Free Web Hosting Provider - Web Hosting - E-commerce - High Speed Internet - Free Web Page
Search the Web

Soziale Phobie Kompendium - Soziale Kompetenz

Soziale Kompetenz

Drucklayout vs. Onlinelayout
  1. Soziale Kompetenz
  2. Beispiele für sozial kompetentes Verhalten
  3. Weitere Beispiele
  4. Training Bsp1: VHS Selbstsicherheitskurs
  5. Training Bsp2: ATP

 

Soziale Kompetenz

 

Soziale Kompetenz ist die Fertigkeit, akzeptable Kompromisse zwischen sozialer Anpassung und individuellen Bedürfnissen herzustellen. Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche werden in angemessener Form vertreten. D.h. nicht immer eigene Bedürfnisse hinter denen von anderen zurückzustellen, nicht völlig gelassenes, „cooles“ Auftreten zu spielen, nicht aggressiv oder rücksichtslos die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Darüber hinausgehend wird Selbstsicherheit verstanden als Einheit von Handlung, Kognition und Emotion.

Hier nochmal die Übersicht aus dem letzten Kapitel:

Sozial kompetent zu sein bedeutet, frei entscheiden zu können, wie man sich verhält.  Man hat die Wahl, ob man sich durchsetzten oder ob man nachgeben will. Man macht sich nicht zum Opfer der anderen oder der Umstände, sondern gestaltet sein Leben in eigener Regie. Entscheidet man sich dafür, seine Interessen und Rechte zu wahren, dann geschieht dies, ohne die Rechte der anderen zu verletzen. Dieses Verhalten ist ein partnerschaftliches Verhalten. Es ist die Vorraussetzung, um mit andern Menschen eine offene und ehrliche Beziehung eingehen zu können.

Soziale Kompetenz gehören in unserer Gesellschaft zu den wichtigen menschlichen Fähigkeiten im zwischenmenschlichen Umgang. Sozialkompetenz verringert Stress und schützt so vor Angst und Depression.

Soziale Defizite, wie sie oft bei einer generalisierten Sozialphobie vorkommen, werden traditionellerweise durch ein Selbstsicherheitstraining bzw. ein Training sozialer Kompetenzen (TSK) behandelt.

Sozial unsicheres bzw. inkompetentes Verhalten liegt vor, wenn man das notwendige Verhalten nicht zeigt, z.B.

  • weil man es einfach noch nie richtig konnte, z.B. weil die Eltern selbst sozial unsicher waren, 
  • weil man Angst vor den Konsequenzen hat

Vier Verhaltensmuster: selbstsicher, selbstunsicher, aggressiv, passiv aggressiv.

Diese vier Verhaltensmuster kommen bei jedem Menschen vor. Man sollte von ihnen Gebrauch machen können um so ein ganzes Verhaltensspektrum zur Verfügung zu haben. Aggressives Verhalten ist z.B. nützlich um Grenzen aufzuzeigen. Selbstunsichere Menschen können oft nicht Nein sagen oder aggressiv auftreten. Es gibt auch keine Menschen, die in allen Situation selbstsicher sind.

  • selbstsicher: für sich selbst verantwortlich sein, eigene Ziele und Bedürfnisse verwirklichen, selbst- und nicht fremdbestimmt leben
    die rechte anderer nicht verletzen, Konflikte werden angegangen und gelöst, zu seinen Schwächen stehen
    sie aber nur bedingt ansprechen, Fehler eingestehen und Besserung geloben, seine Stärken kennen, Konflikte ansprechen, Forderungen stellen, auf andere eingehen, Fehler anderer aufdecken. Selbstsicher zu sein, heißt nicht harmlos oder ungefährlich zu sein. Als selbstsicherer Mensch macht man sich nicht unbedingt beliebt. Umgang mit selbstsicheren Menschen ist angenehm.
    Selbstsichere zeigen Grenzen auf. Motivation: Selbstsichere Menschen arbeiten konstruktiv an einem Ziel. Weitere Beispiele: Ich spreche einen Satz langsam und ruhig zu Ende. Ich verwende keine überflüssigen Füllwörter. Ich lächele nicht übermäßig viel und verwende auch keine anderen Verlegenheitsgesten. Ich erlaube mir Gestik zu verwenden.
    Ich verwende in Gesprächen "ich"-Botschaften und z.B. nicht "man könnte". Ich zeige anderen Grenzen auf, z.B. wenn Sie mich angreifen.
  • selbstunsicher: ergreifen selten die Initiative, eigenen Bedürfnisse werden denen anderer Untergeordnet. Furcht, sich unbeliebt zu machen oder abgelehnt zu werden. Vermeidung von Konflikten, seltene Meinungsäußerung, keine Gefühle zeigen. Selbstunsichere Menschen fühlen sich daher meist unzufrieden, weil sie die eigenen Bedürfnisse unterdrücken.
    Motivation: Passive Menschen möchten sich anpassen.
  • aggressiv: die Bedürfnisse anderer werden ignoriert, häufig rücksichtslos und demütigend, aggressives Verhalten verursacht oftmals bei Gegenüber ein aggressives Verhalten.
    Motivation: Aggressive Menschen möchten ihrer Gefühle ablassen.
    Aggressivität hat auch positive Seiten: sie besitzt viel Energie um einen Sache voranzubringen. Trotzdem sollte man diese innere Aggressivität nicht direkt herauslassen.
  • passiv aggressiv: Dieses Verhalten ist nicht deutlich sichtbar.
    stiller Widerstand und Manipulation, Sabotage, mit den anderen nicht sprechen, Informationen vorenthalten, Intrigen hinter dem Rücken anderer stricken, z.B. in Besprechungen: Gähnen, aus dem Fenster schauen, beim Sprechen einen besonderen Unterton verwenden "Du schon wieder".

 

 

 

Beispiele für sozial Kompetentes Verhalten

  Aufmerksamkeit
  • Aufmerksamkeit liegt nicht (übermässig) auf der eigenen Person. Konzentrieren Sie sich daher auf die Menschen Ihrer Umwelt, statt sich selbst ständig ängstlich zu beobachten. (Übung: Beschreiben Sie in Ihren Gedanken das Aussehen und Verhalten der anderen, interpretieren Sie deren Mimik und Gestik. Registrieren Sie, wie diese Menschen auf sie wirken (welche Gefühle, Gedanken und Reaktionen sie bei Ihnen auslösen).

"Selbstsicheres" Auftreten

  • "ich“ statt „man“ oder „wir“.
  • Verzicht auf auf indirekte Redewendungen.
  • präzise Formulierungen („Ich verlange,..“ „Ich wünsche...“).
  • nonverbale Gegenüber direkt in die Augen sehen, Blickkontakt halten
  • Anliegen mit passenden Gesten, Haltung, Gesichtsausdruck und Lautstärke unterstreichen
  • "selbstbewusster" Blickkontakt, Menschen freundlich anlächeln, bestimmte Körperhaltung, Stimme usw.
Soziale Interaktion
  • Gespräche beginnen, führen und beenden (mit vertrauten, fremden und vorgesetzten Menschen),
  • sich im Gespräch nicht unterbrechen lassen,
  • auf andere eingehen,
  • Gefühle - wo es sinnvoll ist - offen zeigen bzw. äußern können,
  • auf einer Party, mit einer fremden Person in ein Gespräch zu kommen.
  • Stärken zeigen, positiv über sich reden
  • Schwächen eingestehen
  • Ausreden lassen
  • (aktiv) Zuhören können
  • körperliche Nähe ertragen,
  • (selbständig) Kontakte herstellen und aufrechterhalten lernen
  • Verabredungen treffen,
  • Auf Kontaktangebote eingehen
  • sich von wichtigen Bezugspersonen trennen können
  • die Wohnung verlassen können
  • Ausreden lassen
  • Zuhören können

 

Im Mittelpunkt stehen
  • öffentliche Beachtung aushalten lernen
  • auf sich aufmerksam machen
  • laut reden oder rufen
  • applaudieren
  • in einer Diskothek tanzen
  • an einer Bar etwas bestellen
  • eine Gruppe begrüßen
  • sich vor einer Gruppe vorstellen
  • an einer Gruppendiskussion teilnehmen
  • vor einer Gruppe sprechen
  • sich von einer Gruppe verabschieden
  • vor einer großen Gruppe reden.
  • Eine Präsentation, Seminar, Vortrag abhalten
  • Hausaufgaben präsentieren
  • anderen Menschen das eigene Befinden, Gedanken und Meinungen mitteilen.
  • Stärken zeigen
  • Schwächen eingestehen

 

Bedürfnisse /Forderungen äußern: energisch und bestimmt
  • auf die eigenen Bedürfnisse achten und es aushalten lernen, dass andere deswegen verärgert sein könnten, es nicht allen Recht machen wollen
  • Wünsche und Bedürfnisse äußern können
  • um Gefallen bitten,
  • berechtigte Forderungen stellen,
  • Auf seinem Recht bestehen
  • Änderungen bei störendem Verhalten anderer verlangen
  • Auskünfte erfragen,
  • auf etwas bestehen,
  • etwas für sich oder für andere verlangen,
  • Chef um eine Gehaltserhöhung oder eine Sonderleistung bitten,
  • Nachbarn mitteilen, wenn es Ihnen zu laut zugeht
  • Partner zu mehr Mitarbeit im häuslichen Bereich auffordern.
  • Bekannte bitten zu können, etwas für Sie einzukaufen.
  • sich im Restaurant über Mängel an Speisen und Getränken zu beschweren.
  • Ruhestörern und Vordränglern Schranken aufweisen zu können

 

Ja sagen

  • kompromissbereit auf soziale Angebote/Verpflichtungen eingehen können
  • schwierige soziale Situationen/Aufgaben wahrnehmen und nicht vermeiden, nicht resignieren

Nein sagen (freundlich bestimmt, nicht aggressiv)

  • Bitten und Wünsche von anderen ablehnen können, (insbesondere unangemessene und zu umfangreiche Arbeit).
  • Versuchungen zurückweisen können
  • sich nicht ausnutzen lassen,
  • andere Meinung bzw. Widerspruch äußern (auch wenn dies nicht gern gesehen wird)
  • Unerwünschte Kontakte beenden
  • aktiv Gespräche (z.B. Telefonate) beenden zu können, die Sie sonst nur aus Höflichkeit fortführen würden.

 

Umgang mit Kritik und Lob

  • Auf Kritik reagieren
  • Kritik offen, bestimmt und in akzeptabler Form ausdrücken, berechtigte Kritik annehmen,
  • Auseinandersetzungen nicht konfliktscheu ausweichen,
  • Komplimente akzeptieren,
  • Komplimente machen, Lob, Zustimmung erteilen
  • sich entschuldigen können,
  • Fehler eingestehen
  • sich beschweren,
  • gegen Unrecht protestieren.
  • es nicht allen recht machen wollen,
  • berechtigte Kritik an Kollegen üben
  • Widerspruch äußern können
  • Änderungen bei störendem Verhalten anderer verlangen
  • Komplimente akzeptieren

 

Weitere Beispiele als Fragen

 

Grundlagen für die soziale Kompentenz eines Menschen sind wie erläutert auch das positive Selbstkonzept und darüberhinaus ein Grundrepertoire an Bewältigungsmöglichkeiten.

Man könnte daraus auch (suggestive) gesunde Aussagen erstellen, indem Du die folgende Fragenn als positive Aussagen umformulierst. Falls jemand Lust hat das aufzuschreiben....

  • Nehme ich mich an, wie ich bin? Gefalle ich mir selbst? Lebe ich auch nach außen, was ich denke und fühle? Bin ich „authentisch“? Kann ich mit mir und anderen Frieden schließen? Verzichte ich auf Selbstnörgeleien?
  • Zeige ich mich, wie ich bin? Lasse ich mich nicht länger von Scham beherrschen? Teste ich häufig genug, wie andere tatsächlich auf mich reagieren?
  • Frage ich mich nicht mehr dauernd „Was andere wohl über mich denken?“ Bin ich ausreichend selbstbewusst und frei vom Diktat innerer Stimmen?
  • Habe ich Vertrauen? ....in das Leben, in den Körper, in die Zukunft und in Beziehungen? Muss ich nicht länger alles unter „Kontrolle“ haben?
  • Kann ich mich als aktiven Teil der Welt verstehen? Mache ich mir oft genug bewusst, wie sehr sich Menschen und ihre Umwelt wechselseitig beeinflussen? Sehe ich mich nicht länger als „Opfer“, das den Umständen oder der Willkür anderer ausgeliefert ist?
  • Kann ich mich über Veränderungen freuen oder mich zumindest mit ihnen arrangieren? Beharre ich nicht länger auf „Sicherheit“ und „Garantie?
  • Komme ich mit Widersprüchen und Chaos zurecht? Klammere ich mich nicht mehr einseitig an „Ordnungen“, „Strukturen“ und „Regeln“?
  • Bin ich anpassungs- und lernfähig? Presse ich nicht mehr andere und die Umwelt in meine Vorstellungen? Bin ich in der Lage, eingefahrene „Muster“ zu erkennen, zu verlassen oder wenigstens zu hinterfragen?
  • Spiele ich bevorzugt „Alle gewinnen“? Schiele ich nicht länger nur auf meinen Vorteil? Verzichte ich darauf, „Verlierer“ zu erzeugen?
  • Nehme ich meine Gefühle wahr und lasse ich sie zu? Erkenne und nutze ich ihren Informationsgehalt und ihre mächtige Wirkung auf mein Denken und Verhalten? Gehe ich mit Ärger und Aggression konstruktiv um?
  • Kann ich mit allen Sinnen genießen und Lust spüren? Nutze ich so die Chance, unangenehmen Gefühlen weniger Raum und Zeit zu geben?
  • Achte ich mehr auf „Möglichkeiten“ als auf „Probleme“? Kann ich Neues zulassen? Wittere ich nicht mehr überall ein „Problem“, das ich „bekämpfen“ muss? Erweitere ich kontinuierlich meine Blickweisen und mein Verhaltensrepertoire?
  • (Ver)handele ich, statt pausenlos zu reden und alles schon wissen? Bin ich in der Lage, zu entscheiden, auszuwählen, zuzufassen, zu konkurrieren, etwas zu riskieren und mich mit anderen auseinander zu setzen?
  • Respektiere ich mich und andere? Merke ich es, wenn ich andere oder mich selbst abwerte?
  • Schätze oder akzeptiere ich die Eigenarten anderer? Habe ich es nicht länger nötig, andere „klein zu machen“, um mich groß zu fühlen?
  • Übernehme ich Verantwortung – auch für mich selbst?
    Warte ich nicht länger darauf, dass die Umwelt erkennt, welche Hilfen ich brauche? Kann ich anderen angemessen meine Wünsche mitteilen? Bitte ich „erwachsen“ um Hilfe? Ändere ich die Dinge, statt sie zu beklagen? Habe ich in meiner Ausdrucksweise „müssen“ und „sollen“ durch „wollen“ ersetzt? Zeige ich mich anderen als „selbstbestimmt“ und nicht als „fremdbestimmt“?
  • Verzichte ich auf „Schuldzuweisungen“?
    Habe ich erkannt, dass „Schuldzuweisungen“ nichts ändern, sondern nur endlose Schuldverteilungskämpfe am Leben erhalten?
  • Kann ich positiv denken? Verzichte ich in meiner Ausdrucksweise auf Sätze wie „Ich kann das nicht“ oder „Ich habe immer Pech“?
  • Ermögliche ich mir neue Erfahrungen? Bin ich neugierig genug?
    Probiere ich Unbekanntes aus, statt mich an Vertrautes zu klammern? Gebe ich neuen Erfahrungen die Chance, meine bisherigen Glaubensgerüste und Verhaltensmuster zu erschüttern?
  • Setze ich mir Ziele? Nutze ich die „anziehende“ bzw. motivierende Kraft von Zielen? Ermögliche ich mir durch selbstgesetzte Ziele Erfolgserlebnisse (das „gesunde“ Gefühl, etwas bewirken zu können, dem Leben nicht nur ausgeliefert zu sein)? Sind meine Ziele genau und positiv beschrieben (und nicht mit Begriffen wie „nicht“, „keiner“, „weniger“, „ohne“)?
  • Bin ich kontaktfreudig? Kann ich auf andere zugehen, mich ihnen mitteilen und mich mit ihnen abstimmen? Nehme ich Kontaktsignale anderer wahr? Nutze ich den gesundheitsfördernden Effekt menschlicher Beziehungen?
  • Kann ich loslassen? Kann ich mich trennen?
    Klammere ich mich nicht mehr an materielle Dinge und Gewohnheiten (selbst auferlegte Pflichten), die mich mehr belasten als befreien? Merke ich, was für mich Ballast ist?
  • Habe ich genügend Phantasie und Humor?
    Kann ich über mich selbst lachen und durch Humor über den „Härten des Alltags“ schweben?
  • Bewege ich mich ausreichend? Verhelfe ich meinem Körper zu einer Fitness, die mir Wohlbefinden gibt und mich meinen Alltag leichter bewältigen lässt? Gönne ich mir genügend Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit?
  • Höre ich auf meinen Körper? Esse ich nicht nach der Uhr, sondern wenn Hunger sich meldet? Pausiere ich bei Müdigkeit, statt Aufputschmittel einzunehmen? Akzeptiere ich Schmerz- und Belastungsgrenzen? Interpretiere ich Depressionen als (bremsendes) Warnsignal vor Überforderungen? Kann ich Hilfe zulassen und mir Entlastung gönnen? Merke ich es, bevor „Genussmittel“ für mich zu Drogen werden?
  • Gebe ich dem „Prinzip der Leichtigkeit“ eine Chance?
    Kann ich Gleiches auch mit weniger Anstrengung erreichen? Neige ich in Krisen dazu, „mehr des Gleichen“ zu versuchen?
  • Gehe ich vorsichtig mit „Bedeutungen“ um?
    Ist mir bewusst, dass ich weniger auf Fakten reagiere, als auf die Bedeutungen, die ich ihnen zuschreibe? (Beispiel: Mit einem „Freiheitskämpfer“ geht man anders um als mit einem „Terroristen“ – auch wenn es der gleiche Mensch ist.)
  • Nutze ich „Fehler“ als Hinweis auf Fehlendes?
    Sind „Fehler“ für mich Lernhilfen oder Katastrophen? Kann ich zwischen dem, was ich „falsch“ gemacht habe, und dem, was mir eigentlich fehlt (etwa dem Hören auf die innere Stimme ), unterscheiden?
  • Kommuniziere ich konstruktiv? Spreche ich von mir selbst, statt andere zu kritisieren? Kleide ich „Kritik“ in „Wünsche“? Melde ich anderen wohlwollend zurück, was sie bei mir bewirken? Spreche ich „lebendig“ (laut und deutlich)? Verzichte ich auf „mal sehen“, „vielleicht“?
  • Kann ich Sichtweisen wechseln, mich probeweise in andere versetzen?
  • Sehe ich mich nicht länger als Mittelpunkt der Welt? Kann ich mich selbst von außen – mit den Augen eines anderen – betrachten?
  • Wahre ich eigene Grenzen und respektiere ich die anderer?
    Kann ich bei Bedarf klar und deutlich „nein“ sagen? Verzichte ich darauf, anderen „ihr Glück“ aufzuzwingen? Verfüge ich über genügend Selbstverteidigungstechniken bzw. Schlagfertigkeit?
  • Entdecke ich hinter körperlichen Symptomen verborgene Wünsche? Kann ich diese in Worte fassen?
    Merke ich es, wenn Schmerzen mich aus dem Verkehr ziehen wollen (also „nein“ zu etwas sagen) oder andere Symptome „nach Aufmerksamkeit rufen“?
  • Bin ich mutig genug? Kann ich notfalls über meinen eigenen Schatten springen? Traue ich mich, „aus der Rolle zu fallen“? Kann ich mit Unsicherheit leben?
  • Verfüge ich über genügend Frustrationstoleranz?
    Komme ich damit zurecht, nicht immer zu gewinnen, im Mittelpunkt zu stehen, meine Wünsche sofort erfüllt zu bekommen?
  • Verzichte ich auf Verallgemeinerungen?
    .... wie „Mich liebt keiner,“, „Nichts klappt“, „Alle sind sowieso....“ Merke ich, dass es sich dabei um Denkfehler handelt?
  • Erschließe ich mir Kraft spendende („ressourcevolle“) Zustände?
    Ist es mir möglich, mich vor wichtigen Anlässen oder in Krisen an angenehme Erlebnisse und Erfahrungen zu erinnern und mich so in eine günstige Verfassung zu versetzen?
  • Gehe ich konstruktiv mit Neid um? Kann ich auf Vergleiche verzichten, es sei denn, sie motivieren mich dazu, das zu erlernen oder zu tun, worum ich andere beneide?


Gesundheitskompetenz:
Gesundheitsfördernde Faktoren nach Grossarth-Maticek, die mit einer über 90prozentigen Wahrscheinlichkeit dazu beitragen, dass man die nächsten 25 Jahre gesund überlebt (dies ergab eine Langzeitstudie an 31.000 Menschen):


1. gesunde Ernährung
2. regelmäßige Bewegung
3. kein Suchtverhalten
4. gute soziale Integration
5. guter Schlaf und Erholung
6. positive Eigenaktivität
7. starke Lebenstendenz
8. ausgeprägte Autonomie
9. Wohlbefinden und Lust
10. Befriedigung wichtiger Bedürfnisse
11. Kompetenzgefühl
12. ausgeprägter Selbstschutz
13. positive Anregung
14. spontane und positive Gottesbeziehung
15. günstige familiäre genetische Grundlage

 

Training Bsp. 1: VHS Selbstsicherheit

 

Ein Selbstsicherheitstraining kann bei der VHS belegt werden. Dieses Training findet dann typischerweise an einem Wochenende statt mit ca. 2x6 Arbeitsstunden. Die Gruppengrösse liegt ca. bei 15 Personen. Mit fortschreitender Stundenanzahl kann sich die Zahl durchaus verringern.

Hier ein paar Notizen aus einem besuchten Kurs. In diesem wurde Wert auf eine Gruppendiskussion gelegt, die den Ablauf und die Inhalte prägte. Dies erscheint gegenüber einem vortragsorientierten Stiel in dem einfach nur vorgegebene Arbeitsmaterialien durchgearbeitet werden, vorteilhaft.

Vorstellung der 4 Verhaltensmuster: selbstsicher, unsicher, aggressiv, passiv aggressiv (s.o.).

Übungen und Rollenspiele:

  • Vorstellung des Sitznachbarns
    Aufteilung in 2er Gruppen. Beide Partner interviewen sich gegenseitig. Themen sind dabei: Anrede - Du oder Sie, Wohnort, Beruf, Hobbys, Positive Eigenschaften, Alter, Kinder. Nach der Arbeit in 2er Gruppen gibt es eine grosse Vorstellungsrunde, in der man seinen Sitznachbarn vorstellt.
  • Rollenspiel Verhaltensmuster
    Eine vierer-Gruppe spielt eine Besprechung, wie Sie z.B. im Berufsleben stattfindet. Jeder einzelne hat die Aufgabe, dabei eines der Verhaltensmuster anzuwenden (selbstsicher, unsicher, agressiv und passiv aggressiv). Die übrigen beobachten das Rollenspiel und versuchen die Verhaltensmuster den vier Personen zuzordnen. Als Steigerung wechseln die vier Personen nach 5 Minuten das Verhaltensmuster. So kann geübt werden, dass ganze Verhaltensspektrum anzuwenden. Als Abschluss des Rollenspiels berichten die Zuschauer und die Rollenspieler von ihren Einschätzungen bzw subjektiven Wahrnehumgen.

    Folgendes kann beispielsweise bei einem Rollenspiel beobachtet werden:unsichere Menschen haben Probleme aggressiv aufzutreten, agressive Menschen dominieren die Gesprächsrunde, ruhigere Menschen geraten in den Hintergrund und können schwerer eingeschätzt werden. Selbstsichere Menschen arbeiten sachlich und konstruktiv am Gesprächsziel und vermittlen Kompromisse zwischen den Extremen. Selbstunsicherheit ist frustierend. Agressive Menschen nehmen eher nur den Kontrahenten wahr.

  • Rollenspiel zu einlnen Aspekten der Selbstsicherheit
    2 Personen führen vor der Gruppe ein Rollenspiel durch. Beide Personen bekommen Aufgaben zugeteilt und äußern sich vorher, wie sie sich in der gespielten Situation verhalten möchten.
    Beispiel: Verabredungen absagen. Eine Person möchte es üben, ohen Angabe von Gründen und auch ohne zu lügen, eine Einladung abzusagen. Die zweite Person bleibt aber hartnäckig bei der Einladung. Abschliessend berichten die Zuschauer und die Rollenspieler von Ihren Wahrnehmungen und Einschätzungen.
  • Übung Nein sagen
    2 Personen stellen sich gegenüber- der eine sagt wiederholt "nein", der andere antwortet "doch", solgange bis dass nein als wirklich glaubwürdig emfunden wurde. Danach Rollentausch.

 

 

Training Bsp. 2: ATP

  Das Assertiveness-Training-Programm (ATP) (Assertiveness = Selbstvertrauen) von Ullrich und de Muynck am Max-Planck-Institut hat die weite Verbreitung gefunden. Das Therapiekonzept basiert auf den Grundlagen der Verhaltenstherapie und bezieht sich auf vier Generalisationsbereiche sozialer Ängste:
  • Angst vor Ablehnung beim Äußern eigener Bedürfnisse,
  • Angst vor Ablehnung bei der Abgrenzung gegen Übergriffe von anderen,
  • Angst vor Kritik oder Fehlschlägen,
  • Angst vor sozialen Kontakten.

Die Verbesserung sozialer Fertigkeiten wird über folgende Therapieziele angestrebt:

  • Berechtigte Forderungen stellen lernen:
  • Nein sagen lernen:
  • Kritik äußern und ertragen
  • Kontakte herstellen

Beim Selbstsicherheitstraining folgt auf die "Grundstufe" eine "Fortgeschrittenen-Stufe", wo eine differenzierende Anwendung selbstsicheren Verhaltens im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und in der Familie bzw. Partnerschaft angestrebt wird.

Als Methoden werden Verhaltensübungen, Rollenspiele, Modelllernen, Feedback, Videotraining und Hausaufgaben eingesetzt. Das Programm wird im Regelfall unter Teilnahme von zwei Therapeuten, die als Modell für das einzuübende Verhalten dienen, in Form einer Gruppentherapie mit Einzelbehandlungen kombiniert, kann aber auch als reine Einzel- oder Gruppentherapie zum Einsatz kommen. Die sehr detailliert und differenziert ausgearbeiteten und nach steigender Schwierigkeit aufeinander aufbauenden Übungen sollten nicht einfach als reines Übungsprogramm zum Eintrainieren von erwünschten Standardverhaltensweisen eingesetzt werden und auch nicht sklavisch genau in der vorgegebenen Reihenfolge absolviert werden, sondern sehr individualisiert erfolgen auf der Basis einer exakten Verhaltens- und Zielanalyse. Nach Angaben von Ullrich und de Mynck erreicht die ATP-Therapie eine Erfolgsquote von durchschnittlich 80%. (Bei der Therapie handelt sich um eine ca. 3 wöchige stationäre Intesiv-Therapie.)

Es gibt zur ATP-Therapie Begleitliteratur für die Teilnehmer, in denen das theoretische Fundament und Übungen enthalten sind. Diese bestehen aus drei Bänden und sind auch u.U. für Betroffene geeignet. Beim Vorliegen stärker belastender Probleme ist es aber wahrscheinlich, dass der Betroffene ohne therapeutische Hilfe nicht seine Unsicherheit und Ängste überwinden und aus seinem alten Denken und Verhalten ausbrechen kann. Es handelt sich um drei Bände (Autoren: Rüdiger Ullirch, Rita de Muynck, Pfeiffer Verlag)

  • Band 1: ATP 1: Einübung von Selbstvertrauen und Formen sozialer Schwierigkeiten: Dieses Buch beschreibt die Bedingugen und Formen sozialer Störungen als Hilfe zur Selbstbeobachtung, Diagnose, Zielfindung und Therapieentscheidung.
  • Band 2: ATP 2: Einübung von Selbstvertrauen - Grundkurs: Dieses Buch stellt ein Grundkurs zum Abbau sozialer Ängste dar, zur Vermittlung grundlegender Veränderungsstrategien und zum Einüben einfacher Fertigkeiten.
  • Band 3: ATP 3: Einübung von Selbstvertrauen und kommunikative Problemlösung - Anwendung in Freundeskreis, Arbeit und Familie: vermittelt die unterscheidende Anwendung des Gelernten in komplizierten sozialen Bereichen mit dem Schwerpunkt auf kommunikativer Problemlösung.

Butter bei die Fische: Ein kurzes Blättern durch die drei Bände zeigt etwas mehr vom Inhalt:

ATP 1: Theorie

  • Beschreibung der ATP-Therapie
  • Selbstsicheres vs. selbstunsicheres vs. aggressives Verhalten, Beispiele, Ausprägungen, Faktoren, Mechanismen
  • Folgen des selbstunsicheren Verhaltens
  • Die Entstehung sozialer Schwierigkeiten: die Lerngeschichte des Einzelnen, Lernprinzipien, die soziale Umwelt.
  • Steuerung des gegenwärtigen Verhaltens: Bedingugnsanalyse problematischer Situationen, emotionale Reaktionsmuster

ATP 2: Übungsband

  • Einführung in die Übungen: Prinzipien, Zielsetzungen, Kontrolle, Therapievertrag, Vorbereitung auf die Übungen, Durchführung und Kontrolle von Hausaufgaben
  • BSP: Grundprinzip: stufenweise Steigerung der Übungen z.B. nach der Grösse des Zuhörerkreises, nach der Schwierigkeit der Handlung, nach der Dauer der Handlung.
  • Übungen: Auf 100 ca. Seiten werden Übungen beschrieben: jede Übung wird näher erläutert, Ziele und Hinweise gegeben, Bewertungsmöglichkeiten von durchgeführten Übungen aufgezeigt. In diesem Band erlauben die Übungen mit eher flüchtigen Kontakten eine Konzentration auf das eigene Auftreten und Verhalten.
  • Strassenübungen: Passanten ansprechen, nach dem Weg fragen, entgegenkommenden nicht ausweichen, freundlich grüssen, freundlich lächeln.Verkehrsmittel: Im Bus laut dikutieren und rufen, reservierten Platz im Zug freibekommen, ein kurzes Gespräch mit Fremden führen, auf Parkplatz eine Autopanne simulieren und um Hilfe fragen, Schwerhörigenübung: einem gespielt Schwerhörigen die Stadt zeigen. Geschäfte: erkundigungen einholen, Schuhgeschäft: fünf Schuhe anprobieren und keinen kaufen. Gekauftes Obst, Kleidung o.ä. umtauschen, Vertreter an der Tür wegschicken. Mit Kioskbesitzter über die Wohngegend sprechen. Cafe: eine Stunde in vollem Kaffee sitzen, quer durch Tanzlokal gehen, laut nach Kellner rufen, Kellner nach besten Platz fragen, nach Spezialitäten fragen, Rechnung erklären lassen, Essen zurückgehen lassen, Geschäftsführer rufen lassen, Aufmerksamkeit auf sich ziehen durch "peinliches Ereignis": niesen, Gabel fallen lassen, neues Besteck verlangen, heftig husten; nach der Toilette fragen, Bedinung und Essen loben. Mit Fremden Gespräch anfangen: "darf ich mich zu Ihnen setzten?", Bekannten zu einem Cafeebesuch einladen. Öffentliche Veranstaltungen: mit Freund ins Kino gehen, Vordermann bitten sich kleiner zu machen, zu spät kommen und sich das Verpasste erzählen lassen, im Kinosaal ein Eis kaufen, oder nur laut nach dem Preis des Eises fragen und dann sagen, das wäre zu teuer. Alleine in Tanzlokal tanzen, auf eine Party gehen. Behörden: an eine Tür klopfen, an einer Schlange vordrängeln und etwas nachfragen. Beamten versuchen zu überzeugen, dass man im Recht ist, Entschuldigung verlangen, einen Beamten durch freundliche Überredung zu einer bevorzugten Bearbeitung des eigenen Anliegens überreden, beschweren, nach Vorgesetzten fragen, Beschwerdeweg erklären lassen; Telefonisch Auskünfte einholen, z.B. Zuständigkeiten oder den Beschwerdeweg. Bei Parteien oder Gewerkschaften nach Zielen, Mitgliedsbedingungen oder Leistungen fragen, später der Gruppe davon berichten. Widerspruch üben indem sie zusammmen mit einem Gruppenmitglied zu einer Partei gehen, die sie nicht wählen würden, kritische Fragen stellen; in drei unterschiedlich strukturierten Ämtern ein Anliegen durchsetzten. Einen Polizisten nach seiner Tätigkeit fragen.
  • Hausaufgaben: vor Spiegel freundlich lächeln üben, Text vorm Spiegel oder Bekannten vorlesen, vor Gruppe 5 Minuten einen Vortrag halten oder vorlesen, absichtlich Versprecher einbauen, Vortrag vor größeren Zuhörerkreis halten

ATP 3:

  • In diesem Band werden die flüchtigen Kontatkte des 2. Bandes ersetzt durch eine zweiseitige Interaktion auf gleichberechtigter Basis, z.B. zu Nachbarn, Bekannten, Freunden, Mitarbeitern, Vorgesetzten und Familienmitgliedern.
  • Kommuikationskurs: Fehldiagnosen, Fehlerwartungen, falsche Vermutungen, Manipulation, gestörte Kommunikation durch eigenes Fehlverhalten, stereotypes Verhalten, situativer Kontext, Entschlüsseln von Botschaften, soziale Diagnose, ungeschickte Gesprächsführung
  • Übungsteile: Jeder Teil gibt einen tieferen Einblick in dieVerhältnisse und Bedingungen die in dem jeweiligen Bereich herrschen und gibt Beispiele.
  • Übungsteil: Nachbarn: Nachbarn bitten die Musik leiser zu stellen, aufdringlichen Nachbarn abweisen, sich mit Hotelnachbarn verabreden.
  • Übungsteil: Freunde und Bekannte: Für ein Geschenk ohne Einschränkung danken; Sich selbst loben; Eigene Abweichende Meinung vor einem Bekannten vertreten; Ablehenen etwas zu verleihen; einen Bekannten loben; Kritik üben;
  • Übungsteil: die Arbeit: Kollege: Arbeitsvorgang von einen Mitarbeiter erklären lassen;unvermeindlichen Fehler in einem neuen Arbeitsbereich machen und älteren Kollegen berichten; Unberechtigte Forderungen bzw. Bitte eines Kollegen klar und deutlich ablehnen; falsche Beschuldigung aufdecken; Vorgesetzter: Verbesserungsvorschlag unterbreiten, Beschwerde über die Arbeitsbedingungen unterbreiten; zuzsätzliche Arbeit ablehen; Verantwortung für Fehler ablehnen; Tadel zurückweisen; Gehaltserhöhung fordern.
  • Übungsteil: Familie, Ehe: unberechtige Forderungen und Ausnutzungen ablehenen; Tadel zurückweisen; wiederkehrendes Vorwurfsverhalten entgegenwirken; konstruktiven Kompromiss herbeiführen; sich der Überfürsorglichkeit eines Familienmitgliedes entziehen; gegen Widerstände aus dem Elternhaus ausziehen.

Anmerkung kleines SP Kompendium: Insgesamt sind nach unserer unrepräsentativen Meinung die Bücher doch sehr trocken und in einem eher wissenschaftlichen Sprachstiel verfasst. Vielleicht ist es für den Autodidakten besser mit leicht verständlichen Büchern wie denen aus der Pal-Serie zu starten. Statt die Bücher zu kaufen, könnte man sie auch aus der Bibliothek ausleihen, das sollte auch billiger sein.