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Medikamente: Betablocker Tranquilizer/Benzodiazepine Weitere fundierte Einschätzungen: Zitat von sozialphobie-info.de
Folgende Links geben nur einen mangelhaften Überblick: Roche, yavivo, Beitrag im Forum Dr. Med, medpoint.ch auch (aphs.ch),psychosoziale-gesundheit.net, zwangserkrankungen.de |
| Diese Seite gibt einen Überblick über die medikamentöse Behandlung der sozialen Phobie bzw. von Angsterkrankungen im Allgemeinen. Der geneigte Leser bilde sich selbst eine Meinung. Lassen sie sich ausführlich von Ihrem Facharzt beraten. Auch diese Seite kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit stellen. |
| Betablocker | |||
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Betablocker, Beta-Rezeptorenblocker, b-Blocker wie Atenolol (Atenobene®, Atenolan®, Tenormin® und andere) und Propranolol (Inderal® und andere) haben sich bei der Behandlung von nicht generalisierten Sozialphobien bewährt. Sie können die Symptome des vegetativen Nervensystems (Tachykardie, Schwitzen, Zittern), die in gewissen sozialen Situationen (z. B. bei einem Vortrag vor einer Gruppe) auftreten, wirksam bekämpfen. Nebenwirkungen, die bei der Behandlung mit b-Blockern auftreten können, sind Hypotonie (Anmerkung: chronisch zu niedriger Blutdruck), Übelkeit und periphere Durchblutungsstörungen sowie gelegentlich Depressionen. Bei der generalisierten Form der Sozialphobie sind b-Blocker aber nicht wirksam. |
| Tranquilizer/Benzodiazepine | |||
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1. Tranquilizer lösen die Angst, wirken entspannend und harmonisierend. Die meisten Tranquilizer gehören zur Gruppe der Benzodiazepine, von denen das Diazepam (Valium) am bekanntesten ist. Diese gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. In ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit sind sie unübertroffen, wenn sie strikt nach Anweisung eingenommen werden. Andernfalls bergen sie, sowie Benzodiazepin-ähnliche Substanzen, das Risiko einer Abhängigkeit. Das Risiko korreliert mit der Dosis, der Einnahmedauer und Persönlichkeitsfaktoren wie Vermeidungsverhalten. Benzodiazepine machen müde und schränken die Fahrtauglichkeit ein. Tranquilizer bzw. Benzodiazepine sind ausschließlich für die akute und kurzfristige Behandlung der sozialen Phobie sinnvoll und sollten ansonsten zurückhaltend eingesetzt werden. 2. Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ werden am häufigsten verordnet - und kontrovers beurteilt. Die einen finden sie entbehrlich oder gar schädlich (z. B. Suchtgefahr), andere halten sie für eine effektive (Not-) Lösung, auf die man vor allem in der Praxis nicht verzichten kann. Daran ist etwas Wahres. Bedarfsweise und dann am besten in Tropfenform (rasche Wirkung, niedrige Dosierung möglich) bleiben die Benzodiazepine wahrscheinlich weiterhin nützlich. Mittel- oder gar längerfristig und dann noch ohne eigentliche psychotherapeutische Behandlung werden sie hingegen rasch verhängnisvoll, und zwar nicht nur wegen der nach wenigen Wochen bis Monaten drohenden Abhängigkeitsgefahr, sondern weil sie wegen ihrer abschottenden Wirkung eine trügerische Selbstsicherheit vorgaukeln, die nach längerer Benzodiazepin-Einnahme in Wirklichkeit nur ein sogenanntes Indolenzsyndrom ("Wurstigkeit") ist. Kurz: Benzodiazepine ja, aber nur bedarfsweise und niedrig dosiert. |
| Einführung Antidepressiva bei Angstörungen | |||
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Angstpatienten mit intensiver Panikneigung bzw. mit schwer depressiver Verstimmung als Folge der Angststörung werden durch eine längerzeitige (mehrmonatige) Einnahme von Antidepressiva handlungsfähiger. Antidepressiva sind bei der Behandlung von Angststörungen überhaupt die bedeutsamste medikamentöse Alternative zu Benzodiazepinen. Sie haben einen angst- und spannungslösenden Effekt und machen nicht abhängig. Sie können in geringeren oder höheren Dosen einige Monate lang als Dauermedikation verwendet werden. Sie sind nicht sporadisch oder punktuell, sondern kontinuierlich einzunehmen. Antidepressiva wirken erst nach 1-2, manchmal sogar 3 Wochen regelmäßiger Einnahme stimmungsaufhellend bzw. richtig dämpfend. Im stationären Bereich können Infusionen den Wirkungseintritt mitunter beschleunigen. Während der ersten 2-3 Wochen treten bei 25-30% der Patienten Nebenwirkungen auf, die insbesondere Panikpatienten an ihre gefürchteten Symptome erinnern, weshalb die Medikamente nicht selten abgesetzt werden: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Zittern, Herzrasen, Angstgefühle, Unruhe, Nervosität u.a. Nebenwirkungen treten bei empfindlichen Personen, zu denen auch viele Panikpatienten gehören, insbesondere dann auf, wenn die angestrebte Wirkdosis nicht langsam steigend eingenommen wird. Eine „einschleichende Medikation“ ist unbedingt zu empfehlen, z.B. alle 3-4 Tage Steigerung in 10-mg-Schritten, weitere Dosiserhöhungen dann in 25-mg-Schritten bis auf etwa 150 mg (je nach Medikament). Im weiteren Behandlungsverlauf können noch medikamentenspezifische Nebenwirkungen auftreten. Die Nebenwirkungen sind am stärksten bei den Trizyklika, weniger stark bei neueren nicht-trizyklischen Antidepressiva (Mianserin, Trazodon) und am geringsten bei den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Zur Verminderung der möglichen Nebenwirkungen (z.B. übermäßige Sedierung) sollten trizyklische Antidepressiva zur Angstbehandlung am besten täglich nur einmal, und zwar abends eingenommen werden, da sie wegen der relativ langen Halbwertszeit auch am nächsten Tag noch voll wirksam sind. Das spätere Absetzen der Antidepressiva muss langsam-stufenweise erfolgen („ausschleichend“ über mehrere Wochen), um panikähnliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Antidepressiva machen nicht abhängig, daher treten auch keine Entzugserscheinungen auf, bei plötzlichem Absetzen (z.B. wegen vermeintlicher Unwirksamkeit oder wegen des Beginns einer Psychotherapie) ist jedoch mit folgenden Absetzerscheinungen zu rechnen: innere Unruhe und Anspannung, Reizbarkeit, Missgestimmtheit, Angstzustände, vegetative Symptome (z.B. Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, Schwindel, Bewegungsstörungen, Schlafstörung). Angstpatienten erhalten folgende Antidepressiva (chemische Substanz in Klammer):
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| Übersichtstabelle | |||
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Chemische Substanz |
Handelsname |
Indikation und Wirkung |
Mögliche Nebenwirkungen |
| Trizyklische Antidepressiva | Amitriptylin (Halbwertszeit: 10-21 Stunden; Metabolit: 30 Stunden) |
Saroten (D/Ö) Tryptizol (Ö) Amineurin(D) Syneudon (D) Novoprotect (D) |
Agitiert-ängstliche Depressionen; zuerst dämpfend und angstlösend, später stimmungsaufhellend | Mundtrockenheit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Hypotonie, orthostatische Dysregulation, Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Verschwommensehen, Harnverhalten, Appetitsteigerung, Gewichtszunahme, Sexualstörungen, Libidoverlust, Menstruationsstörungen, reduziertes Reaktionsvermögen |
| Doxepin (Halbwertszeit:12 Stunden;Metabolit: 25-51 Stunden) | Sinequan (Ö) Sinquan (D) Aponal (D) Mareen 50 (D) Doneurin (D) |
agitiert-ängstlich-depressive Syndrome, Depressionen, Angstneurosen, Angst- und Spannungszustände, psychosomatische Beschwerden; zuerst dämpfend und angstlösend, später stimmungsaufhellend |
Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Zittern, Hypotonie, orthostatische Dysregulation, Herzrasen, Schwitzen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Appetitsteigerung, Gewichtszunahme, Störungen beim Harnlassen, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit, Beinödeme, Verschwommensehen, reduziertes Reaktionsvermögen, Sexualstörungen, Menstruationsstörungen |
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| Imipramin (Halbwertszeit:7-26 Stunden) | Tofranil (D/Ö) Pryleugan (D) |
gehemmt-depressive Syndrome, Depressionen,Panikattacken, generalisierte Angststörung; zuerst aktivierend und antriebssteigernd, später stimmungsaufhellend | Mundtrockenheit, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Hypotonie, Herzrasen, Schwitzen, Verstopfung, Gewichtszunahme, Zittern, Verschwommensehen, Mundtrockenheit, Gang-unsicherheit, Blasenstörung, reduziertes Reaktionsvermögen, Libidoverlust, Menstruationsstörungen | |
| Clomipramin (Halbwertszeit:16-36 StundenMetabolit: etwas länger) | Anafranil (D/Ö) Hydiphen (D) |
gehemmt-depressive Syndrome, Depressionen mit Angstzuständen oder Agitiertheit, Panikattacken, Zwangsstörungen; zuerst aktivierend und antriebssteigernd, später stimmungsaufhellend | Mundtrockenheit, Zittern, Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Brechreiz, Appetitsteigerung, Gewichtszunahme, Verstopfung, Harnverhalten, Schwitzen, Hypotonie, Herzrasen, Verschwommensehen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gangunsicherheit, Menstruationsstörungen, Libidoverlust, funktionelle Sexualstörungen | |
| MAO-Hemmer | Tranylcypromin (MAO-Hemmer,1. Generation) (Halbwertszeit:1-3 Stunden;jedoch längere Wirkung) | Jatrosom N (D) Parnate (D) |
Depressionen,Angst, Hemmung und Organbeschwerden,ängstlich-gehemmte Depressionen; psychomotorisch aktivierend, angstlösend | Müdigkeit, Benommenheit, orthostatische Hypotonie, Schwindel, Kopfschmerzen, Unruhe- und Erregungszustände, Schwitzen, Zittern, Schlafstörung, Appetitsteigerung, Unverträglichkeit mit vielen Medikamenten, Unverträglichkeit von tyraminhältigen Nahrungsmitteln (bei Missachtung Gefahr einer hypertonen Blutdruckkrise) |
| Moclobemid (MAO-Hemmer, 2. Generation) (Halbwertszeit:16 Stunden) | Aurorix (D/Ö) | Depressionen, endogene Depressionen, soziale Phobie;hebt die Stimmung und die psychomotorische Aktivität, lindert Dysphorie, Erschöpfung, Antriebs- und Konzentrationsprobleme | Übelkeit, Schlafstörung, Angst, Unruhe, Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzrasen, Blutdruckabfall, Hautausschläge, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Schwitzen, wegen möglicher Komplikationen (hypertone Blutdruckkrise, Hautreaktionen) sollte keine Kombination mit Serotonin-Wiederaufnahme-hemmern erfolgen | |
| Selektive Serotonin-Wiederauf-nahmehemmer SSRI | Citalopram (Halbwertszeit:19-45 Stunden) | Seropram (Ö) Seralgan (Ö) Sepram (D) Cipramil (D) |
Depressionen, depressiv-ängstliche Syndrome;angstlösend | Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Kopfschmerzen, Schwitzen, Mundtrockenheit, Durchfall, Verstopfung, Schwächegefühl, Schläfrigkeit, innere Unruhe, Bewegungsunruhe, Schwindel, Angst- und Erregungszustände, Schlafstörung |
| Fluoxetin (Halbwertszeit:2-3 Tage;Metabolit: 7-9 Tage) | Fluctine (Ö) Mutan (Ö) Fluoxetin Genericon(Ö) Positivum (Ö) Flux (Ö) Fluctin (D) Fluoxetinstada (D) Fluoxetin-ratiopharm (D) Fluox-Puren (D) Prozac (USA) |
Depressionen, Zwangsstörungen, Bulimie; antriebssteigernd, angst- und spannungslösend | Übelkeit, Mundtrockenheit, Brechreiz, innere Unruhe, Bewegungsunruhe, Angst- und Erregungszustände, Nervosität, Herzklopfen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Appetitverlust, Gewichtsabnahme, Schwächegefühl, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schlafstörungen, allergische Hautausschläge, Schwitzen, Zittern, sexuelle Funktionsstörungen | |
| Fluvoxamin (Halbwertszeit:17-22 Stunden) | Floxyfral (D/Ö) Fevarin (D) |
Depressionen, Panikstörungen, Zwangsstörungen; antriebssteigernd,angstlösend | Übelkeit, Brechreiz, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, innere Unruhe, Bewegungsunruhe, Angst- und Erregungszustände, Kopfschmerzen, Zittern, Blutdruckabfall, Mundtrockenheit, Schwitzen, Durchfall, Verstopfung, verzögerte Ejakulationen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Reaktionszeitbeeinträchtigung | |
| Paroxetin (Halbwertszeit:24 Stunden) | Seroxat (D/Ö) Tagonis (D) |
Depressionen, Panikstörungen, Zwangsstörungen, soziale Phobie, generalisierte Angststörung, posttrauma-tische Belastungsstörung; antriebs-steigernd, angstlösend | Übelkeit, Brechreiz, Schwindel, Unruhe, Bewegungsunruhe, Angst- und Erregungszustände, Zittern, Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Schwitzen, Sexualstörungen | |
| Sertralin (Halbwertszeit:25-28 Stunden) | Gladem(D/Ö) Tresleen (Ö) Zoloft(D) |
Depressionen,Zwangsstörungen, Angst- und Panikstörungen, posttraumatische Belas-tungsstörung | Übelkeit, Brechreiz, Durchfall, Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Ejakulationsverzögerungen | |
| Noradrenalin-Serotonin-selektive Antidepressiva (NaSSA) | Mirtazapin (Halbwertszeit:20-40 Stunden) | Remeron (Ö) Remergil (Ö, D) |
Depressionen (besonders bei Hemmung, Ge-wichtsverlust, Schlafstörung und Ängsten) | Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Sedierung, Verstopfung, Appetit- und Gewichtszunahme |
| Duales Serotonerges Antidepressivum (DSA) | Nefazodon (Halbwertszeit:2-4 Stunden) | Dutonin(Ö) Nefadar (D) |
(ängstlich-agitierte) Depressionen, Angstzustände | Asthenie, Übelkeit, Sedierung, Somnolenz, Mundtrockenheit, Schwindel, Benommenheit, Verstopfung |
| Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) | Venlafaxin (Halbwertszeit:3-12 Stunden) | Efectin (Ö) Efexor (D) Trevilor (D) |
Depressionen,depressive Verstimmung mit begleiten-der Angst-symptomatik | Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Verstopfung, Durchfall, Verdauungsbeschwerden, dosisabhängiger Blutdruckanstieg, Asthenie, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Agitiertheit, Zittern, Mundtrockenheit, Sexualstörungen (Ejakulationsstörungen, Impotenz, Libidoverlust) |
| Milnacipran (Halbwertszeit:8 Stunden) | Dalcipran (Ö) Ixel (Ö) |
Depressionen | Schwindel, Schwitzen, Angst, Übelkeit, Dysurie, Kopfschmerz, Mundtrockenheit, Magen-Darmbeschwerden, Verstopfung | |
| Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI) | Reboxetin (Halbwertszeit: 12 Stunden) | Edronax (Ö, D) | Depressionen | Mundtrockenheit, Schwindel, Verstopfung, Schwitzen, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Tachykardie |
| Serotonin-Wiederauf-nahmeverstärker (SRE) | Tianeptin (Halbwertszeit:2,5 Stunden) | Stablon (Ö) | Depressionen, ängstlich-depressive Zustandsbilder, Somatisierung von Depression und Angst, Angst/Depression bei Alkoholikern und Älteren | |
| Serotonin-Modulatoren | Trazodon (Halbwertszeit:4-14 Stunden) | Thombran (D) Trittico retard (D/Ö) |
Ängstlich-depressive Syndrome;sedierend-angstlösend | Dämpfung, Müdigkeit, Schwindel, Blutdrucksenkung, orthostatische Hypotonie, ventrikuläre Extrasystolen,„weiche Knie“, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Unruhe, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden, Libidosteigerung |
| Tetrazyklische Antidepressiva | Mianserin (Halbwertszeit:17 Stunden) | Tolvon (Ö) Tolvin (D) Prisma (D) Mianeurin (D) HOPACEM (D) |
ängstlich-agitierte Depressionen, Depressionen mit Angst, Unruhe, hypochondrischen Zügen, Schlaflosigkeit, vitalen Hemmungs-zuständen und somatischen Beschwerden; sedierend-angstlösend | Müdigkeit, Blutdrucksenkung, orthostatische Hypotonie, Schwindel, Benommenheit, Mundtrockenheit, Appetit-steigerung, Gewichtszunahme, Verstopfung, „weiche Knie“, Gelenkschmerzen, Beinödeme, Libidoverlust, Menstruationsbeschwerden, Blutbildveränderungen (regelmäßige Blutbildkontrolle!) |
| Trizyklische Antidepressive | |||
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Bis zu 90% aller depressiven Patienten leiden unter Angstzuständen. Zu Ihrer Behandlung wurden früher trizyklische Antidepressiva eingesetzt, in den letzten Jahren haben sich jedoch die nebenwirkungsärmeren Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) durchgesetzt, sodass der Einsatz der Trizyklika gegenwärtig immer mehr auf Spezialfälle beschränkt ist (z.B. Therapieresistenz der SSRI). Die Bezeichnung „trizyklisch“ weist auf die Drei-Ring-Struktur dieser Antidepressiva hin. Alle trizyklischen Antidepressiva (oft auch „Trizyklika“ genannt) hemmen bzw. reduzieren die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin in die präsynaptischen Nervenendigungen und bewirken zusätzlich in therapeutischer Dosierung durch ihre Affinität zu synaptischen Rezeptoren wie den Histamin-H1-Rezeptoren, den adrenergen (alpha1)-Rezeptoren und cholinergen Rezeptoren relativ starke Nebenwirkungen. Trizyklische Antidepressiva hemmen im Allgemeinen eher die Noradrenalin-Wiederaufnahme in den präsynaptischen Rezeptor. Die Noradrenalinerhöhung in den Synapsen bewirkt eine Stimmungs- und Antriebssteigerung sowie eine Verstärkung der Blutdruck erhöhenden Noradrenalineffekte, aber auch Nebenwirkungen wie z.B. Erektions- und Ejakulationsstörungen, Zittern und Vigilanzveränderungen (erhöhter Reaktionsbereitschaft). Wegen der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung können in den ersten zwei Wochen Unruhe, Erregung und panikähnliche Zustände auftreten. Unter den trizyklischen Antidepressiva hat Clomipramin (Anafranil) die stärkste Serotonin-Wiederaufnahmehemmung. Die neueren Antidepressiva (SSRI) wirken selektiver und führen zu einer stärkeren Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme. Von allen trizyklischen Antidepressiva haben die Substanzen Amitriptylin und Doxepin den stärksten sedierenden Effekt, weshalb sie oft zur dämpfenden Behandlung bei Ängsten, Erregtheit und Unruhe eingesetzt werden. Die frühere Annahme, stärker sedierende Substanzen hätten eine bessere angstlösende Wirkung, hat sich nicht bestätigt. Je nach Art der Angststörung werden unterschiedliche Trizyklika verordnet: 1. Clomipramin (Anafranil in Österreich, Anafranil und Hydiphen in der BRD). Unter den trizyklischen Antidepressiva, die zu den bereits älteren Medikamenten zählen, hat sich Clomipramin seit Jahren in der Behandlung von Angststörungen, insbesondere auch von Panikstörungen, gerade wegen der im Vergleich zu den anderen Trizyklika deutlich höheren Serotonin-Wiederaufnahmehemmung bewährt. 2. Imipramin (Tofranil in Österreich, Tofranil und Pryleugan in der BRD). Der amerikanische Psychiater Klein erkannte 1962 die Wirksamkeit von Imipramin in der Behandlung von Panikattacken. Ein antipanischer Effekt setzt erst nach etwa 3-5 Wochen, ein antiphobischer Effekt gar erst nach ca. 2-3 Monaten ein. Aufgrund von Effizienzstudien sollte bei Panikstörungen Imipramin der Vorzug gegenüber Clomipramin gegeben werden. Als Tagesdosis sind 75-150 mg einzunehmen. In Vergleichsstudien erreichte Imipramin nach einigen Wochen die gleiche Wirksamkeit wie der Tranquilizer Alprazolam (Xanor, Xanax, Tafil), die Nebenwirkungsrate war jedoch höher. Es muss mit denselben Nebenwirkungen gerechnet werden wie bei anderen Trizyklika. Zu deren Vermeidung empfiehlt sich zu Behandlungsbeginn eine Tagesdosis von 10 oder 25 mg und eine langsame Steigerung (täglich um 10 mg oder alle 2-4 Tage um 25 mg). In einer Studie führte die Imipramin-Behandlung mit 150 mg pro Tag nach 8 Wochen bei Panikpatienten zu einer Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks, was bei anfälligen Patienten zu beachten ist. 3. Amitriptylin (Saroten und Tryptizol in Österreich, Saroten, Amineurin, Syneudon und Novoprotect in der BRD). Die Substanz wirkt bei ausgeprägter Agitation und Unruhezuständen und wird insbesondere bei generalisierter Angststörung verschrieben. Die anxiolytisch-sedierende Wirkung tritt oft schon nach 1-2 Stunden ein, spätestens nach einer Woche. Wenn dies – wie bei vielen Patienten – nicht der Fall ist, ist auch später keine Wirkung zu erwarten. Eine Tagesdosis von 25-50 mg pro Tag ist oft ausreichend (anfangs 3-mal 10 mg pro Tag), bei höherer Dosis treten meist die typischen Nebenwirkungen der trizyklischen Antidepressiva auf. 4. Doxepin (Sinequan in Österreich, Sinquan, Mareen, Aponal und Doneurin in der BRD). Chemisch dem Amitriptylin ähnlich, ist bereits bei 25-50 mg pro Tag eine angstlösende Wirkung zu erwarten. Nach Vergleichsstudien besteht eine Gleichwertigkeit mit Benzodiazepinen. Für Panikstörungen gibt es keine ausreichenden Wirksamkeitsbelege. Bei generalisierten Angststörungen können die genannten Trizyklika eingesetzt werden. Bei Panikstörungen wurde bisher aus der Gruppe der Trizyklika vor allem die Wirkung von Imipramin (Tofranil) untersucht und belegt. Bei spezifischen und sozialen Phobien ohne Begleitdepression sind trizyklische Antidepressiva nicht indiziert, es liegen daher kaum Studien vor. Hier gilt die Verhaltenstherapie als das Mittel der Wahl. Trizyklika müssen mindestens 4-8 Wochen eingenommen werden, bevor ihre Wirkung verlässlich beurteilt werden kann. Laut Studien besteht ohne gleichzeitige Psychotherapie bei Absetzen des Antidepressivums eine hohe Rückfallsgefahr. Alle trizyklischen Antidepressiva binden mehr oder weniger stark an serotonerge, histaminerge, adrenerge und cholinerge Rezeptoren und weisen dadurch typische Nebenwirkungen auf. In Abhängigkeit von der jeweiligen Rezeptorblockade finden sich folgende typische Nebenwirkungen:
Trizyklische Antidepressiva mit sedierendem oder anticholinergem Effekt (wie die zur Angstbehandlung verwendeten Substanzen Amitriptylin, Doxepin, Imipramin und Clomipramin) führen besonders leicht zu Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, der Reaktionsgeschwindigkeit und des Gedächtnisses. Trizyklische Antidepressiva können das Blutbild ungünstig verändern, sodass regelmäßige Blutbildkontrollen zu empfehlen sind, können allergische Ausschläge, Juckreiz und Ödeme verursachen, haben nicht selten potentiell gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und verstärken die Alkoholwirkung. Trizyklische Antidepressiva haben folgende Vor- und Nachteile: „Ein Vorteil der Trizyklika gegenüber Benzodiazepinen und Neuroleptika besteht darin, dass sie nicht zu Abhängigkeitsentwicklungen und Spätdyskinesien führen. Gleichwohl müssen mögliche andere unerwünschte Wirkungen bedacht werden. Zu erwähnen sind vor allem Blutzellschädigungen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie vor allem vielfältige zentrale und periphere vegetative Begleitwirkungen. Die bisweilen kritiklose Anwendung von Benzodiazepinen und Neuroleptika darf daher nicht durch eine kritiklose Anwendung von Trizyklika bei generalisierten Angststörungen ersetzt werden.“ Andere Autoren warnen ebenfalls davor, eine problematische Langzeitbehandlung mit Benzodiazepinen unkritisch durch eine solche mit Antidepressiva oder Neuroleptika zu ersetzen, da auch diese oft unerwünschte Effekte haben können. Wegen der anticholinergen Nebenwirkungen und der möglicherweise gefährlichen Folgen für das Herz-Kreislauf-System (vor allem bei Überdosierung und gezielten Selbstmordversuchen, die wegen der kardialen Nebenwirkungen oft tödlich ausgehen können) werden die trizyklischen Antidepressiva bei der Behandlung von Angststörungen zunehmend durch die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ersetzt. Sie behalten jedoch in speziellen Fällen ihre Bedeutung (z.B. bei erwünschter stärkerer Dämpfung im stationären Rahmen, da die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer keinen ausreichend sedierenden Effekt haben). |
| MAO-Hemmer (Monoaminooxydase-Hemmer) | |||
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Monoaminooxydase-Hemmer hemmen das Enzym Monoaminooxydase (MAO), insbesondere den Typ MAO-A, der die Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin metabolisiert (verstoffwechselt) und steigern dadurch die Mengen dieser Transmitter in den präsynaptischen Nervenendigungen. Infolgedessen können mehr Transmittermoleküle in den synaptischen Spalt freigesetzt werden, wenn die Nerven stimuliert werden. Man unterscheidet zwei Typen von MAO-Hemmern: 1. Irreversible, nicht-selektive MAO-Hemmer (MAO-Hemmer der
1. Generation). Irreversible, nicht-selektive MAO-Hemmer Irreversible, nicht-selektive Hemmer der Monoaminoxidase A und B wie Tranylcypromin (Jatrosom N, Parnate) sind heutzutage praktisch bedeutungslos, weil aufgrund verschiedener Einschränkungen nur ein enggesteckter klinischer Einsatzbereich möglich ist: strenge Diätvorschriften (keine tyraminhältigen Nahrungsmittel und Getränke, d.h. Verbot von gereiftem Käse, fermentierten Würsten, getrockneten Früchten, Schokolade, Alkohol), keine Zusatzmedikation wegen möglicher Wechselwirkungen (z.B. bei Sympathomimetika), Einhaltung von Umstellungszeiten nach anderen Medikamenten. Serotonin-Wieder-aufnahmehemmer dürfen wegen der potentiell tödlichen Interaktion keinesfalls gleichzeitig oder unmittelbar davor eingenommen werden. Die Nichtbeachtung dieser Umstände führt zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg (hypertensive Krise). Die Zieldosis beträgt 30-60 mg pro Tag, wobei am Anfang eine einschleichende und am Ende eine ausschleichende Dosierung empfohlen wird. Reversible, selektive MAO-A-Hemmer Reversible, selektive MAO-A-Hemmer (RIMA: Reversible Inhibitoren der Monoaminooxidase A) sind derzeit nur in Form der Substanz Moclobemid (Aurorix) auf dem Markt. Moclobemid hemmt hochselektiv und in reversibler Weise die MAO-A und macht Diätvorschriften wegen der normalen Tyrosin-Verstoffwechselung überflüssig (außer dem Verzicht auf ein Übermaß an gereiftem Käse und der empfohlenen Einnahme am Ende der Mahlzeiten). Es bestehen auch nur mehr wenige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Moclobemid (Aurorix) hemmt den präsynaptischen Abbau von Serotonin und Noradrenalin und erhöht damit die Verfügbarkeit beider Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Die selektive Hemmung der MAO-A gilt als ein wichtiger Faktor zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen, weil Noradrenalin und Serotonin bei Menschen fast ausschließlich durch MAO-A katabolisiert werden und Störungen der noradrenergen und serotonergen Neurotransmission als angst- und depressionserzeugend angesehen werden. Die Substanz wurde in einer umfangreichen Studie als Mittel zur Behandlung der sozialen Phobie nachgewiesen. Wegen der aktivierenden, antriebssteigernden Eigenschaften liegt der Hauptanwendungsbereich bei ängstlich-gehemmten depressiven Zuständen. Eine dämpfende Wirkung ist nicht gegeben. Die Wirkung bei Panikstörungen ist unzureichend nachgewiesen, wenngleich sie durch Effizienzstudien mit irreversiblen, selektiven MAO-Hemmern indirekt belegt ist. Es gibt auch keine kontrollierten Behandlungsergebnisse für generalisierte Angststörungen. Die Substanz ist somit in ihrer Wirksamkeit für Angststörungen, ausgenommen die Sozialphobie, noch nicht den üblichen Forschungskriterien entsprechend bestätigt. Die Substanz ist oft wirksam bei Patienten, die auf Trizyklika und SSRI nicht ansprechen. MAO-Hemmer dürfen nicht in Kombination mit SSRI verschrieben werden (SSRI vorher ausschleichen). Die Eliminationshalbwertszeit von Moclobemid beträgt 1-3 Stunden, die Dauer der MAO-Hemmung rund 14 Stunden. Die Tagesdosis beträgt anfangs 2-mal 150 mg, nach einer Woche kann eine Steigerung auf 600 mg erfolgen (sofortige Dosierung ohne Einschleichen). 600 mg sind laut Studie wirksamer als 300 mg. Es treten eher wenig Nebenwirkungen auf, vor allem fast keine vegetativen bzw. anticholinergen Symptome. Mögliche Nebenwirkungen sind: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Nervosität, innere Unruhe, Herzrasen, sehr selten auch Mundtrockenheit, Hautreaktionen, Angstgefühle, Erregung, Schlafstörung, Durchfall, Verstopfung. |
| Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) | |||
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Die derzeit fünf auf dem Markt befindlichen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI: selective serotonin reuptake inhibitors) Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Citalopram und Sertralin hemmen die normalerweise rasch erfolgende Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin in den präsynaptischen Teil der Synapse serotoninerger Neurone, indem sie die entsprechenden Rezeptoren besetzen, wodurch im synaptischen Spalt insgesamt mehr Serotonin zur Verfügung steht. SSRI bewirken eine Vermehrung von Serotonin im synaptischen Spalt durch Hemmung der Wiederaufnahme in die Präsynapse und stimulieren gleichzeitig auch alle drei postsynaptischen Serotoninrezeptoren. Bei akuter Verabreichung von SSRI setzt die Blockade rasch ein. Bei regelmäßiger Einnahme kommt es zu adaptiven Veränderungen an den prä- und postsynaptischen Serotoninrezeptoren, die der Grund dafür sind, dass diese Substanzen bei Depressionen oft erst nach 2-4 Wochen, bei Zwangsstörungen gar erst nach 8 bzw. 10-12 Wochen therapeutisch wirksam werden. Neuere Studien mit anfangs rascher Dosissteigerung haben allerdings ergeben, dass im Vergleich zur Plazebobehandlung bereits nach einer Behandlungswoche eine leichtere, aber signifikante Symptomreduktion eintreten kann. SSRI sollten mindestens über einen Zeitraum von 4-6 Monaten regelmäßig eingenommen werden, bei Zwangsstörungen viel länger. Die Serotoninerhöhung hat eine antipanische, stimmungs- und antriebssteigernde Wirkung, hemmt den Appetit und dämpft manchmal auch die Libido. Serotoninerge Neurone sind im Zentralnervensystem besonders im limbischen System lokalisiert, das mit der Steuerung emotioneller Reaktionen in Verbindung steht. Die serotonergen Systeme haben Bahnen zum Locus coeruleus (= noradrenerge Neurone) und auch zur Substantia nigra (dopaminerg), sodass Serotonin als Komodulator von Noradrenalin und Dopamin angesehen wird. Ein Mangel an Serotonin und Noradrenalin in den Synapsen bzw. ein neurochemisches Ungleichgewicht zwischen Serotonin, Noradrenalin und Dopamin werden nach den gängigen biologischen Theorien als mögliche Ursachen bestimmter Depressionen angesehen. Eine Serotonin-Dopamin-Balance-Störung wird auch bei Zwängen angenommen. Die Wirksamkeit der SSRI ist am besten für Panikstörungen belegt, teilweise auch für soziale Phobien. Zur generalisierten Angststörung gibt es noch kaum Studien. Trotz der Gemeinsamkeiten zwischen den SSRI bestehen auch Unterschiede, die noch kaum erforscht sind. Bei Unwirksamkeit einer Substanz kann daher der Umstieg auf einen anderen SSRI durchaus zum erwünschten Effekt führen. SSRI haben wegen der fehlenden anticholinergen, antihistaminergen und antiadrenergen Nebenwirkungen ein vergleichsweise günstiges Nebenwirkungsprofil. SSRI sind wegen der geringeren Nebenwirkungen, der geringeren Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, der relativen Risikoarmut bei Überdosierung (im Falle eines Selbstmordversuchs keine kardiotoxische Wirkung) und der fehlenden Verstärkung von Alkohol sowohl den Tranquilizern als auch den anticholinerg wirkenden trizyklischen Antidepressiva vorzuziehen. SSRI sind aufgrund der hohen Entwicklungskosten allerdings viel teurer als Tranquilizer und trizyklische Antidepressiva. SSRI wirken angstlösend, ohne dämpfend zu sein, während das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin (Saroten, Tryptizol, Amineurin) angstlösend und gleichzeitig recht dämpfend wirkt. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bewirken keine vegetativ-anticholinerge Symptomatik (keine Mundtrockenheit, keine Gewichtszunahme usw.) und keine Herz-Kreislauf-Beschwerden (keine Beeinflussung von Blutdruck und Herzrhythmus), wie dies häufig bei trizyklischen Antidepressiva der Fall ist. Wegen des fehlenden sedierenden Effekts muss bei Bedarf gleichzeitig ein Tranquilizer oder ein dämpfendes Antidepressivum (Amitriptylin, Doxepin, Trazodon, Mianserin oder Mirtazapin) verabreicht werden, und zwar abends vor dem Einschlafen, um mögliche Nebenwirkungen weniger zu spüren. Am ehesten werden bei einer SSRI-Therapie Trizyklika zusätzlich zur Verbesserung der Schlafqualität gegeben. In diesem Fall sollte ein SSRI gewählt werden, der wenig Interaktionseffekte aufweist, z.B. Sertralin (Gladem, Tresleen, Zoloft). Mögliche Nebenwirkungen der SSRI treten vor allem in den ersten beiden Wochen auf: Übelkeit, Brechreiz, Durchfall, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, innere Unruhe als Folge einer Antriebssteigerung, Angst- und Erregungszustände, männliche Sexualstörungen (Verzögerungen von Ejakulation und Orgasmus). Sexuelle Nebenwirkungen kommen bei Fluvoxamin seltener vor. Unter Fluoxetin und Paroxetin treten gelegentlich auch extrapyramidale Nebenwirkungen auf (Akathisie: Sitz-, Steh- und Bewegungsunruhe; Dyskinesien: Bewegungsstörungen). Fluoxetin kann in höherer Dosis zu einer (oft erwünschten) Gewichtsabnahme führen. Subjektiv kann anfangs vor allem das „Jitteriness“-Syndrom (Zustand von Ängstlichkeit und Nervosität) belastend sein. Die Nebenwirkungen können durch eine einschleichende, langsam ansteigende Medikation verhindert oder reduziert werden. Nach einer neuen amerikanischen Studie führen Antidepressiva (alle zusammen) bei 45% der Männer und bei 27% der Frauen zu Libidoproblemen bzw. Sexualstörungen. Nach umfangreichen Erhebungen in den USA wurde (nach Plazebobereinigung) Nausea (Übelkeit) als die häufigste SSRI-Nebenwirkung beklagt, mit Häufigkeiten von 26,0% bei Fluvoxamin, 16,4% bei Paroxetin, 14,3% bei Sertralin und 11,0% bei Fluoxetin. Durchfall (8,4%) und Mundtrockenheit (7,0%) plagen vor allem Depressive mit Sertralin-Einnahme. Ejakulationsstörungen ergaben sich am häufigsten bei Sertralin (13,3%) und Paroxetin (12,9%). Die oft erwünschte Nebenwirkung Gewichtsverlust trat mit 6,4% der Fälle bei Fluoxetin am häufigsten auf. Libido- und Ejakulationsstörungen kommen bei Sertralin rund 6-mal häufiger vor als bei Fluoxetin. Extrapyramidal-motorische Störungen treten nur sehr selten auf, am ehesten bei Paroxetin. Bei allen SSRI kann plötzliches Absetzen 1-10 Tage (im Mittel 3 Tage) später zu typischen Absetzeffekten führen, die durchschnittlich 7-14 Tage anhalten, wie großangelegte Erhebungen in England und Australien ergaben]. Es handelt sich dabei um keine Entzugssymptome wie bei Benzodiazepinen, da SSRI nicht abhängig machen. Es zeigen sich einfach nur jene Veränderungen, die auftreten, wenn das Psychopharmakon durch das plötzliche Absetzen nicht mehr auf den Rezeptor wirken kann. In Abgrenzung zu den Entzugssymptomen bei Tranquilizern spricht man von Absetzeffekten oder einem Absetzsyndrom, weil danach die ursprünglichen Symptome wiederauftreten. Es können jedoch vorübergehend auch Entzugssymptome im Sinne bisher unbekannter Symptome auftreten, die durch die neuerliche Einnahme des SSRI bald wieder verschwinden. Diese Forschungsergebnisse haben dazu geführt, dass viele Patienten eine große Angst vor einer Abhängigkeit von SSRI entwickelt haben, was unbegründet ist. Durch ein langsames Ausschleichen können die beschriebenen Absetzeffekte vermieden werden. Bei 45% der englischen Patienten traten neurologische Symptome auf (Schwindel, Kopfschmerzen, Parästhesien). Bei 25% ergaben sich gastrointestinale und andere somatische Beschwerden, z.B. bei 10% Übelkeit, bei anderen Patienten Erbrechen oder Mundtrockenheit. Bei 23% traten neuropsychiatrische Zustände und Verhaltensstörungen auf, z.B. bei 4% Schwächegefühle, bei anderen Reizbarkeit oder Angstzustände, bei 5% Schlafstörungen (Schlaflosigkeit, lebhafte Träume). Beachtliche 16% bezeichneten die Ausprägung der Absetzsymptome als stark. Die Absetzeffekte sind naturgemäß stärker bei jenen SSRI, die eine kürzere Halbwertszeit haben (z.B. Paroxetin, Fluvoxamin) als bei jenen SSRI, die eine längere Halbwertszeit aufweisen (Fluoxetin). Bei Paroxetin wurden in England die mit 5,1% häufigsten Absetzeffekte festgestellt, was u.a. mit der kurzen Halbwertszeit und dem fehlenden aktiven Metaboliten zusammenhängen dürfte. Bei den anderen SSRI ergaben sich nur sehr geringe Absetzeffekte (0,06-0,9%), die geringsten bei Fluoxetin wegen der langen Halbwertszeit der Muttersubstanz und des aktiven Metaboliten Norfluoxetin (6-9 Tage). Eine australische Studie kam zu ähnlichen Befunden. Demnach waren Schwindel, Übelkeit, Lethargie, Parästhesien (Körpermissempfindungen), Alpträume, Reizbarkeit und Stimmungsveränderungen die häufigsten Absetzsymptome. Die geringen Absetzeffekte bei Fluoxetin und Sertralin wurden durch die längere Eliminationshalbwertszeit beider Substanzen erklärt. Zusammenfassend können beim Absetzen von SSRI folgende Symptome auftreten: Schwindel, Kopfschmerzen, Parästhesien (Körpermissempfindungen), Gleichgewichtsstörungen, Ataxie (Schwäche), Zittern, Augenzucken, Tinnitus (Ohrgeräusche), Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Schlafstörungen (Schlaflosigkeit, lebhafte Träume), Angstzustände, Reizbarkeit, Aggressionen, Hyperaktivität. Gelegentlich sind auch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Depressionen zu finden. Bei neuerlicher Einnahme eines SSRI-Antidepressivums verschwinden die Absetzsymptome innerhalb von 1-2 Tagen. Beim Absetzen eines SSRI ist daher auf ein langsames Ausschleichen zu achten. Laut einer Befragung von 200 Psychiatern in England waren 44% die Absetzeffekte nicht bekannt, nur die Hälfte informierte ihre Patienten über diese Effekte. Ungünstige Effekte einer medikamentösen Kombinationstherapie wurden bisher noch zu wenig beachtet. Für die Behandlungspraxis bedeutsam ist der Umstand, dass SSRI (insbesondere Fluoxetin und Paroxetin) den Plasmaspiegel von gleichzeitig eingenommenen trizyklischen Antidepressiva auf den vier- bis sechsfachen Wert erhöhen und den serotonergen Effekt verstärken können, weshalb die Kombination von SSRI und Trizyklika nicht unproblematisch ist. SSRI führen zu einer unterschiedlichen Hemmung der Cytochrom-P-450-Isoenzyme (CYP) und damit zur Gefahr von toxischen Plasmakonzentrationen anderer Psychopharmaka. Bei der Einnahme von SSRI kommen auch Plazeboeffekte zum Tragen. Depressive Patienten, die auf eine SSRI-Therapie sehr früh ansprachen (im Sinne eines antizipierten Plazeboeffekts), profitierten bei einer Langzeittherapie von Plazebo, während Patienten mit einem anfänglich verzögerten Ansprechen zur Rückfallsvorbeugung ein Antidepressivum benötigten. Wenn depressive Patienten also schon sehr früh auf SSRI ansprachen, machte es keinen Unterschied, ob sie bei einer Langzeittherapie ein Plazebo einen SSRI erhielten. Erste Behandlungserfolge bei Panikattacken mit einem reinen Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Reboxetin) scheinen die bisherige Auffassung zu widerlegen, dass Panikattacken primär mit einer Serotonin-Dysfunktionsstörung (Serotoninmangel-Hypothese) zusammenhängen. |
| SSRI-Wirkstoffe im Detail | |||
| Noradrenalin-Serotonin-selektiveAntidepressiva (NaSSA) | |||
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Verschiedene neuere Antidepressiva, die einen „dualen“ Wirkmechanismus aufweisen, werden in zunehmendem Ausmaß auch bei Angstpatienten eingesetzt. Mirtazapin Mirtazapin (Remeron in Österreich, Remergil in der BRD) ist ein noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA) mit einem neuartigen dualen Wirkmechanismus. Es werden die präsynaptischen adrenergen alpha2-Rezeptoren am noradrenergen Neuron (= Autorezeptor) und am serotonergen Neuron (= Heterozeptor) blockiert. Durch diese Rezeptorblockade wird ein Neurotransmittermangel vorgetäuscht. Im Sinne einer negativen feedback-Regulation erfolgt eine vermehrte Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin. Zusätzlich stimuliert das noradrenerge Neuron die nachgeschaltete serotonerge Nervenzelle, wodurch die Serotonin-Freisetzung gefördert wird. Die Aktivierung von Neuronen durch Serotonin über den Subtyp der 5-HT1A-Rezeptoren führt zur erwünschten antidepressiven und angstlösenden Wirkung. Eine unerwünschte Wirkung der Stimulierung der 5-HT1A-Rezeptoren kann sich in einem Gefühl der Benommenheit äußern. Die gleichzeitige Blockierung der 5-HT2- und 5-HT3-Rezeptoren auf postsynaptischer Ebene, die gegenwärtig kein anderes Antidepressivum bewirkt, verhindert die typischen serotonergen Nebenwirkungen. Dadurch werden SSRI-Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Schlafstörungen und Sexualstörungen vermieden. Mirtazapin wirkt antidepressiv, angstlösend und schlafverbessernd. Wirkungen und Nebenwirkungen beruhen auf folgenden Rezeptoreinwirkungen:
Mirtazapin hat eine nur leicht sedierende Wirkung, weil der aktivierende Noradrenalineffekt die sedierende Wirkung über die Histaminrezeptoren teilweise kompensiert. Anticholinerge, antiadrenerge und serotonerge Nebenwirkungen treten selten auf. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Sedierung, Müdigkeit (manchmal „hang over“-Effekt am nächsten Morgen), Appetit- und Gewichtszunahme (Heißhungerphasen), gelegentlich auch Mundtrockenheit, Verstopfung und Schwindel. Mirtazapin ist bei viel weniger Nebenwirkungen gleich wirksam wie Amitriptylin, Clomipramin und Doxepin und wirksamer als Trazodon. Im Vergleich zu den SSRI fehlen Nebenwirkungen wie Übelkeit, und es zeigt sich ein leicht sedierender Effekt. Mirtazapin führt zu keiner Hemmung metabolisierender Enzymsysteme (insbesondere Cytochrom P 450), sodass pharmakokinetische Interaktionen mit anderen Medikamenten nicht auftreten. Pharmakodynamische Interaktionen sind wie bei anderen Antidepressiva in Kombination mit psychoaktiven Drogen möglich, vor allem in Verbindung mit sedierenden Psychopharmaka oder Alkohol, d.h. das Mittel kann die Wirkung von Benzodiazepinen und Alkohol verstärken. Die Behandlung wird mit 15 mg begonnen, die Dosis wird dann auf 30 mg gesteigert, bei Nichtansprechen auf 45 mg. Eine abendliche Einmaldosis ist ausreichend. Bei Hypotoniepatienten ist eine Verstärkung der Hypotonie durch eine Dosisreduktion zu vermeiden. |
| Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) | |||
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Venlafaxin (Efectin) und Milnacipran (Ixel, Dalcipran) sind spezifische Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI specific serotonin and noradrenalin reuptake inhibitors), d.h. sie hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt ohne die Trizyklika-Wirkungen auf andere Rezeptorsysteme. Venlafaxin Venlafaxin (Efectin in Österreich, Efexor, Trevilor und Trevilor retard in der BRD) ist ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) mit einem Schwerpunkt auf dem serotonergen System. Diesen Wirkmechanismus findet man auch bei trizyklischen Antidepressiva wie Clomipramin oder Amitriptylin, jedoch weniger spezifisch, weshalb sehr unangenehme cholinerge Nebenwirkungen auftreten. Venlafaxin hemmt in niedriger Dosierung die Serotonin-, in mittlerer zusätzlich die Noradrenalin- und in hoher auch noch die Dopamin-Rückaufnahme aus dem synaptischen Spalt. Venlafaxin ist zugelassen mit der Indikation für Depressionen mit und ohne begleitende Angstsymptomatik sowie für die generalisierte Angststörung. Venlafaxin hat nur wenig Nebenwirkungen, wie diese bei anderen Antidepressiva nicht selten sind (z.B. Sedierung, Hypotonie), weil andere Transmittersysteme nicht wesentlich beeinflusst werden (am ehesten Übelkeit und Erbrechen, gelegentlich auch Schwindel, Somnolenz, Schwitzen, Mundtrockenheit, Asthenie, Kopfschmerzen, dosisabhängiger Blutdruckanstieg, Schlaflosigkeit, Agitiertheit). Die angstlösende Komponente von Venlafaxin wurde bei depressiven Patienten mit gleichzeitiger Angstsymptomatik im Vergleich zu Fluoxetin und Plazebo bereits nachgewiesen. Die Behandlung beginnt mit 75 mg pro Tag und steigt nach einer Woche auf 150 mg pro Tag. MilnacipranMilnacipran ((Ixel, Dalcipran) hemmt selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, ohne direkt die postsynaptischen Rezeptoren zu beeinflussen. Das Mittel hat keine Auswirkungen auf die cholinergen Rezeptoren, die H1-Histamin-rezeptoren, die dopaminergen Rezeptoren, die Benzodiazepin- und Opiatrezeptoren. Gegenüber Venlafaxin hemmt Milnacipran das serotonerge und das noradrenerge System in gleich starker Weise. Venlafaxin wirkt in niedriger Dosis wie ein SSRI, während die noradrenerge Komponente kommt erst bei einer Tagesdosis von über 200 mg zum Tragen kommt. Die Substanz weist im Gegensatz zu den meisten SSRI und Trizyklika eine lineare Kinetik auf. Es besteht eine lineare Beziehung zwischen der verabreichten Dosis und der Plasmakonzentration. Kumulations- oder Sättigungsphänomene treten nicht auf. Es gibt keine dosisabhängige Wirkung auf die verschiedenen Transmittersysteme und keine Wechsel- und Nebenwirkungen wie bei den trizyklischen Antidepressiva. Die Substanz unterliegt keiner Biotransformation durch das Zytochrom P450-System. Bei Angstpatienten kann Milnacipran wegen der cholinergen Nebenwirkungen (z.B. Verstopfung, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen, Tachykardie, Müdigkeit, Tremor) anfangs zu Agitation und Unruhezuständen führen, sodass folgendes Vorgehen zu empfehlen ist: Beginn mit 25 mg, Steigerung auf 50 mg nach drei Tagen, später Steigerung auf 100 mg. Gastrointestinale und sexuelle Nebenwirkungen sind seltener als bei den SSRI. |
| Duales Serotonerges Antidepressivum (DSA) | |||
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Nefazodon Nefazodon (Dutonin in Österreich, Nefadar in der BRD) ist ein dual-serotonerges Antidepressivum (DSA), ein Serotonin-Antagonist und Rückaufnahmehemmer. Die Substanz wirkt auf beiden Seiten der serotonergen Synapse: präsynaptisch mittelgradige Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme, postsynaptisch Blockade der Serotonin-Rezeptoren. Die zentralen Wirkmechanismen sind also die präsynaptische Serotonin-Rückaufnahmehemmung und die postsynaptische Serotonin-Rezeptor-Blockade, während die Noradrenalin-Rückaufnahmehemmung gering ist. Der stimmungsaufhellende und angstlösende Effekt beruht primär auf einer Verbesserung der 5-HT1A-vermittelten serotonergen Neurotransmission. Durch die Hemmung der 5-HT2-Rezeptoren kommt es indirekt zu einer Stimulation der postsynaptisch gelegenen 5-HT1A-Rezeptoren, über die angstlösende und antidepressive Effekte vermittelt werden. Langfristig bewirkt Nefazodon eine erwünschte Downregulation der 5-HT2-Rezeptoren und eine Hochregulation der 5-HT1A-Rezeptoren. Nefazodon hat demnach ein ähnliches Wirkprofil wie SSRI, jedoch mit einer besseren Verträglichkeit. Nefazodon hat eine rasche und gute angstlösende Wirkung (oft schon nach einer Woche), einen stimmungsaufhellenden Effekt (nach 2-3 Wochen), beseitigt Schlafstörungen (keine Beeinträchtigung des REM-Schlafes), wirkt beruhigend, ohne ausgeprägt sedierend zu sein und hat wenig Nebenwirkungen (Übelkeit, Sedierung, Mundtrockenheit, Schwindel, Verstopfung, Schwäche, verschwommenes Sehen, orthostatische Hypotonie, Tachykardie), die im Behandlungsverlauf meist wieder verschwinden. Es kann auch bei ängstlich-agitierten Patienten eingesetzt werden. Durch die postsynaptische Serotonin-Rezeptorblockade werden die typischen serotonergen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Sexualstörungen vermieden. Die im Vergleich zu den SSRI gegebene Verminderung der sexuellen Funktionsstörungen hängt mit dem Rezeptorprofil zusammen. Nefazodon blockiert postsynaptisch die Serotoninrezeptoren, wodurch die schlafanbahnende Wirkung induziert wird, sexuelle Funktionsstörungen jedoch ausbleiben. Nefazodon bindet nur schwach an die die sexuelle Funktion mitregulierenden Histamin1-Rezeptoren und die alpha1-adrenergen Rezeptoren. Im Vergleich zu Fluoxetin treten auch Nebenwirkungen wie Angst, Unruhe und Zittern viel seltener auf. Dies wird durch die geringere Verschreibung von Anxiolytika an Patienten mit Nefazodon im Vergleich zu Patienten mit SSRI-Einnahme bestätigt. Im Unterschied zu Trazodon fehlen bei Trazodon die antihistaminergen Rezeptorwirkungen. Die vergleichsweise geringere sedierende Wirkung ist die Folge der hohen Affinität für alpha1-Adrenozeptoren. Nefazodon ist das einzige Antidepressivum, das ein physiologisches Schlafprofil fördert. Die serotonerge Stimulation durch SSRI kann dagegen Schlafstörungen bewirken. Eine Nachuntersuchung von 30.000 Patienten mit SSRI-Behandlung ergab, dass über 30% wegen der im Rahmen der Behandlung aufgetretenen Schlafstörungen Tranquilizer benötigten. Nefazodon sollte nicht mit Buspiron kombiniert werden. Bei der Kombination mit Alprazolam (Xanor) ist Vorsicht geboten, weil es zu einer deutlichen Erhöhung des Plasmaspiegels von Alprazolam kommt. Nefazodon wird bei Ängsten oft verschrieben. Die Behandlung beginnt mit 2-mal 100 mg täglich und wird nach einer Woche mit 2-mal 200 mg täglich fortgeführt. Die größere Dosis sollte am Abend, die kleinere Dosis in der Früh gegeben werden. |
| Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI) | |||
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Reboxetin Reboxetin (Edronax) ist ein spezifischer Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI specific noradrenalin reuptake inhibitor). Die Substanz hemmt den Rücktransport des Neurotransmitters Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt in das vorgeschaltete Neuron. Der Transport von Serotonin wird dagegen kaum beeinflusst. Es besteht keine Bindung an muskarinischen, histaminergen, dopaminergen oder adrenergen Rezeptoren. Dadurch wird es möglich, erstmals die Noradrenalin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen und die möglichen Nebenwirkungen trizyklischer Antidepressiva zu vermindern. Reboxetin könnte – zumindest als Zusatztherapie – besonders bei jene Angstpatienten eingesetzt werden, die sich antriebsschwach und ständig müde fühlen. Das Mittel dient vor allem auch der sozialen Aktivierung, die gerade bei depressiv gestimmten Angstpatienten sehr wichtig ist. Im Vergleich zur Behandlung mit Trizyklika und SSRI tritt eine raschere Verbesserung der sozialen Funktionsfähigkeit auf. Das Mittel führt zur Steigerung von Interesse, Reizempfinden, Antrieb, Motivation, Energie und Vigilanz. Reboxetin kann vom ersten Tag an in voller Wirkdosis gegeben werden, eine langsame Dosissteigerung ist unnötig. Die antidepressive Wirkung setzt nach 14 Tagen ein. Als häufigste unerwünschte Nebenwirkungen treten Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen, Tachykardie, Schwindel, Harnretension (hauptsächlich bei Männern) und Impotenz auf. Trotz fehlender anticholinerger Eigenschaften führt Reboxetin häufig auch zu einem trockenen Mund. Interaktionseffekte, die zu einer Hemmung des Abbaus anderer Pharmaka führen, scheinen nur in geringem Umfang aufzutreten. Erste Studien weisen auf die Wirksamkeit bei Panikattacken hin und stellen damit die reine Serotoninhypothese bei Angststörungen in Frage. Die neueren Antidepressiva wie Reboxetin, Nefazodon und Venlafaxin sind vor allem auch Alternativen für jene Patienten, die nach einer Langzeiteinnahme von SSRI eine erhebliche Gewichtszunahme erlebt haben. |
| Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SRE) | |||
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Tianeptin Tianeptin (Stablon) zählt zu den neueren Antidepressiva im deutschsprachigen Raum, in Frankreich ist die Substanz bereits seit mehr als einem Jahrzehnt zugelassen. Das Mittel ist ein Serotonin-Wied |