|
Die Erörterungen auf dieser Seite sind allgemeiner Natur und
nicht auf die Umstände einer Angsterkrankung spezialisiert. Somit
bietet sich die Möglichkeit sich aus vielen verschiedenen Blickwinkeln
mit der Frage nach einer individuell optimalen Therapie auseinander
zusetzen. Ein theoretisches Fazit ist, dass die optimale Therapie nicht
starr auf ein Therapiekonzept beschränkt ist, sondern je nach Erfordernissen
verschiedene Techniken benutzt ("Integrative Psychotherapie").
|
| Eine Psychotherapie ist harte Arbeit für den Patienten | |||
|
Eine Psychotherapie besteht zunächst schlicht und ergreifend darin, dass sich Patient / Klient und Psychotherapeut ein mal pro Woche zu einer Gesprächssitzung treffen. Diese Gespräche haben es aber in sich. Die Behandlung besteht aus diesen Gesprächen und wie der Patient die darin verarbeiteten Inhalte in seinem Leben integriert. Das Medikament ist sozusagen das Wort (des Therapeuten), getragen von der Beziehung, die man mit dem Therapeuten aufbaut. Diese Beziehung ist eine ganz besondere Form der menschlichen Beziehung, die dadurch entsteht, dass der Therapeut gesprächsmässig für alle Belange des Patienten interessiert und für diese offen ist, ohne sich selbst darin zu verwickeln. Der Therapeut nimmt sich persönlich zurück und wird damit zur Spiegelfläche der psychischen Konflikte des Patienten, die es im Gespräch und in der Beziehung mit dem Therapeuten zu klären gilt. Mit keinem anderen Menschen im Leben (Freund oder Verwandter) hat man je eine solche Beziehung. Viele Menschen, die sich für Psychotherapie interessieren, glauben, dass man mit einigen Psychotherapie-Sitzungen schwere Probleme, die einen schon fast das ganze bisherige Leben lang belastet haben, wie durch magische Kraft "wegzaubern" kann. Oder dass der Therapeut ihre Probleme lassen kann. So ist es aber leider nicht. Psychotherapie beruht nicht auf Wundern, sondern auf harter Arbeit an sich selbst. Sich selbst ändern! Um sich selbst ändern zu können, bedarf es sehr viel Einsicht, Mut, Kooperation, Flexibilität, und auch Leidensdruck durch Probleme. Ohne Leidensdruck (Probleme im Leben) ist niemand bereit, sich selbst zu ändern, denn jeder möchte im Grunde so bleiben wie er ist, selbst dann, wenn er eingesehen hat, dass er selber und seine Verhaltensweise das größte Problem sind. Der Mensch möchte halt immer Recht haben und so sein, wie er ist. Einige Patienten machen eine Enttäuschungs-Phase durch, so ca. nach der 20. oder 25. Therapiesitzung, wenn die "Anfangseuphorie" abgeklungen ist und es so langsam ans "Eingemachte" geht (die zentralen psychischen Konflikte) und sie bemerken, dass nicht der Therapeut ihre Probleme lesen kann, sondern nur sie selbst - in einer ganz realistischen Art und Weise, in ihrem Leben selbst, im Alltag. Dies ist eine kritische Phase, bei der es manchmal zu Therapieabbrüchen kommen kann. Psychotherapie bedeutet nämlich Änderung der alten Denk- und Verhaltensweisen, also geistiges Neuland betreten, gewissermaßen. Einige Therapiepatienten fangen jedoch am Anfang einer Therapie Diskussionen mit dem Therapeuten darüber an, warum er (der Patient) so ist wie er ist (Rechtfertigungen, um so bleiben zu können, wie er ist - also nichts ändern) und zahlreiche Erklärungen warum das Leben ihm so übel mitgespielt hat, und warum er auf die Vorschläge und Spiegelungen des Therapeuten nicht eingehen kann, es gibt viele Gründe, es ist ja alles nicht so einfach etc. etc. (Widerstand, Verdrängung). Trotzdem wünscht sich der Patient aber eine Lösung seiner Probleme - aber, bitte, ohne sich selbst ändern zu müssen. Der Therapeut möge dies Wunder bewirken. Dies geht aber nun mal leider nicht! Der Therapeut besitzt keinen Zauberstab, mit dem er des Patienten Probleme lösen kann, er kann den Patienten nur auf dem Wege seiner Entwicklung (= Änderung) der Persönlichkeit zu Problemlösungen hin fachmännisch begleiten und unterstützen. Psychotherapie bedeutet, dass Ich mich ändern muss. Die Welt, das Leben, die anderen Menschen bleiben alle so, wie sie sind! Diese Grundtatsache kann nicht oft genug wiederholt und betont werden. Und zwar deswegen, weil einige Therapie-Patienten lieber möchten, dass sich Ihre Umwelt - und die anderen Menschen - ändern mögen, anstatt an Ihrer eigenen Verhaltens- und Denkänderung zu arbeiten. Dies ist die tägliche Erfahrung eines Therapeuten. Psychotherapie hat nichts mit Wundern zu tun, dafür aber um so mehr mit Psychologie, das heißt, mit mir selbst, meinem Charakter, meinen Gefühlen und Gedanken, meinen Fähigkeiten und Defiziten, Hoffnungen, Erwartungen und Ängsten, meiner aktuellen Lebenssituation, und.... mit meinem Verhalten! Und mit der Änderung all dieser Dinge. Zum Beispiel kann man mit Psychotherapie "negative Gedanken" (die zu Depressionen führen) in "positive Gedanken" umwandeln, dies führt zur allgemeinen psychischen Stabilisierung, zu mehr Glück und Zufriedenheit im Leben, ich kann dann meine Probleme in meinem Leben selber besser meistern. Ich bin dann psychisch und körperlich gesünder.
Häufige und allgemeine Ziele einer Psychotherapie sind:
Veränderung der allgemeinen Sichtweise der Dinge, in Richtung
einer positiven und lösungsorientierten "inneren Haltung"
und Denkweise, Änderung der Lebensphilosophie, Bewältigungsstrategien
erlernen. |
| Vor- und Nachbereiten einer Therapiesitzung | |||
|
Mit diesen Prüffragen können Sie selbst die Therapie,
ihren Verlauf und ihre Entwicklung gut kontrollieren. Wenn Sie sich
diese Fragen stellen und damit die Sitzungen entsprechend nach-
und vorbereiten, dann tragen Sie selbst zur bestmöglichen
Entwicklung Ihrer Therapie bei. Scheuen Sie sich bitte nicht, Kritik
zu üben. Das hier ist ein geschützter Raum, hier kann
das Ihrer Therapie nur nutzen. Sie finden dadurch selbst leicht
heraus, ob wir uns in die gewünschte Richtung bewegen, ob wir
auf der Stelle treten oder möglicher- weise sogar in der Gefahr
sind, rückwärts zu gehen." K Kritik der letzten Sitzung: BZ Beschwerden, Ziele, Bericht: Was ist seit der letzten Sitzung
geschehen ... W Wünsche an die heutige Begegnung: Quelle: http://home.t-online.de/home/dr.rudolf.sponsel/qs/kbzw-k.html |
| Von der theoretischen Einsicht zu neuen Gewohnheiten. | |||
|
"Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun." (Goethe) Zu einer guten Angstbehandlung gehören kurz gesagt drei Schritte:
Psychotherapie ist dann nicht ganz so erfolgreich, wenn die damit verbundene Arbeit falsch eingeschätzt wird. Zu unseren widerspruchsvoll anmutenden Problemen gehört auch, dass sich viele Erklärungen und Lösungen theoretisch sehr leicht und einfach anhören, aber in der praktischen Umsetzung und Anwendung insofern nicht einfach sind, weil sie gemacht und durchgeführt werden müssen. Ist ein Problem soweit geklärt, dass es in eine Aufgabe gewandelt werden konnte, so ist es immer noch Arbeit, diese Aufgabe zu verrichten. Wenn Sie nur wissen, dass Ihr Fahrzeug einen Platten hat, dann fährt es immer noch nicht: er muss erst geflickt werden. Wenn Sie wissen, dass Ihnen etwas Zuneigung, Wertschätzung und Anerkennung fehlen, so stellt sich das nicht mit dem Wissen ein, sondern es kann ein langer Weg sein, dort hin zu gelangen und es geschieht nicht von selbst. Wenn man seinen Frust, seine Enttäuschung und seine Wut hinaus schreit, so sind die Quelle, der Hintergrund und die Möglichkeit erneuter Entwicklung noch nicht beseitigt. Ist Ihr Fenster zerbrochen, so nutzt es Ihnen wenig, wenn sie wissen, wie das gekommen ist: sie brauchen einen Glaser. Für viele Problemlösungen kann das Wissen, wie die Probleme entstanden sind, zwar für die Entwicklung einer Problemlösung hilfreich und nützlich sein, aber mit dem Wissen und Einsicht in ein Problem und seine Entwicklung, hat sich das Problem meistens noch nicht gelöst. Einsicht in ein Problem und in seine Entstehung beseitigt es im allgemeinen nicht. Wird ein Problem gelöst und erfolgreich in eine Aufgabe gewandelt, so muss diese durchgeführt und gemacht werden.
Wir wollen uns nun so richtig von der Pike auf fragen: wie geht richtiges Verändern in der Praxis, im Alltag des Lebens? Worauf kommt es da an?
|
| Förderliche Eigenschaften des Patienten | |||
|
Günstige Eigenschaften, die ein Patient mit in die Therapie bringen sollte, sind:
|
| Ein mögliches Bewertungsschema, um seinen Therapeuten einzustufen. | |||
|
Folgende Fragen können hilfreich sein, sich über seine Bewertung des Therapeuten klarer zu werden. Dies kann bei probatorischen Sitzungen nützen. Vorsicht: die verschiedenen Therapieformen schließen evtl. Punkte aus. So werden sie bei einer Gesprächstherapie eher weniger Ratschläge bekommen.
1. Ich fühle mich mit dem Therapeuten/der Therapeutin im Einklang. |
| Förderliche Eigenschaften des Therapeuten. | |||
|
Empathie: Ein Psychotherapeut versteht seelische Zusammenhänge und kann diese bei seinen Patienten mitfühlend nachvollziehen. Ausstrahlung und Persönlichkeit: Der Therapeut weist Persönlichkeit und Charisma auf. Der Therapeut sollte Fähigkeiten haben, sich abzugrenzen und zu konfrontieren. Ob der Patient bereit ist, dem Therapeuten zu vertrauen und sich seiner heilenden Kraft anzuvertrauen, entscheidet sich oft bereits in der ersten Therapiestunde. Probedeutungen testen die Belastbarkeit der therapeutischen Beziehung. Auch die Kränkbarkeit des Patienten ist ein direkter Gradmesser dafür, ob der Patient die Autorität des Therapeuten anerkennt oder nicht. Denn: seine Elternimagines (imago: im Unterbewusstsein existierendes Idealbild einer anderen Person der sozialen Umwelt) verbieten nicht selten den therapeutischen Weg. Erhöhte Kränkbarkeit dient der Aufrechterhaltung der Symbiose und dem Abbruch der Beziehung zum Therapeuten mit der Begründung: er versteht mich nicht oder er geht nicht auf mich ein. Der Therapeut darf auch schon zu Beginn der Therapie seine Autorität in die Waagschale werfen und die Beziehungsfähigkeit des Patienten prüfen. Der Therapeut darf und soll sich die Patienten aussuchen, von denen er meint, sie erfolgreich behandeln zu können. Auf diese Art wird die Erfolgsquote selbstverständlich erhöht, was bei dem ohnehin schwierigen Beruf erlaubt und erwünscht ist. Mit Sympathie, Wellenlänge oder ähnlichen Phänomenen hat das Heraussuchen von geeigneten Patienten aber nur am Rande zu tun. Entscheidend für die Therapie ist, ob der Patient unter den gegebenen Therapiebedingungen änderungswillig ist. Die Einsicht des Patienten, dass er Psychotherapie benötigt, erhöht sich erfahrungsgemäß, wenn er einen oder mehrere Therapieabbrüche hinter sich hat und sich der Leidensdruck erhöht. Es dauert in seltenen Fällen 10 Jahre, bis sich der Betroffene wirklich zu einer Therapie entschließt. Schutz: Schutz ist besonders beim Suizidpatienten von Bedeutung und bei Patienten, die sich oder andere schädigen. Der Therapeut sollte in diesen Fällen telefonisch erreichbar sein oder sich vergewissern, dass der Patient sich bei anderen Therapeuten aushilfsweise meldet. Schutz kann ein Therapeut auch in der Gruppe geben, wenn sich ein Gruppenmitglied sich gegenüber einer verletzenden Äußerung nicht wehren kann oder zu Unrecht angegriffen wird. Schutz besteht auch darin, dass der Therapeut Sicherheit, Verantwortungsbewusstsein und Festigkeit in seiner Person ausstrahlt. Erlaubnis: Der Therapeut gibt Erlaubnis zum Leben. Psychotherapie bestärkt den Patienten in dem, was dieser eigentlich möchte. Die vielen Verbote der Eltern gilt es aufzuheben. Mittel hierzu sind der Gesundungswille des Patienten und das Geschick des Therapeuten.
Therapeuten vs. Medizinmänner Heiler, Schamanen, Magnetiseure, Gurus und Medizinmänner hat es immer außerhalb der traditionellen Medizin gegeben. Am eindrucksvollsten von diesen Persönlichkeiten erscheint der Schamane, dessen Wirken seit Jahrtausenden bekannt ist. Der Schamane hat bereits in der Pubertät Schwierigkeiten mit sich selbst und mit anderen. Er ist ein Einsamer, ein Fragender, ein Suchender, ein Problembeladener. Er unterzieht sich einem Unterweisungsprozess bei einem älteren Schamanen und einem Initiationsritus, der auch eine Reintegration und Synthese der Persönlichkeit des zukünftigen Schamanen bewirkt. Das selbsterfahrene Leid, die Fähigkeit, mit seiner erhöhten Sensibilität und seiner Andersartigkeit anderen Menschen zu helfen, sie Kraft seiner Persönlichkeit in seinen Bann zu ziehen und positive Heilungskräfte in dem Kranken zu fördern und suggestive Macht auszuüben, bilden den Hintergrund seiner therapeutischen Fähigkeiten. Das Eingebundensein in den Kosmos und das Verständnis übergreifender kosmischer Zusammenhänge zeichnen den Schamanen gleichfalls aus. Auch Psychotherapeuten haben mit dem Schamanen manches gemeinsam: Sie sind selbst Leidende gewesen, die auf Grund ihrer Andersartigkeit sich dem schwierigen Gebiet des Seelischen zugewandt haben und suchend und forschend die komplexen Zusammenhänge der Seele zunächst bei sich selbst aufdeckten. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem eigenen therapeutischen Prozess kann ein Psychotherapeut auf seine Patienten übertragen und ihnen mit diesem Verständnis helfen. |
| Eine erste Betrachtung der Faktoren: Erkrankung, Patient, Therapeut | |||
|
Bei der Frage, welches denn die "richtige" Therapie ist (hier: Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie), muss also die Erkrankung selbst, das Wesen des betreffenden Patienten, die zur Verfügung stehende Therapierichtung und die Person des Therapeuten unter einen Hut gebracht werden. Das gelingt nur im Rahmen der Vorgespräche in den Praxen selbst. Eine erfolgreiche Therapie ist nur bei einem guten sog. "Arbeitsbündnis" möglich. Und wer möchte schon ein solches Bündnis eingehen, wenn nicht alle Voraussetzungen stimmen? Faktor Erkrankung Tendenziell lässt sich festhalten: Je umschriebener eine Störung oder deren Umstände sind (z.B. Angst vor einer ganz speziellen Situation, oder eine Depression, die an eine besondere Situation geknüpft ist), um so eher würde man an eine Verhaltenstherapie denken. Andererseits, je mehr eine Störung alle Lebensumstände begleitet, als Teil des ganzen Menschen erscheint, um so eher würde man an eine analytische Therapie denken. Faktor Patient Aber, es geht ja niemals um eine Störung, die wie ein defektes Teil aus einer Maschine repariert werden könnte. Es sind Menschen in ihrer Ganzheit Hilfe suchen. Das heißt: Es ist genauso wichtig, welcher Mensch nun eine bestimmte Störung hat. Die Frage lautet dann: Wer ist eher für die eine, und wer ist eher für die andere Therapierichtung geeignet? Auch hier lässt sich tendenziell festhalten: Je mehr ein Mensch "rational" und funktional denkt, je schneller er "Ergebnisse" erwartet, um so eher würde man an eine Verhaltenstherapie denken. Je mehr er an den Zusammenhängen seines tieferen Seelenlebens interessiert ist und Zugang zu Gefühlen hat, je mehr er einen Reifeprozess zugunsten einer raschen Symptombeseitigung abwarten will, je mehr er "symbolisch" denken kann, um so eher würde man an eine analytische Therapie denken. Therapierichtung und die Person des Therapeuten Aber das ist noch nicht alles. Es gibt Untersuchungen, die nahe legen, dass die Art und Weise, wie Patient und Therapeut als Menschen zusammenpassen, eine größere Rolle für den Erfolg einer Therapie spielt, als eine bestimmte Therapierichtung. Die Person des Therapeuten kann für den Erfolg einer Therapie wichtiger sein als die Therapierichtung. Es gibt sowieso keinen Therapeuten, der die ganz "reine" Lehre seiner Therapierichtung durchführt. Bezüglich unterschiedlicher "Erfolge" der Therapierichtungen sieht es z.Zt. so aus, als ob die Verhaltenstherapie zunächst schneller eine Veränderung erreicht, die allerdings nach Beendigung der Therapie eher wieder verloren geht. Die analytische Therapie braucht etwas länger, allerdings geht die Entwicklung auch nach Beendigung der Therapie weiter. Der Erfolg ist oft nach Jahren höher als unmittelbar mit Beendigung. Immer wieder machen Therapierichtungen "Werbung" damit, z.B. besonders "lösungsorientiert" oder zielorientiert zu sein. Das klingt dann so, als ob andere keine Lösung oder Ziele anstreben würden. Dazu wäre zu sagen, dass Psychotherapie ein zutiefst "dialektischer" Prozess sein sollte, d.h. sich im Streben nach Entwicklung zwischen den anscheinenden Gegensätzen bewegt. Handeln oder reflektieren bilden eben keinen Gegensatz, sondern sind Pole des Entwicklungsprozesses. So unsinnig wie ein "Wühlen in der Vergangenheit" ist, so unsinnig ist es, eine "Lösung" anzubieten, wo noch nicht einmal das Problem verstanden wurde. So wie eine "Deutung" aufgezwungen sein kann, kann auch eine "Lösung" aufgezwungen sein. In beiden Fällen wird der Patient in seinem Anliegen vergewaltigt. |
| 1. Wirkungsprinzip:
die Stärken des Patienten werden vermittelt (Ressourcenaktivierung)
|
|||
|
Eine Fülle von Forschungsergebnisse weist darauf hin, dass man Patienten besonders gut helfen kann., indem man an ihre positiven Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen anknüpft, indem man die Art der Hilfe so gestaltet, dass der Patient sich in der Therapie auch in seinen Stärken und positiven Seiten erfahren kann. Kognitive Therapie nach Beck, die vor allem die Veränderung kognitiver Verzerrungen anstrebt, wirkt z.B. besser bei Patienten, die die Therapie schon mit geringeren kognitiven Verzerrungen beginnen. Interpersonale Therapie wirkt besser bei solchen Patienten, die schon vor der Therapie die bessere soziale Anpassung haben. Psychoanalytische Therapie wirkt besser bei Patienten, die die Therapie bereits mit einer hohen "Psychological mindedness" beginnen. Man könnte versucht sein, solche Befunde so zu interpretieren, dass die einzelnen Therapiemethoden bei denen am besten wirken, die sie am wenigsten nötig haben. Eine funktional zutreffendere Interpretation solcher und vieler ähnlicher Befunde ist aber wohl die, dass die Therapien bei diesen Patienten deswegen so gut wirken, weil sie bereits vorhandene Ressourcen des Patienten für die therapeutischen Veränderungszwecke nutzen. Unter die Ressourcenaktivierung fällt vieles von dem, was in der Psychotherapieliteratur mit dem Begriff "unspezifische Wirkfaktoren" bezeichnet wird. Das was mit unspezifischen Wirkfaktoren gemeint ist, die Erweckung von Erwartungen beim Patienten, dass der Therapeut ihm helfen kann und wird, die Herstellung eines plausiblen Erklärungsmodells für die Probleme des Patienten,: "die" Motivation des Patienten, "die" gute Therapiebeziehung, tritt allerdings nicht wie von selbst ein, indem es durch die Therapiesituation quasi mitgegeben ist oder, wie etwa die Motivation, entweder vorhanden ist oder nicht. Es ist zwar empirisch belegt, dass all diese Aspekte als potentielle Ressourcen einen bedeutsamen positiven Einfluss auf das Therapieergebnis haben können, aber sie haben sie nur dann und in dem Ausmaß, in dem diese Ressourcen durch ein spezifisch auf die individuellen Möglichkeiten und Voraussetzungen des Patienten zugeschnittenes therapeutisches Angebot aktiviert und genutzt werden. Der Patient ist nicht entweder gut oder schlecht motiviert. Er lässt sich auf Vorgehensweisen, die gut mit seinen mitgebrachten Zielen, Eigenarten und Gewohnheiten übereinstimmen, bereitwilliger ein als auf solche, die ihn verunsichern, die ihn sich als unfähig erleben lassen oder die auf etwas anderes hinzielen, als er von sich aus eigentlich will. Die Frage, wozu der Patient von sich aus positiv motiviert ist und wofür er gute Voraussetzungen mitbringt, wobei er gut wird mitmachen können, sollte daher leitend sein für die Wahl und spezifische Gestaltung des therapeutischen Angebotes, wenn man den Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung gezielt nutzen will. Dies erfordert, dass ein guter Teil der psychotherapeutischen Diagnostik darauf ausgerichtet wird, die vom Patienten mitgebrachten Stärken, Eigenarten, Gewohnheiten, Fähigkeiten, Einstellungen und Ziele auszumachen, die für den Veränderungsprozess gezielt genutzt werden können. Tatsächlich ist die Diagnostik jedoch in der Regel ganz überwiegend darauf ausgerichtet, die Probleme und Defizite des Patienten ausfindig zu machen. Die empirische Befundlage weist mit großer Eindeutigkeit darauf hin, dass in dieser Hinsicht ein verbreitetes Umdenken erforderlich ist, wenn der Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung einer empirisch belegten Bedeutung entsprechend genutzt werden soll. Eine der wichtigsten Ressourcen, die für den therapeutischen Veränderungsprozess genutzt werden können und sollten, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten. Für die "mitgebrachten" Beziehungen des Patienten, vor allem Partner und Familienangehörige, ist dies in dem Buch "Family Resources - The Hidden Partner in Family Therapy" sehr differenziert ausgearbeitet worden. Leider werden die dort dargestellten therapeutischen Prinzipien bisher allenfalls im Umfeld der Familientherapie einigermaßen konsequent zu verwirklichen versucht. Von gleichrangiger Bedeutung ist der 'Ressourcenaspekt aber auch für die mit der Therapiesituation neu entstehenden Beziehungen. Für ein gutes Therapieergebnis spielt es nach hunderten von Forschungsbefunden eine sehr wichtige Rolle, in welchem Ausmaß der Patient seinen Therapeuten als ihn unterstützend, aufbauend, in seinem Selbstwert positiv bestätigend erlebt. Dabei kommt es vor allem darauf an in welchem Ausmaß der Patient sich selbst als fähig zu einer guten Beziehung erleben kann. Die Bedeutung, die eine gelungene Aktivierung dieser wichtigen Ressource für das Therapieergebnis hat, ist unmittelbar einleuchtend: Wenn ein in seinem Selbstwert angeschlagener Mensch sich als Psychotherapiepatient nicht auf seine problematischen Seiten reduziert, sondern in seinen positiven Zielen und Fähigkeiten erkannt, bestätigt und unterstützt fühlt, dann erlebt er sich allein dadurch schon in veränderten Bedeutungen mit direkten positiven Auswirkungen auf sein Wohlbefinden, aber auch mit einer erhöhten Aufnahmebereitschaft für veränderungsorientierte therapeutische Interventionen. Psychotherapeuten gegenüber die Wichtigkeit dieses Wirkprinzips zu betonen, könnte so aussehen, wie Eulen nach Athen zu tragen, denn wohl kaum einer würde die Wichtigkeit einer guten Therapiebeziehung bestreiten. Ganz anders sieht es aber aus, wenn man reale Therapien auf die konkrete Verwirklichung des Prinzips der Ressourcenaktivierung hin analysiert. Nur selten nimmt die Mehrzahl von Therapeuten sich bietende Gelegenheiten wahr, den Patienten oder Familien oder Paare sich in seinen oder ihren positiven Seiten erleben zu lassen. In den meisten von uns bisher analysierter Therapieprozessen von ganz unterschiedlichen Therapieformen ist das Prinzip der Ressourcenaktivierung eher missachtet als ausdrücklich gepflegt worden. Und auch in den Ausbildungsgängen der verschiedenen Therapierichtungen sucht man meist, gliicklicherweise nicht immer, vergeblich nach Ausbildungsbestandteilen, bei denen ein Training in der Aktivierung positiver Ressourcen im Mittelpunkt tritt. In einer sich am empirischen Ergebnisstand orientierenden Psychotherapie müsste dieses Wirkprinzip in der Therapiepraxis, in den Ausbildungsgängen und in der Supervision eine stärkere ausdrückliche Aufmerksamkeit erfahren, als es gegenwärtig geschieht. Eine optimale Nutzung des Wirkfaktors der Ressourcenaktivierung verlangt, dass der Therapeut sein therapeutisches Angebot ganz auf die Möglichkeiten und Eigenarten des Patienten abstellt. Dafür ist eine möglichst große Flexibilität und Variabilität im therapeutischen Repertoire erforderlich. Therapeuten, die ihr therapeutisches Angebot nur innerhalb der Grenzen einer bestimmten Therapieschule variieren können, sind in ihren Möglichkeiten zur Nutzung dieses Wirkfaktors stark eingeschränkt. Die optimale Nutzung dieses wichtigen therapeutischen Wirkfaktors erfordert (integrative) Psychotherapeuten, die über die Begrenzungen der einzelnen Therapieschulen hinaus ausgebildet wurden und handeln können. |
| 2. Wirkungsprinzip: Bewältigung der Schwächen (Problemaktualisierung) | |||
| Ein zweiter empirisch breit abgestützter
Wirkfaktor kann zusammenfassend vielleicht am besten als "Problemaktualisierung"
oder als "Prinzip der realen Erfahrung" definiert
werden: Was verändert werden soll, muss in der Therapie
real erlebt werden. Oder: "Reden ist Silber, real erfahren
ist Gold". Auch dieser Wirkfaktor ist durch sehr viele Forschungsbefunde
abgestützt.
Es gibt eine große Zahl von Hinweisen darauf, dass Probleme am besten in einem Setting behandelt werden können, in dem eben diese Probleme real erfahren werden: Generalisierte zwischenmenschliche Schwierigkeiten in einer Gruppentherapie; Paarprobleme unter Einbeziehung beider Partner; Probleme, an denen Familienangehörige maßgeblich beteiligt sind, unter Einbezug der relevanten Familienmitglieder, Schwierigkeiten in ganz bestimmten Situationen wie Waschzwänge, Platzangst usw. durch Aufsuchen dieser Situationen; usw. Manche Beziehungsprobleme können auch im Rahmen einer Einzeltherapie in der Beziehung zum Therapeuten real erfahren und behandelt werden. Dafür ist der Begriff der Übertragung geprägt worden. Übertragung ist jedoch nur ein Spezialfall eines allgemeineren Prinzips: Die problematischen Bedeutungen, die das Leiden des Patienten ausmachen, können dann am wirksamsten verändert werden, wenn diese Bedeutungen in der Therapie real zum Erleben gebracht werden. Herbeigeführt wird die Veränderung erlebter Bedeutungen durch das reale Erleben von Bedeutungsveränderungen im Therapieprozess. Die Annahme, dass es für eine erfolgreiche Veränderung darauf ankommt, dass der Patient tatsächlich erlebt, worum es geht, stellt ein zentrales Element fast aller therapeutischen Konzeptionen dar. Große Unterschiede bestehen nur darin, wie sie diese Prozesserfahrung herbeizuführen versuchen. Wenn sich in der psychoanalytischen Therapie beim Patienten eine Übertragungsneurose entwickeln soll, um sie dann durcharbeiten zu können, dann heißt dies nichts anderes, als dass die als zentral angenommenen Problemstrukturen zum Erleben gebracht und dann durch das reale Erleben veränderter Bedeutungen in der Therapiebeziehung dauerhaft verändert werden sollen. In der Gestalttherapie sind eine ganze Reihe von Techniken entwickelt worden, die das reale Erleben problematischer Bedeutungen über den verbalen Dialog hinaus fördern sollen. Im Experiencing-Konzept von Gendlin (1961) wird die therapeutische Fruchtbarkeit des Dialogs zwischen Patient und Therapeut explizit danach bemessen, inwieweit der Patient die verbal behandelten Bedeutungen in diesem Moment gefühlsmäßig tatsächlich erlebt. Das Psychodrama ist ganz hauptsächlich darauf ausgerichtet, problematische Beziehungskonstellationen erlebnismäßig zu reaktualisieren. In Familien- und Paartherapien werden durch die reale Anwesenheit der relevanten Bezugspersonen und durch die gezielte Provokation der problematischen Beziehungsabläufe die problemrelevanten Beziehungsschemata der Beteiligten aktiviert und zum realen Erleben gebracht. Indem ein Therapeut mit einem Agoraphobiker das Menschengedränge in einem Kaufhaus aufsucht, bringt er die problemrelevanten Bedeutungen "Ich kann das nicht, ich halt das nicht aus, ich muss hier raus" zum vollen Erleben. All dies sind Inszenierungen für das reale Erleben problemrelevanter Bedeutungen mit dem Ziel, den Patienten neue, veränderte Bedeutungen real erleben zu lassen: Davon, vom realen Erleben veränderter Bedeutungen, erwarten die meisten Therapiekonzeptionen in erster Linie das Eintreten therapeutischer Wirkungen. Die Ergebnisse der Therapieforschung unterstützen diese Wirkannahme, aber sie zeigen, dass es viel mehr Möglichkeiten zur Herbeiführung solcher Erfahrungen gibt, als innerhalb der einzelnen Therapieformen wahrgenommen werden. Liegt es nicht nahe anzunehmen, dass ein bestimmtes Problem auf ganz verschiedene Arten real erfahrbar gemacht werden kann und dass für verschiedene Arten von Problemen und Patienten bestimmte Arten solcher Problemaktualisierungen nützlicher sind als andere? Und wäre dann nicht zu fordern, dass ein Therapeut möglichst ganz verschiedene Arten der Problemaktualisierung beherrschen lernen sollte, damit er sie möglichst gut auf die Problemeigenarten und die situativen Bedingungen des einzelnen Patienten zuschneiden kann? Auch unter dem Gesichtspunkt der Problemaktualisierung erweisen sich die Grenzen zwischen den verschiedenen Therapieformen als schädlich, denn sie behindern die Therapeuten darin, das ganze Spektrum der eigentlich vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten wahrzunehmen. Die Aufforderung zur optimalen Nutzung dieses Wirkfaktors führt daher zur selben Schlussfolgerung, zu der wir schon beim Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung kamen: Psychotherapeuten sollten über die Grenzen der einzelnen Therapieschulen hinaus ausgebildet werden und handeln. |
| 3. Wirkungsprinzip: Aktive Hilfe zur Problembewältigung | |||
|
Ein drittes, und wohl das durch die größte Anzahl an Forschungsbefunden abgestützte Wirkprinzip ist "Aktive Hilfe zur Problembewältigung". Damit ist gemeint, dass der Therapeut den Patienten mit geeigneten Maßnahmen aktiv darin unterstützt, mit einem bestimmten Problem besser fertig zu werden. Dieses Wirkprinzip kommt in sehr vielen und ganz verschiedenen therapeutischen Vorgehensweisen zum Zuge: Im Selbstsicherheitstraining mit gehemmten Patienten, bei der Reizkonfrontation mit Agoraphobikern, beim Stressbewältigungstraining nach Meichenbaum, bei der Sexualtherapie nach Masters und Johnson, bei der Anwendung von Entspannungsverfahren oder Hypnose auf Schmerzzustände, bei der interpersonalen Depressionstherapie nach Klerman und Weissmann, beim Kommunikations- und Problemlösetraining mit Paaren, bei den meisten familientherapeutischen Interventionen, um nur einige der bekannteren Verfahren zu nennen, denen dieses Wirkprinzip gemein ist. Viele dieser Verfahren wurden ursprünglich innerhalb der Verhaltenstherapie entwickelt. Aber etliche Verfahren, bei denen dieses Wirkprinzip ganz zentral ist, haben einen theoretischen Hintergrund, der absolut nichts mit der Verhaltenstherapie zu tun hat, wie etwa der interpersonale Ansatz von Klerman und Weissman, Familientherapie nach Haley oder Minuchin oder Hypnotherapie nach Erickson. Gemeinsam ist diesen Verfahren, dass sie das, was der Patient als sein Problem erlebt, als solches ernst nehmen und mit bereichsspezifischen Maßnahmen, die sich für die Bewältigung dieser Probleme bewährt haben, dem Patienten helfen, eben diese Schwierigkeiten zu Überwinden oder besser damit fertig zu werden. Die Maßnahmen, mit denen dieses Wirkprinzip realisiert werden kann, können sich je nach Problembereich sehr unterscheiden. Sie machen sich bereichsspezifische Eigenarten des psychischen und physiologischen Funktionierens zunutze, die die Grundlage dafür sind, dass es schließlich zu der Problembewältigung kommt. Für die therapeutische Wirkung ist entscheidend, dass der Patient die reale Erfahrung macht, besser im Sinne seiner Ziele mit der betreffenden Situation zurechtzukommen. Wie dies am besten erreicht werden kann, hängt von der spezifischen Problematik und den situativen Umständen ab. Hier muss der Therapeut ein reichhaltiges problem- und situationsspezifisches Erfahrungswissen einbringen können, um Patienten mit unterschiedlichen Problemen und Voraussetzungen zu der Erfahrung verhelfen zu können, dass sie besser als vorher mit bestimmten Schwierigkeiten fertig werden können. Wenn ein Therapeut die Problematik seines Patienten unter der Perspektive dieses Wirkprinzips betrachtet, dann sieht er sie unter der Perspektive des Könnens versus Nichtkönnens.(Kompetenz) Er betrachtet den Zustand oder das Problem des Patienten als ein echtes Nicht-anders-können, ohne diesem Nichtkönnen irgendwelche anderen Bedeutungen zu unterstellen. Die insgesamt ausgezeichnete Wirksamkeit, die für ganz verschiedene therapeutische Vorgehensweisen festgestellt wurden, die als unterschiedliche Realisierungen dieses Wirkprinzips betrachtet werden können, spricht dafür, dass es viel häufiger, als es in der Psychotherapieliteratur geschieht, angemessen ist, psychische Störungen und Probleme einfach als ein Nicht-anders-können zu betrachten und die therapeutische Hilfe darauf auszurichten, dem Patienten aktiv dabei zu helfen, die Zustände, Schwierigkeiten, Probleme, die den unmittelbaren Gegenstand seines Leidens ausmachen, besser zu bewältigen. Im folgenden werde ich diese Perspektive auf die Probleme eines Patienten kurz als "Bewältigungsperspektive" bezeichnen. |
| 4. Wirkungsprinzip:
Passive Hilfe, die den Patienten anregt sich selbst zu helfen
(Therapeutische Klärung) |
|||
|
Die bisher aufgeführten Wirkprinzipien reichen noch nicht aus, um die objektiv festgestellten Wirkungen therapeutischer Vorgehensweisen befriedigend zu erklären. Es gibt therapeutische Vorgehensweisen, die gerade das nicht tun, was ich zuvor als aktive Hilfe zur Problembewältigung beschrieben habe, und die trotzdem gute therapeutische Wirkungen erzielen. Ein prototypisches Beispiel dafür ist die nicht-direktive Gesprächspsychotherapie im Sinne von Rogers. Selbst diese Art von traditioneller Gesprächspsychotherapie, die von den meisten Gesprächspsychotherapeuten heute selbst als zu eingeschränkt angesehen wird, bewirkt nachweislich bedeutsame Symptomveränderungen, Befindlichkeitsverbesserungen, Persönlichkeitsveränderungen und positive Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich bei Patienten mit ganz unterschiedlichen Störungen). Diese Wirkungen treten ein, obwohl der Therapeut es geradezu; vermeidet, dem Patienten mit spezifischen Maßnahmen aktiv bei der Überwindung konkreter Schwierigkeiten zu helfen. Es muss daher zumindest ein weiteres wichtiges Wirkprinzip geben, das durch Vorgehensweisen wie die gesprächspsychotherapeutische realisiert wird, denn die Wirkprinzipien der Ressourcenaktivierung und Problemaktualisierung geben allein keine plausible Erklärung für die festgestellten positiven Therapieeffekte. Ich werde dieses Wirkprinzip nachfolgend als therapeutische Klärung oder Klärungsarbeit bezeichnen. Unter der Klärungsperspektive geht es darum, dass der Therapeut dem Patienten dabei hilft, sich über die Bedeutungen seines Erlebens und Verhaltens im Hinblick auf seine bewussten und unbewussten Ziele und Werte klarer zu werden. Es geht hier nach Sachse (1992) um die Explikation impliziter Bedeutungen. Der Zustand und die Lebenssituation des Patienten werden hierbei nicht unter der Perspektive des Könnens oder Nichtkönnens, sondern hauptsächlich unter dem motivationalen Aspekt betrachtet. Warum empfindet, warum verhält sich der Patient so und nicht anders? Diesem Wirkprinzip können wieder sehr viele verschiedene therapeutische Vorgehensweisen zugeordnet werden. Die klassische Gesprächspsychotherapie wurde hier nur als ein prototypischer Gegensatz zur therapeutischen Bewältigungsarbeit besonders herausgestellt. Auch Techniken der Gestalttherapie und der verschiedenen psychodynamischen Therapieformen können als Versionen der Verwirklichung dieses Wirkprinzips angesehen werden. Und natürlich gilt dies im besonderen Masse für die psychoanalytische Therapie. Für sie gibt es eine ganze Reihe empirischer Hinweise, dass das Erzielen relevanter Einsichten mit eine bedeutsame Rolle für das Eintreten positiver Therapieeffekte spielt. Die Explikation von Bedeutungen unter dem motivationalen Aspekt, das Sich über sich selber klarer werden, das Sich besser annehmen können, stellt nicht nur einen empirisch nachgewiesenen therapeutischen Wirkfaktor, sondern auch ein therapeutisches Ziel von eigenem Wert dar. Viele Menschen suchen gerade dies und keine aktive Hilfe zu Bewältigung konkreter Probleme in einer Psychotherapie. Tatsächlich wäre es naheliegend, die hier herausgearbeitete Unterscheidung der beiden zuletzt aufgeführten therapeutischen Wirkprinzipien und Zielsetzungen zur Grundlage einer differentiellen Indikationsstellung zu machen. Ob ein Patient eher bewältigungs- oder eher klärungsmotiviert ist [aktive Hilfe vs. keine bzw. nur indirekte], könnte [vermeindlich] zur Grundlage einer Zuweisung zu einem eher bewältigungsorientierten oder einem eher klärungsorientierten therapeutischen Vorgehen gemacht werden. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man der Mehrzahl der Patienten mit einem solchen Entweder-Oder wirklich gerecht würde. Ist es wirklich vernünftig anzunehmen, dass für die einen Patienten ihre Problemlage mit dem Aspekt des Könnens vs. Nichtkönnens und für die anderen Patienten mit der Frage nach den motivationalen Bedeutungen vollständig und angemessen erfasst wird? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass für die meisten Menschen beide Aspekte wichtig sind, auch dann, wenn sie in eine Lebenslage kommen, in der sie alleine nicht mehr weiterwissen? Sind das Können und das Wollen, Kompetenz- und Motivationsaspekt, nicht vielmehr zwei einander ergänzende Perspektiven, die erst zusammen ein einigermaßen vollständiges Verständnis dessen ermöglichen, was ein Mensch tut und erlebt? Therapiekonzepte, die den einen oder anderen Aspekt ausklammern, scheinen mir unvertretbar reduktionistische Menschenbilder zu beinhalten. Wenn "einsichtsorientierte" und "übende" Verfahren, "aufdeckende" und "zudeckende" Therapie als Alternativen einander gegenübergestellt werden, wie es bisher verbreitet geschieht, dann wird zum Entweder-Oder gemacht, was eigentlich ein Sowohl-als-auch sein musste. Die Abgrenzungen zwischen den Therapieschulen führen dazu, dass die Probleme der einen Patienten, nämlich derjenigen, die in eine psychodynamische oder humanistischen Therapie kommen, einseitig unter dem motivationalen Aspekt betrachtet und behandelt werden, und diejenigen der anderen, die in eine Verhaltenstherapie oder eine anderen bewältigungsorientierte Therapie kommen, einseitig unter dem Kompetenzaspekt. Diese Trennung der beiden Aspekte liegt eigentlich nicht in der Sache begründet, sondern ist eine Auswirkung der mangelhaften Reichweite der zugrunde liegenden therapeutischen Ursprungstheorien. Wenn man sich von diesen theoretischen Prämissen einmal freimacht, liegt ein Sowohl-als-auch von Kompetenz- und Motiviationsaspekt eigentlich näher als ein Entweder- Oder. Therapeuten, die je nach Sachlage beide Perspektiven einnehmen und miteinander kombinieren können, werden der Verschiedenartigkeit therapeutischer Problemstellungen sicher besser gerecht als Therapeuten, die sich jeweils nur für Klärungsarbeit oder nur für Bewältigungsarbeit zuständig fühlen. Dies gilt nicht nur für die Indikationsstellung, sondern für den ganzen Therapieprozess. Therapie muss nicht entweder klärungs- oder bewältigungsorientiert sein. Klärungs- und bewältigungsorientierte Phasen können sich mit großem Nutzen für den Patienten gegenseitig abwechseln, einander vorbereiten und ineinander übergehen. Was ich hier für den Bewältigungs- und Klärungsaspekt etwas näher ausgeführt habe, gilt für die Wirkfaktoren ganz allgemein. Ihre Nutzung ist keine Frage von Entweder-Oder. Am wirksamsten ist Psychotherapie dann, wenn Therapeuten alle Wirkfaktoren in Betracht ziehen und sie, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet, systematisch zu nutzen versuchen. Es geht um Schwerpunktsetzungen und nicht um eine Entscheidung für das eine oder das andere. Für eine optimale Nutzung der Wirkfaktoren ist es entscheidend wichtig, dass die Schwerpunktsetzungen von den Gegebenheiten des jeweiligen Patienten bestimmt werden und nicht von den Vorlieben, Überzeugungen, Abneigungen, Inkompetenzen und blinden Flecken des Therapeuten. Unser gegenwärtiges therapieschulorientiertes Ausbildungs- und Versorgungssystem führt aber geradezu systematisch dazu, dass die Behandlung, die ein Patient erhält, mehr von letzterem bestimmt wird als davon, was für ihn wirklich das beste Behandlungsangebot wäre, zöge man dafür alle vorhandenen Möglichkeiten in Betracht. |
| Beurteilung der Therapiekonzepte im Hinblick auf die 4 Wirkprinzipien. | |||
|
Für diesen Fragestellung ist es nützlich, die Wirkfaktoren in Form eines Vierfelderschemas zueinander in Beziehung zu setzen.
Ressourcenaktivierung und Problemaktualisierung können als zwei Polaritäten auf einer Dimension betrachtet werden. Unter dem Aspekt der Ressourcenaktivierung betrachtet man den Patienten und seine Lebenssituation von der positiven Seite, unter dem Aspekt der Problemaktualisierung von seiner negativen, problematischen Seite. Beide Betrachtungsweisen führen zu einem sehr unterschiedlichen Bild von einem Patienten. Sie schließen sich aber keineswegs gegenseitig aus, sondern ergänzen einander. Ohne die jeweils andere Polarität bleibt das Bild eines Patienten unvollständig. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Polaritäten-Paar, der Betrachtungsweise unter dem motivationalen Aspekt und der Betrachtung unter dem Aspekt des Könnens versus Nichtkönnens. Sie ergeben ein sehr unterschiedliches Bild von einer therapeutischen Problemsituation, stehen aber eigentlich in einem Ergänzungsverhältnis zueinander. Um die jeweils andere Polarität reduziert entstehen unvertretbar einseitige Bilder vom Leben eines Menschen. Wir können nun die verschiedenen therapeutischen Ansätze daraufhin prüfen, in welchen Teilen dieses Vierfelderschemas sie ihre Schwerpunkte setzen und wo sie wenig zu bieten haben. Die Psychoanalyse hat ihren Schwerpunkt z.B. eindeutig im Feld 3. Der Patient wird hauptsächlich von seiner problematischen Seite aus betrachtet, und zwar ganz vorwiegend unter motivationalem Aspekt. Es wird wenig ausdrücklich zur Ressourcenaktivierung getan, weder unter dem motivationalen Aspekt noch unter dem des Könnens. Das heißt natürlich nicht, dass dieser Aspekt für das Therapieergebnis nicht doch eine sehr wichtige Rolle spielt. Wenn der Patient die Ressource einer guten Motivation und Fähigkeit zur verbalen Klärungsarbeit mitbringt, hat er bessere Behandlungsaussichten, aber das therapeutische Angebot wird insgesamt kaum unter der Ressourcenperspektive reflektiert und gestaltet. Feld 4, dem Maßnahmen zur aktiven Hilfe bei der Problembewältigung zuzuordnen wären, ist ganz schwach ausgeprägt. Innerhalb des Feldes 3 wird die Problemaktualisierung hauptsächlich auf die therapeutischen Beziehung konzentriert, indem erwartet wird, dass sich problematische Beziehungsmuster in der Therapiebeziehung aktualisieren und in der Übertragungsarbeit verändert werden können. Andere Möglichkeiten, die relevanten Problemstrukturen des Patienten zu aktivieren, werden nur in geringem Masse wahrgenommen. Unter dieser Betrachtungsweise wird deutlich, dass in der klassischen psychoanalytischen Therapie nur ein geringer Teil der wirksamen Ingredienzien von Psychotherapie gezielt genutzt wird. Eine ganz andere Schwerpunktverteilung finden wir für die klassische Verhaltenstherapie: Hier liegt der Schwerpunkt eindeutig im Feld 4 auf aktiven Maßnahmen zur Problembewältigung. Feld 2, die Nutzung vorhandener Ressourcen des Patienten, wie bestimmter Fähigkeiten oder hilfreicher Bezugspersonen, wird auch beachtet, aber mit viel weniger Gewicht als Feld 4. Manche Verhaltenstherapeuten, wie etwa Kanfer, legen auch einiges Gewicht auf Feld 1, aber das ist schon nicht mehr für die ganze Verhaltenstherapie kennzeichnend. Einen blinden Fleck hat die Verhaltenstherapie im Feld 3, genau da, wo die psychoanalytische Therapie ihren Schwerpunkt hat. Interessant ist bei einer solchen Analyse der blinden Flecken und nicht wahrgenommenen Möglichkeiten immer auch die Frage, ob innerhalb der einzelnen Felder das Spektrum der bestehenden Möglichkeiten ausgeschöpft wird. Für diese Frage ist es hilfreich, wenn man noch ein weiteres Polaritäten-Paar ausdrücklich berücksichtigt, nämlich ob die Betrachtungsweise des therapeutischen Ansatzes und das daraus resultierende Vorgehen eher intrapersonal/individuumsbezogen oder eher interpersonal(zwischenmenschlich) ausgerichtet ist. Wir haben dann insgesamt 3 Dimensionen mit je 2 Polaritäten, den man als Würfel bestehend aus 4 Teilwürfeln visualisieren kann. Wenn man sich nämlich den ganzen Würfel bzw. obige Tabelle vor Augen hält, ist man davor geschützt, sich vormachen zu lassen, man müsse ein Problem unbedingt so und nicht anders sehen. Weiterführende Ausführungen zum Würfelmodell sind hier zu finden. Das Fazit lässt sich auch schon hier erkennen. In optimalen der Psychotherapie der Zukunft werden alle Felder gleichmäßig benutzt und der Patient so optimal gefördert.. |
| Plädoyer für die kognitive Verhaltenstherapie | |||
|
"Ich habe den Eindruck, dass ich mir oft selbst im Weg stehe. Das könne man mit einer guten Psychotherapie ändern", schrieb Gerd und fragte: "Wie kann ich auf Anhieb herausfinden, welcher Psychotherapeut mir tatsächlich zu helfen vermag?" Gehen Sie davon aus, dass Sie spätestens nach zehn Sitzungen erste Erfolge erreichen und sehr gut beurteilen können, ob Ihnen die Behandlung hilft oder nicht. Wenn Sie nach zehn Sitzungen keine Verbesserung wahrnehmen, werden Sie sehr wahrscheinlich auch in weiteren Sitzungen keinen Erfolg erwarten können. Bei vielen Erkrankungen wie Angst- und Panikstörungen, Phobien und Depressionen führen gute Psychotherapeuten ihre Klienten heute innerhalb von 12 bis 15 Therapiestunden zum Therapieerfolg. Im psychotherapeutischen Erstgespräch sollte Ihnen von dem Psychotherapeuten (bzw. der Psychotherapeutin) bereits Konzept, Ablauf und Zeitdauer der Behandlung unter Bezugnahme auf Ihr konkretes Problem skizziert werden. Diese Darlegung sollte für Sie konkret, plausibel, logisch und nachvollziehbar sein. Lassen Sie sich nicht mit unverbindlichen Allgemeinplätzen abspeisen, dass Ihr Problem an Ihrer Kindheit läge und man deshalb viele Stunden in Ihrer Vergangenheit nach der Ursache suchen müsse o. ä. Die Vergangenheit können Sie nicht mehr ändern; Ihre einzig sinnvolle Zielsetzung kann deshalb nur sein zu fragen, was Sie heute und in Zukunft (anders) tun können, um gesünder und glücklicher zu sein. Wenn Sie auf diese Frage keine befriedigende Antwort erhalten, suchen Sie weiter nach einem geeigneten Therapeuten. Es ist sehr wichtig, zwischen den menschlichen und den fachlichen Befähigungen einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten zu unterscheiden. Die menschliche werden Sie sehr schätzen, wenn Sie sich angenommen und verstanden fühlen. Wenn Sie Ihr Problem, weswegen Sie eine Psychotherapie suchen, jedoch beheben wollen, so dürfen Sie sich nicht allein hierauf beschränken. Patientinnen und Patienten, die viele Stunden in der Hoffnung auf eine irgendwann kommende Veränderung bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten "ausgeharrt" haben, berichten teilweise, dass Sie sich wohl gefühlt haben und Zuspruch bekamen. Nicht selten versuchen Psychotherapeuten zielgerichtet, ihre Patientinnen und Patienten abhängig zu machen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich, dass Patienten mit der Erklärung eingeschüchtert werden, sie seien "ein schwerer Fall" und müssten Geduld haben. Für eine wirkliche Veränderung Ihrer Situation und Lösung Ihrer Probleme brauchen Sie jedoch nicht nur Zuspruch und Trost. Eine gute Psychotherapeutin und ein guter Psychotherapeut werden Sie nicht nur aufrichten und ermutigen, sondern Sie auch fordern und Ihnen alles Wissen und das Handwerkzeug in die Hand geben, das Sie benötigen, um Ihre Situation aktiv zu verändern und Ihre Probleme lösen zu können. Von qualifizierten Therapeuten werden Sie deshalb auf Ihre Frage, was Sie tun können, um sich aus Ihren Problemen zu befreien, nicht die Antwort erhalten, dass Sie das allein herausfinden müssen. Psychotherapie ist eine zeitgemäße Dienstleistung wie andere auch - und in der Autowerkstatt würden Sie sich schließlich mit einer derartigen Antwort ebenfalls nicht zufrieden geben. Viele Jahrzehnte konnte sich die praktische Psychotherapie den Fragen der Qualitätssicherung und Wirkungskontrolle entziehen. Scheuen Sie sich bei Ihrer Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten (oder einer Psychotherapeutin) heute nicht, nach "harten" Fakten wie Therapiedauer und Erfolgsquoten zu fragen. Es gibt extreme Unterschiede zwischen den verschiedenen Psychotherapieschulen und Psychotherapeuten. Es gibt jedoch keine Psychotherapieform, die so überlegene und dauerhafte Erfolge nachweisen kann wie die kognitive Psychotherapie bzw. Verhaltenstherapie. Gute Psychotherapeuten werden ihre Arbeit stets einer Wirkungskontrolle unterziehen und ihr theoretisches Konzept und ihre Arbeitsweise offen legen. Eine Klientin mit Agoraphobie und Panikstörung schrieb nach erfolgreicher Beendigung ihrer Psychotherapie (nach 8 Sitzungen) bei meinem Kollegen Dietmar G. Luchmann, "Es macht sehr viel aus, mit wem man die Therapie durchführt. Sie waren die ideale 'Besetzung' für mich. Ich danke Ihnen!" Diese sehr erfreuliche Feststellung am Ende einer erfolgreichen Psychotherapie macht auch deutlich, wie wichtig es für eine effizienten Behandlung ist, dass Psychotherapeut(in) und Klient(in) sehr rasch zu einer tragfähigen Arbeitsbeziehung gelangen können. Leider geben die gängigen Psychotherapeutenverzeichnisse von Verbänden, der "Gelben Liste" und anderen Anbietern über die wesentlichen Fakten keine Auskunft. Auch bei der Psychotherapeutensuche in den Listen und Datenbanken von Psychotherapeutenverbänden finden sich in der Regel nur diejenigen, die sich (oft nur gegen Gebühr) haben eintragen lassen. Diese Selbstdarstellungen unterliegen keiner Kontrolle und oft finden sich in Verzeichnissen sogar Anbieter, die nicht einmal eine psychotherapeutische Approbation als Minimalvoraussetzung besitzen.Die Suche nach einem geeigneten Therapeuten gestaltet sich in Deutschland darum noch immer schwieriger als beispielsweise in Nordamerika, wo der persönliche Coach oder Psychotherapeut zum sozialen Erfolg fast dazugehören. Viele Deutsche betrachten eine Psychotherapie als Stigma, entsprechend groß ist die Scheu, bei Freunden, Kollegen oder Bekannten nach Empfehlungen zu fragen. Hilfe anzunehmen wird als Schwäche angesehen, man spricht über die Größe des Autos oder den Preis des letzten Urlaubs, nicht jedoch über die eigene Angst, Depression, Essstörung oder gar Abhängigkeit. Entsprechend lange quälen sich viele Menschen, bevor sie einen Psychotherapeuten kontaktieren. Das wollen Sie sich nicht antun, lieber Gerd. Ihre Frage verstehe ich auch als Ausdruck der Ratlosigkeit vor einer Vielzahl miteinander konkurrierender Psychotherapieschulen. Im wesentlichen dürfte es stets um die Entscheidung zwischen einer verhaltenstherapeutischen oder psychoanalytischen Therapie gehen, weil diese von den meisten Krankenversicherungen (noch) erstattet werden. Die so genannte tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als drittes Verfahren im Leistungskatalog der Krankenkassen fußt großenteils auf dem "Theorie"-Gebäude der psychoanalytischen Schule, das einer wissenschaftlichen Prüfung jedoch nicht standhält. Um hier eine klare Entscheidung treffen zu können, ist es zunächst notwendig, die irrationalen Argumente auszusortieren und alle Angebote nach Zielsetzung und Ökonomie zu beurteilen. Schließlich wählen Sie auch sonst im Leben stets den Weg, der sie am schnellsten und effektivsten zu ihrem Ziel führt. Angst- und Panikstörungen - zum Beispiel - sind ohne Medikamente durch kognitive Verhaltenstherapie heute regelhaft in weniger als 12 Stunden zu beheben. Sich in diesen Fällen auf wohlfeile Beruhigungspillen oder viele Stunden beim Psychoanalytiker einzulassen, bedeutet im Ergebnis, das Leiden unnötig zu verlängern und unsinnige Behandlungskosten zu produzieren. Lassen Sie uns darum Klartext reden und im nächsten Teil zwei entgegengesetzte Positionen betrachten: Die "Ärzte-Zeitung" vom 04.02.2000, Seite 6, zitierte den Leiter der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Ulm, einer Hochburg der Psychoanalyse: "Etwa zwei Drittel der psychotherapeutischen Behandlungen sind nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen. Das hat der Ulmer Psychotherapeut Professor Horst Kächele in München berichtet und damit einem weit verbreiteten Eindruck widersprochen, psychotherapeutische Behandlungen seien eine langwierige Angelegenheit. Es gebe nur wenige psychotherapeutische Behandlungen, die länger als 700 Stunden dauern, berichtete Kächele." Sie haben richtig gelesen, lieber Gerd: Der Psychoanalytiker Horst Kächele betrachtet alle Psychotherapien als kurz, die weniger als 700 Stunden dauern - auch wenn sie unsinnigerweise über viele hundert Sitzungen gehen. Bei Therapiekosten von über 100.000,00 DM für 700 Stunden, wo im Durchschnitt einer effektiven Behandlung 25 Stunden zum Erfolg genügen, lässt die psychoanalytische Schule lediglich die bemerkenswerte Fähigkeit erkennen, die Realität auf den Kopf zu stellen und in unverantwortlichem Maße Kosten und verlängertes Leid zu produzieren. Mit Blick auf diesen schier unglaublichen Zustand der deutschen Psychotherapie schrieb der Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Bern, Professor Klaus Grawe, in seinem Klassiker zur psychotherapeutischen Wirkungsforschung ("Psychotherapie im Wandel") bereits 1994: "Therapeuten, die für sich selbst feststellen müssen, dass die Mehrzahl ihrer Therapien länger als 40 Therapiesitzungen dauert, müssen über die Bücher. Sie sind Opfer einer falschen Ausbildung und/oder einer selbst produzierten Realitätsverzerrung" (Seite 698). Freilich nannte Grawe, den die deutsche Bundesregierung als Gutachter beauftragt hatte, auch die Ursache für den "irrationale[n] Zustand" in der psychotherapeutischen Versorgung Deutschlands: "Ausgerechnet die Therapieform ..., die sich als auffällig ungeeignet für die Behandlung psychosomatischer Störungen erwiesen hat, die psychoanalytische Therapie, spielt in der psychosomatischen Versorgung und Ausbildung die dominierende Rolle. Jeder Lehrstuhl für Psychosomatik/ Psychotherapie ist in der BRD mit einem Psychoanalytiker besetzt. ... Für die Patienten, die innerhalb dieser Universitätsabteilungen behandelt werden, hat dieser Zustand handfeste negative Folgen. Sie rechnen aus gutem Grund damit, dort eine besonders qualifizierte Therapie zu erhalten, werden aber tatsächlich geradezu regelhaft schlechter behandelt, als es mit gleichem oder geringerem Aufwand möglich wäre" (S. 692f.). Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist heute allgemein bekannt, dass keine Therapieform so überlegene und dauerhafte Therapie-Ergebnisse erzielt wie die kognitive Verhaltenstherapie. Die klassische Psychoanalyse nach Freud oder Jung taugt außer zur "Realitätsverzerrung", wie Grawe es nennt, nicht einmal als Antiquität. Echte Antiquitäten gewinnen an Wert; der Psychoanalyse hatte der Gesetzgeber in der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bzw. für Psychologen (GOP) ab dem 01.01.1996 das vordem gleiche Honorar gegenüber der Verhaltenstherapie gemindert: Eine Behandlung von "mindestens 50 Minuten" durch Psychoanalyse ist nur 180,92 DM "wert" - so weit hat sich die Lobby der Psychoanalytiker noch einmal retten können. Die Behandlung mit der wirksamen Verhaltenstherapie wird hingegen mit 196,65 DM honoriert (jeweils Regelhöchstsatz). Was ist nun das Ergebnis vieler Bemühungen, eine wissenschaftlich fundierte Differenzierung zwischen tauglichen und untauglichen psychotherapeutischen Verfahren vorzunehmen? Ein gigantischer Etikettenschwindel: "Die Kollegen müßten ihre Behandlungen eben 'umbenennen'. Die Verbände riefen sogar schriftlich zur 'Guerillatherapie' auf", berichtete die Wochenzeitung "DIE ZEIT" (Nr. 8, Seite 27) am 12.02.1998 über den skrupellosen Lobbyismus des "Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen" (BDP) für seine Anhänger obskurer "Therapien". Kaum verwunderlich ist darum, was Professor Hans-Ulrich Wittchen, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden, 1996 in einem Sammelband mit dem Titel "Perspektiven der Psychotherapie" (Psychologische Verlags Union, Seite 165) feststellte: "Trotz Tausender sich verhaltenstherapeutisch nennender niedergelassener Psychologen ist es fast unmöglich, Kollegen zu finden, die eine lege artis durchgeführte Angsttherapie mit kognitiven oder Exposuretechniken durchführen." So hilft die Suche nach qualifizierten und effektiv arbeitenden Psychotherapeuten auch in den Psychotherapeutenverzeichnissen oder Psychotherapeutenlisten in der Regel nicht weiter. Dies gilt insbesondere auch für die Psychotherapeutenverzeichnisse von Berufsverbänden, die - wie im Falle des BDP - eher den wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder dienen und offenbar vor Verfälschung nicht zurückschrecken, wie der von der Wochenzeitung "DIE ZEIT" berichtete Aufruf zur rechtsbrüchigen "Umbenennung" von nicht zugelassenen psychotherapeutischen "Methoden" belegt. Methode hat vielfach nur die schamlose Ausbeutung von Hilfesuchenden. Ihr Bestreben, lieber Gerd, "auf Anhieb" einen Psychotherapeuten zu finden, der Ihnen "tatsächlich zu helfen vermag", ist - wie Sie sehen - schwierig, aber dennoch nicht aussichtslos. Es gibt einen Weg, den ich Ihnen eingangs empfahl: Informieren Sie sich umfassend, verlangen Sie nach harten Fakten und einer klaren therapeutischen Wegweisung. Vertrauen Sie durchaus Ihrem eigenen Urteilsvermögen: Wenn Sie nach spätestens fünf Stunden nicht erkennen können, wie Sie Ihr Therapieziel erreichen, dann scheuen Sie sich nicht, die Psychotherapeutin oder den Psychotherapeuten zu wechseln. Die ersten fünf Sitzungen sind dazu bestimmt, diese Frage zu beantworten, weshalb sie auch als probatorische Sitzungen bezeichnet werden. Noch wird die Psychoanalyse von den Krankenkassen erstattet. Es ist jedoch absehbar, dass in einem qualitätsgesicherten und effizienten Gesundheitssystem für die Psychoanalyse mit ihren langdauernden und untauglichen Behandlungen kein Platz mehr sein wird. So lange psychoanalytische Behandler auf ihrem Praxisschild die Bezeichnung "Psychoanalyse" noch nicht überklebt haben, kann auch dieses als Entscheidungshilfe dienen. |
| Beispiel eines übergreifendes, nicht symptom orientiertes Therapiekonzeptes. | |||
|
[Bemerkung: dieses ist nur eins von vielen Konzepten und entspricht wohl eher der integrativen Psychotherapie. Es sei angemerkt, dass der Therapeut und Autor dieses Konzeptes keine Kassenzulassung hatte. ] Psychotherapie wird oft verstanden als eine Behandlung einer psychischen Krankheit durch einen Experten. Meine Sichtweise als Psychotherapeut ist eine deutlich andere. Ich sehe Psychotherapie als eine Begleitung in besonders stürmischen oder auch besonders öden Lebensabschnitten. Letztlich liegt die Heilungskraft im Klienten selber. Ich versuche dabei, Blockaden in dem Kontakt zu Anderen bzw. Blockaden in der eigenen Persönlichkeit zu lösen, damit der Klient insgesamt wieder mehr im Fluss ist. Im Fluss sein heißt für mich: Jegliche Gefühle wahrnehmen können, und damit für sich eintreten können, mit Anderen in einem befriedigenden Kontakt treten können, sich seiner selbst bewusst sein. Dies ist immer nur sehr unvollkommen möglich. Daher ist ein Teil der Arbeit auch, bestimmte äußere oder innere Begrenzungen akzeptieren zu lernen. Das Auf und Ab als den eigentlich normalen Zustand im Leben kennen lernen; Stürme und Wüsten im Leben als einen Aspekt des Daseins selbst. Insofern ist es oft ein Symptom (z.B. Ängste oder Depressionen),
die in die Therapie führen. Der eigentliche Ansatzpunkt
ist aber immer die Gesamtpersönlichkeit. Auf einer tieferen
Ebene ist Psychotherapie für viele Klienten auch Unterstützung
für ein Wachstum bzw. eine Entfaltung dieser Persönlichkeit,
etwas mehr das zu werden, was in einem vielleicht schon immer
angelegt war. Psychotherapie kann auch ein Teil der Suche nach
Sinn im Leben sein. Meine Herangehensweise ist eher nicht symptom-orientiert wie in einigen anderen Therapieformen. Ich sehe in Symptomen oft eher eine allgemeinere, tiefere Problematik, die sich meist nicht erst zu dem Zeitpunkt entwickelt hat, als die Symptome auftraten. Dabei sind die Probleme letztlich oft zunächst sehr sinnvolle Lösungsversuche der Seele in einer schwierigen Situation gewesen. Dies ist aber nicht mehr bewusst und kann daher auch nicht neu überprüft werden.
[Bemerkung: Folgendes Therapiekonzept stammt von einem anderen Therapeuten. Vergleicht selbst.] Mein Ziel ist es, Ihre Einzigartigkeit als Mensch zu betonen
und zu respektieren, wobei sowohl angenehme als auch schwierige
Persönlichkeitsanteile Beachtung finden. Mir ist nicht
daran gelegen, dass Sie zukünftig irgendeinem Ideal
entsprechen, und Sie womöglich durch eine Zusammenfügung
von positiven Sätzen ein "nettes Bild" von sich
gestalten und kultivieren, welches sich dann nach einiger Zeit
als schal und unbefriedigend herausstellen könnte. Zudem
ist mir nicht daran gelegen, pauschale Typisierungen von "Menschsein"
("Schubladen-Zuordnungen") vorzunehmen. |
| Sammlung kleinere Statements zur Psychotherapie | |||
|
Eine kleine Liste verschiedene unkommentierten Sichtweisen. Zum Teil recht undifferenziert. Trotzdem können diese Statements helfen, sich mit den bei einer Therapie auftretenden Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln auseinander zusetzten. Woran erkenne ich den für mich richtigen Therapeuten? Wichtigstes Kriterium für eine erfolgreiche Psychotherapie ist die therapeutische Beziehung, innerhalb der Sie als Patient "korrigierende" Erfahrungen machen können. Um auch schmerzliche oder schambesetzte Themen offen zu besprechen, bedarf es einer vertrauensvollen Beziehung, in der Sie sich verstanden und sicher fühlen. Im Verlauf eines psychotherapeutischen Prozesses kommt es erfahrungsgemäß über kurz oder lang aber auch einmal zu Spannungen innerhalb der therapeutischen Beziehung, deren Bewältigung für Ihre Entwicklung wichtig sein wird. Deshalb sollten Sie zu Beginn prüfen, ob Sie sich vorstellen können, auftretende Schwierigkeiten mit dem Therapeuten gemeinsam durchzustehen und zu lösen. Da die therapeutische Beziehung ebenso wichtig ist wie die
Methode, sollte man sich beim ersten Kontakt oder nach den ersten
Kontakten vergewissern: Suche Dir einen Therapeut mit Erfahrung: Du solltest einen Therapeuten aufsuchen der schon viele Menschen mit Angststörungen behandelt hat. Das ist wichtig. Nicht alle Therapeuten arbeiten mit Menschen mit Angststörungen, einige sind auf diesem Gebiet ratlos. Wenn du bemerkst, dass du Deinem Therapeut erst erklären musst, was Soziale Phobie ist, ist es vielleicht Zeit einen anderen Therapeuten zu suchen. Dein Therapeut soll nett und höflich mit Dir umgehen. Wenn es Deinen Therapeuten irritiert, dass Du zu viele Fragen stellst, oder er Dich herablassend behandelt, dann hat er keine Talent für die praktische Ausübung seines Berufes. Nur weil er ein Psychologie-Diplom an der Wand hängen hat, ist er noch lange noch nicht auch ein guter Therapeut. Wie in jedem Beruf gibt es diejenigen die gut sind bei dem was sie machen, und daneben auch einige faule Äpfel. Wodurch sich erfolgreiche Therapeutinnen und Therapeuten auszeichnen: Sie haben die Fähigkeit, sich in den Patienten hineinzuversetzen in sein Denken und Fühlen. Sie respektieren die Entscheidungsfähigkeit des Patienten. Sie sind bereit, seine Handlungs- und Erlebnisweise zu akzeptieren. Sie zeigen Flexibilität, emotionale Stabilität, geringe Abwehrhaltung. Abschließend sei bemerkt, dass die Therapie-Erfahrung des Therapeuten für eine erfolgreiche Gestaltung der Therapeut-Patient-Beziehung zwar wichtig, aber nicht allein ausschlaggebend ist. Erste Kontaktaufnahme mit dem Therapeuten: Auf den eigenen
Eindruck achten! Schon beim ersten Anruf: Ist der Klang der
Stimme des Therapeuten sympathisch? Dann im Gespräch: Nimmt
er sich Zeit für mein Anliegen? Antwortet er ausführlich
auf meine Fragen? Welche Ausbildung hat er? Wo liegt der Schwerpunkt
seiner Arbeit? Hat er mit meinem Problem Erfahrung? Welche Form
der Arbeit erwartet mich, und was erwartet er von mir? Gibt
er genügend Zeit, sich kennenzulernen? "Welchen Anteil hat die Arbeit an sozialer Phobie an ihrer
Tätigkeit.?"
Was unterscheidet eine Psychologen von Freunden oder Angehörigen? Wie kann ich sicher gehen, dass mein Psychiater zu mir ehrlich ist bzgl. Therapieempfehlung, Prognose usw.? Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die Fachleute, bei denen Sie wegen seelischer Probleme um Rat fragen, offen und ehrlich sind. Ein positives Zeichen, dass man vertrauenswürdige Fachleute vor sich hat, ist, wenn diese sich Zeit lassen für ausführliche Erklärungen, wenn sie auf Fragen, auch wiederholte Fragen, geduldig und offen antworten. Wenn Sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit Ihres Therapeuten haben, sollten Sie dies ansprechen, da Vertrauen die Grundlage für eine Behandlung ist, die letztlich Ihnen helfen soll. Es spricht auch nichts dagegen, wenn Sie sich eine zweite Meinung bei einholen. Ich habe mich in meinen Therapeuten verliebt. Was soll ich machen? In dem verlässlichen Rahmen einer Psychotherapie kann sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihrem Therapeuten entwickeln. Dieser kann dabei vorübergehend eine wichtige Rolle für Sie einnehmen, so dass auch intensive Zuneigungsgefühle entstehen können (aber auch Hassgefühle). Für den Erfolg der Therapie kann es sehr wertvoll sein, diese Gefühle anzusprechen. Wahl des Psychotherapieverfahrens Wann ist eine stationäre und wann eine ambulante Psychotherapie nötig? Stationäre Psychotherapie ist dann sinnvoll, wenn eine intensive psychotherapeutische Behandlung im Abstand zu den eigenen Alltagsanforderungen durchgeführt werden soll. Durch den stationären Aufenthalt bestehen mehr Zeit, mehr Behandlungsangebote und ein geschützterer Rahmen, um sich mit sich selbst, der eigenen Geschichte und eigenem Problemverhalten auseinander zusetzen. Bei stark ausgeprägten psychischen Störungen ist die stationäre Behandlung manchmal zwingend erforderlich, wenn z. B. die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung nicht mehr gegeben ist, wenn schwere körperliche Begleiterkrankungen oder Beeinträchtigungen bestehen (z.B. Essstörung) oder bei psychischen Krisen wie Selbst- oder Fremdgefährdung. Ambulante Psychotherapie ist dann möglich, wenn regelmäßige Termine wahrgenommen werden können und eine vertrauensvolle Beziehung zum Therapeuten aufgenommen werden kann, so dass auch belastende und schwierige Themen besprochen werden können. Hierbei können auch aktuelle Alltagsprobleme in die Behandlung unmittelbar einbezogen werden. Man muss bedenken, dass viele Psychotherapeuten methodenübergreifend
("Integrative Psychotherapie") arbeiten. Das heißt,
sie wenden eine persönliche Mischung verschiedener Methoden
und Stile an, oftmals jedoch mit einer bestimmten Grundorientierung.
Daher ist es sinnvoll, sich in einem Vorgespräch erläutern
zu lassen, wie ein Therapeut arbeitet. Gesprächs- Psychotherapie Ziel: Übereinstimmung
von Selbstkonzept und Verhalten. Der Therapeut akzeptiert den
Klienten und wertet nicht. Verhaltenstherapie: In der Verhaltenstherapie steht das aktuelle psychische Problem und seine Bewältigung im Vordergrund. Die persönliche Lebensgeschichte findet besondere Berücksichtigung, da sie für die Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems wichtig ist. Es werden Erklärungsmodelle für die aktuellen Probleme erarbeitet. Die PatientIn hat die Möglichkeit, neue Denk- und Verhaltensweisen auszuprobieren, die mit angenehmerem Fühlen und Empfinden einhergehen können, und sich diese im Sinne eines Lernprozesses anzueignen. Dabei wird großer Wert auf die Absprache der Therapieziele und Vorgehensweisen mit der PatientIn gelegt. Die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie ist bei vielen psychischen Problemen, wie z. B. Depressionen, Ängsten, Zwängen und Selbstsicherheitsproblemen wissenschaftlich sehr gut belegt. "Der Verhaltenstherapeut antwortet mit der sogenannten Gegenkonditionierung, und der Gesprächstherapeut lässt den Klienten sozusagen "ins Leere laufen". Verhaltenstherapie: Daraus ergibt sich wiederum, dass es in der Therapie vor allem darauf ankommt, mit dem Klienten über seine Bewertungen und Einschätzungen zu sprechen und ihn mittels logischer Argumentation, Provokation und dergleichen zu Korrekturen seiner krankmachenden Ideen zu bringen." Tiefenpsychologische Verfahren wie auch die Psychoanalyse gehen davon aus, dass aktuelle psychische Probleme Folge unbewusster Konflikte aus der Kindheit sind, die in der Therapie wieder bewusst gemacht und bearbeitet werden sollten. Dazu werden u. a. Gedanken und Gefühle in freier Assoziation geäußert und ggf. Trauminhalte mitgeteilt, die dann als symbolische Äußerungen unbewusster Inhalten gedeutet werden. Schwerpunkt der tiefenpsychologischen Vorgehensweise ist es, Grundkonflikte eines Menschen zu erkennen und bei deren Lösung zu helfen. Solche Konflikte stammen meist schon aus der frühen Kindheit oder Jugend und werden immer wieder lebendig. Je heftiger jemand auf etwas banal Erscheinendes reagiert, um so wahrscheinlicher ist es, dass ein alter Konflikt geweckt wurde. Einer der häufigsten Konflikte ist das Hin- und Hergerissensein zwischen dem Wunsch nach Nähe und Intimität einerseits und dem Wunsch nach Selbstständigkeit (Autonomie) andererseits. Davon betroffene Menschen sehnen sich nach "elterlicher" Zuwendung (sie kann auch von einem Partner kommen), gleichzeitig wollen sie sich aber auch auf die eigenen Füße stellen und ihre eigenen Wege gehen. Der Konfliktbegriff in der Tiefenpsychologie ist sehr weit gefasst und schließt beispielsweise auch den "Selbstwertkonflikt" ein. Wer unter seelischen Konflikten leidet, "inszeniert" diese über kurz oder lang meist auch mit dem Therapeuten. Deswegen eignet sich die therapeutische Beziehung dazu, solche Konflikte und ihre Inszenierung zu erkennen und letztlich ihre Auflösung zu ermöglichen. "Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Therapie
ist meist zeitaufwendiger als eine Verhaltenstherapie. Auch
diese Therapieform orientiert sich am Verhalten. Darüber
hinaus führt sie aber sehr ausführlich in die Kindheit
zurück, in die Träume, ins Unterbewusste." Familientherapie:"...Die Therapie versucht, die Verdienst- und Schuldkonten in der Familie aufzuweisen, die Wirksamkeit der Loyalitätsbindungen - evtl. auch destruktive Loyalität - sichtbar zu machen und den Versöhnungsprozeß einzuleiten, unter Einbezug der familiären Ressourcen. Die Zielsetzung der Familientherapie wäre die Ermöglichung einer bezogenen Individuation durch einen versöhnenden Dialog. Jede Form von verschleierter und einseitiger Anklage an die Eltern soll vermieden werden. Sie ist meist therapeutisch unfruchtbar. Die Beziehung des Familientherapeuten zu seinen Klienten ist in der Regel anders als jene des Einzeltherapeuten. Es entwickelt sich in der Familientherapie nicht ein so hohes Maß an Intimität und persönlicher Nähe wie in einer langdauernden Einzeltherapie. Für manche Einzeltherapeuten bedeutet die Bearbeitung der Übertragungs-Gegenübertragungs-Dynamik jedoch das Befriedigendste an ihrer beruflichen Tätigkeit."
Kriesenpsychologie: Die Krise verläuft
in 4 verschiedenen Phasen: Kriesenintervention: Viele Autoren vertreten die Auffassung,
daß therapeutische Arbeit in Krisen, im Sinne einer unmittelbaren
Intervention, zeitlich begrenzt sein muß und auf die gegenwärtige
Situation focusiert ist. Der Therapeut geht geplant und gezielt
vor und ist viel direktiver als in einer Psychotherapie:
Die typische Krisenintervention läßt sich
in vier Phasen unterteilen: Der Grund für einen Menschen, fachliche Hilfe zu suchen,
liegt in der aktuell quälenden Lebenssituation des Betroffenen.
Er kommt in einer bedrohlichen, emotional geladenen Situation,
in der er sich hilflos und überfordert erlebt. Auftrag
und Wunsch an den Therapeuten sind schnelle Hilfe, Linderung,
ja in vielen Fällen Abschaffung des Leidens.
Wie gut wirkt Psychotherapie? Seriöse Psychotherapie Für den Erfolg einer Therapie ist es nicht nur wichtig, die richtige Behandlungsmethode zu finden. Mindestens ebenso wichtig ist die Beziehung zwischen Patient und Therapeut. Die Basis jeder guten Therapie sind gegenseitiger Respekt und vor allem Vertrauen. Das heißt, die Chemie zwischen dir und deinem Therapeuten muss stimmen. Wenn die dein Therapeut unsympathisch ist oder er dich sehr einschüchtert, sind die Erfolgschancen gering. Auch gute Therapien geraten ins Stocken: Meine Therapie ist ins Stocken geraten. Wie kann es weiter gehen? Die Erfahrung zeigt, dass während einer Therapie auch Phasen auftreten, in denen es nicht weiter geht, Symptome sich nicht bessern oder gar schlimmer werden. Wichtig ist es dann, nicht die Flinte ins Korn zu werfen und zu verstehen, dass kein Versagen oder Fehler vorliegen, sondern dass unbewusste Hemmungen den Fortschritt der Therapie behindern. Oft ist es von besonderer Bedeutung und lohnend diese Schwierigkeiten offen zu besprechen und zu klären. Meistens kann dann die Therapie erfolgreicher weitergeführt werden. Kann eine Psychotherapie auch schaden? Wie jede Behandlungsform kann auch die Psychotherapie bei unsachgemäßer Anwendung nachteilige Folgen haben. Insbesondere bei einer schizophrenen Psychose oder bei schweren endogenen Depressionen können sogenannte »affektaktualisierende Verfahren«, also stark aufwühlende Behandlungstechniken, zu einer Überforderung der seelischen Belastbarkeit führen. Dadurch können psychotische Ängste ausgelöst oder verstärkt werden. Es kann auch zur Verschlimmerung von Schuld- und Schamgefühlen schwerst depressiver Menschen kommen. Erfahrene Psychotherapeuten kennen diese Gefahren und werden bei Bedarf dafür sorgen, dass schwer erkrankte Menschen zusätzlich bei einem Psychiater in Behandlung sind, damit durch eine ausreichende medikamentöse Therapie eine drohende Symptomverschlechterung vermieden werden kann. Bei gewissen neurotischen Erkrankungen, bei denen die Patienten aufgrund ungünstiger lebensgeschichtlicher Umstände nicht gelernt haben, ihre Schwierigkeiten und Probleme selbständig anzugehen, kann durch eine unangemessen lange Behandlung eine Verwöhnung und Infantilisierung (Verfestigung von kindlichen Verhaltensweisen) heraufbeschworen werden, die den Patienten schließlich in eine schwere Abhängigkeit vom Therapeuten geraten lassen. Gut ausgebildete und erfahrene Therapeuten sind hinsichtlich dieser Gefahr aber besonders auf der Hut und werden rechtzeitig reagieren, um die angestrebte Reifung der Patienten nicht zu verzögern oder gar zu behindern. Erotische und sexuelle Kontakte in der Psychotherapie sind immer schädigend, aus ethischen Gründen nicht erlaubt und strafbar für Therapeutinnen und Therapeuten. Kein Therapeut darf sich seiner Patientin körperlich nähern. Und auch bei der Anwendung körpertherapeutischer Verfahren (was nur in besonderen Fällen sinnvoll ist) dürfen vom Therapeuten keinesfalls erotische und sexuelle Handlungen ausgehen. Die therapeutische Beziehung, die Art und jeder Schritt der Behandlung müssen für die Patientin und den Patienten therapeutisch gesehen nachvollziehbar sein, und sie/er muss immer zugestimmt haben. Sollten sexuelle Handlungen oder Missbräuche der therapeutischen Beziehung erfolgt sein, geben die am Schluss genannten Therapie- und Fachverbände Beratung und Unterstützung. Patientinnen und Patienten können sich aber auch an ihr Gesundheitsamt wenden. Gründe für einen Therapieabbruch sollte man
mit dem Therapeuten besprechen. Denkbar wären:
Was sollte in der Therapie NICHT passieren? Eine therapeutische
Beziehung beruht auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Wenn
einer der beiden Partner dieses Vertrauen verletzt, so ist dies
üblicherweise ein Grund zur Beendigung der Therapie. Therapeuten
mit entsprechender Aus- und Weiterbildung sowie geregelter Zulassung
haben sich an bestimmte berufsethische Regeln zu halten. Professionelle
Therapeuten berücksichtigen jeweils die Schweigepflicht
sowie die gesetzlichen und menschlichen Rechte eines jeden Patienten.
Dies verbietet selbstverständlich körperlichen, psychischen
oder sexuellen Mißbrauch innerhalb einer therapeutischen
Beziehung. "PatientInnen können in suizidalen Krisen oder bevor sie sich selbst verletzen, ihre TherapeutInnen anrufen. Die telefonische Erreichbarkeit muss mit den TherapeutInnen vorher geklärt werden und richtet sich auch nach den Grenzen der TherapeutInnen. Die Telefongespräche sollen nach bestimmten Regeln ablaufen. Die Patientin berichtet, warum sie sich in einer Krise befindet und welche Fertigkeiten sie bereits ausprobiert hat. Beide besprechen Fertigkeiten, die die Patientin dann einsetzen soll. Dazu ist es hilfreich, wenn die Patientin gelernte Fertigkeiten benennen kann. Verletzt sich die Patientin selbst oder begeht sie einen Suizidversuch, sollte dies nicht durch vermehrte Zuwendung verstärkt werden, was nicht leicht zu realisieren ist. Ziel ist, dass die PatientInnen im nachhinein Verhaltensanalysen dieser Situationen anfertigen."
"...Schließlich geriet der Therapeut bei einem Gespräch in Wut, er schrie so hilflos und laut und kam mir vor wie "Rumpelstilzchen". Ich ertrug das gelassen, ich konnte ihn jedoch nicht mehr ernst nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon über drei Jahre bei ihm in Behandlung. Da ich mich einmal geöffnet hatte, was mir sehr schwer gefallen war, konnte ich die Therapie, deren Wirksamkeit ich schon länger anzweifelte, nicht verlassen, um mir einen neuen Psychotherapeuten zu suchen, der ja ebenfalls fragwürdig sein konnte. Nach seinem Wutausbruch hatte ich festgestellt, dass ich ihn weder als Mensch souverän noch als Psychotherapeuten professionell empfand. Ich kam noch zwei oder dreimal, um über seine Reaktion zu reden und was das für mich als Patient bedeutete. Ich hatte das Gefühl, das Verhältnis Therapeut - Patient hatte sich umgekehrt. Dann sagte ich ihm, dass ich nicht mehr kommen möchte und die letzten wenigen Stunden nicht nehme (ich hatte da schon weit über 100 Stunden Psychotherapie). Jedenfalls stellte ich fest, dass ich Wut hatte, die mich eine ganze Weile trug, aber mein Problem war nicht ansatzweise gelöst worden." "Ich hatte immer den Eindruck, dass mich mein Therapeut
als Gegner angesehen hat. Ich wurde wie ein Kind gemaßregelt
und mein Weltbild wie meine Urteilskraft wurden angezweifelt,
meine Probleme, Ängste und Sorgen schlicht ignoriert. Das
gipfelte letzten Endes darin, dass mein Psychotherapeut nach
sage und schreibe mehr als 50 Stunden noch immer nicht wusste,
warum ich überhaupt zu ihm gekommen war. Auf konkrete Fragen,
wie ich mit meinen Problemen umgehen sollte, kamen nur Sprüche
wie "das müssen sie selbst herausfinden, ich kann
sie auf diesem Weg nur begleiten". Auch meinte er beständig,
er bräuchte einen konkreten Auftrag von mir - den er jedes
Mal bekam und dennoch beharrlich ignorierte. Nach langen, quälenden
Monaten und einer inzwischen erfolgten Abhängigkeit meinte
der Mann, er käme so nicht weiter, jetzt müsse er
erst einmal eine Standard-Psychoanalyse durchführen. Da
war für mich der Punkt gekommen, den ganzen Unsinn abzubrechen.
Ich habe in diesen Monaten nichts als gähnendes Unverständnis,
Unterstellungen und Anfeindungen kennen gelernt. Ich habe auf
konkrete Fragen keine Antworten bekommen und in allerhöchster
Not wurde ich allein gelassen. Es geht mir heute teilweise schlechter
als je zuvor und zu einer weiteren "Behandlung" habe
ich nicht die Spur einer Lust, da ich jetzt leben will und nicht
in 5 Jahren." |