| Bem.: Gesprächstherapie, wird auch klientenzentrierte oder non-direktive Psychotherapie genannt. |
| Überblick | |||
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Der Gesprächstherapeut strebt im Kontakt mit Patienten eine bestimmte Beziehung an.
In der Gesprächstherapie wird behandelt durch das Verstehen
des anderen im Zustand der Kongruenz (Überseinstimmung), und
durch unbedingter Wertschätzung begleitet. Der Patient muss
zulassen, dass er durch den Therapeuten verstanden wird.
Nach einer gewissen Behandlungszeit spielen nicht mehr die Kontakte eine Rolle, sondern der Zeitraum, indem der Therapeut zur Verfügung steht. Wichtig ist, dass der Therapeut weiterhin emotional erreichbar ist. Wirkungsweise: Die Gesprächstherapie soll dem Patienten ermöglichen seine
Bedürfnisse zu erkennen, zu sich selbst zurückzufinden und
zu beurteilen wie ein für ihn befriedigendes Leben aussehen soll.
Dabei soll der Patient sich zu einem zufriedenen und ausgeglichenen
Menschen entwickeln, dabei soll der Patient für sich selbst
die Verantwortung übernehmen, diese Ziel soll im Zentrum
einer Gesprächstherapie stehen. Der Gesprächstherapeut fördert die Selbstexploration des Klienten. Hierunter wird der Prozess der Selbstöffnung, Selbstauseinandersetzung und Selbstklärung verstanden. Der Klient kommt zunehmend intensiver mit sich selbst in Kontakt und teilt sein Fühlen, Denken und inneres Erleben im Zusammenhang mit seinen Beeinträchtigungen mit. Er vermag seine Vorstellungen über die eigene Person (Selbstbild) und seine Wünsche, Bedürfnisse sowie Ziele (Idealbild) zu hinterfragen (Selbstauseinandersetzung). Mit dem Bemühen um Selbstklärung werden dem Klienten neue Aspekte seiner eigenen Person bewusst, es kommt zu Änderungen seines Selbstkonzeptes mit veränderten Einstellungen und Verhalten gegenüber bisherigen Konflikten und problematischen Situationen. Nebenwirkungen/Kritische Betrachtung: Es besteht die Gefahr depressiver zu werden, wie bei jeder anderen Therapieform. Dies kann auch am Therapeuten liegen. Oft sind hier Zuneigungs- oder Abneigungsgefühle, die der Patient zum Therapeuten entwickelt und welche der Therapeut missversteht oder missachtet. |
| Ausführliche Beschreibung der Gesprächstherapie | |||
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Viele psychisch Belastete fühlen sich von allen missverstanden. Erst wenn ihnen durch andere das wiedergegeben wird, was sie empfinden, fühlen sie sich verstanden. Allmählich sind sie dann auch für eine Veränderung bereit. Eine der theoretischen Grundlagen ist die Auffassung, nach der die Persönlichkeit des Menschen durch seinen Wunsch nach Selbstentfaltung bestimmt ist. Ziel der Therapie ist die "vollfunktionsfähige Persönlichkeit", deren Gefühle, Wünsche, Motive und Bedürfnisse abzuklären sind". Dem therapeutischen Verfahren liegt die Annahme zugrunde, dass Interpretationen des Therapeuten dem Klienten Angst machen. Der Klient kann nur zu einer Einsicht durch eigene Erfahrung gelangen. Er muss die Einsicht selbst erwerben. Der Therapeut hält sich aus diesem Grund mit der Beratung zurück. Stattdessen geht er auf drei verschiedene Weisen auf den Klienten ein: durch Empathie (das ausgedrückte Gefühl anzuerkennen), Wertschätzung (unbedingte Beachtung, emotionale Wärme, Würdigung der Person, Nächstenliebe) und Echtheit (Selbstkongruenz, Transparenz, Eigenständigkeit, Selbstöffnung. In dem Therapieprozess soll der Klient durch Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen (Selbstexploration) von einem unfreien Umgang mit den eigenen Gefühlen und Beziehungen zu einem offenen und unmittelbaren Selbsterleben gelangen. Aufgabe des Therapeuten ist es, seine aufrichtige Überzeugung
mitzuteilen, dass der Klient, unbeschadet seiner Einstellungen,
Gedanken und seines Verhaltens, ein Individuum von unbedingtem Selbstwert
ist. Die sogenannte humanistische Auffassung vom Wesen des
Menschen, die auch die Gesprächstherapie vertritt, unterstreicht
die Einzigartigkeit jedes einzelnen Individuums. Diese Einzigartigkeit
ist ein unumgängliches Ergebnis der subjektiven Handlungsweise
jedes einzelnen Menschen. Rogers postuliert die Vorherrschaft des
Subjektiven gegenüber dem Objektiven in allen Bereichen des
menschlichen Lebens. Darüber hinaus geht Rogers davon aus,
dass der Mensch von Natur aus gut ist und eine Tendenz
zur Selbstverwirklichung, zu Wachstum, Gesundheit und Anpassung
hat. Es müssen lediglich geeignete Bedingungen hergestellt
werden, damit der Mensch sich selbst verwirklichen kann. DIE AKTUALISIERUNGSTENDENZ Die Motivation des Menschen resultiert aus seiner Tendenz, sich selbst verwirklichen zu wollen. Diese allein motivierende Kraft nennt man in der Gesprächstherapie die Aktualisierungstendenz. Dies ist die innewohnende Tendenz des Organismus, all seine Kapazitäten auf die Arten zu entwickeln, die dazu dienen, den Organismus aufrechtzuerhalten oder zu verbessern". Rogers sieht die Aktualisierungstendenz als das einzige Motiv. Es hat eine zentrale Position im Bewertungsprozess des Individuums, d.h. Erfahrungen werden danach bewertet, inwieweit sie der Person helfen, seine Selbstverwirklichungsbedürfnisse zu befriedigen. PERSÖNLICHKEITSAUFFASSUNG Es wird davon ausgegangen, dass das Individuum, wenn ihm geholfen wird, sich zu reorientieren und seine Einstellungen neu zu organisieren, auch zu einer normaleren und weniger mühsamen Anpassung gelangen und auf sozial anerkannte Weise Befriedigung finden kann. Um das zu erreichen, versucht die Gesprächstherapie den Bewertungsprozess des Menschen (d.h. der Mensch prüft seine Erfahrungen nach ihrer Förderlichkeit für die Selbsterhaltung) umzuorganisieren. Ein Stufenschema reicht von einer generellen Zielstrebigkeit, sich
zu vervollkommnen (Aktualisierungstendenz) über das Selbstkonzept
der eigenen Person bezüglich der eigenen Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft bis zur Neubewertung. Das Ziel ist die "vollfunktionsfähige
Persönlichkeit", deren wichtigste Merkmale die Offenheit
gegenüber Erfahrungen, die Übereinstimmung von Selbstbild
und Erfahrung, Wertschätzung des eigenen Selbst, unverzerrte
Realitätswahrnehmung und reife, befriedigende soziale Interaktionen". THERAPEUTENVARIABLEN Die Gesprächstherapie erwartet vom Therapeuten Zurückhaltung. Der Grund dafür ist, dass dem Therapeuten relativ schnell der nach seiner impliziten Theorie interpretierte Grund der psychischen Störung klar wird. Doch je genauer und zutreffender seine Interpretation ist, desto größer ist, die Wahrscheinlichkeit, dass der Klient mit Widerstand und Abwehr reagiert. Der Psychoanalytiker bezeichnet diesen Widerstand als Blockade des Unbewussten. Dies wird dann ins Zentrum seiner therapeutischen Arbeit gestellt. Der Verhaltenstherapeut antwortet mit der sogenannten Gegenkonditionierung, und der Gesprächstherapeut lässt den Klienten sozusagen "ins Leere laufen". Unter dem alten chinesischen Motto: "Wenn ich vermeide, mich einzumischen, sorgen die Menschen für sich selber; wenn ich vermeide, Anweisungen zu geben, finden die Menschen selbst das rechte Verhalten." Der Therapeut reflektiert die Aussagen des Klienten in einer Weise, die dessen Gedankengänge transparent macht und klarstellt, dass seine Gedanken verstanden werden. Der Therapeut gibt die Äußerungen des Klienten spiegelbildlich wieder (ohne eigene Interpretationen). So hört der Klient seine eigenen Worte aus dem Mund des Therapeuten und kann beginnen sich zu korrigieren (Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte). Der Klient fühlt sich auf diese Weise verstanden, aber auch dazu bewogen, etwas zu verändern. Gesprächstherapeuten sollen durch ihr Verhalten bewirken,
dass Menschen das in ihnen vorhandene Potential entdecken
und eigene Lösungen für sich entwickeln können. Um
das zu erreichen, müssen Therapeuten im Umgang mit ihren Klienten
drei Dinge (Basisvariablen) beachten: 1. Empathie/ Einfühlendes Verstehen: Der Therapeut muss versuchen, die innere Welt und das Bezugssystem des Klienten nachzuvollziehen. Die Gefühle und deren Bedeutungen und Bewertung des Geschehens von Seiten des Klienten sind dabei besonders wichtig. Der Therapeut muss versuchen, die Erlebniswelt seines Klienten, seine Realität und seine Sichtweise der Welt nachzuvollziehen. Der Therapeut darf dabei nicht nur das verbal Geäußerte beachten, sondern muss auch die nonverbale Kommunikation (Gestik, Mimik, etc.) mit einbeziehen. Die Dinge, die der Therapeut verstanden und wahrgenommen hat, soll er seinem Klienten fortwährend mitteilen. Dies soll so konkret und anschaulich wie möglich geschehen. Dabei darf der Therapeut sich nicht die Sichtweise des Klienten zu eigen machen. 2. Wertschätzung/ Akzeptierung: Ein weiterer Kernpunkt ist die positive Wertschätzung, die
der Therapeut dem Klienten entgegenbringen muss. Der Klient
soll sich - egal was er fühlt, was er äußert oder
wie er handelt - vom Therapeuten uneingeschränkt akzeptiert
fühlen. Er muss spüren, dass die Wertschätzung
des Therapeuten nicht von einem bestimmten gewünschten Verhalten
abhängt. Der Therapeut sollte dem Klienten gegenüber eine
grundlegend positive Einstellung haben und ihm mit emotionaler Wärme
begegnen. Es stärkt das Selbstvertrauen des Klienten und festigt
sein Vertrauen in die Therapie. Darüber hinaus muss er
sich Wertungen und Beurteilungen dem Klienten gegenüber enthalten
(das bedeutet nicht, dass er alles gutheißen muss,
was der Klient sagt, macht und fühlt). 3. Kongruenz / Echtheit: Hier geht es darum, dass der Therapeut eine integrierte Persönlichkeit darstellen soll. Das bedeutet, dass sich seine Gedanken, Gefühle und sein Handeln decken müssen (keine Widersprüche). Außerdem sollen der Inhalt des Mitgeteilten, der Tonfall, Mimik, Gestik und Gefühle in ihrer Aussage übereinstimmen. Der Therapeut muss sich also zwangsläufig seiner selbst und seiner Gefühle zum größten Teil bewusst sein. Er darf seinen Klienten keine Rolle vorspielen, sondern soll sich so geben, wie er ist und wie er empfindet. Es bedeutet aber nicht, dass er immer mitteilen muss, was ihn bewegt, aber dass er wichtige Gedanken und Gefühle äußert. Verstellung, Unwahrheit und Heuchelei müssen einer radikalen Selbstöffnung weichen, da eine vermutete Unechtheit beim Klienten Ungewissheit, Verschlossenheit und Entzug des positiven Beziehungsverhältnisses zur Folge haben könnte. Die drei Basisvariablen schließen aus, dass der Therapeut seinem Patienten Ratschläge und Empfehlungen bezüglich seines Verhaltens gibt. Interpretationen des Verhaltens des Klienten sind ebenso wenig angemessen. Im Falle von Interpretationen und Bewertungen von Seiten des Therapeuten würde er den Patienten nicht mehr uneingeschränkt wertschätzen und sich nicht genügend in ihn einzufühlen versuchen. Er würde seine Sichtweise des Geschehens präsentieren und eventuell vom Klienten verlangen, diese zu übernehmen. Dies führt langfristig jedoch zu keiner angemessenen Besserung des Erlebens und Verhaltens, da jeder Mensch in seiner phänomenalen Umwelt lebt und seine Bewertung der Geschehnisse vornimmt, die lediglich für ihn zutreffen. Daher weiß nur der Klient, was für ihn richtig ist. Lediglich Informationen darf ein Therapeut geben, wenn diese dazu dienen, Informationsdefizite des Klienten zu beseitigen. Diese drei Basisvariablen führen dazu, dass der Klient sich zunehmend selber erforscht und seine eigenen Kräfte aktiviert. Er soll sich immer mehr mit seinen eigenen Gefühlen, Einstellungen und seinem Erleben auseinandersetzen. PROZESSVARIABLE Die Fort- oder Rückschritte werden nach jeder der vorgesehenen Therapiesitzungen von den Therapiepartnern besprochen. Es wurden eine Reihe von Fragebögen dafür entwickelt. Im Verlauf des Therapieprozesses werden hauptsächlich zwei Variablen angegeben: 1. Das Finden neuer Aspekte des eigenen inneren Erlebens (Selbstexploration) 2. Das Selbsterleben, was das kritische Nachdenken über sich selbst, die innere Entfaltung und eine erweiterte Anwendung mit einschließt. Die Gesprächspsychotherapie betont, dass die Ergebnisse
der Therapie kein Schluss, sondern der Beginn einer zunehmenden
Selbstaktualisierung oder Selbstverwirklichung sind.
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