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Soziale Phobie Kompendium - Verhaltenstherapie

Übersicht über die Verhaltenstherapie (VT)

 Drucklayout vs. Onlinelayout

Kognitive Verhaltenstherapie:
1. Einführung in die kognitive Verhaltenstherapie + ABC Modell
2. Beispiel: der innere Kritiker
3. Kognitive Verhaltentherapie in der Praxis
4. Kognitive Modell der Sozialen Phobie nach Clark
5. SORCK-Modell
6. Techniken und Methoden der kognitiven Therapie

Verhaltenstherapie im weiteren Sinne:
1. Verhaltenstherapie im weiteren Sinne

Abbildungen
1. ABC-Modell
2. ABC-Tabelle
3. Veränderungsmöglichkeiten abgeleitet vom ABC-Modell
4. Positive Selbstverbalisation
5. Gefühlsspektrum
6. Modell der soziale Phobie nach Clark

 

Einführung + ABC Modell

 

Das allgemeine Ziel verhaltenstherapeutischen Vorgehens ist:

  1. Reduktion der Krankheitssymptomatik
  2. Aufbau alternativer Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen)
  3. Stärkung des Selbsthilfepotentials.

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie steht die Erkenntnis im Vordergrund. In der Theorie geht man davon aus, dass Gefühle und Verhalten durch die erkenntnisbasierte (kognitive) Verarbeitung von Ereignissen und Wahrnehmungen entstehen. Bei "gestörtem" Verhalten versucht man deshalb, die Bedingungen und Umstände, die zu diesem Verhalten führen, herauszufinden. Auch die Mechanismen, die einen Menschen dazu bringen, ein gestörtes Verhalten immer weiterzuführen, werden untersucht.

Dabei steht die Aufklärung bzw. Aufdeckung des zugrundeliegenden Konfliktes nicht im Vordergrund. Vielmehr wird versucht, durch Aneignung veränderter Einstellungen, Haltungen oder Handlungsschemata das bestehende "gestörte" Verhalten zu verlernen bzw. zu verändern. Häufig können durch ein solches Vorgehen schnell aktuelle Probleme, z. B. Ängste, abgebaut oder sogar ganz überwunden werden.

Gedanken und Gefühle stehen in einem engen Zusammenhang und in einem ständigen Wechselspiel. So, wie wir denken, so fühlen wir. Und so, wie wir fühlen, so denken wir. Gedanken beeinflussen die Gefühle. Und aus den Gefühlen können wir ersehen und rückschließen, wie wir denken. Unter Gedanken verstehen wir das gesamte Spektrum von Sätzen, Ausdrücken, Erfahrungen, Interpretationen, Bewertungen, Vorstellungen, Atmosphären, usw.

Wenn wir uns in bestimmten Situationen anders fühlen und verhalten wollen, müssen wir lernen, in diesen Situationen entsprechen anders zu denken, die Situation anders wahrzunehmen und zu bewerten.

Der Weg dazu ist nicht, zu versuchen, sich andere Gedanken gleichsam krampfhaft einzureden.

Der Weg ist, zu überprüfen, ob unsere bisherigen Gedanken überhaupt richtig angemessen und realistisch sind, ob sie die Wirklichkeit tatsächlich wiederspiegeln - das verstehen wir in diesen Rahmen unter rational - oder ob sie, wie so oft, überzogen, einseitig, unangemessen, verallgemeinernd usw. sind, also irrational.

Denn; übertriebene Gedanken führen zu übertriebenen Reaktionen. Angemessene Gedanken führen zu angemessenen Reaktionen.

Jeder einzelne Gedanke in unserem Kopf erzeugt eine Reaktion in unserem Körper. Es ist unmöglich, etwas zu denken und keine Reaktion im Körper zu erhalten - es sei denn, das Gehirn hat zu bestimmten Teilen des Körpers aufgrund einer Lähmung keine Verbindung mehr. Im Normalfall erzeugen ärgerliche Gedanken Ärgergefühle, die wir dann in bestimmten Körperteilen und Organen verspüren. Positive Gedanken erzwingen Gefühle der Ruhe und Ausgeglichenheit, die wir in unserem gesamten Körper verspüren.

Wir können uns das folgendermaßen vorstellen: Sie nehmen ein äußeres Ereignis durch Ihre Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Mund, Haut) wahr und diese Information wird an die Großhirnrinde, einen Teil des Gehirns weitergemeldet. Dort wird die Information als gefährlich, nicht von Bedeutung für uns oder positiv bewertet. Die Bewertung erfolgt auf der Basis all Ihrer gespeicherten Erfahrungen, die sie bisher in Ihrem Leben gesammelt haben (Vorerfahrungen, Oberpläne). Von der Großhirnrinde wird die Information dann an das Limbische System, einen anderen Teil des Gehirns, welcher für Ihre Gefühle zuständig ist, weitergeleitet. Das Limbische System gibt jetzt konkrete Anweisungen an Ihren Körper. Hat die Großhirnrinde das Ereignis als nicht von Bedeutung für Sie eingestuft, bleibt Ihr Körper in der Ruhestellung. Sie fühlen sich ruhig oder, wie wir dann häufig sagen, normal.

Unser Gehirn hat noch eine Besonderheit. Wir können selbst dann Gefühle in uns auslösen, wenn in der Umwelt überhaupt nichts passiert. Es genügt, uns vorzustellen, dass etwas passiert, oder uns ein Ereignis aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Wir sagen z.B.: "Schon allein beim Gedanken daran läuft mir das Wasser im Mund zusammen" Oder: "Immer, wenn ich an sein unverschämtes Verhalten denke, kommt mir die Galle hoch."

Unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob wirklich etwas passiert oder ob wir es und nur ausdenken. Es ist angewiesen auf unsere Gedanken und Vorstellungsbilder.

Mit Hilfe dieses ABC-Modells (Auslöser, Bewertung, Konsequenz) können Sie versuchen, Ihr eigenes Problem besser einzuordnen und zu verstehen. Das Leiden unter einem Problem findet auf der Ebene C statt. Es handelt sich um ein belastendes Gefühl (wie z.B.: Angst, Ärger, oder Resignation). Zusätzlich oder ausschließlich kann eine Körperreaktion (wie z.B. Schmerzen, Tinnitus, Herzrasen, Zittern) ins Spiel kommen. Darüber hinaus können auch bestimmte Verhaltensweisen als Problem empfunden werden. Oft handelt es sich hierbei um sogenanntes Vermeidungsverhalten - es wird versucht der vermeintlich negative Gefühle hervorrufenden Situation (z.B. Menschenansammlungen, Alleinsein, körperliche Betätigung) aus dem Weg zu gehen. Letztendlich sind es immer die Gedanken am Punkt B, oder genauer gesagt die Bewertungen, die diese Reaktion vermitteln.

Die ABC Tabelle dient nun dazu eigene Probleme mit Hilfe des ABC Modells zu analysieren. Erstellen sie z.B. für jede Situation in der Sie Probleme haben, eine Tabelle. Werden Sie sich über die Gefühle, die sie mit der Situation verbinden, klar. Dabei kann die Abbildung Gefühlsspektrum helfen. Sie zeigt die 6 Möglichen Gefühlsebenen mit verschieden starken Ausprägungen.

Die Abbildung über Veränderungsmöglichkeiten abgeleitet vom ABC-Modell zeigt nun, wie wir die als problematisch empfundene Situation bewältigen können. Zunächst wird das neue Ziel festgelegt: Wie möchte ich mich in Zukunft in dieser Situation fühlen bzw. verhalten (C). Nun wird untersucht in wie weit die auslösende Situation (A) und bzw. oder die in der Situation auftretende gedankliche Bewertung (B) geändert werden kann. Es ist hilfreich positive gedankliche Bewertung für die Situation zu entwickeln.

Wichtig ist es, die belastende Situation innerlich auch wirklich neu zu bewerten und sich dementsprechend auch zuversichtlich zu äußern bzw. zu denken (Abbildung: Positive Selbstverbalisation). So verursacht z.B. der Gedanke "das schaff ich nie" wiederum negative Gefühle und ein Teufelskreis entsteht. Eine positive Selbstverbalisierung, wie z.B. "ich versuche es und kann es schaffen, wenn es nicht klappt ist es nicht überhaupt nicht schlimm" ermöglicht es uns ein ausgeglichenes bzw. positives Gefühl gegenüber der Situation aufzubauen.

Fähigkeiten zur Selbstkontrolle werden vermittelt. Grundlage ist das Erlernen von Selbstkontrolle. Ob man "Nichtraucherverhalten" erlernen will, Ängste abbauen möchte, Anfällen von Esssucht kontrollieren lernt, notwendig ist in allen Situationen die Fähigkeit zur Selbstkontrolle durch den Betroffenen. So können negative Denkschemata erkannt und verändert und langfristig eine positive Handlungsalternative erlernt werden. Das gelingt manchmal in wenigen Sitzungen, kann aber auch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Die Selbstkontrolle wird in der Regel durch 3 Elemente erreicht:

  1. Selbstbeobachtung: das Problemverhalten wird protokolliert, am besten mit verhaltensbezogenen Angaben, d.h. z.B. welche Situation löste es aus.
  2. Selbstbewertung: die Protokolle werden im Hinblick auf gesetzte Ziele bewertet.
  3. Selbstverstärkung: es kann sich je nach Bewertung ein Gefühl der Zufriedenheit/Freude oder eine negative Stimmung (implizite Bestrafung) aufkommen. Auf diese Weise machen sich die Betroffenen unabhängiger von Verstärkungen durch die Umwelt.

 

Beispiel: der innere Kritiker

 

In jedem von uns wohnt ein innerer Kritiker. Bei Menschen mit geringen Selbstvertrauen ist dieser ganz stark ausgeprägt. Dieser innere Kritiker wertet uns selbst und andere übermäßig ab. Er verhindert, dass wir uns auch in sozialen Situationen ausgeglichen und zufrieden fühlen können.

Im Rahmen einer Verhaltenstherapie versuchen wir ja, unsere meist automatisch negativen Gedanken und Bewertungen durch realistische bzw. gesunde Gedanken zu ersetzen.

Gesunde Gedanken, Bewertungen bzw. Gefühle

  • beruhen auf Tatsachen (z.B. ich bin nicht minderwertig oder hässlich)
  • helfen mir mich ausgeglichen bzw. gut zu fühlen (z.B. ich möchte mich entspannt fühlen, wenn ich unter Menschen bin)

Der innere Kritiker ist ein Meister der Lüge und Täuschung: Er verwendet folgende Mittel des verzerrten bzw. ungesunden Denkens:

  • Alles oder Nichts-Denken & übertriebene Verallgemeinerungen,
  • eingeengte Wahrnehmung auf ausschließlich negatives, und damit Untertreibung und Leugnung des Positiven, übertriebene Wahrnehmung von Fehlern und Irrtümern,  negatives Gefühlsdenken, dass nicht auf Fakten basiert
  • übertriebenes Verantwortungsgefühl  für Dinge für die man nichts kann. Er versucht uns einzureden, dass Schuldgefühle Zeichen für einen guten Charakter sind.
  • Gedankenlesen: wir scheinen direkt zu erkennen, dass andere uns nicht mögen.
  • Der Kritiker verlangt, dass wir perfekt sind, was natürlich nicht möglich ist. Der Kritiker vergleicht uns ständig mit anderen, verwendet dabei aber meist unterschiedliche Bewertungsmasse, anderen gegenüber ist er nachgiebig.

Ziel ist es den inneren Kritiker keine übermäßige Beachtung mehr zu schenken und ihn zum schweigen zu bringen. Dazu muss man seine Gedanken und Gefühle bewusst hinterfragen. Fühle ich mich gerade übermäßig schlecht oder ängstlich? Habe ich die Dinge gemäß meinen alten Mustern wieder automatisch falsch bewertet? Die Antwort ist bestimmt ja, und gilt es gesunde Gedanken für die Situation zu entwickeln.

Folgende Überlegungen können hierbei hilfreich sein:

  • Was verliere ich, wenn ich mich in die Situation begebe? Was gewinne ich?
  • Was ist das schlimmste was mir passieren könnte? Ist es wirklich so schlimm? Besteht Lebensgefahr?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass diese „Katastrophe“ eintritt?
  • Wie sähe eine gesunde Bewertung aus, bzw. wie würde ein Selbstbewusster Mensch in dieser Situation denken?
  • Welche hilfreichen Gedanken, Phantasien oder Autosuggestionen kann ich anwenden?
  • Alternativ kann man diese ungesunden Gedanken auch unterbinden (Gedankenstopp): Man kann sich z.B. sagen:
  • „es hilft mir nicht wenn ich so denke, damit schade ich mir nur.“
  • „Jetzt hast Du schon wieder negativ gedacht, du weißt doch dass du das so und so bewerten wolltest.“

Auf dem Weg zum gesunden Denken muss man einen Umlernprozess durchlaufen... zunächst spürt man noch einen Widerspruch zwischen bewussten und unbewussten Denken. Man sollte einfach so tun, als wenn das gesunde Denken schon üblich wäre. Mit der Zeit gewöhnt man sich dann daran. Entspannungs- und Vorstellungsübungen sind sinnvoll. Gerade wenn man lernt, selbstsicher zuwerden kann es auch sein, dass man anfangs übers Ziel hinausschießt und zu forsch und aggressiv wirkt.

Jeder Mensch hat natürlich auch Schwächen und Fehler. Das ist ganz normal und wir müssen lernen diese zu akzeptieren. Deshalb sind wir nicht minderwertig. Wir müssen lernen uns so zu akzeptieren wie wir sind.

In Anlehnung an Quelle

 

 

Verhaltenstherapie in der Praxis

 

Ein Therapeut, der mit der Verhaltenstherapie arbeitet, wird unter anderem folgende Techniken einsetzen:

  • Erörterung unangemessener, irrationaler oder ungesunder Denkweisen: Nachdem der Klient und der Therapeut einig darin sind, ein bestimmtes Gefühl, zum Beispiel Angst vor einer Prüfung (in Lampenfieber) zu verändern, wird der Therapeut das bisherige Denken konfrontativ hinterfragen. Er geht dabei wie ein Wissenschaftler mit logischen Denkregeln vor. Wenn der Klient glaubt, ein Versager zu sein, wenn er die bevorstehende Prüfung nicht schafft, fragt ihn der Therapeut z.B., ob er diesen Glauben beweisen kann.
  • Erstellung von ABCs: Der Therapeut bittet den Klienten, zu Hause ABCs über problematische Verhaltensweisen oder belastende Gefühle zu erstellen. Er soll sich z.B. dann, wenn die Angst kommt, hinsetzen und sich die auslösenden Situationen und seine Bewertungen bewusst machen. Das geht am Besten mit strukturierten Notizen. Im Laufe der Therapie lernt er dabei, zunehmend selbständig eigene unangemessene Denkweisen zu hinterfragen.
  • Durchführen von Vorstellungen: Der Therapeut bittet den Klienten, sich bei verschlossenen Augen ein bestimmtes belastendes Gefühl vorzustellen und die damit zusammenhängenden Gedanken zunächst zu betrachten. Danach verändert der Klient mit dem bewussten Einsetzen der neu erlernten Gedanken das belastende Gefühl. Hier wird also eine belastende Situation zunächst durch mentales Üben bewältigt.
  • Verhaltensübungen: Nachdem der Klient erlernt hat, bei einem bestimmten Problem anders zu denken, kann er durch eine Verhaltensaufgabe im Alltag lernen, die Veränderungen zu überprüfen. Zum Beispiel kann jemand, der Angst vor Ablehnung hat, kleine Experimente machen, wo er mit Ablehnung rechnen muss und dabei sehen, dass die damit verbundene Erfahrung aushaltbar ist.

 

Verhaltenstherapeutisches Modell für soziale Phobie nach Clark

 

David Clark hat das ABC Modell der Verhaltenstherapie für die soziale Phobie konkretisiert. In der

werden dazu noch Behandlungsansätze aufgezeigt.

(Link zu den Publikationen von David Clark)

 

 

SORCK-Modell

 

Das sogenannte SORCK-Modell dient zur Verhaltensanalyse auch im Hinblick auf eine Verhaltenstherapie. Die Verhaltensanalyse versucht die Interaktionsprozesse der Wirklichkeit so aufzuspalten, dass diese in ein Schema gebracht werden, in welchem sie überschaubar sind und beeinflussbar werden.

S bedeutet die Situation des Patienten, indem das problematische Verhalten eingebettet ist. Das kann eine problematische Familiensituation oder aber der Arbeitsplatz sein.

O ist die Organismusvariable im Schema. Hier gehören grundlegende Überzeugungen, Persönlichkeitseigenschaften, Lebenspläne, aber auch körperliche Eigenarten.

R beschreibt das problematische Verhalten. Dieses problematische Verhalten kann man nun in unterschiedlichen Ebenen beschreiben.

  • Auf der situationalen Ebene werden die, das problematische Verhalten auslösenden Reize, genau beschrieben.
  • Auf der kognitiven Ebene werden die das problematische Verhalten erzeugenden oder begleitenden Kognitionen (Gedanken, innere Dialoge etc.) analysiert.
  • Auf der emotionalen Ebene werden die Gefühle erfasst, die in den Situationen entstehen und die durch die Kognitionen ausgelöst werden. Die Gefühlsebene ist die verhaltensbedeutsamste Ebene, die aber direkt am wenigsten beeinflussbar ist. Sie kann nur indirekt durch die anderen Ebenen des S-O-R-K- Schemas beeinflusst werden. Diese Ebene schafft den eigentlichen Leidensdruck der Patienten.
  • Die Verhaltensebene beschreibt das eigentliche Problemverhalten, so z. B. das Schlagen, Wegrennen und Einnässen. Hier wird vor allem die motorische Komponente des Verhaltens erfasst.
  • Auf der körperlichen Ebene werden all die Phänomene dokumentiert, die physiologisch ablaufen. So zum Beispiel bei Angstphänomenen ein körperliches Zittern, Anspannungszustände, Herzklopfen und so weiter.

Das C seht für die Kontingenz zwischen dem Verhalten und den Konsequenzen. Ein Schüler, der eben zufällig erfährt, dass sein Schlagen ihm mehr Beachtung einbringt, wird das Problemverhalten viel stabiler zeigen, als wenn sein Schlagen nur einmal beachtet wird.

Das K steht für die Konsequenzen, die das Verhalten auslöst.

Als Beispiel soll die folgende Situation dienen: eines ängstliches Kind ist in einer Zahnarztpraxis.

S: Situation (Praxisräume, Zahnarztbohrer etc.);
O: Organismusvariablen (Kind, Angstbereitschaft etc.);
R: Reaktion (Kind weint);
K: Konsequenz (der Zahnarzt hört auf zu bohren);
C: Contingenz (das Kind stellt einen Zusammenhang zwischen seiner eigenen Reaktion und der darauf folgenden Konsequenz her und wird beim nächsten Zahnarztbesuch noch lauter schreien)

 

Techniken und Methoden der kognitiven Therapie

 

Die Analyse und Veränderung der Kognitionen ist der wesentliche Aspekt dieser Psychotherapie. Kognitionen sind nicht unmittelbar zugänglich, sondern müssen erst durch die therapeutische Arbeit hervorgebracht und identifiziert werde. Alle kognitiven Techniken bauen auf bzw. arbeiten mit der "Logik". Es geht immer wieder darum, welche Folgerungen ein Patient aus einem Erlebnis zieht, inwieweit er dabei die Realitätsbedingungen berücksichtigt und ob nicht oder inwieweit andere Konsequenzen denkbar und wahrscheinlich sind. Durch die Art zu fragen soll der Patient selbst auf den Weg der sich widersprechenden realen bzw. antizipierten Tatsachen gebracht werden.

Automatischen Gedanken beobachten und entdecken:

Mit automatischen Gedanken sind schnell ablaufende, reflexhaft auftretende, subjektiv plausibel erscheinende und sich unfreiwillig einstellende Kognitionen gemeint, die zwischen einem Ereignis (A) und einem emotionalen Erleben (C) liegen. Bei psychischen Störungen sind diese blitzartig stattfindenden Bewertungen fehlerhaft, verzerrt und unangepasst. Diese kognitiven Prozesse sind meist bzw. zu Beginn der Therapie nicht bewusst, liegen jedoch an der Schwelle zum Bewusstsein und können daher bewusst werden. Sie sind so therapeutisch zugänglich und veränderbar. Solche automatischen Gedanken drücken sich aus

  • in Selbstgesprächen, Selbstinstruktionen, persönlichen Interpretationen
  • durch Bewertungen die von übertriebener Abneigung und Überempfindlichkeit gekennzeichnet sind.
  • durch Übergeneralisierung und Alles-oder-Nichts-Denken.
  • sie sind realitätsinadäquat.

In den automatischen Gedanken kommen die Grundannahmen, zentrale Werthaltungen und verfestigte Einstellungen zum Ausdruck.

Der erste Schritt ist die Entdeckung, Beobachtung und das Protokollieren automatischer Gedanken. Es wird überprüft ob diese realistisch und mit einer Situation kongruent sind. Stellt sich heraus, dass wesentliche Aspekte der Realität und des logischen Vorgehens außer Acht gelassen wurden, dann zielt diese Technik mit darauf ab, solche kognitiven Verzerrungen und falsche Schlussfolgerungen zu korrigieren. Sehr häufig finden wir, dass Patienten ihre Gedanken, Bewertungen und Annahmen als Tatsache, als Faktum betrachten. Eine relativierende Sichtweise gelingt ihnen nicht. Dies gilt vor allem für Äußerungen bezüglich der eigenen Person. Angstprobleme sind dabei meist mit Bedrohungs- und Gefahrenkognitionen assoziiert. Bei Depressionen finden sich meist unreflektierte Kognitionen der eigenen Unfähigkeit, des Ausgeliefertseins, der Schuldhaftigkeit, der Unattraktivität usw. Diese Schlussfolgerungen beruhen auf invaliden Annahmen, die bestenfalls einige Aspekte der Realität berücksichtigen. Die simple Aufdeckung, der Realität, der Nachvollzug und das Prüfen von realitätsinadäquaten Kognitionen reichen nicht aus, dass die automatischen Gedanken sofort und für immer beseitigt sind. Häufiges Realitätstesten verschiedenster Themen ist ebenso nötig wie der Einsatz weiterer kognitiver Techniken.

Reattribuierungstechnik ("Entverantwortlich machen")

Macht sich ein Patient immer wieder selbst für Fehler, Misserfolge bzw. negative Ereignisse und deren Ursachen verantwortlich und wertet sich selbst stark ab, dann hilft die Reattribuierungstechnik dem Patienten, Ereignissen und deren Ursachen mit mehr Objektivität zu begegnen. Patient und Therapeut tragen weitgehend alle möglichen Fakten bzgl. einer konkreten Erfahrung zusammen, unterziehen diese Fakten einer logischen Analyse und erstellen daraus ein Modell der Verantwortlichkeit. Deutlich werden soll dadurch, dass der Patient für eine Ursachenzuschreibung nur sehr wenig Information, nur sehr einseitige, verzerrt gegen sich gerichtete Informationen und vor allem absolutistischen Informationen heranzieht. Häufig verwendet der Patient unterschiedlich Kriterien, um die eigene Person bzw. andere Personen zu beurteilen. Dieser Doppelstandard beinhaltet, dass zur Erklärung des Verhaltens anderer Personen nachsichtigere, multifaktorielle Kriterien gelten, während die Multikausalität bzgl. eigener Erfahrungen nicht gelten gelassen wird.


Alternative Erklärung suchen

Diese therapeutische Maßnahme sei an einem Beispiel verdeutlicht: Es handelt sich um einen 40jährigen Taxifahrer, der nach 10jähriger Ehe von seiner Frau verlassen wird. Seine 13jährige Tochter (aus erster Ehe) bleibt bei ihm. Der Patient hatte die Überzeugung, dass er ohne seine Frau nicht leben könne, dass er überhaupt nicht wisse, wie er mit seiner Tochter und all den Problemen umzugehen habe. Vor allem die Trennung von seiner Frau, die er noch sehr liebte, erschien ihm wie ein Alptraum. Er war so verzweifelt, dass er an Selbstmord dachte. In Anwendung der Technik "Alternativen suchen" war der erste Schritt die exakte Benennung und Analyse der Problem und Schwierigkeitsbereich (z.B. Wohnung finden, Organisation des Haushaltes, Wäsche waschen, Finanzen regeln, Einsamkeit, neue Sozialkontakte, Zusammenleben mit der Tochter usw.) All diese Dinge sah der Patient als unbewältigbar an. Überhaupt sei er völlig unfähig und ein Versager. Die konkrete Überlegung und Auflistung der Problembereiche brachte jedoch bereits Erleichterung. Die Lage war überschaubarer geworden., Gemeinsam suchten Therapeut und Patient nach alternativen Bewertungen der Lage und der Schwierigkeiten des Patienten. Es zeigte sich z.B., dass er mit seiner Tochter ein sehr enges Verhältnis hatte und von daher eine Regelung ihres Zusammenlebens günstig erschien. Seine Einschätzung, dass er mit den Finanzen, mit der Abwicklung des Taxigeschäftes der Buchhaltung usw. nicht zurecht käme und ihn die Schulden auffressen würden, erwies sich bei der Suche nach alternativen Betrachtungsweisen ebenfalls als unrichtig. Er entdeckte, dass er von jeher dazu neigte, über den ganzen Geschäftskram zu klagen, obgleich es niemals zu irgendwelchen Komplikationen gekommen war. All diese Dinge, die zunächst übermäßig schwierig aussahen, wusste er zu bewältigen. Diese kurze Illustration mach deutlich, dass die Technik des Suchens nach Alternativen in der alternativen Sichtweise, der alternativen Interpretation der Realität ihren Kernpunkt hat. Patient und Therapeut suchen aktiv nach andern Betrachtungsweisen der Wirklichkeit.

Die Folge dieser Suche nach Alternativen ist ein effektiveres Problemlösen, ein Erkennen eigener Ressourcen und das Finden von Lösungsmöglichkeiten die vorher nicht vorhanden schienen.

Aufzeichnen dysfunktionaler Gedanken

Diese Protokollierungsmethode ist ein integraler Bestandteil. Es sollen Situationen, Emotionen und mit ihnen interagierende Kognitionen (automatische Gedanken) erkannt und niedergeschrieben werden. Gerade weil automatische Gedanken nicht unmittelbar zugänglich, jedoch beim Auftreten von affektivem Erlebensweisen immer beteiligt sind, kann die Aufdeckung automatischer Gedanken über die Emotionen und die den Emotionen vorausgehenden Ereignisse gelingen. Es wurde ein Protokollbogen entwickelt der fünf Spalten enthält. Die ersten drei Spalten dienen der Aufdeckung der automatisch ablaufenden, verzerrten Kognitionen. Die beiden anderen Spalten helfen bei der Neubewertung und dem Finden realitätsgerechtere Kognitionen, was zu einer Veränderung des emotionalen Erlebens führt. Bei Auftreten eines unangenehmen Gefühls soll der Patient seine Emotionen (1) festhalten und einschätzen. Er soll sich dann überlegen, welche Situation (2), welches Ereignis externaler oder internaler Art seiner Stimmung vorausging. In der dritten Spalte schließlich geht es darum, die automatischen Gedanke (3), die zu der negativen Stimmung führen, festzuhalten. Häufig werden in einer ersten Anwendung dieser Technik nur die drei ersten Spalten benutzt. Sie unterstützt damit die Erfassung und Analyse automatischer Gedanken. Werden alle fünf Spalten verwendet, so soll der Patient in der vierten Spalte realitätadäquatere Kognitionen (4), alternative Erklärungen oder vernünftigere Reattributionen eintragen und anschließend seine neue Stimmung (5) aufgrund der kognitiven Neubewertung nochmals einstufen.

 

 

Verhaltenstherapie im weiteren Sinne

 

Verhaltenstherapie bezeichnet eine Gruppe von psychotherapeutischen Verfahren, die auf den Lerntheorien basieren. Als Grundlage dienen die klassische Konditionierung, das operante Konditionieren, das Imitationslernen und die kognitive Lerntheorie. Die Verhaltenstherapie umfasst einige unterschiedliche praktische Vorgehensweisen, die aber alle auf derselben theoretischen Grundlage aufbauen. Bei der Verhaltenstherapie wird vom Therapeuten versucht, wünschenswertes und konstruktives Verhalten herbeizuführen und zu verstärken.


Die Grundannahme der Verhaltenstherapie besagt: Neurotisches Verhalten und andere Arten von Verhaltensstörungen sind meistens erworben. Die Schlussfolgerung: Ist neurotisches Verhalten erworben, so sollte es von den Lerngesetzen abhängig sein. Diese Lerngesetze beziehen sich nicht nur auf das Erlernen neuer Verhaltensmuster, sondern auch auf die Reduzierung oder das Eliminieren (Extinktion) von bestehenden Verhaltensmustern. Es gibt nicht nur gute, sondern auch schlechte Gewohnheiten, auf die die Verhaltenstherapie durch Aneignungs- und Beseitigungsverfahren abzielt.

Der lerntheoretische Ansatz besagt: Jede Verhaltensstörung ist erlernt und kann durch entsprechendes Gegenlernen abgebaut werden. Dies wird unterstützt durch den Aufbau von gegenteiligen, erwünschten Verhaltensweisen. Das Erlernen neuer Verhaltensweisen erfolgt bevorzugt durch Verwendung positiver Verstärker (angenehme Konsequenzen, z.B. Belohnungen, Lob, etc.). Unerwünschte Verhaltensweisen werden durch (Reize, die unangenehme Folgen haben, z.B. Schmerz, Tadel, etc.) eliminiert.

 

Das Grundmuster der Verhaltenstherapie ist das schrittweise Einüben eines sogenannten Zielverhaltens (das erwünschte Verhalten). Die einzelnen Schritte bestehen im allgemeinen zunächst aus einer konkreten Analyse des Verhaltens und dann der Bestimmung der Lernabschnitte, der Durchführung eines Kleinschrittlernens, einem Belastungstraining des neuen Verhaltens, einem Selbstkontrollabschnitt und aus gelegentlichen Wiederholungsstunden nach Therapieende, um das Gelernte wieder aufzufrischen (sogenannte Boostersitzungen).

Es gibt zahlreiche Einzelverfahren, die sich in fünf Hauptgruppen einteilen lassen:

1. Die sogenannten Beseitigungsverfahren sollen unerwünschtes Verhalten beseitigen. Einige Verfahren basieren auf dem klassischen Konditionieren. Unerwünschtes Verhalten wird mit einem unangenehmen Reiz gekoppelt (ein sogenannter negativer Verstärker). Dem negativen Verhalten (z.B. dem Alkoholmissbrauch) wird ein als unangenehm empfundener Reiz (z.B. ein unangenehmer Geruch) vorgeschaltet. Eine andere Möglichkeit ist beispielsweise beim Bettnässen die Hilfe von Apparaten, die schon beim geringsten Tropfen Urin einen Weckmechanismus in Gang bringen. Alle Beseitigungsverfahren sollen sogenanntes Fehlverhalten eliminieren. Eines der Verfahren ist die systematische Desensibilisierung

2. Die sogenannten Aneignungsverfahren beziehen sich auf das operante Konditionieren. Die Grundannahme, dass Verhalten lehr- und lernbar ist, wird bei den Aneignungsverfahren systematisch betrieben. Sie versuchen erwünschtes Verhalten aufzubauen, in dem sie es positiv verstärken (d.h. positives Verhalten wird belohnt, damit es wiederholt wird). Ein wichtiges Verfahren dabei ist das Modell- bzw. Imitationslernen. Bei diesem sogenannten stellvertretenden Lernen wird ein Vorbild, das ein Verhalten zeigt, welches belohnt wird, systematisch nachgeahmt. Das erwünschte Verhalten kann entweder als Person (z.B. ein Hilfstherapeut), symbolisch (z.B. eine Figur in einem Film) oder sozusagen verdeckt (d.h. nach einem vereinbarten Modell in der Vorstellung) vorgeführt werden. Bei Kindern werden direkt positive Verstärker, wie beispielsweise Bonbons, als Belohnung für wünschenswertes Verhalten verwendet. Die vorbildhafte Rolle des Therapeuten wird bei Erfolg nach und nach ausgeblendet.

3. Die Konfrontationsverfahren erzwingen den Kontakt mit den Auslösern der Angst bei psychischen Störungen. Eines der Hauptverfahren ist die Reizüberflutung. Der Patient wird direkt oder in seiner Vorstellung intensiv dem Angstauslöser ausgesetzt.

4. Die Verfahren der kognitiven (erkenntnismäßig) Verhaltenstherapie beziehen das erkenntnismäßige Lernen in das Training mit ein. Die Grundannahme ist, dass erst die persönliche Interpretation eines Reizes seine Qualität bestimmt. Es gibt keinen festen Auslöser (Reiz) für ein Verhalten in einer bestimmten Situation. Das Individuum entscheidet selbst über seine Situation und deren Bewertung.

Wesentlich dabei ist, dass der Mensch nicht mehr allein als gesteuert von seiner Umwelt gesehen wird, sondern durch menschliches Empfinden und Handeln und durch erkenntnismäßige Einschätzung dessen, was in seiner Umwelt geschieht, bestimmt wird. Der sogenannte kognitive Ansatz interessiert sich sowohl für die bewussten Bedeutungen, die der Mensch Dingen zuschreibt, als auch für die äußeren Ereignisse. Die Berichte des Patienten über seine Gefühle, Ideen und Wünsche liefern das Rohmaterial, und seine verschiedenen Interpretationen von Ereignissen sind wichtige Daten in der Therapie. "Daraus lässt sich leicht ableiten, dass bei jeder Art von psychischer Störung nach denjenigen Bedeutungen zu suchen ist, die gestörte Gefühle und Verhaltensweisen hervorbringen. Bei jedem Autor gibt es zahlreiche Beispiele dafür, in welch falscher, irrationaler, realitätsferner Weise Patienten über sich, ihre Sozialpartner oder die dingliche Umwelt denken und damit als pathologisch zu bezeichnende Gefühle und Handlungen produzieren. Psychisches Leiden erscheint so als das Resultat gestörten Denkens. Daraus ergibt sich wiederum, dass es in der Therapie vor allem darauf ankommt, mit dem Klienten über seine Bewertungen und Einschätzungen zu sprechen und ihn mittels logischer Argumentation, Provokation und dergleichen zu Korrekturen seiner krankmachenden Ideen zu bringen."

Eines der Hauptverfahren ist die sogenannte Rational-emotive Therapie. Die Anfangsstufe ermittelt irrationale Gedanken (z.B. Übererwartungen an andere Menschen). In der nächsten Stufe wird das gesamte irrationale "Glaubenssystem" hinterfragt und nach der Aufstellung eines Zielzustandes wird der Versuch unternommen, sich diesem anzunähern.

5. Die allgemeinen Trainingsverfahren der Verhaltenstherapie sind in der Regel Problemlösestrategien. Eines der Hauptverfahren ist das sogenannte Biofeedback-Training. Es wird hauptsächlich gegen die Auswirkungen von Stress eingesetzt. Anhand von Apparaten wird der Zustand der Muskelentspannung abgegriffen und optisch oder akustisch rückgemeldet. Diese rückgemeldete Muskelentspannung wird positiv verstärkt. Dabei wird eine automatische Selbstberuhigung eingeübt.

 

 

Abbildung: Modell von Clark

 

 

Abbildung: ABC Modell (Auslöser, Bewertung, Konsequenz)

 

 

Abbildung: ABC Tabelle

 

Abbildung: Veränderungsmöglichkeiten abgeleitet vom ABC Modell

 

 

Abbildung: Positive Selbstverbalisation

 

Abbildung: Gefühlsspektrum