältigen sind, ohne Selbstvorwürfe an Vertraute weiter. Lasst euch durch eure nächsten Angehörigen vorübergehend entlasten, bis ihr wieder Kraft und Stärke habt.
  • Trefft keine wichtigen Lebensentscheidungen in der Depressionsphase! Zu viele haben sich durch veränderte Sichtweisen im "depressiven Loch" mit falschem Handeln unumkehrbar um Arbeitsplatz, Partnerschaft oder Vermögen gebracht.
  • Bleibt nach Möglichkeit nicht längere Zeit allein. Ganz schlecht ist es, alleine im Zimmer zu hocken. Beschafft euch angenehme Gesellschaft, auch um den Preis, dass eben der eine oder andere Außenstehende die Natur eurer Krankheit kennt. Wichtiger ist allemal, dass ihr mit Bestimmtheit sicher sein könnt, aus der Depression wieder vollständig herauszukommen nur das zählt! Macht euch darum die akut depressive Lebensphase "so angenehm wie möglich", ganz ohne schlechtes Gewissen....
  • Nehmt die Termine bei eurem Arzt (besser: Facharzt) wahr und folgt unbedingt seinen Anweisungen besonders hinsichtlich der Medikamenteneinnahme. Nur 11-18% aller depressiven Patienten erhalten eine ausreichende Pharmakotherapie mit Antidepressiva: Ein Skandal, an dem Ärzte und Patienten gleichermaßen beteiligt sind.
  • Reisen ist purer Stress für Depressive, den sie können die für den Umgebungswechsel erforderliche Anpassungsleistung nicht erbringen. Nicht selten verschlechtert sich die Symptomatik durch Ortswechsel während der Krankheitsphase. Also: Reisen tunlichst aufschieben bzw. vermeiden.
  • Achtet auf "negative Fallgruben", die ihr euch krankheitsbedingt selbst stellt! Beispiel: "Ich habe viele meiner Freunde verloren!" Richtiger ist doch gewiss, dass die Funkstille im Umgang mit den Freunden durch euren "depressiven Rückzug" selbst verursacht wurde, weil ihr an fröhlichen gemeinsamen Unternehmungen kein Interesse mehr habt, während die Freunde sich ihrerseits schon lange fragen, was wohl mit euch los sein mag und nur auf ein freudiges Wiedersehen warten.
  • Psychopharmaka: Untergruppe Antidepressiva Diese Medikamente machen weder jemals süchtig noch verformen sie eure Persönlichkeit nach dem Wunsch des behandelnden Arztes! Keine Panik also! Sie gleichen lediglich eine Schieflage der Neurotransmitterkonzentration im synaptischen Spalt aus, indem sie auf die Transmitter Serotonin und Noradrenalin wirken. Nebenwirkungen der Antidepressiva sind zu erwarten, dennoch sollten die Medikamente ohne Murren und mit voller Dosis eingenommen werden. Ein jeglicher medikamentöser Therapieansatz ist zwecklos, wenn entweder die Dosis zu gering oder aber die Zeitspanne ihrer Anwendung zu kurz ist. Das Leiden geht weiter, wenn die Therapie nur halbherzig aufgebaut ist! Dann doch noch eher für einen absehbaren Zeitraum die Nebenwirkungen tolerieren....
  • Was viele Ärzte noch immer nicht wissen oder nicht anwenden: Eine Therapiekontrolle über die Konzentration der wirksamen Medikamente im Blutplasma ist für immer mehr Antidepressiva und deren Verstoffwechselung möglich und kann einfach durch die Labormedizin durchgeführt werden. Der Vorteil liegt in der Möglichkeit zur Therapieoptimierung, da für viele Antidepressiva therapeutische Bereiche der Wirksamkeit als Funktion ihrer Blutkonzentration definiert wurden. Die optimale Wirkdosis kann dann Aufgrund der Messergebnisse zielgenau eingestellt werden.
  • Keine Angst vor zu hoher Dosierung der Antidepressiva! Ich selbst wurde jahrelang mit viel zu geringen Dosen der durchaus richtigen Medikamente behandelt und galt folglich lange Zeit als therapieresistent. Bis ich zu meinem aktuellen Arzt vorstieß, der mich, einen athletischen Zwei-Zentner-Mann, zunächst einer Anpassung der antidepressiven Dosis unter zog (Gewichtskompensation). Danach packte er nochmals 50% auf die jetzt er mittelte Dosis drauf, ignorierte die Dosis-Empfehlungen der Hersteller und entließ mich zu einer vorsichtigen, stufenweisen Eindosierung in den Alltag. 5 Wochen nach Erreichen der vollen Dosis sprachen die Medikamente langsam an und besserten allmählich meine Leistungsfähigkeit und meine Grundstimmung. Noch immer geht der Weg nicht geradlinig nach oben, doch nach 5 Monaten einer Schattenexistenz scheint es wieder langsam hell zu werden.
  • Leben Sie nicht in den Tag hinein, sondern nehmen Sie sich für jeden neuen Tag etwas vor. Es muss nicht viel sein, wichtig ist nur dass es gelingt. Denken Sie abends über den vergangenen Tag nach.
  • Gestalten Sie Ihren Tagesablauf Abwechslungsreich, das erhält Ihr seelisches Gleichgewicht. Wenn Sie einseitig gerichtet leben, wächst in Ihrem Unbewussten die Gegenrichtung an. Wo übertriebene Liebe ist wächst Abneigung.
  • Verbessern Sie Ihre Wahrnehmung durch genaueres zuhören, hinsehen und fühlen. Beispiel: Sie waren in einem neuen Lokal zum Abendessen, wissen Sie welche Farbe die Wände hatten? Welche Hintergrundmusik wurde gespielt?
  • Leben Sie nicht im Dauerstress, sondern machen Sie mal eine Pause und nehmen Sie sich Zeit für sich.
  • Erforschen Sie Ihr "Ich". Wer/was sind Sie? Finden Sie Ihre Fähigkeiten und Interessen heraus.
  • Lassen Sie nichts unversucht, es kann Ihnen Erfolg bringen. Etwas nicht zu versuchen bringt auf jeden Fall Misserfolg.
  • Seien Sie auch Unbekanntem gegenüber aufgeschlossen, unbekannt ist nicht automatisch schlecht Sie müssen es erst kennen lernen um zu Beurteilen und nur Veränderung kann Wegbereiter sein.
  • Machen Sie immer nur solch große Schritte die Sie auch zu gehen fähig sind. Nur so werden Sie, von Erfolgen angespornt, Ihren Ehrgeiz erhalten und damit Ihre Ziele erreichen.
  • Meist setzt man naiv voraus, dass die Mitmenschen die Dinge gleich erleben. Ohne Menschen- und Selbstkenntnis werden Sie sich aber immer wieder darüber wundern, dass die anderen so unbegreiflich anders sind und handeln. Daraus entsteht viel Misstrauen, Streit und Erbitterung.
  • Identifizieren Sie sich nicht mit anderen. Die Identifikation kettet Sie an Inhalte, die nur einen Teil Ihres Wesens ausmachen oder überhaupt außerhalb von Ihnen liegen. Bleiben Sie sie selbst und Sie gewinnen das Vertrauen Anderer.
  • Machen Sie sich nicht von Anderen abhängig, nur durch Unabhängigkeit können Sie Kontakte dauerhaft aufrechterhalten.
  • Bringen Sie Unangenehmes gleich hinter sich, später kommt es sowieso auf Sie zu. Ihre Seele wird entlastet. Grübeln Sie nicht vorher, sondern machen Sie sich Gedanken während Sie etwas tun.
  • Es gibt einen schönen Satz: "Lassen Sie nie die Sonne untergehen lassen über Ihren Zorn", sonst werden Sie in Ihrer Kränkung verharren.
  • Wissend um die Gegensätze (Glück und Leid, Freude und Erbitterung) als einer Grundbedingung des Lebens, sind Sie als reifer Mensch eingestellt auf die Ganzheit des Daseins und werden dafür sinnhaft als ganzer Mensch leben dürfen. Wenn Sie Auffassung und Gegenauffassung bewusst berücksichtigen, dann werden Sie von den Gegensätzen nicht mehr erdrückt oder zerrissen werden.
  • Sie müssen das Schicksal Ihres Daseins annehmen, es ist die Ihnen von der Natur gestellte Aufgabe hineinzuwachsen und sich anzupassen, in eine längst bestehende Umwelt in die sie hineingeboren wurden. Was Sie nicht freiwillig annehmen, in das werden Sie hineingeworfen.
  • Erkennen und leben Sie die schönen Seiten. Die entsetzliche Schauerlichkeit des Lebens ist nur eine seiner Erscheinungen.
  • Leben Sie in Verantwortung gegenüber Ihnen selbst. Was ist gut für Sie? Nur die richtige Antwort füllt das Gefäß Ihres Schicksals mit dem Glück Ihrer Persönlichkeit.
  • Selbstsicherheit trainieren: depressive Menschen haben meist Selbstwertprobleme, können sich schlecht durchsetzen und sind aggressionsgehemmt. In diesen Punkten kann Ihnen ein Selbstsicherheitstraining in der Gruppe weiterhelfen. Hier lernen sie Kontaktverhalten, Abgrenzung, Eintreten für eigene Bedürfnisse.
  • Wertschätzen statt Abwerten: Depressive Menschen neigen dazu, vieles abzuwerten, sich selbst ebenso wie andere ("Das war doch nichts", "Das kann doch jeder"). Trainieren Sie die eigene Wertschätzung: Werfen Sie jedes Mal 2 Euro in ein Sparschwein, wenn Ihnen eine Abertung über die Zunge rutscht. Machen Sie mit dem Inhalt des Sparschweins demjenigen ein Geschenk, den Sie am häufigsten abgewertet haben (Das können auch Sie selbst sein...).
  • Schuldgefühle abbauen und anderen keine Schuld zuschreiben: Viele depressive Menschen leiden unter Schuldgefühlen. Sie glauben, etwas falsch gemacht zu haben oder entsprechen geprägt zu sein ("Du bist ein schlechtes Kind, wenn Du ..."). Selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, helfen Schuldgefühle jedoch nicht weiter. Sie können das Geschehene nicht rückgängig machen und sind deshalb in aller Regel sinnlos. Sie helfen sich und anderen mehr, wenn Sie Verantwortung übernehmen und anbieten Schaden zu verringern.
  • Auf Vergleiche verzichten: Viele Depressive halten durch häufiges Vergleichen ihre Unzufriedenheit am Leben. Man findet immer Menschen, die erfolgreicher, attraktiver und sorgloser als man selbst ist. Aber hilft Ihnen ein solches Wissen wirklich weiter, zumal es auf Ihrer ganz persönlichen Bewertung beruht und daher auch falsch sein kann? Solange Sie sich mit anderen vergleichen, verstellen Sie sich den Blick auf sich selbst. Welche Fähibkeiten haben Sie bereits? Welche müssen Sie noch entwickeln?

Für Begleiter:

  • Soviel Gedud und Rücksichtnahme wie möglich, ohne verletzt zu sein, wenn der Kranke sich abweisend oder fremd verhält. Zuwendung, auch wenn der Kranke sich zurückzieht.
  • Animation zu einer Aktivität oder Apelle wie "Kopf hoch!" sind zwecklos und geben dem Kranken allenfalls das Gefühl, nicht verstanden zu werden.
  • Behutsam begleiten: Gefühle spiegeln, vorsichtig korrigieren, nichts tabuisieren
  • bisherige Bemühungen wertschätzen: das bisherige Bemühen des Kranken würdigen
  • auf bessere Lösungen orientiern: Alternativen und Zwischenlösungen zeigen statt Alles/Nichts
  • Beziehung und Hilfe anbieten: engagieren, entlasten, strukturieren, Vertragsbündnis schliessen.
  • Mitgefühl, aber kein Mitleid. Mitleid heisst sich selbst nicht vom Leid des anderen abgrenzen zu können, und "mit zu leiden". Es besteht die Gefahr sich selbst zu überfordern. Das eigen verspürte Leid kann die positive Begleitung gefährend.

Quellen: u.a. *

 

 

Zeitumstellung

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind es gewohnt später aufzustehen und haben aber demnächst früh morgens einen Termin. Dieses Phänomen ist auch als Jet-Lags bekannt. Man muss also dafür nicht unbedingt nach Amerika fliegen. Hier ein paar Infos und Tipps.

Was ist die Ursache des Jet-Lags? Eine Ursache für den Jet-Lag ist der innere Zeitgeber des Menschen, der unabhängig von äußeren Signalen funktioniert. Diese Uhr hört quasi nie auf zu ticken, auch dann nicht, wenn es keinen Hinweis auf die Tageszeit gibt. Allerdings geht die Uhr beim Menschen etwas nach: Ohne Signale von außen, zum Beispiel dem Wechsel von Tag und Nacht, stellt sich ein

  • innerer Rhythmus von 25 Stunden

ein. Dass der Mensch dem Tageslauf jedoch nicht hinterherhinkt, dafür sorgen äußere Zeitgeber, die die Uhr auf 24 Stunden justieren. Dazu gehören

  • soziale Kontakte,
  • feste Essenszeiten, der wichtigste Faktor ist jedoch
  • das Licht bzw. der Wechsel von Tag und Nacht.

Bei einem Flug über mehrere Zeitzonen verändert sich der Rhythmus dieser äußeren Zeitgeber, die innere Uhr des Reisenden ist aber noch auf den alten Zyklus programmiert. Der Körper signalisiert also beispielsweise schon am Nachmittag, dass die Zeit zur Nachtruhe gekommen ist. Da die innere Uhr sich nur langsam umstellen kann (ein bis anderthalb Stunden pro Tag), dauert es bis zur Angleichung einige Tage. Wer also von Köln nach Kalifornien jettet, wird erst nach knapp einer Woche zur richtigen Tageszeit müde und hungrig.


Was sind die Symptome des Jet-Lags? Am weitesten verbreitet sind Schlafstörungen: Nach Westflügen beispielsweise, wenn der Tag um Stunden verlängert wird, ist die Einschlafphase sehr kurz. Bricht am Zielort die Nacht an, kann der Reisende aber nicht mehr weiterschlafen, weil die innere Uhr auf Aktivität gestellt ist. Nach Ostflügen, bei denen Tag und Nacht verkürzt sind, ist ebenfalls die Einschlafzeit in der ersten Nacht sehr kurz. Infolge des Schlafentzuges dauern die Tiefschlafphasen länger. In den darauf folgenden Nächten fällt es dafür umso schwerer, einzuschlafen. Außerdem sind Jet-Lag-Geschädigte weniger leistungsfähig und können sich schlechter konzentrieren. Oft treten Magenprobleme auf. Auch auf die psychische Stimmung kann Jet-Lag einen negativen Einfluss haben.


Was kann man gegen Jet-Lag tun? Ansatzpunkt für eine "Therapie" sind die Faktoren, die die innere Uhr beeinflussen. Wie schon oben erwähnt, ist Licht der wichtigste Signalgeber. Ursache: Licht, egal ob natürliches oder künstliches, beeinflusst die Wirkung des "müdemachenden" Hormons Melatonin. Normalerweise wird dieses Hormon am späten Abend in der Zirbeldrüse im Gehirn produziert. Melatonin ist der "chemische Ausdruck der Müdigkeit": Es signalisiert dem Körper, dass es Zeit zum Schlafen ist. Nach Zeitzonenflügen wird es zur falschen Zeit ausgeschüttet, nämlich tagsüber. Forscher haben aber festgestellt, dass helles Licht den Melatonin-Ausstoß unterbindet. Deshalb:

Tipp: Tagsüber bei Sonnenschein möglichst viel unter freiem Himmel aufhalten, damit die Melatonin-Produktion im Gehirn gestoppt wird. Falls man sich in geschlossenen Räumen aufhalten muss, sollte man auf eine ausreichend helle Beleuchtung achten. Wichtig ist diese "Lichtdusche" vor allem zu dem Zeitpunkt, an dem man normalerweise müde wird - also zwischen 22.00 Uhr und 2.00 Uhr nachts.


Tipp: Fangen Sie mit dem Gang ins Flugzeug an, sich auf Ihr neues Reiseziel einzustellen. Dazu gehört einmal, seine Uhr sofort auf die neue Zeit umzustellen. Wichtig außerdem: Die Essenszeiten. Nehmen Sie nur dann eine größere Mahlzeit ein, wenn auch an Ihrem Zielort die Zeit fürs Essen gekommen ist. Dazwischen sollte man so viel essen, um den schlimmsten Hunger zu stillen. Wie mit dem Essen verhält es sich auch mit dem Schlafen: Sie sollten schon während des Fluges nur dann ein Nickerchen machen, wenn auch am Zielort Schlafenszeit ist. Das gilt auch in den ersten Tagen nach dem Flug: Falsch ist es, sich nachmittags schlafen zu legen, weil es zuhause gerade Nacht ist - das würde die Umstellung der inneren Uhr verlängern. Also lieber etwas Schlafentzug, dafür aber weniger Jet-Lag. Übrigens kann man mit dieser Umstellung der inneren Uhr schon vor der Reise beginnen. Zwei bis drei Tage vor einem Westflug zum Beispiel könnte man den Schlaf immer weiter in die Nacht verschieben und damit seine Schlafphase an den Zielort anpassen. Umgekehrt bei Ostflügen: Hier sollte man immer früher ins Bett gehen, dadurch verschiebt sich die Schlafphase nach vorne.


Tipp: Melatonin-Einnahme. In Deutschland allerdings kaum möglich, weil es Melatonin nicht als Pille gibt. In den USA beispielsweise kann man Melatonin-Pillen im Handel kaufen. Es hat sich gezeigt, dass Melatonin bei Ostflügen die Anpassung beschleunigen kann. Nach einem Ostflug beginnt die Schlafphase dann, wenn es am Ausgangspunkt der Reise noch Nachmittag ist. Melatonin als "Müdemacher" kann dem Körper die Umstellung erleichtern. Wichtig ist allerdings, dass man das Hormon genau zum richtigen Zeitpunkt einnimmt: Nämlich genau dann, wenn man auch normalerweise müde würde, also zwischen 22.00 Uhr und 2.00 Uhr. Wird Melatonin zu einem falschen Zeitpunkt eingenommen, kann sich die Anpassungsdauer sogar verlängern. Derzeit liegen jedoch noch keine Angaben vor, ob Langzeiteinnahmen solcher Melatoninpillen irgendwelche Nebenwirkungen haben. Die Untersuchungen sind noch im Gange. Die Einnahme von Schlafmitteln ist nicht zu empfehlen, denn diese Medikamente haben keinen Einfluss auf die innere Uhr und beschleunigen die Anpassung deshalb nicht. Falls man trotzdem nicht darauf verzichten will, sollte man ausschließlich milde Schlafmittel mit kurzer Wirkungsdauer verwenden (in Apotheken erfragen). Noch ein Tipp zum Thema Kaffee oder Tee: Auch hier ist entscheidend, wann man die "Muntermacher" zu sich nimmt. Günstig ist die belebende Wirkung, um nach Westflügen die Zeit bis zum Einschlafen zu überbrücken. Trinkt man die Muntermacher aber zum falschen Zeitpunkt, zum Beispiel zu kurz vor dem Einschlafen, dann können sie die innere Uhr noch zusätzlich durcheinander bringen.

 

 

Lichttherapie

  Anwendungsfelder:
  • Herbst-Winter-Depression
  • Zeitumstellung, vor- oder rückgelagerte Schlafphasen
  • Lichtmangel, wenn man z.B. häufig in eher dunkleren Büros arbeitet oder nahe dem Polarkreis lebt (Polarnacht)
  • Schlafstörungen durch Lichtmangel
  • Schlafstörungen durch Schichtarbeit

Anwendung:

Die Lichttherapie wird zu Hause täglich für 30-60 Minuten (je nach Gerätetype) im Abstand von rund 60-70 cm von der Lampe durchgeführt. Auch eine Anwendung für längere Zeit pro Tag ist problemlos möglich. Eine "Überdosierung" kann dabei nicht erfolgen. Wohl aber kann eine zu kurze Anwendung zu einem Ausbleiben der Wirkung führen. Um eine messbare Wirkung zu erzeugen, müssen die Lampen eine Lichtintensität von mindestens 2500 lux aufweisen.

Während der Anwendung kann man lesen, telephonieren, Radio hören, essen, oder irgendeiner anderen Beschäftigung im Sitzen nachgehen. Ungefähr ein Mal pro Minute sollte man kurz direkt in die Lampe blicken. Da das Licht vermutlich direkt über die Augen Teile des Gehirns beeinflusst, ist es nicht sinnvoll, während der Lichttherapie die Augen zu schließen oder Sonnenbrillen zu tragen. Schon nach wenigen (1-3) Tagen sollte ein deutlicher stimmungsaufhellender und antriebssteigernder Effekt durch die Lichttherapie erreicht werden. Leider hält die Wirkung der Lichttherapie nur relativ kurz (1-2 Tage) an, sodass eine tägliche Therapie während der gesamten dunklen Jahreszeit notwendig ist.

Die Lichttherapie kann in seltenen Fällen durch ihre antriebssteigernde Wirkung zu Einschlafstörungen führen, wenn sie am Abend durchgeführt wird. Deshalb sollte die Lampe zu einer früheren Tageszeit (z. B. nach dem Aufstehen) angewandt werden.

Lichtduschen selbstgebaut:

Kommerzielle Lichtduschen sind nicht gerade billig. Mit einfachen Mitteln kann können Lichtduschen aber selbst gebaut werden. Alle Bestandteile gibts im Baumarkt um der Ecke:

  • elektronisch geregelte Energiesparlampen
  • grüne Flachleitungen (Meterware) und die entsprechenden Fassungen, die in die Flachleitung hineingeschraubt werden (Enden abisolieren!).
  • Holzbrettchen an denen die Fassungen montiert werden

Eine ausführliche Anleitung zum Bau einer Lichtdusche gibt es hier im Hobbythek-Tipp Besser Schlafen. Zwei Varianten werden vorgeschlagen:

  • Eine einfachere Lichtdusche mit 4 Globe-Energiesparlampen a 20 Watt (groeßere Kugellampen, die nicht blenden), die auf ein Brettchen geschraubt werden (2500 Lux bei 40 cm Abstand).
  • Luxus-Modell mit 7 länglichen Energiesparlampen a 18 Watt. Für diese wird ein Holkasten mit Luftlöchern gebaut. Die Rückseite wird mit Silberfolie abgedeckt. Die Vorderseite bildet eine Plexiglas-Scheibe, die mit Schleifpapier angeraut, als Streuscheibe dient. So wird eine Blendung durch die kleinen und hellen Lampen vermieden (2500 Lux bei 70 cm Entfernung). Der Preis im Selbstbau beträgt ca. 100 DM.

Viel Spass beim Basteln! Passt auf, dass Ihr keinen Stromschlag bekommt! Mit einer Zeitschaltuhr könnt ihr euch morgens mit Licht wecken lassen. Für Bastel-Muffel : könnte man die Flachleitung mit dem Globe-Lampen nicht einfach an die Wand hängen?

 

 

 

 

Einschlafen

 
  • Entwickeln Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus. Überlegen Sie sich wann Sie schlafen wollen. Nicht früher zu Bett gehen und nicht später aufstehen. Nickerchen am Tag sind verboten. Es kann hilfreich sein, sich den ganzen Tag hinüber nicht hinzulegen. Vielleicht kennen Sie das auch: die Abend-Nachrichten laufen, man hat sich gemütlich aufs Sofa gekuschelt und schläft dabei ein. Am Abend im Bett bleibt einem der Schlaf verwehrt. Vermeiden Sie also das Nickerchen, in dem Sie z.B. die Nachrichten sitzend verfolgen.
  • Gewöhnen Sie sich Schlafrituale an: vor dem Einschlafen etwas ermüdendes Lesen, noch den letzten Apfel essen, ein Entspannungsübung, z.B. progressive Muskelrelaxation, durchführen. Noch einen kleinen Spaziergang machen. Vermeiden Sie abends auf- oder erregendes Aktivitäten. Suchen Sie sich irgend etwas langweiliges und uninteressantes aus. Etwas was Sie tagsüber auch nur ungern machen. Vielleicht wollten Sie schon immer einmal ein Gedicht auswendig lernen?
  • Gewinnen Sie abends im Bett vor dem Einschlafen eine entspannte Passivität. Der Gedanke "mist, warum kann ich nicht einschlafen" ist pures Gift. Der Schlaf entzieht sich unserer aktiven Kontrolle. Stattdessen entscheiden sie sich dafür, sich erholen zu wollen, Abstand zu den alltäglichen Problemen zu wahren. Die Gedanken werden nur passiv wahrgenommen, aber nicht weiter verfolgt. Ein hilfreicher Gedanke hierzu: "Stell Dir vor, Du stehst auf einer kleinen Brücke über einen Bach. Die ganzen Gedanken, die auftauchen, und die Du normalerweise weiterverfolgen würdest, treiben als Blätter auf dem Bach. Du siehst das Blatt unter Dir vorbei schwimmen und es verschwindet schließich am Horizont."
  • Das Bett sollte nur zum Schlafen benutzt werden. Also nicht den ganzen Tag drin liegen und sich ausruhen, die Zeitung lesen o.ä.
  • Achten Sie auf den Verlauf von Licht und der Dunkelheit. Tagsüber sollten Sie viel Licht tanken (z.B. Lichtdusche). Abends sollte auf eine gedämpfte Beleuchtung geachtet werden.
  • Achten Sie auf ein angenehmes Klima im Schlafzimmer: z.B. Ruhe, gute Luft. Die 6er Steckdose für den Radiowecker muss ja nicht gerade unter dem Kopfkissen liegen.
  • tagsüber Sport (z.B. eine halbe Stunde Joggen) entspannt und ist zur Erhaltung unserer Grundfitness notwendig. Der Sport sorgt für die gewünschte Grundmüdigkeit am Abend. Ca. 4 Stunden vor dem Schlafen sollte darauf aber verzichtet werden.
  • Essen Sie am Abend nur leicht. Wer abends noch opulent isst, sorgt dafür, dass der Schlaf nur wenig erholreich ist (Darmaktivität). Gegebenenfalls können sie schlechter einschlafen oder wachen wieder auf. Vermeiden Sie abends Fett und Fleisch und bevorzugen Sie Kohlenhydrahte. Ein Apfel vorm Schlafen ist optimal. Tagsüber sind 3 Mahlzeiten und 2 Snacks empfehlenswert. Fleisch und Fette (z.B. ein Esslöffel Olivenöl) sollten Mittags verzehrt werden. Grosse Esspausen mit resultierenden Heißhunger sollten vermieden werden.
  • Trinken Sie in den letzten Stunden vor dem Schlafengehen nur wenig Alkohol, denn er stört den erholsamen Tiefschlaf. Rauchen im Schlafzimmer sollte tabu sein. Koffein stört den Tiefschlaf, meiden Sie daher ab dem späten Nachmittag Kaffee, Cola und schwarzen Tee. Auch zuviel Schokolade und Kakao können aufputschen.