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Hier ein paar Tipps zum Umgang mit Depressionen. Sicherlich werden
nicht alle Punkte reproduzierbar auf jede Depression sein. Dennoch
sind die Erfahrungen und Strategien vielleicht für den einen oder
an deren durchaus hilfreich, das mit der Depression verbundene Krisenmanagement
zu optimieren, die übelsten Phasen der Krankheit sicherer zu überstehen
und den Verlauf der Depression durch Therapieoptimierung zu verkürzen.
- Was kann ich mir gutes tun? Was würde mir Spaß machen?
Kann ich mich irgendwie belohnen?
- Beschäftige Dich und lenk Dich ab. Wie wär's mal mit
einem vorgezogenen Frühjahrsputz. Oder koche mal ein 3-Gänge-Menü.
- Macht Sport, soweit es körperlich
geht.
- Schafft Euch für jede Situation Freiräume
- und nicht dafür schämen und sich fragen was andere darüber denken
könnten...
- Macht Dinge die Euer Selbstbewusstsein
stärken (Schulbank drücken, seid in irgendwas richtig gut! )
- Schafft Euch Ziele.
- Holt Euch Anerkennung!!!
- Ändert Eure krankmachenden Lebensumstände.
- Geht bewusst in die Situationen
die Euch Angst machen, Stück für Stück immer weiter. Ich habe festgestellt
das es da eine Art " Körpergedächtnis für Erfolge " gibt
( ist meine Ausdrucksart - haben kluge Menschen sicher schon anders
benannt ).
- Steht auf und wehrt Euch gegen
diesen Irrsinn!!!
- Glaubt an Euch selber denn das kann kein anderer für Euch tun!
- Die Depression ist eine schwere, aber überwindbare Krankheit. Jeder Tag einer depressiven Phase, der hinter einem
liegt, verkürzt die Zeit bis zum Phasen ende und somit zur Gesundung
("Durchhalteformel"). Wer für SICH einfach ANERKENNT,
an einer ernsthaften Krankheit zu leiden, deren Symptome
sich freilich Außenstehenden oft nur schattenhaft darstellen,
reduziert damit bereits den Löwenanteil der Schuldgefühle, die er
anderen falls gegenüber seiner Familie, seinem Arbeitgeber oder
seinen Freunden hätte.
- "Outet" euch
gegenüber Personen, denen ihr vertraut und macht sie zu euren Verbündeten
im Kampf gegen die Krankheit! Die ganze Heimlichtuerei um diese
"Nervenkrankheit im Dunstkreis der Psychiatrie" hat schon
allzu viele Betroffene das Leben gekostet nicht die Erkrankung selbst!
Verteufelt viele große Geister der Geschichte hatten zeitweise unter
Depressionen zu leiden und quälten sich durch absolut unkreative
Lebensphasen. Wer weiß, vielleicht fehlt euer Chef schon von
morgen ab wegen "rätselhafter Beschwerden"? Die Prävalenz
der Depression liegt bezogen auf Gesamtbevölkerung und Lebenszeit
bei immerhin satten 17 Prozent!
- Haltet euch tagsüber so lange wie möglich im Freien auf. Das
Herumsitzen in geschlossenen Räumen ist pures Gift für die Psyche,
denn das menschliche Gehirn benötigt ständig Reize, um gesund zu
bleiben bzw. zu werden. Wer durch den Wald wandert, atmet nicht
nur frische Luft ein, sondern tut immer etwas für seinen "Betriebszustand
des Augenblicks". Wer hingegen Tage und Wochen nur mehr zu
Hause vor sich hindämmert, der gefährdet sich selbst durch Simulation
von Einzelhaft und durchleidet zusätzlich auch noch deren Qualen.
Also: jeden Tag ein paar Stunden spazieren gehen oder wandern, besser
noch Sport treiben! Bloß raus aus dem Haus....
- Beschäftigung mit Kindern:
es fällt zwar verdammt schwer, ist aber lohnend. Meine knapp 10-jährigen Zwillinge sind für
die Anwesenheit ihres Vaters so dankbar, dass sie mich "nie
wieder ins Büro gehen lassen wollen". Kleine Dinge machen sie
glücklich: hier mal eine kurze Fahrradtour, dort mal Hausaufgabenhilfe
oder einen Gang durch die Stadt. Es wirkt! In den letzten 4 Jahren
waren meine Kinder die größte Hilfe aus dem Umfeld. Sie nehmen
einen einfach an wie man gerade ist und wollen von Krankheit gar
nichts hören. Das ist sehr viel wert!
- Wer keine Kinder hat, der
kann sich über die Beschäftigung mit Haustieren
eine Freude machen. Man gehe nur ins Tierheim, um für eine Stunde
einen der vielen ganztags in ihren Boxen gefangenen Hunde an der
frischen Luft zu bewegen. Das Tier wird es jedem auf sichtbare Weise
danken, der ihm für einen Moment die Freiheit von der gewohnten
Zelle bieten kann. Stichwort: positives Feedback.
- Versucht, den Kontakt zum
"inner circle" eures Freundeskreises trotz aller
Hemmnisse aufrecht zu erhalten. Die Vereinsamung aufhalten, die
engsten Freunde trotz des miserablen eigenen Zustandes bei der Stange
halten, auch wenn es noch so schwer fällt. Einladungen zu Geburtstagsfeiern
o.ä. habe ich niemals ausgeschlagen, sondern bin immer hingegangen,
auch wenn es mir morgens um 8 Uhr noch völlig unmöglich schien,
ein paar Stunden später teilzunehmen. Wichtig ist, das Gefühl vermittelt
zu bekommen, auch weiterhin dazuzugehören.
- Haltet Selbstdisziplin!
Auch wenn es noch so unmöglich erscheinen mag, jeden Morgen um 8
Uhr aufzustehen, da ja ohnehin alles so sinnlos erscheint, raus
aus den Federn! Den je weiter die erste Aktion des Tages zeitlich
nach hinten rutscht, um so länger hält sich das Morgentief und verdirbt
grausam euren Tag.
- Macht euch das Leben so einfach wie möglich. Gebt Tätigkeiten,
die beim besten Willen nicht mehr zu bewältigen sind, ohne Selbstvorwürfe
an Vertraute weiter. Lasst euch durch eure nächsten Angehörigen
vorübergehend entlasten, bis ihr wieder Kraft und Stärke habt.
- Trefft keine wichtigen Lebensentscheidungen in der Depressionsphase!
Zu viele haben sich durch veränderte Sichtweisen im "depressiven
Loch" mit falschem Handeln unumkehrbar um Arbeitsplatz, Partnerschaft
oder Vermögen gebracht.
- Bleibt nach Möglichkeit nicht längere Zeit allein. Ganz schlecht
ist es, alleine im Zimmer zu hocken. Beschafft euch angenehme Gesellschaft,
auch um den Preis, dass eben der eine oder andere Außenstehende
die Natur eurer Krankheit kennt. Wichtiger ist allemal, dass ihr
mit Bestimmtheit sicher sein könnt, aus der Depression wieder vollständig
herauszukommen nur das zählt! Macht euch darum die akut depressive
Lebensphase "so angenehm wie möglich", ganz ohne schlechtes
Gewissen....
- Nehmt die Termine bei eurem Arzt (besser: Facharzt) wahr und
folgt unbedingt seinen Anweisungen besonders hinsichtlich der Medikamenteneinnahme.
Nur 11-18% aller depressiven Patienten erhalten eine ausreichende
Pharmakotherapie mit Antidepressiva: Ein Skandal, an dem Ärzte und
Patienten gleichermaßen beteiligt sind.
- Reisen ist purer Stress für Depressive, den sie können die für
den Umgebungswechsel erforderliche Anpassungsleistung nicht erbringen.
Nicht selten verschlechtert sich die Symptomatik durch Ortswechsel
während der Krankheitsphase. Also: Reisen tunlichst aufschieben
bzw. vermeiden.
- Achtet auf "negative Fallgruben", die ihr euch krankheitsbedingt
selbst stellt! Beispiel: "Ich habe viele meiner Freunde verloren!"
Richtiger ist doch gewiss, dass die Funkstille im Umgang mit den
Freunden durch euren "depressiven Rückzug" selbst verursacht
wurde, weil ihr an fröhlichen gemeinsamen Unternehmungen kein Interesse
mehr habt, während die Freunde sich ihrerseits schon lange fragen,
was wohl mit euch los sein mag und nur auf ein freudiges Wiedersehen
warten.
- Psychopharmaka: Untergruppe Antidepressiva Diese Medikamente
machen weder jemals süchtig noch verformen sie eure Persönlichkeit
nach dem Wunsch des behandelnden Arztes! Keine Panik also! Sie gleichen
lediglich eine Schieflage der Neurotransmitterkonzentration im synaptischen
Spalt aus, indem sie auf die Transmitter Serotonin und Noradrenalin
wirken. Nebenwirkungen der Antidepressiva sind zu erwarten, dennoch
sollten die Medikamente ohne Murren und mit voller Dosis
eingenommen werden. Ein jeglicher medikamentöser Therapieansatz
ist zwecklos, wenn entweder die Dosis zu gering oder aber die
Zeitspanne ihrer Anwendung zu kurz ist. Das Leiden geht weiter,
wenn die Therapie nur halbherzig aufgebaut ist! Dann doch noch eher
für einen absehbaren Zeitraum die Nebenwirkungen tolerieren....
- Was viele Ärzte noch immer
nicht wissen oder nicht anwenden: Eine Therapiekontrolle
über die Konzentration der wirksamen Medikamente im Blutplasma ist
für immer mehr Antidepressiva und deren Verstoffwechselung möglich
und kann einfach durch die Labormedizin durchgeführt werden. Der
Vorteil liegt in der Möglichkeit zur Therapieoptimierung, da für
viele Antidepressiva therapeutische Bereiche der Wirksamkeit als
Funktion ihrer Blutkonzentration definiert wurden. Die optimale
Wirkdosis kann dann Aufgrund der Messergebnisse zielgenau eingestellt
werden.
- Keine Angst vor zu hoher
Dosierung der Antidepressiva! Ich selbst wurde jahrelang mit
viel zu geringen Dosen der durchaus richtigen Medikamente behandelt
und galt folglich lange Zeit als therapieresistent. Bis ich zu meinem
aktuellen Arzt vorstieß, der mich, einen athletischen Zwei-Zentner-Mann,
zunächst einer Anpassung der antidepressiven Dosis unter zog (Gewichtskompensation).
Danach packte er nochmals 50% auf die jetzt er mittelte Dosis drauf,
ignorierte die Dosis-Empfehlungen der Hersteller und entließ
mich zu einer vorsichtigen, stufenweisen Eindosierung in den Alltag.
5 Wochen nach Erreichen der vollen Dosis sprachen die Medikamente
langsam an und besserten allmählich meine Leistungsfähigkeit und
meine Grundstimmung. Noch immer geht der Weg nicht geradlinig nach
oben, doch nach 5 Monaten einer Schattenexistenz scheint es wieder
langsam hell zu werden.
- Leben Sie nicht in den Tag hinein, sondern nehmen Sie sich
für jeden neuen Tag etwas vor. Es muss nicht viel sein, wichtig
ist nur dass es gelingt. Denken Sie abends über den vergangenen
Tag nach.
- Gestalten Sie Ihren Tagesablauf Abwechslungsreich, das
erhält Ihr seelisches Gleichgewicht. Wenn Sie einseitig gerichtet
leben, wächst in Ihrem Unbewussten die Gegenrichtung an. Wo übertriebene
Liebe ist wächst Abneigung.
- Verbessern Sie Ihre Wahrnehmung durch genaueres zuhören,
hinsehen und fühlen. Beispiel: Sie waren in einem neuen Lokal
zum Abendessen, wissen Sie welche Farbe die Wände hatten? Welche
Hintergrundmusik wurde gespielt?
- Leben Sie nicht im Dauerstress, sondern machen Sie mal eine Pause
und nehmen Sie sich Zeit für sich.
- Erforschen Sie Ihr "Ich". Wer/was sind Sie? Finden
Sie Ihre Fähigkeiten und Interessen heraus.
- Lassen Sie nichts unversucht, es kann Ihnen Erfolg bringen. Etwas
nicht zu versuchen bringt auf jeden Fall Misserfolg.
- Seien Sie auch Unbekanntem gegenüber aufgeschlossen, unbekannt
ist nicht automatisch schlecht Sie müssen es erst kennen lernen
um zu Beurteilen und nur Veränderung kann Wegbereiter sein.
- Machen Sie immer nur solch große Schritte die Sie auch
zu gehen fähig sind. Nur so werden Sie, von Erfolgen angespornt,
Ihren Ehrgeiz erhalten und damit Ihre Ziele erreichen.
- Meist setzt man naiv voraus, dass die Mitmenschen die Dinge gleich
erleben. Ohne Menschen- und Selbstkenntnis werden Sie sich
aber immer wieder darüber wundern, dass die anderen so unbegreiflich
anders sind und handeln. Daraus entsteht viel Misstrauen, Streit
und Erbitterung.
- Identifizieren Sie sich nicht mit anderen. Die Identifikation
kettet Sie an Inhalte, die nur einen Teil Ihres Wesens ausmachen
oder überhaupt außerhalb von Ihnen liegen. Bleiben Sie sie selbst
und Sie gewinnen das Vertrauen Anderer.
- Machen Sie sich nicht von Anderen abhängig, nur durch Unabhängigkeit
können Sie Kontakte dauerhaft aufrechterhalten.
- Bringen Sie Unangenehmes gleich hinter sich, später kommt
es sowieso auf Sie zu. Ihre Seele wird entlastet. Grübeln Sie nicht
vorher, sondern machen Sie sich Gedanken während Sie etwas tun.
- Es gibt einen schönen Satz: "Lassen Sie nie die Sonne untergehen
lassen über Ihren Zorn", sonst werden Sie in Ihrer Kränkung
verharren.
- Wissend um die Gegensätze (Glück und Leid, Freude und
Erbitterung) als einer Grundbedingung des Lebens, sind Sie als reifer
Mensch eingestellt auf die Ganzheit des Daseins und werden dafür
sinnhaft als ganzer Mensch leben dürfen. Wenn Sie Auffassung und
Gegenauffassung bewusst berücksichtigen, dann werden Sie von den
Gegensätzen nicht mehr erdrückt oder zerrissen werden.
- Sie müssen das Schicksal Ihres Daseins annehmen, es ist
die Ihnen von der Natur gestellte Aufgabe hineinzuwachsen und sich
anzupassen, in eine längst bestehende Umwelt in die sie hineingeboren
wurden. Was Sie nicht freiwillig annehmen, in das werden Sie hineingeworfen.
- Erkennen und leben Sie die schönen Seiten. Die entsetzliche
Schauerlichkeit des Lebens ist nur eine seiner Erscheinungen.
- Leben Sie in Verantwortung gegenüber Ihnen selbst. Was
ist gut für Sie? Nur die richtige Antwort füllt das Gefäß Ihres
Schicksals mit dem Glück Ihrer Persönlichkeit.
- Selbstsicherheit trainieren: depressive Menschen haben
meist Selbstwertprobleme, können sich schlecht durchsetzen
und sind aggressionsgehemmt. In diesen Punkten kann Ihnen ein Selbstsicherheitstraining
in der Gruppe weiterhelfen. Hier lernen sie Kontaktverhalten, Abgrenzung,
Eintreten für eigene Bedürfnisse.
- Wertschätzen statt Abwerten: Depressive Menschen
neigen dazu, vieles abzuwerten, sich selbst ebenso wie andere ("Das
war doch nichts", "Das kann doch jeder"). Trainieren
Sie die eigene Wertschätzung: Werfen Sie jedes Mal 2 Euro in
ein Sparschwein, wenn Ihnen eine Abertung über die Zunge rutscht.
Machen Sie mit dem Inhalt des Sparschweins demjenigen ein Geschenk,
den Sie am häufigsten abgewertet haben (Das können auch
Sie selbst sein...).
- Schuldgefühle abbauen und anderen keine Schuld zuschreiben:
Viele depressive Menschen leiden unter Schuldgefühlen.
Sie glauben, etwas falsch gemacht zu haben oder entsprechen geprägt
zu sein ("Du bist ein schlechtes Kind, wenn Du ...").
Selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, helfen Schuldgefühle
jedoch nicht weiter. Sie können das Geschehene nicht rückgängig
machen und sind deshalb in aller Regel sinnlos. Sie helfen sich
und anderen mehr, wenn Sie Verantwortung übernehmen und anbieten
Schaden zu verringern.
- Auf Vergleiche verzichten: Viele Depressive halten durch
häufiges Vergleichen ihre Unzufriedenheit am Leben. Man findet
immer Menschen, die erfolgreicher, attraktiver und sorgloser als
man selbst ist. Aber hilft Ihnen ein solches Wissen wirklich weiter,
zumal es auf Ihrer ganz persönlichen Bewertung beruht und daher
auch falsch sein kann? Solange Sie sich mit anderen vergleichen,
verstellen Sie sich den Blick auf sich selbst. Welche Fähibkeiten
haben Sie bereits? Welche müssen Sie noch entwickeln?
Für Begleiter:
- Soviel Gedud und Rücksichtnahme wie möglich,
ohne verletzt zu sein, wenn der Kranke sich abweisend oder fremd
verhält. Zuwendung, auch wenn der Kranke sich zurückzieht.
- Animation zu einer Aktivität oder Apelle wie "Kopf hoch!"
sind zwecklos und geben dem Kranken allenfalls das Gefühl,
nicht verstanden zu werden.
- Behutsam begleiten: Gefühle spiegeln, vorsichtig korrigieren,
nichts tabuisieren
- bisherige Bemühungen wertschätzen: das bisherige
Bemühen des Kranken würdigen
- auf bessere Lösungen orientiern: Alternativen und
Zwischenlösungen zeigen statt Alles/Nichts
- Beziehung und Hilfe anbieten: engagieren, entlasten, strukturieren,
Vertragsbündnis schliessen.
- Mitgefühl, aber kein Mitleid. Mitleid heisst sich
selbst nicht vom Leid des anderen abgrenzen zu können, und
"mit zu leiden". Es besteht die Gefahr sich selbst zu
überfordern. Das eigen verspürte Leid kann die positive
Begleitung gefährend.
Quellen: u.a. *
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