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Soziale Phobie Kompendium - Mobbing am Arbeitsplatz

Seelische Gewalt - Psychoterror - Mobbing

Drucklayout vs. Onlinelayout
  1. Seelische Gewalt
  2. Der Ablauf
  3. Ratschläge
 

 

Seelische Gewalt

 

Sich ständig wiederholende seelische Gewalt ist in Familie und Beruf (Mobbing) anzutreffen. Der Täter ist meist ein extrem selbstsüchtig bzw. narzisstisch veranlagter Mensch. Dieser zielt darauf ab, das Opfer ohne Einsatz von körperlicher Gewalt zu erniedrigen und ihm die Selbstachtung zu nehmen, um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Seine perversen Aggressionen drücken sich z.B. in Blicken und Gesten, in abfälligen und sarkastischen Bemerkungen, in systematisch eingesetzten Lügen, widersprüchlichen Botschaften und Missachtung des Opfers aus. Es ist schwer, sich gegen diese heimtückischen Gewalt zu wehren, die keine äußeren Spuren hinterlässt, nicht beweisbar, und oft nur schwer benennbar ist. Der Täter quält sein Opfer bis zu mehrere Jahre, zunächst um ihn zu unterwerfen und seine psychische Stabilität zu zerstören. Die Gewalt steigert sich, und in einer zweiten Phase kommt es zu einem offenen Konflikt, in dem der Täter versucht, das Opfer endgültig zu zerstören und z.B. aus der Firma zu vertreiben.

 

Der Täter

 

Der extrem narzisstische Täter leidet unter einer Persönlichkeitsstörung. Er empfindet nicht das geringste Mitgefühl mit dem Leid anderer. Ganz im Gegenteil, er muss andere abwerten um sich selbst gut zu fühlen.

  • Der Täter verspürt das Bedürfnis bewundert zu werden und duldet keine Kritik. Er glaubt, ihm steht alles zu und legt eine überhebliche Haltung und eine moralpredigerhafte, überlegene, reservierte Art an den Tag. Er stellt sich niemals selbst in Frage. Er liebt die Kontroverse und lebt die Befriedigung seines Zerstörungstriebes aus. Er fürchtet sich vor konstruktiver, tiefergehender Kommunikation und schützt sich davor z.B. mit einem Panzer aus Sarkasmus. Er fühlt sich unbehaglich oder ohnmächtig, wenn er allein ist, und sucht verzweifelt die Unterstützung und den Rückhalt der Gruppe zu gewinnen.
  • Es fehlt ihm an Empathie (Einfühlungsvermögen). Es fehlt jegliches Interesse am anderen. Er empfindet nicht das geringste Mitgefühl für das Opfer, betrachtet es somit nicht als menschliches Wesen. In zwischenmenschlichen Beziehungen beutet er den anderen aus.
  • Es mangelt ihm an Gefühlstiefe. Sein Gefühlsleben ist nur mangelhaft differenziert, die Emotionen flackern rasch auf und flauen gleich wieder ab. Was besonders auffällt, ist das Fehlen echter Gefühle von Traurigkeit, Sehnsucht, Bedauern; das Unvermögen zu echten depressiven Reaktionen. Von anderen verlassen oder enttäuscht, können sie wohl in einen Zustand geraten der äußerlich wie eine Depression erscheint. Bei genauerer Untersuchung erweist sich jedoch, dass Wut, Empörung und Rachebedürfnis dabei eine Hauptrolle spielen und gar nicht so sehr eine echte Traurigkeit. Es fällt ihm auch schwer positive Gemütsbewegungen zu zeigen.
  • Um sich selbst aufzuwerten, seine Position zu stärken und sich selbst zu akzeptieren muss er siegen und einen anderen zerstören. Er muss aufgrund seiner Veranlagung das Opfer fertig machen um dadurch Achtung vor sich selbst zu gewinnen. Dabei kann er sich überlegen fühlen, und freut sich am Leid des anderen. Er verliert dabei den Bezug zur Realität. So kann er seine latente Psychose oder eine Depression abzuwenden. Der Täter handelt nicht bewusst, er kann nicht anders. Es ist seine Art. Durch das Ausleben von Aggressionen findet er sein Gleichgewicht. Er wurde evtl. in seiner Kindheit selbst verletzt und die Übertragung von Schmerz ermöglicht es ihm sich aufzuwerten. Die Schwachstellen anderer aufzuzeigen ist eine Methode, seine eigenen nicht zu sehen, sich zu verteidigen gegen eine Angst, die psychotisch genannt werden muss.
  • Die perversen Aggressionen sind mit keinerlei Gefühl oder Mitleid verbunden. Es ist gerade die Grundlage der perversen Wirkungsweise, jede Gemütsregung zu meiden. Der Zweck ist das Opfer zu verwirren und selbst keine Überraschungen zu erleben. Die Stärke der Perversen ist ihre Gefühllosigkeit. Sie kennen keinerlei Skrupel moralischer Art. Sie leiden nicht. Sie greifen völlig ungestraft an: Denn selbst wenn im Gegenzug die Opfer perverse Verteidigungsmaßnahmen gebrauchten, so wurden diese Partner doch so ausgewählte, dass sie niemals den Grad an Virtuosität erreichen, der sie schützen würde. Die Wirksamkeit seiner Angriffe beruht auf der Tatsache, dass die Opfer oder der außenstehende Betrachter sich nicht vorstellen können, dass man vor dem Leiden des anderen so gefühllos, so mitleidslos sein kann.
  • Er beneidet häufig andere, und sei es nur um die Freude am Leben. Die Triebkraft der Perversion ist der Neid. Sie beneiden den Erfolg der anderen, der sie mit ihrem eigenen Gefühl des Misserfolgs konfrontiert. Denn sie haben von dem anderen keine höhere Meinung als von sich selbst; nie klappt etwas, alles ist kompliziert, alles ein Plage. Sie zwingen den anderen ihre verächtliche Weltsicht auf und ihre chronische Unzufriedenheit mit dem Leben. Sie zerschlagen jeden Enthusiasmus in ihrer Umgebung, suchen vor allem zu beweisen, dass die Welt schlecht ist, dass die anderen schlecht sind, dass der Partner schlecht ist. Mit ihrem Pessimismus machen sie den anderen schließlich wirklich depressiv, was sie ihm anschließend vorwerfen.
  • Nach Ovid ist ein Narziss ist jemand, der glaubt sich zu finden, indem er sich im Spiegel betrachtet. Sein Leben lang sucht er sein Spiegelbild im Blick des anderen. Der andere existiert nicht als Individuum, sondern als Spiegel. Ein Narziss ist eine leere Schale, die kein Eigenleben hat; er ist ein Pseudo-Persönlichkeit, der zu täuschen sucht, um seine Leere zu tarnen. Er ist jemand, der nie als menschliches Wesen anerkannt wurde und der gezwungen war, sich ein Spiegelbild zu entwerfen, um sich der Illusion hinzugeben, zu existieren.

 

Das Opfer

 

Das Opfer wird gezielt vom Täter ausgesucht. Nicht weil es irgendein Fehlverhalten oder eine Straftat begangen hätte. Nein, der Grund ist einfach, dass der Täter bei dem Opfer die größte Befriedigung seiner perversen Aggressivität empfindet. Folgende Eigenschaften des Opfers sind anzutreffen:

  • Das Opfer muss für den Täter ein lohnenswertes Ziel darstellen: dass Opfer kann dem Täter in der ersten Zeit wiederstehen, verliert aber letztlich doch. Es ist evtl. im Vergleich zu anderen anfangs nicht zum Mitläufer des Täters geworden, bzw. es hat die Machtposition des Täters nicht unterstützt.
  • Das Opfer besitzt nicht die gleiche virtuose Schlagfertigkeit des Täters. Es verspürt keine Zuneigung zur Polemik (scharfe, unsachliche, meist persönlich gefärbte Kritik, z.B. in der Öffentlichkeit). Es ist empfindlich gegenüber dem Urteil anderer und ihrer Kritik, auch wenn diese unbegründet ist. Es vermeidet Konfrontationen und passt sich lieber an.
  • Das Opfer ist naiv und leichtgläubig. Es kann sich nicht vorstellen, dass der andere von Grund auf unkonstruktiv und zerstörerisch ist. Es versucht logische Erklärungen zu finden, was sein Peiniger, bewusst oder unbewusst, will, und sucht dabei nach einem eigenen Anteil an Schuld. Es glaubt, dass es etwas falsch gemacht hat, bzw. etwas besser machen könnte. Es besitzt einen Beschützerinstinkt. In Partnerschaften kann das Opfer sich die unmögliche Aufgabe gesetzt haben, den Täter zum besseren zu verändern. Der wesentliche Fehler des Opfers ist es, nicht misstrauisch gewesen zu sein, die nonverbalen gewalttätigen Botschaften übersehen zu haben. Es hat diese Botschaften nicht zu deuten vermocht.
  • Das Opfer besitzt oft viele perfektionistische Ansprüche: es nimmt alles recht genau, will immer alles richtig machen und zur Stelle sein. Das Opfer erträgt nur schwer Missverständnisse oder Unbeholfenheiten, die er sogleich zu korrigieren versucht. Das Opfer ist ordnungsliebend. Sie opfern sich für ihre Nächsten auf und akzeptieren nur schwer dass andere ihnen einen Dienst erweisen.
  • Diese hohen Ansprüche sind eng verbunden mit der Angst, eine Niederlage zu erleiden oder eine Schuld auf sich zu nehmen. Diese verleiten es dazu ein Arbeitspensum auf sich zu nehmen, das über dem Durchschnitt liegt und ihnen eine gutes Gewissen verschafft. Oft rührt daher sein Gefühl, bis an die Grenze des Möglichen mit Arbeit und Aufgaben überhäuft zu sein. Bei Schwierigkeiten verstärken sie ihre Anstrengungen, überanstrengen sich, fühlen, dass die Ereignisse ihnen über den Kopf wachsen, haben Schuldgefühle, arbeiten immer mehr, ermüden, werden immer weniger leistungsfähig und fühlen sich - es ist ein Teufelskreis - immer schuldiger. Das kann bis zur Selbstanklage gehen. Dieser innere Druck erzeugt bei ihm ein großes Leid.
  • Das Opfer findet keinen stärkenden Rückhalt aus der Umgebung oder aus dem Kreis der Arbeitskollegen. Das Opfer lässt sich durch den Täter isolieren. Das Opfer leidet nicht nur unter seiner Opfersituation, sondern schämt sich auch noch dafür, dass es ihm nicht gelingt, sich zu verteidigen. So sprechen sie nicht mit anderen über ihrer Situation.
  • Die Erziehung kann empfänglich machen für Abhängigkeiten zu einem narzisstischen Täter. Eine unterdrückende, d.h. repressive Erziehung, bei der das Kind "zu seinem Besten" in die Knie gezwungen wird, bricht tatsächlich den Willen des Kindes und bringt es dahin, seine wahren Gefühle, seine Kreativität, seine Empfindsamkeit, seine Revolte zu unterdrücken. Das Kind gibt es schließlich auf mit Worten oder Wut den Quälereien und Demütigungen zu widerstehen. Auf diese Weise durch die Kindheit geprägt, lässt sich das Opfer im Erwachsenenalter leichter manipulieren.
  • Das Opfer besitzt ein unterschwelliges Minderwertigkeitsgefühl, das zu kompensieren ihnen im allgemeinen gelingt, unter der Voraussetzung, dass man ihnen keine Gelegenheit liefert sich schuldig zu fühlen. Diese Verwundbarkeit durch Schuldgefühle stellt eine große Schwäche dar. Das Opfer lässt sich durch den Täter Schuldgefühle einreden.
  • Das Opfer ist evtl. vorbelastet durch einen schmerzlichen Punkt, vielleicht durch ein negatives kindlichen Erlebnis. So kämpft es gegen ein unbewusstes Strafbedürfnis, dass durch Misserfolg und Leid erfüllt wird.

 

 

Die Umgebung

  Die Umgebung nimmt die auf das Opfer gerichteten hinterhältigen Aggressionen des Täters offenbar nicht wahr und schreitet nicht ein. Dies kann einerseits daran liegen, dass der Täter sehr subtil vorgeht. Andererseits manipuliert der Täter die Umgebung und bringt sie auf seine Seite. Viele andere Punkte spielen auch eine Rolle. Es wird im folgenden von einem beruflichen Szenario ausgegangen.
  • Das Berufsleben ist geprägt von einem System erbitterter Konkurrenz. Kälte und Härte sind an der Tagesordnung, auch wenn man oberflächlich freundlich ist. Die angespannte Arbeitsmarktsituation erweckt Angst vor einer möglichen Arbeitslosigkeit. Arroganz und Zynismus, vermeidliche Zeichen von hoher Durchsetzungsfähigkeit, werden zu Managementmethoden erhoben. Der einzelne Mensch und seine Persönlichkeit sind nicht mehr wichtig, was zählt ist seine Arbeitsverrichtung oder bzw. und das er sich selbst und seine Arbeit gut verkauft. Narzisstische Menschen finden sich in diesem Klima sehr gut zurecht. Wenn die Arbeit unter zeitlichem Druck, mit technisch hohem Anspruch oder hoher Verantwortung erfolgt, wird die narzisstisch aggressive Stimmung verschärft. Da sich narzisstische Aggressoren hier gut behaupten gewinnen sie leicht opportunistische Mitläufer oder sogar Nacheiferer.
  • Der Narzisst baut ein Vertrautheit mit der Umgebung auf. Das Opfer wird isoliert. Die Umgebung akzeptiert stillschweigend die Repressalien, die das Opfer erleiden muss, oder wird - bewusst oder unbewusst - Komplize dieser Aggression. Oder sie hält abstand, "Da wollen wir nicht hineingezogen werden." Ich möchte nicht zum Opfer avancieren. An Wiederstand wird aus Angst vor Repressalien erst gar nicht gedacht. Viel schlimmer, der Widerstand würde als Zeichen von Schwäche gewertet. Auch die Umgebung verdächtigt schließlich das Opfer. Alles läuft inszeniert durch den Täter so ab, als könne es kein unschuldiges Opfer geben.
  • In unserer Gesellschaft gilt Schuldgefühl als etwas Negatives: Man leistet sich keine Stimmungen, man muss sich als der Stärkere erweisen. Die Gesellschaft hat die Tendenz zu sagen, es gebe kein Schuldgefühl ohne ein entsprechendes Vergehen. In den Augen außenstehender Beobachter laden die Täter ihren Opfern die Schuld auf.
  • Unternehmen sind nachsichtig gegenüber Übergriffen einzelner Individuen, sofern es Gewinn bringt und nicht zuviel Aufruhr erzeugt.

 

 

Der Ablauf - Phase : Die Unterwerfung des Opfers

 

Der Täter verfolgt das Ziel zunehmend Macht zu gewinnen und das Opfer zu unterwerfen. Dazu verwirrt und lähmt er das Opfer, indem er ihm zeigt, dass sein moralisches Wertsystem nicht funktioniert. Er provoziert sein Opfer mit seiner gefühlslosen, narzisstischen Aggression. Er setzt es unter andauernden Stress setzen. Ohne jedes Mitgefühl zeigt es seine ungerechtfertigte Missbilligung und Geringschätzung des Opfers. Die Mittel des Täters werden weiter unten aufgelistet.

Im weiteren zeitlichen Verlauf wird die Abwehr des Opfers weitergeschwächt und sein Selbstvertrauen geraubt. Die psychische Stabilität des Opfers wird angegriffen.
Der Täter arbeitet hinterhältig und wohldosiert, subtil mit nonverbalen Aggressionen. Er achtet darauf das sein Aggressionen nicht zu offenkundig werden, so dass dritte nicht verschreckt werden. Diese Phase kann sich über mehrere Jahre hinziehen.


Das Opfer ist sich anfangs nicht im klaren, ob es sich um einen Scherz handelt, ob es vielleicht geneckt wird. Es weiß nicht woran es ist. Der Täter gibt das Gefühl, dass das Opfer die Schuld trägt. Das Opfer leistet keinen Widerstand und redet nicht mit anderen darüber. Das Opfer fühlt sich zunehmend allein gelassen. Es versucht zu verstehen, warum der Täter so aggressiv handelt und sucht die Schuld somit bei sich. Es ist sich nicht über die Manipulation oder dessen Ausmaß im klaren.


Das Opfer empfindet Angst. Es ist ständig auf der Hut, belauert den Blick des anderen oder die Schroffheit seiner Gebärden, den eisigen Ton, der eine unausgesprochene Aggressivität verdecken könnte. Es fürchtet die Reaktion des anderen, seine Anspannung seine Kälte, wenn sie mit seinen willkürlichen Erwartungen nicht übereinstimmen, fürchten verletzende Bemerkungen, Sarkasmen, Spott.


Das Opfer verwendet anfangs übermäßige Freundlichkeit um den Aggressor zu besänftigen, um Anerkennung und Wohlwollen zu betteln. Diese Freundlichkeit fordert den Aggressor erneut heraus und erzeugt Hass und Sadismus. Er fühlt sich bestätigt, dass er haushoch überlegen ist.


Das Opfer ist blockiert, es reibt sich damit auf, Lösungen zu ersinnen. Doch alle Lösungsversuche sind zum Scheitern verurteilt. Falls das Opfer rebelliert, steigert der Täter den Druck. Die Wiederstandskraft sinkt, das Opfer verzweifelt, Angst und depressive Verstimmungen treten auf.
Der Prozess verstärkt sich: der Täter verschärft den Einsatz seiner Mittel, das Opfer zieht sich mehr zurück. Konditionierte Reflexe bauen sich auf: der Täter verspürt beim Anblick des Opfers Wut, das Opfer seinerseits Furcht. Das Opfer erkennt die eigentliche zielgerichtete Aggressivität des Täters erst, wenn sie schon fast zur Gewohnheit geworden ist.


Die Umgebung kann diesen Prozess nicht direkt sehen. Es wird vielmehr zu einer negativen Meinung über das Opfer verführt. Der Täter führt das Opfer so in einen passiven Gehorsam. Dass Opfer unterwirft sich aus Furcht vor einem Konflikt, der zu einem Bruch führen könnte. Es spürt, dass kein Verhandeln möglich ist. Diese Ausweichhaltung verhindert zwar den Ausbruch von Gewalt, ändern aber nicht die Bedingungen. Das Opfer wird immer deprimierter. Der Täter wird immer beherrschender. In diesem psychischen Kampf werden die Opfer ihrer Substanz beraubt und verzichten auf ihre eigene Identität.


Die Selbstzweifel des Opfers wachsen und das Selbstvertrauen sinkt. Die Widerstandskraft sinkt. Es ist gehindert zu reagieren, muss nur noch starr vor Staunen hinnehmen. Die Leistung des Opfers sinken, Konzentration wird eingebüsst. Falls das Opfer zusammenzubrechen droht, findet der Täter seine Rechtfertigung " Das wundert mich nicht, der war verrückt." Das selbe gilt, falls das Opfer aufgrund des gesunkenen Selbstvertrauen, z.B. anfängt Fehler zu machen, oder falls es emotional überreagiert es plötzlich Hass überkommt.


Wenn das Opfer begreift, dass es Spielball einer Manipulation geworden ist, tritt ein Schock ein. Es ist fassungslos, zutiefst verletzt. Alles bricht zusammen. Die Schwere des Traumas rührt her von dem Überraschungseffekt und von der fehlenden Vorbereitung, die wiederum Folge des beherrschenden Einflusses ist. In diese Erschütterung mischen sich Schmerz und Beklemmung. Das Gefühl von gewaltsamen Eindringen, von Bestürzung, von überrollt werden, von völliger Niedergeschlagenheit. Meist beschreibt das Opfer das erfahrene Leid wie eine körperliche Aggression: Es ist wie ein Dolchstoss. Trotzdem sind die Opfer meist unfähig zu revoltieren.

 

Mittel des Täters

 

Der narzisstisch aggressive Täter bedient sich virtuos folgender Mittel.

  • Immer wieder zeigt der Täter dem Opfer auf, dass das Opfer in Sachen Schlagfertigkeit unterlegen ist.
  • Gestik und Mimik : ungeduldige Seufzer, Achselzucken, missbilligende Blicke, gefühlslose oder überbetonte Klangfarbe.
  • Versteckte Anspielungen, böswillige Andeutungen, Sarkasmus, Spott, Lügen, Täuschung, Demütigungen, indirekte Kritik, Einschüchterung, Mangel an Respekt, Herrschsucht, Sadistische und abwertende Verhaltensweisen, Ablehnung von Gefühlen, verbale Gewalt, Opfer demonstrativ überwachen
  • Spricht Sätze nicht zu Ende, spricht mehrdeutig, lügt somit indirekt. Spricht verschwommen. Startet ein Ablenkungsmanöver um Fragen nicht zu beantworten. Direkte Fragen werden nicht beantwortet oder die Täter weichen aus. Dem Opfer wird die Schuld dafür gegeben. "Mit Dir kann man ja nicht sprechen".
  • Verweigerung der konstruktiven bzw. der Kommunikation überhaupt
  • Verwendung eines lächerliche Spitznamens, der vielleicht sogar von der Umgebung übernommen wird.
  • Der Täter ändert seine Meinung und Ansichten gegenüber dem Opfer täglich.
  • Der Täter redet schwafelnd ohne Inhalt z.B. in einer Fachsprache. ("Redet ohne etwas zu sagen.")
  • Der Täter spricht so als wäre er allwissend und verallgemeinert unangemessen. Er formuliert seine Meinung wird als objektive Wahrheit: Also z.B. "...Der xyz ist ein Arschloch. Dass weiß doch jeder, es ist unmöglich dass Du es nicht auch denkst". Täter behauptet, die Absichten des anderen zu kennen, seine geheimen Gedanken zu erraten. Opfer gerät in die Defensive " Ich weiß ja, dass du diese Leute nicht ausstehen kannst und Wege suchst sie nicht zu treffen." Das Opfer gerät so in einen vermeintlichen Rechtfertigungszwang.
  • Der Täter verwendet übergeneralisierte Aussagen, die das Opfer mit einschließen, "Alle XYZler sind ja so kompliziert".
  • Das Opfer wird durch ständige Verwechslung von Wahrheit und Lüge verwirrt.
  • Der Täter hat an allem etwas auszusetzen, selbst wenn es etwas zufälliges ist.
  • Dem Opfer wird keine Möglichkeit gegeben sich zu verteidigen.
  • Methoden der Gehirnwäsche werden angewandt: Aneignung durch Enteignung, Beherrschung, der andere wird unterworfen, Prägung: dem Opfer wird ein Brandzeichen aufgedrängt
  • Herabsetzung des Opfers: die positiven Eigenschaften oder die Person des Opfers selbst wird wiederholt als nichtig und wertlos beurteilt. Der Täter zwängt dem Opfer seine verfälschte Sicht auf, bis das Opfer schließlich selbst daran glaubt.
  • Wenn der Täter eine Schwäche des Opfers findet, wird diese sofort gegen ihn gewandt. Falls es eine Schwäche ist mit der das Opfer evtl. selbst unzufrieden ist, so verliert das Opfer schnell Selbstvertrauen.
  • Das Opfer wird zum Sündenbock, verantwortlich für alles Übel. Evtl. wird kein konkreter Vorwurf wird erhoben, das Opfer kann sich der Situation nicht anpassen.
  • Anspielungen: der Täter zitiert Situationen in denen andere Schwach waren, die Situation ist auf das Opfer übertragbar.
  • Der Täter geht niemals darauf ein, (konstruktiv) über seine Aggressivität zu sprechen. Stattdessen redet er ausweichend, gewunden, ohne Erläuterung, teilnahmslos. Dies führt zu einer gegenseitigen Entfremdung.
  • Dem Opfer wird keine Möglichkeit gegeben zu verstehen.
  • Der Täter macht sich über die Vorlieben, Meinungen, Ansichten, Schwächen des Opfers lustig. Er zielt auf die verwundbaren Punkte des Opfers. Jeder Mensch besitzt Schwächen, und die Narzissten nisten sich in denen der Opfer ein. Wie ein Alpinist arbeiten sie sich an den Spalten in dieser Wand vor.
  • Paradoxe Botschaften werden verwandt um die Kommunikation zu blockieren: Verbalisierung und Gestik stimmen nicht überein. Feindseligkeit wird demonstriert, ohne dass es einen Grund gäbe. Das Opfer darauf keine angemessenen Antworten geben, da es die Situation nicht versteht.

Weitere Mittel des Täters um das Opfer vor der Gruppe schlecht zu machen.

  • Intrigen, Rivalitäten, Eifersüchteleien, gegeneinander Aufhetzen, wechselnde Bevorzugungen, Informationen vorenthalten, Aggressionen provozieren, Verleumdung, Opfer erfährt es von dritten.
  • Das Wort wird nicht mehr ans Opfer gerichtet. Das Opfer wird daran gehindert sich zu äußern.
  • Das Opfer wird vor anderen lächerlich gemacht, angeschwärzt, kritisiert. Abfällige Bemerkungen werden nicht erklärt.
  • Die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit des Opfers wird in Frage gestellt.
  • Eine unbedeutende, manchmal intime Angelegenheit, wird vor Anwesenden übertrieben ausgemalt.
  • Opfer demonstrativ überwachen.
  • Der Täter versucht durch Charme die fügsamen Gruppenmitglieder um sich zu sammeln. Er eicht die Gruppe darauf, das Opfer zu isolieren. Bündnisse des Opfers zu anderen werden zerschlagen. Das Opfer wird Gegenstand des Geschwätz und des Klatsch.
  • Das Opfer wird anders behandelt als die übrigen, z.B. in einer kindlichen Art, wird nicht mehr gegrüßt
  • In Partnerschaften: das Opfer wird in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwängt. Schuldgefühle werden schamlos ausgenutzt.


Mittel die insbesondere im Beruf angewendet werden können:

  • Machtmissbrauch,
  • die Arbeit des Opfers als nichtig darstellen, die Arbeitsergebnisse des Opfers wegwerfen,
  • Schikanieren: das Opfer mit nutzlosen oder entwürdigenden Aufgaben betrauen. Oder unerreichbare Ziele setzten. Das Opfer erhält keine Hilfe mehr. Das eigentlich vorgesehene Teamwork zerfällt zu einem "Gegeneinander-Arbeiten".
  • Das Opfer im Vergleich zu anderen anders behandeln: z.B. Überstunden abverlangen
  • Informationen vorenthalten, den anderen zu einem Fehler verleiten.
  • Sexuelle Belästigung: Der Täter beweist sich seine Macht dadurch, das Opfer als sexuelles Objekt zu behandeln. Andersbehandlung aufgrund des Geschlechts, sexistische Bemerkungen, Verführungsverhalten, nicht erwünschte sexuelle Aufmerksamkeit, sexuelle Berührungen, sexueller Angriff.

 

Phase 2: Die Zerstörung

 

In der ersten Phase wurden die Opfer gelähmt, in dieser versucht der Täter sie zu zerstören. Die Aggressionen des Täters werden maximal verschärft. Auslösende Momente für die zweite Phase können sein:

  • Das Opfer fängt an die Manipulation zu verstehen und benennt sie. Nun werden sie für den Täter gefährlich. Der Täter versucht sie durch Terror zum Schweigen zu bringen.
  • Das Opfer versucht sich zu wiedersetzen, es droht sich dem dominierenden Einfluss des Täters zu entziehen. Z.B. weil es einen Verbündeten gefunden hat

Das Opfer gerät in einen permanenten Stresszustand. Es verliert seine Spontaneität, es wird je nach Veranlagung streitsüchtig oder ausweichend. Je nach Häufigkeit der Angriffe, leidet das Opfer unter Stresssymptomen: Herzklopfen, Beklemmungsgefühle, Atemnot, Erschöpfung, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Unterleibsschmerzen. Ein chronischer Stresszustand kann zum Auftreten eines allgemeinen inneren Angstzustands führen - mit anhaltender Furcht und Furchtvorwegnahme, ängstlichen Grübeleien, die schwer zu beherrschen sind, kurzum einem Zustand ständiger Spannung und übermäßiger Wachsamkeit.
Depressiven Zustände gehen einher mit Erschöpfung. Das Opfer fühlt sich leer, abgespannt, ohne Energie. Die Konzentration schwindet. Es verliert alle Interessen, unter Umständen auch am Leben.
Arbeitnehmer, die an ihrem Arbeitsplatz gequält werden und in diesem Stadium sind, sind selten einverstanden, sich krankschreiben zu lassen. "Wenn ich das tue wird alles nur noch schlimmer. Man wird es mich büßen lassen." Die Angst führt dazu alles hinzunehmen.


Der Täter wird nun brutaler:

  • Beschimpfungen, Demütigungen,
  • Erpressung, Drohungen, Einschüchterungen
  • Das Opfer wird in die Enge getrieben.
  • Das Opfer soll sich selbst schlecht machen, indem es sich über den Täter beschwert. Der Täter kann jede Schuld von sich weisen und glaubhaft machen das Opfer sei dass Problem. Das Opfer wird entsprechend provoziert, und reagiert zu emotional. Oder das Opfer ist zu blockiert um seine Position deutlich zu machen. Das Opfer besitzt keine Chance, da es gegenüber den anderen zu isoliert ist. Das Opfer kann nun z.B. als geisteskrank dargestellt werden.
  • Das Opfer soll aus dem Betrieb entlassen werden und für die Kündigung werden die Gründe einfach fingiert: z.B. Entlassung aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund einer "Umstrukturierung des Unternehmens". Fehler die bei einer schwierigen Aufgabe gemacht werden, werden vorgehalten. Das Mobbing zielt darauf ab, dass Opfer zur Kündigung zu treiben.

 

Phase 3: Nach der Trennung

 

Irgendwann löst sich die Situation durch eine Trennung vom Opfer und Täter. Meist ist es so, dass der Täter siegt, und das Opfer sein Feld räumt.


Es kann zu einem Trauma kommen, zu einer Dissoziation, die Bewusstsein, Gedächtnis, Identität und Umweltwahrnehmung beeinflusst: Ein Phänomen der Verteidigung gegen die Angst, den Schmerz oder die Ohnmacht. Die seelische Struktur kennt keinen andere Ausflucht, als sich zu entstellen oder das Trauma aus dem Bewusstsein zu drängen. Der Zerfall bewirkt eine Trennung zwischen dem Erträglichen und dem Unerträglichen, welches der Amnesie (Vergessen) überlassen wird. Es filtert die erlebte Erfahrung und führt so zu Erleichterung und partiellem Schutz.


Die Versuche zu vergessen führen meist zu verzögerten psychischen oder somatischen Störungen, als ob das Leiden in der seelischen Struktur als Fremdkörper zurückgeblieben wäre, aktiv und dennoch unzugänglich. Auch wenn das Opfer nach einer Trennung nicht geschädigt erscheint, dauern spezifische Symptome fort, z.B. allgemeine Beklemmung, chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfweh, psychosomatische Störungen (Bulemie, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit). Diese Symptome kommen einen Versuch gleich, die erlittenen Aggressionen wegzuzaubern. Bei der ärztlichen bzw. medikamentösen Behandlung dieser spezifischen Symptome wird meist mit den ursprünglichen Gewalt, die das Opfer erlebt hat, nicht berücksichtigt.


Andere Opfer werden eine ganze Reihe von Symptomen entwickeln, die der Definition des posttraumatischen Stresses nahe kommt. Eine Art der Neurose, die besonders bei Kriegsveteranen erforscht wurde, und in der Regel Bedrohung der körperlichen Sicherheit aufweißt. Die Opfer waren, wie Kriegsopfer, einem virtuellen "Belagerungszustand" ausgesetzt, der sie zwang, ständig in Verteidigungsstellung zu verharren. Die Aggressionen oder Demütigungen sind ins Gedächtnis eingeschrieben und leben wieder auf in intensiven und sich wiederholenden Bildern, Gedanken, Erschütterungen - se es tagsüber mit dem plötzlichen Gefühl, eine völlig gleiche Situation stehe wieder bevor, sei es während der Nacht, wo sie Schlaflosigkeit und Alpträume hervorrufen. Die Opfer verspüren das Bedürfnis, über die traumarisierenden Ereignisse zu sprechen, aber die Beschwörungen der Vergangenheit führen jedes Mal zu psychosomatischen Erscheinungen, die mit Angst gleichbedeutend sind. Sie weisen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auf. Manchmal verlieren sie den Appetit oder zeigen ganz im Gegenteil bulimische Verhaltensweisen, erhöhen ihren Alkohol- oder Tabakkonsum.


Längerfristig führen die Angst, dem Aggressor die Stirn zu bieten, und die Erinnerung an die traumatisierende Situation zu einem Ausweichverhalten. Die Opfer entwickeln Strategien, um nicht an das stressige Ereignis denken zu müssen und alles zu meiden, was diese schmerzliche Erinnerung heraufbeschwören könnte. Diese Distanzierung als Versuch, einem Teil der Erinnerung zu entkommen, hat mitunter aber auch eine deutliche Verringerung des Interesses an früher wichtige Aktivitäten oder eine Einschränkung des Gefühlslebens im Gefolge. Gleichzeitig bestehen neurovegetative Symptome weiter, wie Schlafstörungen oder übermäßige Wachsamkeit.


Dieses schmerzhafte Wiederaufleben schildern fast alle, die einmal Opfer waren, aber manchen gelingt es, sich davon zu lösen, indem sie sich äußeren Aufgaben, beruflichen oder karitativen, widmen. Jahre später wird alles, was unmittelbar oder von Ferne die Erinnerung wachruft an das Erlittene, sie sofort die Flucht ergreifen lassen, denn das Trauma hat in ihnen eine Fähigkeit entwickelt, besser als andere die perversen Ansätze einer Verbindung herauszuspüren.


Bei denen, die im Unternehmen gequält worden sind, wird der Umfang der langfristigen Folgen oft erst wahrgenommen, wenn es ihnen nach einer langen Zeit, während der sie krankgeschrieben waren, besser zu gehen scheint und man ihnen nahe legt, die Arbeit wieder aufzunehmen. Dann sieht man die Symptome wieder auftauchen: Krisen der Angst, Schlaflosigkeit, trübe Gedanken. Der Patient gerät in eine Spirale: Rückfall, erneutes Krankgeschriebenwerden, Wiederaufnahme, Rückfall... was zum Ausscheiden aus dem Berufsleben führen kann.


Es geschieht auch, dass das Leben bei diesem Trauma stehen bleibt, wenn es den Opfern nicht gelingt, sich von dem beherrschenden Einfluss zu lösen: Die Lebenskraft ist stumpf geworden, die Lebensfreude schwindet, und jede persönliche Initiative wird unmöglich. Sie verharren in der Klage darüber, im Stich gelassen worden zu sein, betrogen, verhöhnt. Sie werden verbittert, empfindlich, reizbar, ziehen sich vom gesellschaftlichen Leben zurück in bittere Grübeleien. Diese Opfer kauen wieder, und ihre Umgebung erträgt das schlecht: "Das sind alte Geschichten, Du solltest an etwas anderes denken".


Dennoch fordern die Opfer, sei es in den Familien oder den Unternehmen, selten Rache. Sie verlangen vor allem nach Anerkennung dessen, was sie durchgemacht haben, selbst wenn es niemals möglich ist, eine Ungerechtigkeit vollständig wiedergut zu machen. Aber: von einem wirklich perversen Aggressor einen Gewissensbiss oder Bedauern zu erwarten ist vergeblich.

 

 

 

Ratschläge

 
  • Gegenüber dem perversen Täter gewinnt man niemals. Bestenfalls kann man etwas über sich selbst lernen. Gebe Dein Ideal von unbedingter Toleranz auf.
  • Fange an die Mechanismen dieser Manipulation zu erkennen und lege die ungerechtfertigten Schuldgefühle ab.
  • Erkenne das Profil des gestörten Täters und seine Beweggründe, seine Persönlichkeitsstörung. Er ist gefährlich, weil er Dir böses will. Er ist der Schuldige.
  • Treffe den Aggressor am besten mit Zeugen. Unabhängige Zeugen können evtl. die Aggressionen beobachten und dem Opfer objektiv die Aggressionen bestätigen. Die Zeugen sind nicht der durch Schuldgefühlen, Furcht oder Gewohntheit verzerrten Wahrnehmung beeinflusst. Durch das Vorhandensein von Zeugen können evtl. auch rechtliche Schritte eingeleitet werden. Falls es zu einer Vermittlung durch dritte kommt, sei darauf gefasst, dass der Täter Dich beim Vermittler massiv negativ darstellen wird.
  • Lege die Opferrolle und Schuldgefühle ab. Erkenne die Opferrolle nicht nur sondern fange an zu REVOLTIEREN. Mache Dich vom beherrschenden Einfluss frei und gelange zu einem befreienden Zorn. Ein Zorn, der verspätet und kontrolliert auftritt ist wirkungslos.
  • Vermeide aber die Mittel des Täters zu ergreifen. Der Perverse will Dich ja gerade dazu verführen, Dich auch zu verderben und zu seinen Mitteln zu greifen. Vermeide impulsive Aggressivität, die zu Gewalttaten führen kann. Benenne Deine Unzufriedenheit wenn der Täter wieder aggressiv ist. Nicht um sein Verhalten zu ändern, sondern um Deinen Unmut gerecht zu werden.
  • Gehe dem Konflikt nicht aus dem Wege. So gibst Du Deine Identität nicht auf und bleibst Dir selbst treu. Verwandle Dich vom gelähmten Opfer zum Spielverderber. Dadurch, dass den Konflikten nicht mehr ausweichst, und evtl. Krisen ausbrechen, kannst Du Verantwortung für Dich übernehmen. Je länger Du die Kiese hinauszögerst, desto schlimmer wird es.
  • Sammle alle Formen der Provokation die der Täter unternimmt. Notiere sie Dir um sie später zu Deiner Verteidigung parat zu haben. Dazu gehören z.B. auch Kopien von zurückgehaltenen Informationen oder von Lügen, die Dir aufgetischt wurden. Notiere Dir Zeugen, um Dir Glaubwürdigkeit zu verschaffen.
  • Versuche dem Täter Gleichgültigkeit vorzuspielen, ein Lächeln zu wahren und mit Humor zu antworten, aber ohne übermäßigen Gebrauch von Ironie. Bleibe unerschütterlich und werde nicht zu aggressiv. Versuche im Beruf Fehler zu vermeiden, komme nicht zu spät.
  • Misstraue Deinem Täter und lasse z.B. Deinen wichtigen Dinge nicht unverschlossen auf Deinem Schreibtisch liegen.
  • Versuche die Aggressionen des Gegners aus Deiner Wahrnehmung zu filtern. Überhöre Anspielungen, die gemacht werden. Behalte einen kühlen Kopf. Bewahre in Deinem inneren die Überzeugung im Recht zu sein. Und dass das früher oder später Deiner Umgebung deutlich wird.
  • Grundregel: höre auf Dich gegenüber dem Täter zu rechtfertigen. Schweigen ist bessern. Lasse Dir mehr Zeit im Direkten Kontakt um auf eine gute Antwort zu überlegen. Im beruflichen Bereich, ist ein Schweigen evtl. nicht möglich, wenn Du mit dem Täter zusammenarbeiten musst. Bleibe bei der Beschaffung von beruflichen Informationen unnachgiebig und vernichte Zweideutigkeiten durch nachfragen.
  • Suche Dir Unterstützung. Vertraue die Sache Deinen Freunden an. Dadurch gewinnst Du Selbstvertrauen. Die einzig brauchbaren stützen sind die, die sich damit begnügen dazusein, und die nicht urteilen; diejenigen die - egal was geschieht - sie selbst zu bleiben verstehen.
  • Einen unabhängigen Vermittler im beruflichen Umfeld zu finden gestaltet sich schwierig. Personalabteilung, Betriebsarzt, Betriebsrat, Vorgesetzter kommen in Frage. Vorsicht ist aber geboten, denn schwerwiegende Folgen können sich für das Opfer ergeben. Der Betriebsarzt schreibt eine negatives Eignungsgutachten, oder eine dass spätere Entlassungszeugnis enthält keine einwandfreien Beurteilungen.
  • Trenne Dich wenn möglich von dem Aggressor. Das befreit und das Interesse am Leben, Deine Neugier auf die Welt und die Menschen, kehrt zurück.
  • Psychotherapie oder Ratgeberliteratur - kann helfen die objektiv aggressiven Machenschaften des Täters zu erkennen, hilft stabil zu bleiben und die Kraft zu haben, sich der Aggression zu wehr zu setzen. Eine Therapie wird meist spät und dann wegen depressiven Verstimmungen aufgesucht. Die Therapeuten treffen die Opfer im Stadium der Dekompensation. Die Opfer zeigen einen generalisierten zustand der Beklommenheit, psychosomatische Störungen, oder sind depressiv. Bei impulsiveren Personen kann die Dekompensation in der Form geschehen, dass sie zu gewaltsamen Handlungen übergehen, die zur Einweisung in psychiatrische Klinik führen. Nicht selten erscheinen dies Störungen in den Augen des Täters wie eine Rechtfertigung für sein Quälen. Die gequälten Personen ziehen gewöhnlich eine medikamentöse Behandlung einer langwierigen Psychotherapie vor.
  • Die Therapie sollte sich zunächst darauf konzentrieren, wie man aus der Opfersituation am schnellsten herauskommt, und nicht unbedingt darauf, wie sie entstehen konnte. Die Therapie muss zumindest in der ersten Zeit aufbauend wirken und dem Opfer erlauben, von der Angst und den Schuldgefühlen loszukommen. Der Patient muss deutlich spüren, dass man für ihn da ist, dass sein Leid den Therapeuten nicht gleichgültig lässt. Es ist wichtig, dass der Therapeut das Trauma, dass von einer äußeren Aggression herrührt, als etwas Geschehenes anerkennt. Das Opfer muss lernen weniger Verantwortung für das Traume zu tragen, wohingegen die traditionelle Psychotherapie der Patient ermutigt wird, mehr Verantwortung für seine Probleme auf sich zu nehmen. Es ist gefährlich, dem Patienten zu schnell seine psychische Dynamik zu veranschaulichen, selbst wenn es offenbar wird, dass Kindheitserlebnisse mitverantwortlich an seiner Opferrolle waren.
  • Die unwillkürlichen und ungebetenen Erinnerungen bilden eine Art Wiederholung des Traumas. Um die Angst zu vermeiden, die mit den Erinnerungen an die erlittene Gewalt verbunden ist, suchen die Opfer ihre Gemütsbewegung zu kontrollieren. Um aber wieder anfangen können zu leben, müssen sie ihre Angst akzeptieren und wissen, dass sie nicht von heute auf morgen verschwinden wird. Sie müssen loslassen und ihre Ohnmacht akzeptieren, und das ist echte Trauerarbeit. Dann können sie auch ihre Empfindungen akzeptieren, ihr Leiden anerkennen als einen achtenswerten Teil ihrer selbst und ihre Verletzungen anschauen. Nur dieses Annehmen macht es möglich, mit dem Klagen aufzuhören, seinen krankhaften Zustand sich nicht länger zu verhehlen. Heilen heißt die zerstreuten Teile wieder miteinander verknüpfen zu können, den Kreis zu schließen. Eine Psychotherapie muss dem Opfer ermöglichen, sich bewusst zu werden, dass es nicht aus seine Stellung als Opfer beschränkt ist. Wenn es sich seiner Stärken bedient, weicht der masochistische Teil ganz von selbst, der es vielleicht noch unter dem beherrschenden Einfluss festhält. Das erlebte Träume schließt eine Neustrukturierung der Persönlichkeit und eine abweichende Beziehung zu Umwelt mit ein. Es hinterlässt eine Spur, die sich nicht auslöschen lässt, aber auf der es möglich ist, wieder aufzubauen. Diese schmerzliche Lebenserfahrung ist häufig die Gelegenheit zu einem persönlichen Neuaufschwung. Man geht gestärkt daraus hervor, weniger naiv. Man kann beschließen, von nun an geachtet zu werden. Das menschliche Wesen, das grausam behandelt wurde, kann aus der Erkenntnis seiner Ohnmacht neue Kräfte für die Zukunft schöpfen.